Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Ich würde das an deiner Stelle nicht tun«, warnte der Mann hinter dem Schreibtisch, dem der Blick offenbar nicht entgangen war. Torian spürte, daß er ihn nicht unterschätzen durfte. Der Mann schien trotz seiner entspannten Haltung Gefahr wie ein unsichtbares Gift auszuströmen, und er mußte ein sehr aufmerksamer Beobachter sein. »Vielleicht kämest du bis zum Fenster, aber ein Sprung aus zehn Meter Höhe dürfte dir schlecht bekommen«, fuhr er fort und deutete auf den leeren Stuhl vor dem Schreibtisch. »Setz dich lieber.«
Torian kam der Aufforderung nach. »Ich möchte wissen, weshalb man mich eingesperrt hat«, verlangte er scharf. »Ist das die tremonische Gastfreundschaft? Erst werde ich auf der Straße überfallen und ausgeraubt, dann sperrt man mich anstelle dieser Räuber ein. Ich bin ein Söldner aus Lacom und gekommen, um – «
»Um dich bei der tremonischen Armee anheuern zu lassen?« unterbrach der Kommandant. Es klang belustigt, aber er wurde sofort wieder ernst. »Lassen wir die Spielchen, Torian Carr Conn. Ich bin Bard, Kommandant der Stadtgarde, und ich habe keine Lust, sinnlos über deine Identität zu streiten. Du kannst deinen scroothischen Akzent ohnehin nicht verbergen. Aber wie du weißt, führen wir Krieg gegen Scrooth, und es kann uns egal sein, welche Verbrechen man dir dort vorwirft. Die Anklage gegen dich wurde in Tremon längst fallengelassen. Du hast also keinen Grund, dich als jemand anderes auszugeben. Ich will von dir wissen, was geschah, bevor meine Männer dich fanden. Das ganze Viertel sah aus wie ein Schlachtfeld. Hast du irgend etwas damit zu schaffen?«
Unbehaglich rutschte Torian auf seinem Stuhl hin und her. Er hatte längst vermutet, daß seine angeblichen Morde seit dem Ausbruch des Krieges in Tremon bedeutungslos geworden waren. Zumindest würde man ihn nicht ausliefern. Aber nur weil er in Scrooth gesucht wurde, bedeutete das noch lange nicht, daß man ihm hier besonders freundschaftlich gesonnen war. Und dieser Bard schien nicht nur mit einer guten Beobachtungsgabe, sondern zusätzlich auch noch mit einer gehörigen Portion Intelligenz gesegnet zu sein.
»Ich weiß nicht, wovon Ihr sprecht«, murmelte Torian, um Zeit zu gewinnen. »Die Baracken in den Elendsvierteln befinden sich alle in nicht besonders gutem Zustand.«
»Das stimmt«, bestätigte Bard. »Aber es ist schon seltsam, wenn ein ganzer Häuserblock binnen weniger Stunden in Schutt und Asche sinkt, ohne daß es eine Ursache dafür zu geben scheint. Und noch sonderbarer ist, daß es kaum Trümmer gibt, findest du nicht auch?«
Torians Nervosität stieg. Auch die scheinbare Gelassenheit des Kommandanten konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß dies alles andere als ein gemütliches Plauderstündchen war. Bard erwartete Antworten, und er schien entschlossen, sie unter allen Umständen zu bekommen; wenn nicht auf diese Art, dann auf eine andere, die Torian nicht unbedingt kennenlernen wollte. Trotzdem beschloß er, seinen Handlungsspielraum auszuloten.
»Ihr habt gesagt, daß mir hier keine Verbrechen vorgeworfen werden«, erinnerte er ihn. »Also bin ich ein freier Mann und nicht gezwungen, mich von Euch verhören zu lassen. Ich verlange, daß man mich unverzüglich freiläßt.«
Bard seufzte. »Das ist so nicht ganz richtig«, korrigierte er. »Deine in Scrooth begangenen Verbrechen sind hier bedeutungslos, das stimmt. Aber wir sind recht phantasievoll, wenn es darum geht, Anklagen zu erfinden. Das Todesurteil für einen scroothischen Spion deines Namens wurde bereits unterzeichnet.« Er machte eine herrische Handbewegung, als er sah, daß Torian aufbrausen wollte. »Du brauchst mir nicht zu beteuern, daß du kein Spion bist; das weiß ich auch. Aber hier geht es nicht um Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist nur eine Frage der Macht. In den letzten Tagen hat es einige Aufregungen in Armar gegeben, und meine Aufgabe ist es, die Ruhe wiederherzustellen. Eine öffentliche Hinrichtung zur Unterhaltung des Volkes käme da gerade recht«, fügte er nachdenklich hinzu.
