Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jamie prustete. »Nun, zumindest hat er einen Hauch von Ehrgefühl.«
»Ich weiß nicht, ob es das ist«, stellte ich fest und nahm seinen Arm, als wir die Stufen zur Tür hinaufstiegen. »Sie sagt, Charles war so wütend auf sie, weil sie mit ihrem Mann geschlafen hat, dass er davongestürmt ist, und seitdem hat sie ihn nicht mehr zu Gesicht bekommen. Hin und wieder schreibt er ihr leidenschaftliche Briefe und schwört, dass er sie und das Kind holen wird, sobald er seinen rechtmäßigen Platz in der Welt eingenommen hat, doch sie lässt nicht zu, dass er sie besucht; sie hat zu viel Angst, dass Jules die Wahrheit herausfindet.«
Jamie stieß einen missbilligenden schottischen Laut aus.
»Gott, ist denn niemand davor sicher, zum gehörnten Ehemann zu werden?«
Ich berührte ihn sacht am Arm. »Manche vermutlich mehr als andere.«
»Meinst du?«, sagte er, doch er lächelte mich an.
Die Tür schwang auf und gab einen kurz gewachsenen, rundlichen Butler mit einer Glatze, einer makellosen Uniform und mit immenser Würde preis.
»Milord«, sagte er und verbeugte sich vor Jamie. »Und Milady. Ihr werdet erwartet. Bitte kommt herein.«
Der Herzog war die Liebenswürdigkeit in Person, als er uns im großen Salon empfing.
»Unsinn, Unsinn«, tat er Jamies Entschuldigungen für den Zwischenfall bei unserem Abendempfang ab. »Sie regen sich so verdammt schnell auf, diese Franzosen. Machen wegen der kleinsten Kleinigkeit furchtbares Theater. Aber lasst uns doch einen Blick auf diese faszinierenden Papiere werfen, wollen wir? Und vielleicht möchte sich Eure Gemahlin ja … äh … anderweitig … wie?« Er wies mit einer vagen Armbewegung in Richtung der Wand und ließ es dabei offen, ob ich mich mit der Betrachtung der diversen großen Gemälde amüsieren sollte, mit dem gut bestückten Bücherregal oder den Vitrinen, in denen die Schnupftabakdosensammlung des Herzogs residierte.
»Danke«, murmelte ich mit einem bezaubernden Lächeln und wanderte zur Wand hinüber, wo ich vorgab, in einen großen Boucher vertieft zu sein, der die Rückenansicht einer gut gepolsterten nackten Frau zeigte, die auf einem Felsen in der Wildnis saß. Wenn dies den gegenwärtigen Geschmack in Bezug auf die weibliche Anatomie widerspiegelte, so war es kein Wunder, dass Jamie so viel von meinem Hintern hielt.
»Ha«, sagte ich. »Wer braucht schon Unterwäsche, wie?«
»Häh?« Jamie und der Herzog hoben verblüfft die Köpfe von der Mappe mit Investitionspapieren, die den Vorwand für unseren Besuch darstellte.
»Achtet einfach nicht auf mich«, sagte ich mit einer eleganten Handbewegung. »Ich erfreue mich nur an der Kunst.«
»Das freut mich sehr, Ma’am«, sagte der Herzog und vertiefte sich auf der Stelle wieder in die Papiere, während sich Jamie dem eigentlichen, mühseligen Zweck unseres Besuches zuwandte, nämlich dem Herzog unauffällig zu entlocken, was er über seine persönlichen Sympathien – oder auch nicht – gegenüber der Sache der Stuarts preiszugeben bereit war.
Ich hatte meine eigenen Hintergedanken bei diesem Besuch. Als sich die Männer jetzt mehr und mehr in ihr Gespräch vertieften, bewegte ich mich allmählich auf die Tür zu, wobei ich vorgab, die Bücher in den Regalen zu betrachten. Sobald die Luft rein zu sein schien, hatte ich vor, in den Flur zu schlüpfen und zu versuchen, Alex Randall zu finden. Ich hatte getan, was ich konnte, um den Schaden zu beheben, der Mary Hawkins zugefügt worden war; alles Weitere würde von ihm kommen müssen. Die Regeln der gesellschaftlichen Etikette verboten es ihm, sie im Haus ihres Onkels zu besuchen, und auch sie hatte keine Möglichkeit, ihn zu kontaktieren. Doch ich konnte es ihnen leicht ermöglichen, sich an der Rue Tremoulins zu treffen.
