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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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22

Der eingeschlagene Weg

In einem kleinen Hain, bedeckt von in der Dunkelheit grob zurechtgeschnittenen Zedernzweigen, schlief Perrin bis lang nach Sonnenaufgang. Es waren die Zedernnadeln, die durch seine immer noch feuchte Kleidung hindurchpieksten, die schließlich auch seine Erschöpfung durchdrangen und ihn weckten. Direkt aus einem Traum von Emondsfeld gerissen — er hatte in Meister Luhhans Schmiede gearbeitet -, öffnete er die Augen und blickte verständnislos auf die süß duftenden Zweige, die über seinem Gesicht lagen und durch die nun Sonnenschein hereinblinzelte.

Die meisten Zweige fielen herunter, als er sich überrascht aufsetzte, aber ein paar blieben auch an seinen Schultern und sogar an seinem Kopf hängen, was ihn selbst wie eine Art Baum aussehen ließ. Emondsfeld verblaßte mit der Rückkehr der Erinnerung, die ihn mit solcher Lebhaftigkeit überfiel, daß die vergangene Nacht einen Moment lang realer wirkte als seine jetzige Umgebung.

Keuchend und verwirrt kramte er in dem Haufen Zweige nach seiner Axt. Er packte sie mit beiden Händen und sah sich vorsichtig um, wobei er sogar die Luft anhielt. Nichts bewegte sich. Der Morgen war kalt und ruhig. Falls sich auf der Ostseite des Arinelle Trollocs befanden, dann waren sie nicht unterwegs, zumindest nicht in seiner Nähe. Er holte tief Luft, um sich zu beruhigen, senkte die Axt auf Kniehöhe und wartete einen Moment, bis sein Herz nicht mehr so hämmerte.

Der kleine Nadelholzhain, der ihn umgab, hatte ihm vergangene Nacht das erste Obdach geboten, das er finden konnte. Es war so dürftig, daß es kaum Schutz vor Beobachtern bot, wenn er aufstand. Er pflückte sich die Zweige von Kopf und Schultern, schob den Rest seiner stachligen ›Decke‹ zur Seite und krabbelte auf allen vieren zum Rand des Hains. Dort lag er, beobachtete das Ufer und kratzte sich, wo ihn die Nadeln gepiekst hatten.

Der schneidende Wind der Nacht hatte sich so weit gelegt, daß nur noch eine leichte Brise wehte, die kaum die Wasseroberfläche bewegte. Der Fluß strömte ruhig und glatt vorbei. Und breit. Sicherlich war er zu breit und tief für die Blassen, so daß sie ihn nicht überqueren konnten. Das gegenüberliegende Ufer wirkte wie eine solide Wand aus Bäumen, so weit er flußaufwärts und flußabwärts sehen konnte. Innerhalb seiner Sichtweite bewegte sich dort absolut nichts.

Er war sich nicht sicher, was er davon zu halten hatte. Er konnte ganz gut ohne die Gesellschaft von Trollocs und Blassen auskommen, selbst auf der anderen Flußseite, aber seine Sorgen würden sich im Nu verflüchtigen, wenn die Aes Sedai oder der Behüter oder noch besser einer seiner Freunde dort auftauchten. Wenn Wünschen Flügel wüchsen, würden Schafe fliegen. Das hatte Frau Luhhan immer gesagt.

Er hatte kein Lebenszeichen seines Pferdes entdeckt, seit er über die Klippe geritten war — er hoffte, daß es den Fluß sicher durchschwommen hatte -, aber er war sowieso mehr ans Laufen gewöhnt als ans Reiten, und seine Stiefel waren stabil und hatten gute Sohlen. Er hatte nichts zu essen, trug jedoch seine Schleuder noch an der Hüfte und außerdem die Fangschlinge in der Tasche. Da war doch sicher bald ein Kaninchen fällig. Alles, womit er ein Feuer hätte entzünden können, war mit seinen Satteltaschen verschwunden, doch aus den Zedern würde sich mit ein bißchen Mühe Zunder und ein Feuerbogen herstellen lassen.

Er zitterte, als der Wind in sein Versteck blies. Sein Umhang befand sich irgendwo im Fluß, und sein Mantel, wie auch alles andere, was er am Leib trug, war immer noch klamm und feucht von dem unfreiwilligen Bad im Fluß. Letzte Nacht war er zu müde gewesen, als daß ihn Kälte und Feuchtigkeit gestört hätten, aber jetzt fror er erbärmlich. Trotzdem entschied er sich dagegen, seine Kleider zum Trocknen über die Äste zu hängen. Der Tag war nicht unbedingt kalt; allerdings konnte man ihn auch nicht gerade warm nennen.

