Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Bela hat mich herübergebracht«, sagte Egwene und tätschelte die struppige Stute. »Sie ist vor den Trollocs davongerannt und hat mich mitgerissen.« Sie schwieg einen Moment lang. »Ich habe keinen von den anderen gesehen, Perrin.«
Er hörte die unausgesprochene Frage. Er beäugte bedauernd das Päckchen, das sie nun wieder einwickelte, und leckte sich die letzten Krümel von den Fingern, bevor er sagte: »Ich habe seit gestern niemanden außer dir gesehen. Immerhin auch keine Blassen und Trollocs.«
»Rand geht es bestimmt gut«, sagte Egwene und fügte dann schnell hinzu: »Den anderen auch. Ganz bestimmt. Vielleicht suchen sie jetzt nach uns. Sie könnten uns jeden Moment finden. Schließlich ist Moiraine eine Aes Sedai.«
»Ich werde ständig daran erinnert«, sagte er. »Versengen soll mich das Licht, ich wünschte, ich könnte es vergessen!«
»Ich habe nicht gehört, daß du dich beklagt hast, als sie die Trollocs davon abhielt, uns zu fangen«, sagte Egwene schnippisch.
»Ich wünsche mir nur, wir könnten ohne sie auskommen.« Er zuckte die Achseln, von ihrem stetigen Blick unangenehm berührt. »Aber das können wir wohl nicht. Ich habe nachgedacht.« Ihre Augenbrauen hoben sich, doch er war an die Überraschung gewöhnt, die andere zeigten, wenn er behauptete, eine Idee zu haben. Selbst wenn seine Ideen genauso gut waren wie die ihren, dachten sie immer daran, wie lange es dauerte, bis sie ihm eingefallen waren. »Wir können darauf warten, daß Lan und Moiraine uns finden.«
»Natürlich«, unterbrach sie ihn. »Moiraine Sedai sagte, sie werde uns finden, falls wir getrennt würden.«
Er ließ sie ausreden und fuhr dann fort: »Oder die Trollocs könnten uns zuerst finden. Moiraine könnte auch tot sein. Das gilt für alle. Nein, Egwene. Es tut mir leid, aber das ist durchaus möglich. Ich hoffe sie sind alle in Sicherheit. Ich hoffe, sie kommen alle in ein paar Minuten hierher ans Feuer. Aber die Hoffnung ist wie ein dünner Faden, wenn du ertrinkst; er reicht nicht aus, um sich daran herauszuziehen.«
Egwene schloß den Mund und blickte ihn mit vorgeschobenem Kinn an. Schließlich sagte sie: »Du willst flußabwärts nach Weißbrücke gehen? Wenn uns Moiraine Sedai hier nicht findet, wird das der nächste Ort sein, an dem sie uns sucht.«
»Ich denke«, sagte er bedächtig, »wir sollten nach Weißbrücke gehen. Aber das wissen wohl auch die Blassen. Sie werden gerade dort suchen, und diesmal hätten wir keine Aes Sedai und keinen Behüter dabei, um uns zu beschützen.«
»Also, dann schlägst du vor, daß wir irgendwohin ins Blaue davonrennen, wie Mat es wollte? Uns irgendwo verstecken, wo Blasse und Trollocs uns nicht finden? Und auch Moiraine Sedai nicht, ja?«
»Glaube nicht, daß ich nicht daran gedacht habe«, sagte er ruhig. »Aber jedesmal, wenn wir glauben, wir hätten sie los, finden uns die Blassen und die Trollocs wieder. Ich weiß nicht, ob es irgendeinen Ort gibt, an dem wir uns vor ihnen verstecken könnten. Es gefällt mir wohl nicht sehr, aber wir brauchen Moiraine.«
»Dann verstehe ich nichts mehr. Wohin sollen wir gehen?«
Er blinzelte überrascht. Sie wartete auf seine Antwort. Wartete darauf, daß er ihr sagte, was sie tun sollten. Der Gedanke war ihm völlig neu, daß sie ihn die Führung übernehmen lassen wollte. Egwene hatte es noch nie gepaßt, tun zu müssen, was jemand anderes geplant hatte, und sie ließ sich nie von anderen vorschreiben, was sie zu tun habe. Eine Ausnahme machte sie vielleicht nur bei der Seherin, und er glaubte, daß sie sich manchmal auch dagegen sträubte. Er strich die Erde vor ihnen mit der Hand glatt und räusperte sich ungeschickt.
