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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Geld?« Anscheinend mußte der Riese erst einen Moment intensiv über die Bedeutung dieses Wortes nachdenken, aber dann hellte sich sein Gesicht schlagartig auf. Seine Hand glitt in die Tasche, suchte einen Moment klirrend darin herum und kam mit einer kleinen, silbernen Münze wieder zum Vorschein. »Geld«, lallte er triumphierend.

Der Wirt runzelte ärgerlich die Brauen, als er die Münze sah. »Das ist ein Silberheller aus Haydermark«, sagte er scharf. »Der reicht ja nicht einmal – «

Er sprach nicht weiter, denn in diesem Moment hob der Fremde die Münze zwischen Daumen und Zeigefinger in die Höhe – und knickte sie ohne ersichtliche Anstrengung in der Mitte zusammen, wie andere ein Stück dünnes Silberblech verbiegen mochten.

»Waschisch mit meim Geld?« lallte er. »Ischesch dir nisch gut genug, oder…?«

Der Wirt wurde noch ein bißchen bleicher, als er beim Blick der zusammengedrückten Silbermünze ohnehin geworden war, und schluckte, sichtbar. »Nichts«, entgegnete er, während er die Münze – genauer gesagt, was davon übriggeblieben war – mit spitzen Fingern entgegennahm. »Es ist alles in Ordnung, Fremder, wirklich. Noch… noch ein Bier, sagst du?«

Der Riese nickte. »Aber ein richtiges, wenn ich… bitten darf. Kein scholsches Mindergesch… Schinderge… Kindergeschöff.«

»Vielleicht möchtest du auch etwas essen? Ist zwar schon spät, aber wenn du Hunger hast, mache ich dir gerne noch einen Happen.«

Irritiert starrte der Hüne ihn an und schien zu überlegen, aber dann fiel sein Blick auf den Zeigefinger, den der Wirt nun endlich aus dem Mund genommen hatte, und er schüttelte hastig den Kopf. »Nur’n Bier«, nuschelte er.

»Jawohl, Herr.« Der Schankwirt beeilte sich, die zusammengefaltete Münze in der Tasche verschwinden zu lassen, während er mit der anderen Hand bereits die leeren Becher einsammelte. Der Silberheller, den ihm der Fremde gegeben hatte, reichte nicht einmal aus, ein Zehntel dessen zu bezahlen, was er bisher getrunken hatte – aber der Wirt hatte das Klimpern von weiteren Münzen in der Tasche des Riesen gehört, und sein kundiges Ohr hatte ihm verraten, daß es sich um sehr viele Münzen handeln mußte. Warum also sollte er diesem Narren nicht ein weiteres Bier bringen – selbstverständlich eines, das mit einer weiteren Portion Schlafpulver versetzt war? Mit einem angedeuteten Achselzucken und einem ganz und gar nicht mehr angedeuteten, dafür um so boshafteren Grinsen wandte er sich um und schob seinen Schmerbauch durch das Gewühl der überfüllten Taverne auf die Theke zu. Mochten die Götter oder sonstwer wissen, welche Probleme dieser tumbe Riese hatte – am kommenden Morgen würde er vielleicht nicht sie, ganz bestimmt aber sein Geld los sein, und dafür mächtige Kopfschmerzen haben. Vielleicht sogar nicht einmal mehr einen Kopf, der schmerzen konnte.

Der Wirt hatte sich kaum entfernt, als eine zweite, sehr viel schmalere Gestalt an den Tisch trat, einen Moment stehenblieb und sich zwei-, dreimal hintereinander so unecht räusperte, daß selbst der betrunkene Riese mühsam den Kopf hob und den Mann aus trüb glänzenden Augen musterte.

Was er sah, das hätte ihm wahrscheinlich nicht einmal gefallen, wenn er nüchtern gewesen wäre: Vor ihm stand ein hochgewachsener, sehr schlanker Mann, dessen Gestalt allerdings mehr zu erraten als wirklich zu erkennen war, denn sie verbarg sich fast vollkommen unter den Falten eines erdbraunen, bis auf die Knöchel reichenden Mantels, der in einer tief in die Stirn gezogenen, spitzen Kapuze endete. Trotzdem war das Gesicht darunter deutlich auszumachen, und es war – sehr vorsichtig ausgedrückt – nicht unbedingt ein sympathisches Gesicht. Farbe und Schnitt erinnerten an das einer Ratte, ein Eindruck, der von dem kleinen, ein wenig zu spitz geratenen Mund, den stechenden schwarzen Augen und der zerschlagenen Nase noch unterstrichen wurde. Ein Streifen etwas hellerer Haut zog sich um den Hals des Fremden, als hätte jemand versucht, ihn aufzuhängen. Jemand, der offenbar wenig von seinem Handwerk verstand.

Der Riese musterte die Gestalt nachdenklich. Einen Moment war er unschlüssig, ob er schlicht in Gelächter ausbrechen oder die Faust in das Rattengesicht schlagen sollte; oder beides, aber wenn, dann in welcher Reihenfolge.

