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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Shyleen starrte ihn einen Moment lang aus weit aufgerissenen Augen und völlig verständnislos an, dann fiel ihr Blick auf den kaum mehr mannshohen Rest des Hauses – und plötzlich schien sie jeden Schmerz zu vergessen. Sie fuhr herum und begann zu rennen. Mit einem Male war sie es, die ihn hinter sich herzerrte, nicht umgekehrt.

Sie kamen nur einige Dutzend Schritte weit.

Der unheimliche Auflösungsprozeß hielt keineswegs inne, sondern setzte sich fort, sehr viel schneller plötzlich und scheinbar vollkommen wahllos. Ein zweites Haus neigte sich, knisternd und stöhnend wie unter einer unvorstellbaren Last. Das ganze Gebäude schwankte ein kleines Stück zurück und dann wieder vor, bis es unter dem Hieb eines unsichtbaren Riesen in einer Wolke von hochgeschleudertem Staub und Gestein zerbarst. Trümmerstücke regneten wie tödlicher Hagel durch die Luft, und obwohl sich ein Teil von ihnen noch im Fall buchstäblich in Nichts auflöste, stürzten andere in unmittelbarer Nähe der beiden Menschen zu Boden, zermalmten das Pflaster und gruben kleine, flache Trichter in den Boden.

»Zurück«, keuchte Torian. »Wir müssen – «

»Nein!« Shyleen deutete auf eine schmale Lücke zwischen zwei Häusern, gerade breit genug, daß sich ein Mensch hindurchzwängen konnte. Torian warf sich mehr in den Durchschlupf hinein, als daß er ging. Alles drehte sich vor seinen Augen; Schwäche drohte ihn zu überwältigen, und er blieb einige Sekunden keuchend liegen, bis Shyleen ihm ein paarmal mit der flachen Hand hart ins Gesicht schlug und ihn so aus seiner Benommenheit riß.

»Wir müssen weiter!« rief sie gellend, riß ihn hoch und versetzte ihm einen kräftigen Stoß, der ihn vorwärtstaumeln ließ. Er schrammte sich die Handflächen an dem rauhen Gestein blutig. Immer wieder drohte er zusammenzubrechen, doch Shyleen trieb ihn unerbittlich voran.

Und das unheimliche Etwas folgte ihnen. Es war jetzt schneller, und nicht mehr lautlos – im Gegenteiclass="underline" Torian hörte ein ungeheures Krachen und Bersten, begleitet von einem fast krampfartigen Zucken und Beben, das in immer kürzeren Stößen durch den Boden lief. Shyleen bewegte die Lippen und schrie etwas, ohne daß er einen Laut vernahm. Ihre Stimme ging in dem unbeschreiblichen Getöse des vorweggenommenen Weltunterganges einfach unter.

Sie gelangten auf einen schmutzigen, mit Unrat übersäten Hinterhof. Wieder bewegte sich etwas vor Torian, und ein faustgroßer Stein traf seine Schulter. Er heulte auf, stolperte über irgend etwas und stürzte zu Boden.

Diesmal stand er nicht mehr auf, sondern krümmte sich zu einem Knäuel zusammen, verbarg den Kopf zwischen den Armen und wartete mit angehaltenem Atem darauf, erschlagen zu werden.

Aber die Götter hatten noch einmal ein Einsehen mit ihm. Trümmer von Steinen und Dachziegeln und zerfetzten Balken regneten rings um ihn zu Boden, aber wie durch ein Wunder traf ihn nicht ein einziger. Irgendwann – er wußte nicht, ob Stunden oder nur Minuten vergangen waren – hörte es auf, aber er blieb immer noch liegen. Es dauerte lange, bis er die Kraft fand, wenigstens den Kopf zu heben und die Augen zu öffnen.

Was er sah, überraschte ihn nicht einmal besonders – aber es erschreckte ihn zutiefst.

Shyleen und er waren nicht mehr allein. Stiefel schälten sich aus dem grauen Nebel, der vor seinen Augen wallte, und als er mühsam nach oben blickte, sah er viele, sehr viele der blauen Umhänge, die charakteristisch für die Soldaten der Palastgarde waren. Und plötzlich war er gar nicht mehr so sicher, ob sie wirklich gerettet waren…

