Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Er trank einen Schluck, ließ den Wein mit sichtlichem Genuß auf der Zunge zergehen und grinste noch ein wenig breiter. »Was hast du getan? Den Nachttopf des Statthalters gestohlen?«
»Wenn es nur das wäre«, murmelte Garth bekümmert. »Eine Dutzendschaft der Garde, sagst du? Und auf dem Weg hierher?«
»Nicht direkt«, antwortete Rattengesicht. »Ich glaube nicht, daß sie wissen, wo sie dich zu suchen haben. Aber sie sind sehr gründlich und schnell. Wenn sie nicht aufgehalten werden, kann es nicht mehr lange dauern, bis sie hier sind.«
»Verdammt noch mal, warum sagst du das erst jetzt?« grollte Garth.
»Du hast mich nicht gefragt«, erwiderte Rattengesicht grinsend. Er leerte seinen Becher, lehnte sich zurück und strich fast versonnen mit dem Handrücken über seine Kehle. Garths Finger hatten deutliche rote Abdrücke auf seiner Haut hinterlassen. »Außerdem hattest du ja nichts Besseres zu tun, als über mich herzufallen, kaum daß ich Platz genommen hatte, nicht?«
Garth hob drohend die Hand, und Rattengesicht setzte sich mit einer fast schon zu schnellen Bewegung wieder gerade hin. »Aber du hast natürlich recht«, fuhr er hastig fort. »Wir sollten uns einen anderen Ort wählen, um in aller Ruhe reden zu können. Ich traue weder dem Wirt noch seinen Gästen – ganz abgesehen davon, daß es hier in längstens einer halben Stunde von Blauröcken wimmeln wird.« Er hob abwehrend die Hand, als Garth nach seinem Geldbeutel greifen wollte, klaubte selbst eine flache Goldmünze aus den Tiefen seines unergründlichen Mantels und schnippte sie zielsicher quer durch die Taverne in den Spucknapf, der vor der Theke stand.
»Spesen«, bemerkte er grinsend, als er Garths erstaunten Blick sah. »Dein Freund war großzügig, weißt du? Außerdem hat man mir gesagt, daß Garth die Hand seine Zeche nur bezahlt, wenn er das Geld anschließend doppelt und dreifach wieder zurückstehlen kann – und dazu wirst du hier kaum Gelegenheit finden.«
Garth zog es vor, nicht darauf zu antworten. Er hatte seine Steckbriefe gesehen, und nicht einmal seine eigene Mutter hätte ihn anhand der Beschreibung darauf erkannt. Sie paßte auf so ungefähr jeden zweiten Mann in Armar, aber dennoch war es besser, allen Scherereien von vorneherein aus dem Weg zu gehen. In der vergangenen Nacht hatte er zwar einen Reisenden aus Haydermark um sein Messer und seine wohlgefüllte Geldbörse erleichtern können, besaß aber immer noch keine Papiere. Ein Paß, dessen Angaben auf den einen Meter sechzig kleinen und spindeldürren Händler lauteten, nutzte ihm nicht gerade viel.
Sie standen auf. Wie durch Zufall bewegte sich Rattengesicht so, daß sein Mantel erneut auseinanderklaffte, und wie durch Zufall genau so, daß der Wirt die beiden Schwerter sehen konnte, die er darunter trug. Aus dem wütenden Protest, zu dem der Bursche angesetzt hatte, wurde ein halblautes Stöhnen, und Garth war plötzlich sehr sicher, daß Rattengesichts Bewegung ganz und gar kein Zufall gewesen war. Aber gleichwie – niemand machte auch nur den leisesten Versuch, sich ihnen in den Weg zu stellen, als sie zur Tür gingen. Garths ungeheure Größe und die beiden Schwerter des neu hinzugekommenen Fremden reichten wohl aus, selbst die Geldgier des Wirtes zu dämpfen.
Sie hatten jedoch noch nicht die halbe Strecke bis zum Ausgang zurückgelegt, als die Tür so unsanft aufgestoßen wurde, daß die Gespräche im Raum für einen Moment verstummten und sich aller Aufmerksamkeit dem Eingang zuwandte.
