Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Wer bist du?« fragte er, mit einer Stimme, die plötzlich gar nicht mehr wie die eines Betrunkenen klang, allerdings sehr leise war.
»Ein Freund«, antwortete der andere. »Ein guter Freund sogar, Garth, die – «
Der Rest seiner Worte ging in einem halberstickten Keuchen unter, als der Riese nun doch den Arm hob – aber nicht, um nach dem Weinbecher zu greifen und zu trinken. Seine Hand schoß mit einer für einen Mann seiner Größe schon fast unglaublichen Schnelligkeit vor, packte den anderen an der Gurgel und drückte zu; so heftig, daß dessen Gesicht sich fast auf der Stelle rot zu färben begann.
»Wie hast du mich genannt?« fragte er, sehr leise, aber in einem Ton, der jedem, der es noch nicht wußte, die Bedeutung der Redensart gefährlich leise klarmachte.
»Mit… deinem Namen«, röchelte der andere. »Das ist doch… dein Name… du… du bist doch… Garth, die… die Hand…» Er brach mit einem neuerlichen, nun vollends erstickt klingenden Laut ab, als sich die Hand des Riesen noch ein wenig fester um seine Kehle schloß und ihn gleichzeitig ein gutes Stück in die Höhe hob, bis seine Zehen kaum mehr den Boden berührten. Zwei, drei Gäste von den umliegenden Tischen sahen nun doch auf, und auch der Wirt blickte stirnrunzelnd in ihre Richtung – aber niemand machte ernsthafte Anstalten, sich in den drohenden Streit einzumischen. So etwas war hier nicht üblich. Wenn sich Fremde stritten, reichte es völlig aus, abzuwarten, wer den Streit gewann, um danach den Verlierer auszuplündern. Den Sieger natürlich auch, bevor er sich von dem Kampf erholen konnte.
»Wer bist du?« fragte der Riese halblaut. »Und wer soll das sein, von dem du da sprichst – Garth, die Hand? Ich habe diesen Namen noch nie gehört.«
»Dann redest du offenbar selten mit Leuten, die dich kennen«, preßte der Mann mit dem Rattengesicht hervor. »Du – «
»Sprich nicht in Rätseln, Rattenmaul!« fauchte der Riese. »Wer bist du, und was willst du von mir?« Um seinen Worten den nötigen Nachdruck zu verleihen, verstärkte er den Druck seiner Pranke noch ein wenig, wodurch der andere nun vollends den Kontakt mit dem Stuhl verlor. Aus seinem Gesicht wich allmählich die dunkelrote Farbe, und es wurde bleich. Seine Augen quollen ein Stück weit aus den Höhlen. Als er sprach, waren seine Worte kaum zu verstehen.
»Bevor… bevor wir weiterreden…«, brachte er mühsam hervor, »… solltest du vielleicht einen… Blick unter den Tisch werfen.«
Garth zögerte einen Moment. Der Ausdruck von Mißtrauen in seinen Augen wurde noch intensiver, aber nach einigen weiteren Augenblicken beugte er sich doch zur Seite und tat, was das Rattengesicht ihm geraten hatte. Auch sein Gesicht verlor ein bißchen an Farbe, als er sah, worauf die Schwertspitze des anderen deutete.
»Ich gebe ja zu«, keuchte das Rattengesicht, »daß du mir wahrscheinlich das Genick brechen könntest, ohne daß ich es verhindern kann – aber dann verläßt du morgen die Bruderschaft der Diebe und trittst in die Schwesterpartei ein. Mein… Wort darauf!«
Garth wurde tatsächlich noch ein wenig bleicher. Trotzdem vergingen weitere drei, vier Herzschläge, ehe er sein rattengesichtiges Gegenüber endlich losließ. Der Mann sank röchelnd auf seinem Stuhl zusammen, rieb sich mit der linken Hand seine mißhandelte Kehle und starrte Garth mit einer Mischung aus Zorn und widerwilliger Bewunderung an. »Alles, was recht ist«, murmelte er, »der Mann, der dich mir beschrieben hat, hat keineswegs übertrieben. Eher im Gegenteil.«
»Was willst du?« fragte Garth, noch immer in diesem leisen, gefährlich ruhigen Ton. Aber zumindest hatte er es jetzt aufgegeben, den Betrunkenen zu spielen. Ganz im Gegenteil wirkte er wahrscheinlich sogar ein bißchen wacher, als es seinem Gegenüber recht zu sein schien.
»Mit dir reden«, antwortete das Rattengesicht. Er hustete, strich sich noch einmal mit der Hand über den Hals und griff nach seinem Becher. Seine Finger zitterten sichtlich.