»Ja – warum eigentlich nicht, bei Ch’tuon? Warum nicht?«

Der Mann, der diese Worte zum vielleicht fünfzigsten Male an diesem Abend vor sich hinmurmelte, war ein wahrer Riese von Statur, das war trotz der nach vorne gesunkenen Haltung gut zu erkennen, in der er dahockte: die Schultern, die breit wie die eines Ochsen waren, wie unter einer unsichtbaren Last gebeugt, die nackten Unterarme auf dem Tisch aufgestützt, so daß die narbige Platte unter Wülsten von Fleisch zu versinken schien, und den Kopf auf die Fäuste gestemmt, außer wenn er ihn hob, um zu trinken – was oft vorkam –, wirkte der Fremde trotz seines riesenhaften Wuchses wie das sprichwörtliche Häufchen – nun ja, vielleicht schon eher ein ausgewachsener Haufen – Elend. Trotz des schlechten Lichtes im Inneren der Taverne – das Gasthaus hatte nur ein einziges Fenster, das gerade breit genug war, einer ausgehungerten Mücke Platz zu bieten, einem Lichtstrahl dann aber schon nicht mehr – war die ungesunde, kränkliche Tönung seiner Haut deutlich zu erkennen, das Zittern seiner fleischigen Finger und der trübe Glanz seiner Augen; obwohl letzterer durchaus an den ungefähr zehn Litern Bier liegen mochte, die er im Verlauf des Abends in sich hineingeschüttet hatte.

»Warum eigentlich was nicht?« fragte eine Stimme neben ihm.

Der Riese sah mit einer trägen Bewegung auf, blinzelte ein paarmal und fuhr sich schließlich mit dem Handrücken über die Augen, wie um die Gestalt des Wirtes deutlicher erkennen zu können. Der Mann, kaum weniger fettleibig als er selbst, aber einen guten Meter kleiner geraten, war beinahe unbemerkt an seinen Tisch getreten und funkelte ihn mit einer Mischung aus angeborener Feindseligkeit und Neugier an. Da der Gigant noch immer nach vorne gebeugt dasaß, befanden sich ihre Gesichter auf gleicher Höhe, aber dieser Umstand schien dem Wirt entweder zu entgehen, oder er fühlte sich sehr sicher, hier auf seinem eigenen Boden. So oder so machte er jedenfalls keinen ernstgemeinten Versuch, seine wahren Gefühle dem Fremdling gegenüber zu verbergen: Er mochte ihn nicht. Sein bloßes Dasein stellte bereits eine Herausforderung dar. Allerdings war an dieser Feindseligkeit nichts irgendwie Persönliches – der Wirt hatte den betrunkenen Riesen niemals zuvor gesehen und kannte nicht einmal seinen Namen – wozu auch? –, aber hier, in der Hafengegend von Armar, mochte man eben Fremde nicht, basta. Wenn sie Geld hatten, ertrug man sie, bis sich eine Gelegenheit fand, es ihnen auf die eine oder andere Weise abzunehmen, aber das hieß nicht, daß man sie liebte. Der Fremde machte da keine Ausnahme. Der einzige Grund, weshalb bisher noch keiner der Gäste aufgestanden war, um ihm erst den Geldbeutel und dann den Kopf abzuschneiden (oder umgekehrt), war der, daß der Fremde so aussah, als könne er es gut und gerne mit dem Dutzend Zecher gemeinsam aufnehmen, das die Taverne bevölkerte.

»Eh?« nuschelte der Riese. »Waschmeinschu?« Er hatte Mühe, überhaupt zu sprechen. Seine Zunge war schwer vom Bier – was kein Wunder war; der Wirt hatte schließlich genug Schlafkraut hineingetan, um einen Ochsen zu betäuben, und eigentlich war er auch bloß gekommen, um sich davon zu überzeugen, daß das Mittel auch seine Wirkung tat – was all seinen Erfahrungen zum Trotz bislang offenbar nur begrenzt der Fall war. Unschlüssig knetete er seine Hände, dann hob er einen Finger und begann seelenruhig damit in der Nase zu bohren.

»Den halben Abend sitzt Ihr jetzt hier und fragt: Warum eigentlich nicht?« antwortete er. »Was zum Teufel meint Ihr damit?«

Der Riese schwieg einen Moment, und für einen noch kürzeren Moment erschien auf seinem Gesicht ein Ausdruck, als wolle er wirklich antworten. Dann grinste er ein fröhliches Betrunkenengrinsen, stocherte mit dem Zeigefinger in die Richtung, in der er in dem Alkoholnebel vor seinen Augen das Gesicht des Wirtes vermuten mochte, und rülpste so lautstark, daß sich ihm ein halbes Dutzend Gesichter zuwandten.

»Warum bringschu mir nich scheinfach noch einen Bsch… Bsch… Bescherbier?« lallte er.

»Hast du denn Geld?« Der Wirt machte eine Kopfbewegung auf das gute Dutzend geleerter Tonbecher, die der Fremde vor sich aufgebaut hatte, in einem schon fast mathematisch präzisen, säuberlich abgezirkelten Halbkreis. Dabei nahm er sogar den Finger aus der Nase, aber nur, um damit mit gleicher Seelenruhe in seinen Zähnen herumzupulen, bevor er fortfuhr: »Bezahl erst einmal, was du schon getrunken hast, dann kannst du mehr haben!«

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