Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Und was ist mit dir?« schnappte er, ohne einen Moment aufzuhören, mit seinem Zahnstocher in der Luft herumzufuchteln.
Garth grinste den Gardisten blöde an und wirkte wieder ganz wie der betrunkene, harmlose Trottel, den er schon den ganzen Abend hindurch spielte. »Wasch willschu denn?« nuschelte er.
Das Gesicht des Kommandanten lief rot an. »Deine Papiere will ich sehen, aber ein bißchen schnell, verdammt noch mal!« brüllte er.
Garth legte den Zeigefinger an die Nase und tat so, als müsse er angestrengt nachdenken. Dann nickte er schwerfällig, griff in seine Tasche und trat einen Schritt vor, wobei er wie ein Blatt im Wind schaukelte und über seine eigenen Füße stolperte. Einige der Zecher an den umliegenden Tischen gingen sicherheitshalber in Deckung, als er auf sie zutaumelte und dabei bis auf zwei Schritte an die Gardisten herankam. Er richtete sich wieder auf, zog die Hand aus der Tasche, und ein silberner Blitz raste auf einen der Soldaten zu. Das Wurfmesser durchbohrte seine Schulter und nagelte ihn regelrecht an die Wand.
Einen Herzschlag später, noch bevor irgend jemand begriffen hatte, was geschehen war, erreichte Garth die anderen und stieß zwei mit den Köpfen zusammen, daß sie bewußtlos zu Boden sanken. Mit einer unglaublich schnellen Bewegung fuhr er herum, schlug die Waffenhand des Kommandanten beiseite, packte ihn am Kragen und schleuderte ihn mit aller Kraft gegen einen weiteren Soldaten.
Erst jetzt erwachten die anderen aus ihrer Erstarrung. Der erste, der sich auf Garth stürzen wollte, stolperte statt dessen über den Fuß des Rattengesichtigen, der ihm plötzlich ein Bein gestellt hatte. Gleichzeitig fuhr der Unbekannte herum.
»Raus hier!« brüllte er und riß die Tür auf.
Garth folgte ihm, so schnell er konnte. Er ließ sich nicht davon täuschen, wie leicht sie die Gardisten überwältigt hatten. Die Männer waren völlig überrascht worden, aber sobald sie sich von ihrem Schrecken erholt hätten, würden sie unter Beweis stellen, daß die Stadtgarde nicht zu Unrecht berüchtigt war. Zudem würde der Lärm eines Kampfes rasch Verstärkung anlocken, und sobald die Soldaten die Umgebung erst einmal abgeriegelt hatten, würde auch eine Flucht unmöglich werden.
Die beiden Männer rannten, ohne auch nur einmal zurückzublicken, und blieben erst stehen, als sie das Viertel verlassen und fast eine halbe Meile Weg zwischen sich und die Schenke gebracht hatten.
»Danke«, knurrte Garth, als er wieder zu Atem gekommen war, und ihm war anzumerken, wie schwer es ihm fiel, das Wort auszusprechen. »Aber wenn du denkst, daß ich meinen Entschluß deshalb ändere, hast du dich getäuscht«, fügte er rasch hinzu. »Sag Torian, daß er alles noch eine Nacht überschlafen soll, dann wird er einsehen, daß ich nicht anders handeln kann. So, und jetzt gehe ich zu meinem Schiff, und ich kann nur jeden bedauern, der mich davon abzuhalten versucht.«
Ohne ein weiteres Wort wandte er sich um und stapfte davon. Erst als er hastige Schritte hinter sich hörte, blieb er stehen und drehte sich noch einmal um. »Verdammt, was willst du denn noch?« fauchte er.
»Na, was schon?« antwortete das Rattengesicht mit dem harmlosesten Lächeln der Welt. »Dich begleiten natürlich. Es gibt hier ziemlich viel zwielichtiges Gesindel, weißt du? Übrigens, ich heiße Bard.«
Als er erwachte, war zuerst nichts als Dunkelheit um ihn herum; eine Schwärze, die nichts Beruhigendes hatte, sondern wie ein erstickender Mantel um seinen Körper und seine Erinnerungen lag. Es dauerte nicht lange, nur einen kurzen, schrecklichen Moment, aber diese wenigen Sekunden schienen sich zu Ewigkeiten der Qual zu dehnen, in denen er nicht einmal wußte, wer er war. Dann lichteten sich die schwarzen Nebel um seinen Geist, und mit dem Schmerz, der in ihm erwachte und seinen Körper wie ein feuriges Geflecht durchzog, kehrte auch ein Teil seiner Erinnerung zurück, so daß er wenigstens wieder wußte, wer er war. Nicht hingegen, wo.