»Ich soll dir Grüße ausrichten«, fuhr er fort, nachdem er einen kräftigen Schluck getrunken hatte. »Von einem Freund.«
»Einem Freund?« Garths Augen wurden schmal. »Ich habe keine Freunde«, stellte er klar. »Zumindest nicht hier.«
Das Rattengesicht seufzte, schüttelte den Kopf und trank einen weiteren Schluck, ehe er entgegnete: »Komisch – genau das hat er vorausgesagt. Wortwörtlich.«
»Genau was hat wer vorausgesagt?« fragte Garth.
»Daß du das antworten wirst: Ich habe keine Freunde«, erwiderte der Fremde; »Und er hat mir aufgetragen, wenn du es tust, soll ich dich an eine gewisse Stadt in der Wüste erinnern. Und einen tausend Jahre währenden Traum – was immer das bedeuten mag.«
Garths Augen weiteten sich. »Du sprichst von – «
»Von einem Mann, dessen Namen man hier besser nicht ausspricht«, fiel ihm der andere ins Wort. »Es ist noch weniger ratsam, als den deinen zu nennen.«
Garth schüttelte verärgert den Kopf. Sein Gesicht verfinsterte sich. »Ich hätte wissen müssen, daß er nicht so schnell aufgibt. Aber es ist sinnlos, mein Entschluß steht fest. Gestern war ich ein paarmal nahe dran, zu ihm zurückzukehren, aber ich werde es nicht tun. Soll er zusehen, wie er mit seinen Problemen fertig wird, richt ihm das aus. Er braucht kein Kindermädchen, das auf ihn aufpaßt. Und ich auch nicht.«
Der Rattengesichtige lächelte sehr flüchtig, hob zum dritten Mal seinen Becher und tat so, als würde er trinken. In Wahrheit deutete er mit einer kaum sichtbaren Kopfbewegung auf den Wirt, der wie eine fette Qualle hinter seiner Theke stand und ihn und Garth voller unverhohlenem Haß anstarrte. »Dieser gierige Halsabschneider da ist scharf auf deine Geldkatze, Freund«, wechselte er das Thema. »Es war nicht besonders klug von dir, hierherzukommen. Hat man dir nicht gesagt, daß Fremde hier im Hafen nicht gerne gesehen sind – und schon gar nicht nach Einbruch der Dunkelheit?«
»Doch«, antwortete Garth gelassen. »Aber ich weiß mich schon meiner Haut zu wehren, keine Sorge. Außerdem habe ich kaum eine andere Wahl, als den Hafen zu betreten, wenn ich ein Schiff nehmen will, oder?«
»Ein Schiff? Du willst weg?«
»So schnell wie möglich«, antwortete Garth mit einem grimmigen Nicken. »Und zwar weit weg.«
Rattengesicht leerte seinen Becher, stellte ihn auf den Tisch zurück und streckte die Hand nach dem Krug aus, als wollte er sich nachschenken. Aber dann führte er die Bewegung nicht zu Ende, sondern sah Garth die Hand nur sehr nachdenklich an.
»Dann bin ich ja wohl gerade noch rechtzeitig gekommen, scheint mir.«
»Rechtzeitig?« Garth legte den Kopf auf die Seite. »Wozu?«
»Dich zurückzuhalten«, entgegnete Rattengesicht ruhig.
»Zurückhalten?« Garth schnaubte. Er versuchte zu lachen, aber ganz gelang es ihm nicht. »Du?« vergewisserte er sich. »Du glaubst, du könntest es?«
Rattengesicht nickte mit großem Ernst. »Wenigstens so lange, bis du dir angehört hast, was Torian mir aufgetragen hat, dir zu sagen.« Er lächelte unglücklich. »Ich muß es tun, weißt du? Er hat geschworen, mich in Stücke zu schneiden, wenn ich es nicht tue, und nach allem, was man sich erzählt, ist Torian Carr Conn ein Mann, der sein Wort noch immer gehalten hat.«
»Dann sprich«, forderte Garth ihn finster auf. »Aber sprich schnell. Sehr viel Zeit bleibt mir nämlich nicht mehr. Das Schiff legt um Mitternacht ab, und ich muß eine Stunde vorher an Bord sein.«
Rattengesicht seufzte. »Ich fürchte, es wird ohne dich absegeln«, bedauerte er. Garth wollte auffahren, aber der andere machte eine rasche, besänftigende Handbewegung, füllte sich nun doch seinen Becher neu und beugte sich vor. »Ich bin nicht der einzige, der dich sucht«, eröffnete er ihm lächelnd. »Auf dem Weg hierher traf ich zum Beispiel eine Dutzendschaft der Stadtwache, die Haus für Haus durchkämmte. Und am Hafen wimmelt es geradezu von Blauröcken. Ich wette, nicht einmal eine Maus käme ungesehen an Bord irgendeines Schiffes, heute abend. Geschweige denn ein Mann wie du.«