»Das ist der Ort, an dem wir uns jetzt befinden, und hier ist Weißbrücke.« Er drückte mit dem Finger zwei Zeichen in den Boden. »Dann müßte Caemlyn irgendwo in dieser Gegend sein.« Er machte ein drittes Zeichen, diesmal ein Stück entfernt von den anderen. Er hielt inne und sah die drei Abdrücke in der Erde an. Sein gesamter Plan hing davon ab, wie gut er sich an die alte Landkarte ihres Vaters erinnern konnte. Meister al'Vere hatte gemeint, sie sei nicht genau, und außerdem hatte er nie soviel darüber gehockt und geträumt wie Rand und Mat. Doch Egwene schwieg. Als er aufblickte, beobachtete sie ihn immer noch und hatte die Hände in den Schoß gelegt. »Caemlyn?« Ihre Stimme klang verblüfft.
»Caemlyn.« Er verband zwei der Abdrücke auf dem Boden durch eine Linie. »Weg vom Fluß und quer rüber. Keiner würde das erwarten. Wir warten in Caemlyn auf sie.« Er klopfte sich den Schmutz von den Händen und wartete. Er glaubte, es sei ein guter Plan, aber sicher hatte sie Einwände. Er erwartete, daß sie jetzt die Führung übernahm — sie trieb ihn immer zu irgend etwas an -, und es war ihm recht.
Zu seiner Überraschung nickte sie. »Es muß Dörfer geben. Wir können uns nach dem Weg erkundigen.«
»Was mir Kopfzerbrechen bereitet«, sagte Perrin, »ist: Was wollen wir tun, wenn uns die Aes Sedai dort nicht findet? Licht, wer hätte je geglaubt, daß ich mir mal den Kopf über so was zerbrechen würde? Was geschieht, wenn sie nicht nach Caemlyn kommt? Vielleicht hält sie uns für tot? Vielleicht bringt sie Rand und Mat geradewegs nach Tar Valon?«
»Moiraine Sedai sagte, sie könne uns finden«, sagte Egwene mit Nachdruck. »Wenn sie uns hier finden kann, kann sie es auch in Caemlyn, und das wird sie.«
Perrin nickte langsam. »Meinst du? Aber wenn sie nach ein paar Tagen in Caemlyn nicht auftaucht, dann gehen wir weiter nach Tar Valon und bringen unseren Fall vor den Amyrlin-Sitz.« Er atmete tief durch. Vor zwei Wochen hast du noch nicht einmal eine Aes Sedai gesehen, und nun sprichst du über den Amyrlin-Sitz! Licht! »Nach Lans Aussage gibt es eine gute Straße von Caemlyn aus.« Er sah das Ölpapierpäckchen neben Egwene an und räusperte sich. »Wie steht es mit noch ein wenig Brot und Käse?«
»Das muß vielleicht ziemlich lange reichen«, sagte sie, »es sei denn, du hast mehr Glück im Fallenstellen als ich vergangene Nacht. Na, wenigstens war es leicht, Feuer zu machen.« Sie lachte vergnügt, als habe sie einen Scherz gemacht, und steckte das Päckchen zurück in die Satteltasche.
Offensichtlich gab es eine Grenze in bezug auf ihre Bereitschaft, einen anderen die Führung übernehmen zu lassen. Sein Magen grollte wieder. »In diesem Fall«, sagte er und stand auf, »können wir genausogut jetzt gleich aufbrechen.«
»Aber du bist noch naß!« wandte sie ein.
»Ich werde schon beim Laufen trocknen«, sagte er entschlossen und schob mit den Füßen Erde auf das Feuer. Wenn er der Anführer war, dann wurde es Zeit, das unter Beweis zu stellen. Der Wind vom Fluß her frischte auf.
23
Wolfsbruder
Gleich von Beginn an war Perrin klar, daß die Reise nach Caemlyn alles andere als bequem werden würde. Das begann schon damit, daß Egwene darauf bestand, sich mit ihm beim Reiten auf Bela abzuwechseln.
Sie wußten nicht, wie weit es war, sagte sie, aber es war auf jeden Fall zu weit, um sie als einzige reiten zu lassen. Das Kinn vorgestreckt, sah sie ihn an, ohne mit der Wimper zu zucken.
»Ich bin zu groß, um auf Bela zu reiten«, sagte er. »Ich bin ans Laufen gewöhnt, und deshalb werde ich lieber zu Fuß gehen.«
»Bin ich vielleicht nicht ans Laufen gewöhnt?« fragte Egwene in scharfem Ton. »Das habe ich nicht... «
»Ich bin diejenige, die einen wunden Hintern abbekommen soll, wie? Und wenn du so lange läufst, bis dir die Füße abfallen, dann soll ich dich wohl pflegen.«
»Ach, hör auf!« meinte er seufzend, als er den Eindruck hatte, sie wolle so weitermachen. »Jedenfalls bist du als erstes dran.« Ihr Gesicht wirkte noch sturer, doch er ließ sie nicht mehr zu Wort kommen. »Falls du nicht von allein aufsteigst, hebe ich dich hinauf.«