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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Sie warf ihm einen überraschten Blick zu, und ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen. »Wenn das so ist...« Sie hörte sich an, als wolle sie lachen, aber sie kletterte hinauf.

Er wandte dem Fluß den Rücken zu und brummelte vor sich hin. Die Anführer in den Abenteuergeschichten hatten sich nie mit solchen Problemen herumzuschlagen.

Egwene bestand darauf, daß er immer wieder dran kam und wenn er versuchte, es zu vermeiden, dann schimpfte sie. Als Schmied hatte man nicht unbedingt einen zarten Körperbau und Bela war auch nicht gerade ein großes Pferd. Jedesmal, wenn er seinen Fuß in den Steigbügel steckte, hätte er schwören können, daß ihn die zottige Stute vorwurfsvoll anblickte. Eine Kleinigkeit vielleicht, aber es ärgerte ihn. Bald zuckte er jedesmal zusammen, wenn Egwene ankündigte: »Du bist dran, Perrin.«

In den Abenteuergeschichten zuckten die Anführer selten zusammen, und sie ließen sich nicht herumschubsen Allerdings, überlegte er sich, hatten sie es auch nicht mit Egwene zu tun.

Sie hatten ja von Beginn an nur kleine Rationen von Brot und Käse zur Verfügung, und das wenige war am Ende des ersten Tages aufgebraucht. Perrin stellte Fallen entlang einiger mutmaßlicher Kaninchenspuren auf — sie sahen alt aus, aber es war immerhin eine Möglichkeit -während Egwene Feuer machte. Als er fertig war, entschloß er sich, es mit der Schleuder zu versuchen, bevor das letzte Tageslicht verschwunden war. Sie hatten bisher noch nichts Lebendiges gesehen, aber... Zu seiner Überraschung scheuchte er im Nu ein mageres Kaninchen auf. Er war so verblüfft, als es aus einem Busch direkt vor seinen Füßen heraushoppelte, daß er es beinahe entkommen ließ, doch dann traf er es auf etwa vierzig Fuß Entfernung, gerade als es hinter einem Baum verschwinden wollte.

Als er mit dem Kaninchen zum Lager zurückkehrte, hatte Egwene abgebrochene Zweige für das Feuer zurechtgelegt und kniete mit geschlossenen Augen neben dem Stapel. »Was tust du da? Du kannst ein Feuer nicht herbeiwünschen.«

Egwene erschrak, als er sie ansprach, drehte sich um und blickte ihn an, die Hand an der Kehle an. »Du... du hast mich erschreckt.«

»Ich hatte Glück«, sagte er und hielt das Kaninchen hoch. »Hol deinen Feuerstein und den Zunder. Heute abend können wir wenigstens mal gut essen.«

»Ich habe keinen Feuerstein«, sagte sie zögernd. »Er war in meiner Tasche, und ich habe ihn im Fluß verloren.«

»Aber wie hast du dann...?«

»Es war so leicht dort hinten am Ufer, Perrin. Genauso, wie es mir Moiraine Sedai gezeigt hat. Ich habe das Holz nur im Geist berührt, und... « Sie gestikulierte, als greife sie nach etwas, ließ dann aber seufzend die Hand fallen. »Jetzt kann ich es nicht mehr.«

Perrin leckte sich unsicher die Lippen. »Die... die Macht?« Sie nickte, und er starrte sie entgeistert an. »Bist du verrückt? Ich meine... Die Eine Macht? Du kannst doch mit so was nicht einfach herumspielen!«

»Es war so leicht, Perrin. Ich kann das. Ich kann die Macht lenken.«

Er atmete tief durch. »Ich werde einen Feuerbogen machen, Egwene. Versprich mir, daß du dieses — dieses Ding nicht wieder ausprobierst.«

»Das werde ich nicht tun.« Ihr Kinn stand wieder auf eine gewisse Art vor, die Perrin aufseufzen ließ. »Würfest du deine Axt weg, Perrin Aybara? Liefest du herum mit einer hinter dem Rücken festgebundenen Hand? Ich jedenfalls nicht!«

»Ich werde den Feuerbogen machen«, sagte er müde. »Versuch es wenigstens heute abend nicht mehr. Bitte!«

Sie stimmte ihm unwillig zu, und sogar als das Kaninchen an einem geschnitzten Spieß über dem Feuer brutzelte, hatte er das Gefühl, sie glaube es besser machen zu können. Sie gab es nicht auf und versuchte es jeden Abend aufs neue, doch das beste, was sie erreichte, war ein dünner Rauchfaden, der sofort wieder verschwand. Ihre Augen rieten ihm, er solle es ja nicht wagen, ein Wort zu sagen, und so hielt er in weiser Entscheidung den Mund.