Es war nicht völlig dunkel; durch ein schmales, vergittertes Fenster unter der Decke drang ein wenig Licht herein und ließ ihn erkennen, daß er auf dem Boden eines nicht besonders großen Raumes lag, der an einen Schweinestall erinnerte und auch so roch. Kälte hing wie unsichtbare Spinnweben in der Luft, und von den Wänden hallten die leisen, huschenden Echos von Rattenfüßen wider. Der Raum war von Schatten erfüllt, die seine Blicke nicht zu durchdringen vermochten. Seltsam, dachte er schaudernd. Es war, als… als verberge sich hinter den dunklen Schatten etwas, das die Helligkeit gierig verschlang.
Torian blinzelte und strich sich verwirrt mit der Hand übers Gesicht, dann richtete er sich vorsichtig auf. Und im gleichen Moment fiel ihm alles wieder ein.
Die Straßenräuber, seine Flucht mit Shyleen, das unbekannte Etwas mit seinem großen Appetit auf Häuser und als letzte Wahrnehmung vor seiner Ohnmacht die Stiefel der Soldaten.
Jetzt war ihm auch klar, wo er sich befand. Die Gardisten waren sicherlich nicht so freundlich gewesen, einen völlig Fremden, den sie ohne Papiere antrafen und auf den die Beschreibung des meistgesuchten Mörders dieses Kontinents zutraf, in eine Nobelherberge zu bringen und womöglich noch die Unterkunft für ihn zu bezahlen. Immerhin aber hatte man seine Wunden versorgt und ihn so lange schlafen lassen, daß er sich wieder halbwegs wohl fühlte. Er mußte den Rest der Nacht und fast einen ganzen Tag ohne Bewußtsein gewesen sein.
Torian schüttelte die Benommenheit ab und stand vollends auf. Ein stechender Schmerz fuhr unter der Belastung durch seinen linken Fuß. Das Gelenk war geschwollen, wahrscheinlich verstaucht, aber die Schwellung ging bereits zurück, und auch der Schmerz sank bald auf ein erträgliches Maß. Dennoch würde der Fuß ihn noch tage-, wenn nicht gar wochenlang behindern.
Die nächsten Minuten verbrachte er damit, die Kerkerzelle gründlich zu untersuchen. Das Fenster war zu hoch, um einen Blick hinauswerfen zu können, die einzige Tür bestand aus massiven Holzbohlen und war von außen verriegelt, und an den Wänden klebte anstelle von Verputz der eingetrocknete Dreck von Jahrzehnten. Das war alles, was er herausfand, und so hämmerte er mit den Fäusten gegen die Tür.
Es dauerte mehrere Minuten, bis sie geöffnet wurde. Zwei Männer in Uniform betraten die Zelle, während drei weitere vor der Zelle stehenblieben und ihn dümmlich angrinsten. Sie waren ziemlich jung, noch halbe Kinder, und möglicherweise wäre es Torian gelungen, sie zu überwältigen, da er sich inzwischen wieder stark genug fühlte, Bäume auszureißen. Zumindest ganz kleine.
Dennoch beschloß er, erst einmal abzuwarten, was man mit ihm vorhatte, wobei seine Entscheidung möglicherweise dadurch beeinflußt wurde, daß die Posten vor der Tür plötzlich Schwerter in den Händen hielten und Verstärkung durch noch zwei weitere Soldaten erhielten.
»Was soll das alles?« blaffte Torian. »Weshalb hat man mich eingesperrt? Ich will sofort den Kommandanten sprechen.«
Ohne eine Antwort packten ihn zwei Soldaten an den Armen und schleiften ihn mit sich. Torian schrie auf, als sein Fuß gegen die Tür stieß, aber wieder entschied er sich, keinen Widerstand zu leisten. Es war besser, sich erst einmal schwächer zu stellen, als er tatsächlich war. Ohne Gegenwehr, aber lautstark fluchend, ließ er sich über einen langen, nur von Fackeln erhellten Gang führen, von dem zahlreiche andere Zellentüren ausgingen. Sie stiegen eine Treppe hinauf, und dann versetzte einer seiner Bewacher ihm einen derben Stoß in den Rücken, der ihn in ein großes, sehr amtlich aussehendes Zimmer hineintaumeln ließ. Ein Mann mit dunklem Haar und einem unsympathischen, rattenähnlichen Gesicht saß hinter dem Schreibtisch und musterte ihn kalt.
Die Männer, die Torian hergebracht hatten, folgten ihm nicht, sondern schlossen die Tür von außen, doch drei andere Soldaten hielten sich in dem Raum auf. Es gab zwei große Fenster, und Torian wog seine Chancen ab, sie zu erreichen und sich durch eines der beiden zu retten. Es könnte gelingen, wenn er schnell genug war, aber er war sich nicht sicher, ob sein verletzter Fuß mitspielen würde.