»Wasch… willschu?« murmelte er schwerfällig. Ein dünner Speichelfaden lief aus seinem Mundwinkel und zog eine glitzernde Spur über sein Kinn, aber er schien viel zu betrunken zu sein, um das auch nur zu bemerken. Lediglich in seinen Augen blitzte für einen Moment so etwas wie Interesse auf; aber nur für den Bruchteil eines Herzschlags; dann trat wieder der trübe Glanz in seinen Blick, den der Alkohol hervorrief.

»Ist der Platz an Eurem Tisch noch frei, Herr?« fragte der Mann mit dem Rattengesicht. Seine Stimme paßte zu seinem Aussehen: Sie war hoch und schrill und eine Spur zu pfeifend, um irgend etwas anderes als mißtönend sein zu können. Der Fremde wartete die Antwort nicht ab, sondern ließ sich mit einem flüchtigen Grinsen am Tisch nieder. Als er sich setzte, klaffte sein Mantel ein Stück auseinander, und man konnte erkennen, daß er gleich zwei Schwerter darunter trug: eine der langen, beidseitig geschliffenen Klingen, die für seine schmalen Hände viel zu wuchtig schien, wie sie aber hier in Armar üblich waren, und eine etwas kürzere, schmucklose Waffe. Beinahe hastig schloß er den Mantel wieder, beugte sich ein wenig vor und sah dem Riesen nachdenklich in die Augen, ehe er sich wieder umwandte und den Wirt herbeiwinkte.

»Heda, Halsabschneider!« schrie er. »Bring einen Krug deines besten Weines und zwei saubere Becher. Aber verpansch ihn nicht, oder ich schneide dir die Nase ab.«

Der Wirt schenkte ihm einen bösen Blick, beeilte sich aber, zwei verbeulte Trinkbecher aus Zinn und einen Krug aus dem gleichen, fleckig gewordenen Material herbeizuschaffen und beides auf dem Tisch zwischen den beiden ungleichen Männern abzuladen. Hastig wandte er sich um und wollte wieder gehen, führte die Bewegung aber nicht einmal halb zu Ende, denn der Mann mit dem Rattengesicht packte ihn grob am Handgelenk und zerrte ihn zurück. »Nicht so schnell, Freund«, sagte er kalt. »Du hast uns auch wirklich deinen besten Wein gebracht?«

In den dunklen Augen des Wirtes blitzte etwas auf, das sowohl Zorn als auch Schrecken sein konnte. Wahrscheinlich war es beides. »Warum fragst du?« gab er nervös zurück. »Du hast meinen besten Wein bestellt, und du hast ihn bekommen. Ich hoffe, du kannst ihn auch bezahlen«, fügte er trotzig hinzu.

»Das kann ich«, bestätigte der Fremde. Er lächelte noch ein wenig breiter – was sein Gesicht allerdings um keinen Deut freundlicher aussehen ließ –, goß mit der linken Hand einen großen Schluck Wein in einen der Becher und reichte ihn dem Wirt. »Ich hoffe, du kannst deinen eigenen Wein auch vertragen«, fügte er freundlich hinzu. »Trink.«

Der Wirt starrte ihn an, blinzelte verblüfft – und unterdrückte mit Mühe einen Schmerzensschrei, als der Fremde den Druck auf sein Handgelenk für einen Moment verstärkte. In den schmalen Händen schien sehr viel mehr Kraft zu liegen, als es den Anschein hatte.

»Was ist?« fragte der Mann mit dem Rattengesicht, noch immer im gleichen, durch und durch freundlichen Tonfall. »Schmeckt dir dein eigener Wein nicht, Bursche, oder ist am Ende gar etwas darin, was du lieber doch nicht trinken willst?«

Der Wirt schluckte ein paarmal, griff mit zitternden Fingern nach dem dargebotenen Becher und leerte ihn mit einem einzigen, wütenden Zug.

»Zufrieden?« schnappte er und riß seine Hand los.

Das Rattengesicht nickte, bedeutete ihm mit einer affektiert wirkenden Handbewegung, daß er sich entfernen könne, und füllte umständlich die beiden fleckigen Trinkgefäße mit einem Wein, dem man schon an der Farbe ansehen konnte, mit wieviel Wasser er verdünnt worden war.

»Hier«, wandte er sich seinem Gegenüber zu, während er ihm einen der Becher hinhielt. »Nimm, Freund. Das schmeckt besser als die Pferdepisse, die dieser Halsabschneider als Bier anbietet. Außerdem ist weniger Betäubungsmittel drin.«

Die Lider des Riesen, der bisher weiter darauf beharrt hatte, so zu tun, als sei er im Sitzen eingeschlafen, hoben sich nun doch, und ein Augenpaar, das nicht halb so verschleiert vom Alkohol war, wie der Wirt und alle anderen Gäste glauben sollten, musterte den Mann mit dem Rattengesicht. Aber noch zögerte er, nach dem dargebotenen Becher zu greifen.

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