Hintereinander betraten ein halbes Dutzend Männer die verräucherte Schankstube, und so unterschiedlich sie in ihren äußeren Erscheinungen sein mochten, gab es doch niemanden in der Taverne, der sie nicht sofort als Angehörige der berüchtigten Stadtgarde erkannt hätte. Dafür sorgten schon die knöchellangen, hellblauen Mäntel, das einzig Uniformähnliche an ihrer Kleidung, und die armlangen, doppelseitig geschliffenen Schwerter, die sie schwangen. Je zwei von ihnen nahmen rechts und links des Einganges Aufstellung, der fünfte warf die Tür so lautstark wieder ins Schloß, wie sie zuvor aufgestoßen worden war, und lehnte sich mit vor der Brust verschränkten Armen dagegen, während der sechste – offensichtlich so etwas wie der Anführer des kleinen Trupps – die Theke ansteuerte, wobei er mit seinem Schwert in der Luft herumfuchtelte, als gelte es ein halbes Hundert unsichtbarer Gegner zu besiegen. Garth verdrehte die Augen, sagte aber keinen Ton, als er den warnenden Blick seines Begleiters bemerkte. Fast unmerklich nickte er. Es gehörte nicht besonders viel Phantasie dazu, auch von selbst darauf zu kommen, daß dies die Männer waren, von denen Rattengesicht gesprochen hatte.
Und weshalb sie gekommen waren.
Mittlerweile hatte der Anführer der Soldaten die Theke erreicht. Jetzt stocherte er mit seinem Schwert wie mit einem Zeigestock nach dem Wirt und machte gleichzeitig mit der anderen Hand eine befehlende Geste. »Bist du der Wirt hier?« fragte er.
Der Angesprochene nickte und kam mit kleinen, trippelnden Schritten naher, achtete aber sorgfältig darauf, außer Reichweite des Schwertes zu bleiben. Die Männer der Stadtgarde waren nicht unbedingt für ihre Sanftmut bekannt. »Das bin ich«, antwortete er kleinlaut. »Was… was kann ich für Euch tun, Herr? Ein… ein Bier für Euch und Eure Männer vielleicht? Oder einen Krug Wein? Wir haben auch – «
»Wir sind nicht zum Trinken hier«, unterbrach ihn der Blaurock ungeduldig. »Meine Männer und ich suchen jemanden. Einen Fremden. Einen Dieb, um genau zu sein.« Er räusperte sich, um seinen Worten das nötige Gewicht zu verleihen, drehte sich einmal im Kreis und blickte dabei mißtrauisch in jedes einzelne des guten Dutzends Gesichter, das die Taverne bevölkerte – auch in das von Garth, ohne daß in seinen Augen allerdings auch nur das mindeste Erkennen aufglomm. Ganz offensichtlich hatte er nicht die geringste Ahnung, wie der Mann aussah, den er finden sollte. Schließlich wandte er sich wieder an den Wirt. Das Rattengesicht hatte sich unauffällig abgewandt.
»Hast du einen Fremden gesehen, heute abend?« fragte er.
Einen Moment lang schien es nicht nur Garth so, als würde der Wirt den Kopf schütteln. Daß er keine Sekunde gezögert hätte, ihm und Rattengesicht die Kehlen durchzuschneiden, nur um an ihre Geldbeutel zu gelangen, bedeutete nichts – die Blauröcke waren alles andere als beliebt in der Stadt, und unbeschadet aller gegenteiligen Behauptungen gab es doch so etwas wie Gaunerehre, auch in Armar.
Aber dann hob er doch die Hand und deutete anklagend auf Garth, der drei Schritte vor der Tür stehengeblieben war. »Dieser da, Herr«, sagte er. »Den habe ich noch nie hier gesehen. Er scheint eine Menge Geld bei sich zu haben.«
Der Hauptmann wußte es nicht, und er erfuhr es auch nie – aber die Tatsache, daß er sich sehr ruhig umdrehte und keinerlei Anstalten machte, etwa seine Waffe zu heben, rettete ihm in diesem Augenblick das Leben. Drei, vier Sekunden lang verharrte sein Blick auf Garths Gesicht, und Garth konnte direkt sehen, wie es hinter seiner Stirn arbeitete. Aber dann schien er zu dem Schluß zu kommen, daß es sich bei seinem Gegenüber wohl kaum um den Gesuchten handeln konnte. Garth, die Hand, war nicht nur in Armar mehr als ein bloßer Name; bei aller Bescheidenheit war Garth der wahrscheinlich bekannteste – und beste – Dieb und Beutelschneider im Umkreis von fünftausend Meilen, und diesen Mann mit einem mehr als zwei Meter großen und sicherlich zweihundertfünfzig Pfund schweren Koloß zu assoziieren, dessen Pranken eher dazu geeignet schienen, Türen aus Eichenholz einzuschlagen, statt die diffizile Arbeit eines Meisterdiebes zu erledigen, fiel wohl selbst dem mit Intelligenz nicht besonders reichlich gesegneten Gardisten schwer.
Er musterte kurz das Rattengesicht, das die Kapuze noch tiefer ins Gesicht gezogen hatte, zögerte einen Moment und wandte sich dann wieder Garth zu.