Es war eben eine Frage der Zeit, dachte er seufzend. Trockene Kleidung, ein wenig Ruhe, ein Kaninchen und ein Feuer, um es daran zu rösten, und noch mal ein bißchen Ruhe. Sein Magen grollte, und er bemühte sich, jeden Gedanken an Essen fallenzulassen. Er hatte Wichtigeres zu tun. Alles zu seiner Zeit, und das Wichtigste hatte Vorrang. Das war typisch für ihn.

Sein Blick folgte der starken Strömung des Arinelle flußabwärts. Er war ein besserer Schwimmer als Egwene. Falls sie es hier herüber geschafft hatte... Nein, nicht falls. Der Ort, an dem sie angekommen sein mußte, dürfte sich weiter flußabwärts befinden. Er trommelte mit den Fingern auf den Boden, überlegte, wog ab.

Als er seine Entscheidung getroffen hatte, verlor er keine Zeit mehr, sondern hob seine Axt auf und setzte sich den Fluß entlang in Marsch.

Auf dieser Seite des Arinelles gab es keinen dichten Wald wie auf der anderen. Baumgruppen erhoben sich vereinzelt aus etwas, das man, sollte der Frühling jemals kommen, als Grasland bezeichnen konnte. Manche waren groß genug, daß man sie schon als Dickicht bezeichnen konnte. Gruppen von Nadelbäumen standen neben kahlen Eschen, Erlen und Süßholzsträuchern. Weiter unten am Fluß waren die Haine kleiner und noch nicht einmal so dicht wie diese hier. Sie gaben wenig Deckung, stellten aber immerhin die einzig mögliche Deckung dar. Er huschte gebückt von einem Wäldchen zum anderen. Wenn er sich zwischen Bäumen befand, warf er sich zu Boden, um die Ufer zu beobachten, sowohl die andere Seite als auch die, auf der er war. Der Behüter hatte behauptet, der Fluß werde für die Trollocs und Blassen ein unüberwindliches Hindernis darstellen aber stimmte das wirklich? Wenn sie ihn sähen, würde das vielleicht ausreichen, um ihre Hemmungen, tiefes Wasser zu überqueren, zu überwinden. Also beobachtete er ganz genau und rannte von einem Versteck zum nächsten, schnell und geduckt.

Auf diese Weise legte er mehrere Meilen zurück, bis er plötzlich auf halbem Weg zu einer Gruppe von Weiden stehenblieb und zu Boden starrte. Flecken nackter Erde durchsetzten das fahle Braun des letztjährigen Grases, und in der Mitte eines solchen Flecks, direkt vor seiner Nase, befand sich ein deutlich sichtbarer Hufabdruck. Langsam verbreitete sich ein Lächeln über sein Gesicht. Einige Trollocs hatten Hufe, doch er bezweifelte, daß sie beschlagen waren, und sie würden wohl kaum Hufeisen mit den doppelten Kreuzstreben tragen, die Meister Luhhan zur Verstärkung daran anbrachte. Er vergaß die möglichen Beobachter auf der anderen Seite und suchte nach weiteren Spuren. Auf der dünnen Matte abgestorbenen Grases hielten sich Spuren nicht sehr gut, doch seine scharfen Augen spürten sie trotzdem auf. Der dürftige Pfad führte ihn geradewegs vom Fluß weg zu einem dichten Gehölz. Lederblattbäume und Zedern bildeten eine Mauer gegen den Wind oder gegen neugierige Blicke. In der Mitte thronte mit ausgebreiteten Asten eine Schierlingstanne. Er grinste noch immer, als er sich seinen Weg durch die übereinanderstehenden Äste bahnte, gleich, wieviel Lärm er auch machte. Plötzlich trat er in eine kleine Lichtung unter der Schierlingstanne und blieb stehen. Hinter einem kleinen Feuer kauerte Egwene mit grimmig entschlossenem Gesicht, einen dicken Ast wie einen Knüppel in den Händen und den Rücken an Belas Flanke gelehnt.

»Ich schätze, ich hätte doch rufen sollen«, meinte er mit verlegenem Achselzucken. Sie warf ihren Knüppel weg, rannte auf ihn zu und umarmte ihn. »Ich dachte, du wärst ertrunken. Du bist ja immer noch naß. Hier, setz dich ans Feuer, und wärme dich auf. Du hast dein Pferd verloren, nicht wahr?«

Er ließ sich von ihr ans Feuer schieben und rieb sich die Hände über den Flammen, dankbar für die Wärme. Sie holte ein in Ölpapier gewickeltes Päckchen aus ihrer Satteltasche und gab ihm etwas Brot und Käse. Das Päckchen war so gut eingewickelt gewesen, daß das Essen sogar nach dem Tauchbad noch trocken war. Und du hast dir ihretwegen Sorgen gemacht! Sie ist besser davongekommen als du.

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