Das Gespräch hinter mir war jetzt nur noch ein vertrauliches Murmeln. Ich steckte den Kopf in den Flur, sah aber nicht sogleich einen Bediensteten. Aber es musste jemand in der Nähe sein; in einem Haus von dieser Größe musste das Personal in die Dutzende gehen. Und da es so groß war, würde mir jemand den Weg zu Alexander Randall weisen müssen. Ich wählte eine zufällige Richtung und schritt durch den Flur, um einen Bediensteten zu suchen, den ich fragen konnte.
Ich sah eine rasche Bewegung am Ende des Flurs und rief die Person an. Wer auch immer es war, antwortete nicht, doch ich hörte leise Sohlen über die polierten Dielen trippeln.
Das schien mir ein merkwürdiges Verhalten für einen Dienstboten zu sein. Ich blieb am Ende des Flurs stehen und sah mich um. Ein weiterer Korridor verlief im rechten Winkel zu dem, in dem ich stand, auf der einen Seite von Türen gesäumt, auf der anderen von hohen Fenstern, die auf den Garten und die Auffahrt hinausblickten. Die meisten der Türen waren geschlossen, doch die, die mir am nächsten war, stand einen Spalt offen.
Mit leisen Schritten trat ich vor diese Tür und hielt mein Ohr an die Holzvertäfelung. Da ich nichts hörte, ergriff ich den Türknauf und drückte die Tür einfach auf.
»Was in Gottes Namen machst du denn hier?«, rief ich erstaunt aus.
»Oh, du hast mich erschreckt! Himmel, ich d-dachte, ich würde sterben.« Mary Hawkins presste sich beide Hände an das Mieder. Ihr Gesicht war kreidebleich, ihre Augen schwarz und vor Schreck geweitet.
»Das wirst du nicht«, sagte ich. »Es sei denn, dein Onkel findet heraus, dass du hier bist; dann bringt er dich wahrscheinlich um. Oder weiß er es?«
Sie schüttelte den Kopf. »Nein. Ich habe es n-niemandem erzählt. Ich habe eine öffentliche Droschke genommen.«
»Warum, zum Kuckuck?«
Sie sah sich um wie ein verängstigtes Kaninchen auf der Suche nach einem Schlupfloch, doch da sie keines fand, richtete sie sich stattdessen auf und biss die Zähne zusammen.
»Ich musste Alex finden. Ich m-musste mit ihm sprechen. Um zu sehen, ob er … ob er …« Sie rang die Hände, und ich konnte sehen, welche Mühe es sie kostete, die Worte herauszubringen.
»Ich verstehe schon«, sagte ich resigniert. »Aber dein Onkel wird es nicht verstehen, und der Herzog ebenso wenig. Seine Durchlaucht weiß doch auch nicht, dass du hier bist, oder?«
Stumm schüttelte sie den Kopf.
»Also schön«, sagte ich und überlegte. »Nun, das Erste, was wir tun müssen, ist …«
»Madame? Dürfte ich Euch helfen?«
Mary fuhr zusammen wie ein Hase, und ich spürte, wie auch mir das Herz in die Kehle hüpfte. Diese verflixten Dienstboten, niemals zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Mir blieb nichts anderes übrig, als Frechheit siegen zu lassen. Ich wandte mich dem Dienstboten zu, der mit ebenso würdevoller wie argwöhnischer Miene stocksteif in der Tür stand.
»Ja«, sagte ich, so hochmütig ich es spontan fertigbrachte. »Würdet Ihr bitte Mr. Alexander Randall mitteilen, dass er Besuch hat.«
»Ich bedaure, das nicht zu können, Madame«, sagte der Bedienstete unpersönlich.
»Und warum nicht?«, wollte ich wissen.
»Weil, Madame«, antwortete er, »Mr. Alexander Randall nicht länger im Dienst des Herzogs steht. Er wurde entlassen.« Der Mann warf einen Blick auf Mary, dann ließ er sich dazu herab zu sagen: »Soweit ich weiß, ist Monsieur Randall mit dem Schiff zurück nach England gereist.«
»Nein! Er kann nicht fort sein, bitte nicht!«
Mary rannte auf die Tür zu und wäre fast mit Jamie zusammengeprallt, der gerade eintrat. Sie blieb abrupt stehen und schnappte erschrocken nach Luft, und er sah sie erstaunt an.
»Was –«, begann er, dann sah er mich hinter ihr stehen. »Oh, da bist du ja, Sassenach. Ich habe eine Ausrede erfunden, um dich zu suchen … Seine Durchlaucht hat mir soeben erzählt, dass Alex Randall …«
»Ich weiß«, unterbrach ich ihn. »Er ist fort.«
»Nein!«, stöhnte Mary. »Nein!« Sie stürzte auf die Tür zu und war draußen, ehe einer von uns sie aufhalten konnte. Ihre Absätze klapperten auf dem polierten Parkett davon.