Nach dieser einen Mahlzeit mußten sie sich wieder auf zähe wildwachsende Knollen und ein paar junge Schößlinge beschränken. Ohne ein einziges Anzeichen für den kommenden Frühling gab es selbst davon nicht viel, und diese Kost schmeckte auch nicht gerade gut. Sie beklagten sich nicht, aber es gab keine Mahlzeit, bei der nicht der eine oder andere bedauernd seufzte, und beide wußten, der andere sehnte sich genauso nach dem Geschmack von Käse und wenigstens dem Duft von Brot. Als sie eines Nachmittags in einem schattendunklen Teil des Waldes eine ganze Menge Pilze fanden — KöniginKronen, die besten von allen -, erschien ihnen das als ein großer Fund. Sie schlangen die Pilze hinunter, lachten und erzählten sich Geschichten, von zu Hause in Emondsfeld, Geschichten die so begannen: »Erinnerst du dich noch daran, als... « Aber die Pilze wie das Lachen hielten nur kurze Zeit vor. Hunger reizt kaum zum Lachen.

Derjenige, der zu Fuß ging, trug immer eine Schleuder, bereit, auf jedes Kaninchen oder Eichhörnchen zu schießen, das in Sicht kam, und das einzige Mal, als einer von beiden schoß, geschah es aus Langeweile. Die am Abend so sorgfältig ausgelegten Fallen waren am Morgen noch immer leer, und sie wagten es nicht, einen ganzen Tag am selben Fleck zu bleiben und die Fallen draußen zu lassen. Keiner von beiden wußte, wie weit es nach Caemlyn war, und beide fühlten sich nicht sicher, solange sie nicht dort waren. Perrin fragte sich allmählich, ob sein Magen bald so weit schrumpfen würde, daß er schließlich ein Loch in der Körpermitte bildete.

Sie kamen gut vorwärts, soweit er das beurteilen konnte, doch als sie sich weiter und weiter vom Arinelle entfernten, ohne auf ein Dorf oder wenigstens einen Bauernhof zu stoßen, wo sie nach dem Weg hätten fragen können, da wuchsen seine Zweifel an ihrem Plan. Egwene machte nach außen hin den gleichen selbstbewußten Eindruck wie zu Beginn, aber er war sicher, früher oder später würde sie ihm vorwerfen, es wäre besser gewesen, ein Zusammentreffen mit den Trollocs zu riskieren, als den Rest ihres Lebens verirrt herumwandernd zu verbringen. Sie sagte es nicht, aber er erwartete es weiterhin.

Zwei Tagesmärsche vom Fluß entfernt änderte sich der Charakter der Landschaft. Sie kamen in ein dicht bewaldetes Hügelgebiet, das immer vom kalten Griff des Winters umklammert war. Einen Tag später wurden die Hügel niedriger, und der dichte Wald wurde durch Lichtungen unterbrochen, die manchmal eine Meile oder noch breiter waren. In verborgenen Senken lag immer noch Schnee, die Luft war morgenfrisch und der Wind immer kalt. Sie sahen nirgends eine Straße, ein gepflügtes Feld, Rauch aus einem Schornstein in der Ferne oder irgendein anderes Zeichen menschlicher Besiedlung -jedenfalls nichts, was noch bewohnt gewesen wäre.

Einmal fanden sie die Überreste mächtiger steinerner Befestigungen, die sich um die Spitze eines Hügels herumzogen. Innerhalb des Rings umgestürzter Steine standen Teile von Häusern, deren Dächer eingefallen waren. Der Wald hatte alles längst geschluckt; Bäume wuchsen überall, und spinnwebengleich bedeckten alte Ranken die großen Steinblöcke. An einem anderen Tag entdeckten sie einen steinernen Turm, braun von altem Moos und mit eingestürztem Dach, der schräg an eine riesigen Eiche gelehnt stand, deren dicke Wurzeln ihn langsam zum Kippen brachten. Aber sie fanden keinen Ort, an dem zu ihren Lebzeiten noch Menschen gehaust hatten. Erinnerungen an Shadar Logoth hielten sie von den Ruinen fern und beschleunigten ihren Schritt, bis sie sich wieder tief im Wald in Gegenden befanden, die noch nie eines Menschen Fuß betreten zu haben schienen.

Träume peinigten Perrin im Schlaf, Angstträume. Ba'alzamon war darin, jagte ihn durch Labyrinthe, verfolgte ihn, aber soweit er sich später erinnern konnte, stand er ihm nie Auge in Auge gegenüber. Und ihre Reise war ja nun auch derart verlaufen, daß man davon ein paar schlimme Träume bekommen konnte. Egwene klagte über Alpträume von Shadar Logoth, besonders in den beiden Nächten, nachdem sie die verfallene Festung und den verlassenen Turm gefunden hatten. Perrin behielt alles für sich, wenn er schwitzend und zitternd in der Dunkelheit erwachte. Sie erwartete von ihm, daß er sie sicher nach Caemlyn führte und nicht, daß er seine Sorgen, gegen die sowieso nichts zu machen war, mit ihr teilte.

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