Er machte eine kurze Pause und tat so, als würde er überlegen. »Noch besser wäre es vielleicht, dich wieder freizulassen und einige Schauermärchen über dich zu verbreiten, damit der Mob deinen Kopf fordert und dich wie einen räudigen Köter jagt«, sprach er weiter. »Man muß der Meute etwas hinwerfen, damit sie nicht auf falsche Gedanken kommt. Das sind nur einige Möglichkeiten, um einen freien Mann wie dich loszuwerden. Es liegt allein an mir, die Vollstreckung des Urteils auszusetzen, also solltest du meine Fragen lieber beantworten. Noch einmaclass="underline" Was ist in der vergangenen Nacht passiert?«
Torian sank ein Stück in sich zusammen. Er hatte gewußt, daß man ihn nicht so einfach freilassen würde, aber nicht erwartet, daß Bard so weit gehen würde, ihm unverhüllt mit Mord zu drohen. Doch der Krieg hatte auch in den weit von den Schlachtfeldern entfernt liegenden Städten einen Wandel der Einstellungen bewirkt. In Zeiten wie diesen war die Möglichkeit eines gewaltsamen Todes zu einem täglichen Bestandteil des Lebens geworden.
»Ihr sprecht nicht sehr achtungsvoll von Eurem Volk«, bemerkte er statt einer Antwort auf Bards Frage. Als er sah, wie sich das Gesicht des Kommandanten verfinsterte, fügte er hastig hinzu: »Aber ich weiß wirklich nicht, was geschehen ist. Zumindest nicht genau.«
»Zu schade.« Bards Gesicht wirkte wie aus Stein gehauen. »Einen Verletzten wieder zusammenzuflicken, nur um ihn anschließend aufzuhängen, ist eigentlich Verschwendung. Es sind schon viele Unschuldige gestorben, nur weil sie zuviel wußten. Nichts zu wissen, kann ebenso tödlich sein. Aber du solltest mir wenigstens das wenige erzählen, bevor meine Geduld endgültig erschöpft ist.«
»Es… es war Zauberei«, erklärte Torian hastig. »Es muß irgend etwas mit den Schwarzen Magiern zu tun haben. Die Häuser verschwanden einfach, mehr… kann ich nicht sagen. Ihr solltet Eure verbündeten Magier hier in Armar konsultieren.«
Der letzte Satz war eine versteckte Frage, wie gut Bard über die Geschehnisse der letzten Tage informiert war. Es gab keine Magier mehr in der Stadt. Ihr Zirkel war in den unterirdischen Katakomben vernichtet worden, doch der Rattengesichtige ging nicht darauf ein, sondern knetete nur seine Unterlippen zwischen den Fingern. »Beschreibe, wie es vor sich ging«, verlangte er.
Torian kam der Aufforderung nach und berichtete, wie die Gebäude von unsichtbaren Gewalten zerschmettert und verschlungen worden waren. Es gab keinen Grund, dies vor dem Kommandanten geheimzuhalten. Auch ihm bereitete das unheimliche Phänomen Angst.
Bard hörte ihm zu, ohne ihn einmal zu unterbrechen. Auch als Torian geendet hatte, schwieg er noch. »Das gleiche hat deine Begleiterin auch berichtet«, eröffnete er ihm nach einigen Sekunden. »Es scheint zu stimmen, aber das ist jetzt nicht so wichtig.«
»Shyleen?« keuchte Torian und sprang auf, ohne sich um die Soldaten in seinem Rücken zu kümmern, die drohend einen Schritt vortraten. »Ihr habt sie auch –
»Natürlich haben wir sie ebenfalls festgenommen. Eine entflohene Tempelpriesterin Ch’tuons, die von den Magiern immer noch gesucht wird. Sie werden sich freuen, wenn wir sie ihnen übergeben. Fehlt nur noch der Dritte in eurem Bunde. Wo ist Garth, die Hand?«
»Ich kenne niemanden, der so heißt«, log Torian. Die Worte des Kommandanten mußten ein Bluff sein. Er konnte unmöglich von seiner Freundschaft mit Garth wissen, allenfalls etwas vermuten. Shyleen würde nichts verraten haben, dessen war er sich sicher.
»Nein, nicht schon wieder solche Spielchen«, seufzte Bard. »Du verkennst erneut deine Situation. Ich weiß alles über euch, von den Ereignissen in Rador über den Tod von Ch’tuons Götzen im Tempel des Toten Gottes bis hin zur Vernichtung und eurer Flucht aus den Katakomben. Du kannst mir also nichts vormachen. Ich will Garth, und ich werde ihn bekommen, hörst du!«
Torian atmete tief ein. Es klang wie ein unterdrückter Schrei. Die Gedanken überschlugen sich in seinem Kopf. »Woher – «
Der Rattengesichtige lächelte grimmig. »Ich habe eben auch meine kleinen Geheimnisse. Aber ich kann dich beruhigen, deine kleine Tempelhure hat nichts verraten. Abgesehen von ihrer Aussage die zerstörten Häuser betreffend ist sie stumm wie ein Fisch, und selbst die Folter würde wohl nichts helfen.« Sein Lächeln vertiefte sich noch und war jetzt nicht viel mehr als eine Grimasse aus Hohn und Spott. »Außerdem sind wir ja keine Unmenschen.«