Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Das stimmt«, sagte ich. »Nun, ich muss zugeben, dass Ihr mir bis jetzt sehr geholfen habt. In letzter Zeit hat auch niemand versucht, mich zu vergiften. Und ich nehme an, selbst Ihr und Jamie schafft es nicht, dass man mich auf der Place de la Bastille als Hexe verbrennt, oder?« Mein Ton war leichtfertig, doch meine Erinnerung an das Diebesloch und den Prozess in Cranesmuir war noch frisch.
»Nicht doch«, sagte er würdevoll. »In Paris ist seit … oh, mindestens zwanzig Jahren niemand mehr als Hexe verbrannt worden. Ihr könnt Euch sicher wähnen. Solange Ihr niemanden umbringt«, fügte er hinzu.
»Ich werde mein Bestes tun«, sagte ich und erhob mich zum Gehen.
Fergus trieb ohne Schwierigkeiten eine Kutsche für mich auf, und ich verbrachte die kurze Fahrt zum Hause Hawkins damit, über die jüngsten Entwicklungen nachzudenken. Vermutlich hatte mir Raymond ja tatsächlich einen Gefallen getan, indem er Jamies wilde Geschichte gegenüber den abergläubischeren Menschen unter seinen Kunden noch weiter ausschmückte, obwohl mir der Gedanke, dass mein Name bei einer Séance oder einer schwarzen Messe heraufbeschworen werden könnte, ausgesprochen unangenehm war.
Außerdem fiel mir ein, dass mir in der Eile und inmitten all der Spekulationen über Könige, Schwerter und Schiffe keine Zeit geblieben war, Master Raymond zu fragen, an welchem Punkt – falls überhaupt – der Comte St. Germain seinen Einflussbereich kreuzte.
Die öffentliche Meinung schien den Grafen entschieden im Zentrum der mysteriösen »Kreise« anzusiedeln, die Raymond angesprochen hatte. Doch … als Teilnehmer oder gar als Rivale? Und reichten die Wellen, die diese Kreise zogen, auch bis zu den Gemächern des Königs? Es hieß, Louis interessiere sich für Astrologie; war es möglich, dass es über die dunklen Kanäle von Kabbalismus und Magie eine Verbindung gab zwischen Louis, dem Grafen und Charles Stuart?
Ich schüttelte ungeduldig den Kopf, um die Brandydämpfe und die nutzlosen Fragen zu vertreiben. Das Einzige, was sich mit Gewissheit sagen ließ, war, dass er eine gefährliche Partnerschaft mit Charles Stuart eingegangen war, und das war vorerst genügend Grund zur Sorge.
Das Haus der Hawkins’ an der Rue Malory war ein massives, respektabel wirkendes, dreistöckiges Gebäude, doch selbst der unbeteiligte Beobachter konnte nicht übersehen, dass in seinem Inneren etwas nicht stimmte. Der Tag war warm, aber sämtliche Fensterläden waren fest geschlossen, um neugierige Blicke abzuwehren. Die Eingangstreppe war heute Morgen nicht gewischt worden, und schmutzige Fußabdrücke färbten den weißen Stein. Keine Spur des Küchenpersonals, das letzte Einkäufe aus einem der Karren tätigte oder mit den Straßenhändlern plauderte. Es war ein Haus, das sich zum Schutz vor der kommenden Katastrophe verbarrikadiert hatte.
Weil ich mich trotz meines fröhlichen gelben Kleides selbst ein wenig wie eine Schicksalsbotin fühlte, schickte ich Fergus die Treppe hinauf, um für mich zu klopfen. Es gab einen kurzen Wortwechsel zwischen Fergus und der Person, die ihm öffnete, doch es zählte zu Fergus’ besseren Charaktereigenschaften, dass er sich nicht mit einem »Nein« abspeisen ließ, und nach kurzer Zeit sah ich mich einer Dame gegenüber, die die Herrin des Hauses zu sein schien, die also Mrs. Hawkins, Marys Tante, war.
Ich war gezwungen, meine eigenen Schlüsse zu ziehen, da die Frau viel zu mitgenommen zu sein schien, um mir irgendwelche konkreten Auskünfte – wie zum Beispiel ihren Namen – zu geben.
»Aber wir können niemanden empfangen!«, rief sie immer wieder aus und sah sich flüchtig um, als rechne sie damit, dass Mr. Hawkins’ massige Gestalt plötzlich anklagend hinter ihr auftauchte. »Wir sind … wir haben … das heißt …«
»Ich möchte ja auch gar nicht zu Euch«, sagte ich entschlossen. »Ich möchte zu Eurer Nichte Mary.«
Der Name schien sie in eine frische Panikattacke zu stürzen.
»Sie … aber … Mary? Nein! Sie … fühlt sich nicht gut!«
»Das kann ich mir vorstellen«, sagte ich geduldig. Ich hob meinen Korb in ihr Blickfeld. »Ich habe Arzneien für sie mitgebracht.«
»Oh! Aber … aber … sie … Ihr … seid Ihr nicht …?«
»Großer Gott«, sagte Fergus mit seinem besten schottischen Akzent und warf einen tadelnden Blick auf dieses Jammerbild geistiger Umnachtung. »Das Hausmädchen sagt, die junge Herrin ist oben in ihrem Zimmer.«
»Schön«, sagte ich. »Geh voran, Fergus.« Ohne auf weitere Ermunterungen zu warten, duckte er sich unter dem ausgestreckten Arm hindurch, der uns den Weg versperrte, und verschwand in den düsteren Tiefen des Hauses. Mrs. Hawkins wandte sich mit einen Aufschrei nach ihm um, so dass ich ebenfalls an ihr vorbeischlüpfen konnte.
Ein Hausmädchen wachte vor Marys Tür, eine kräftige Erscheinung mit einer gestreiften Schürze, doch von ihr kam keine Widerrede, als ich verkündete, dass ich einzutreten beabsichtigte. Sie schüttelte betrübt den Kopf. »Ich kann nichts mit ihr anfangen, Madame. Vielleicht habt Ihr ja mehr Glück.«
Das klang alles andere als vielversprechend, aber ich hatte kaum eine Wahl. Zumindest würde ich vermutlich keinen weiteren Schaden anrichten. Ich zog mir das Kleid gerade und drückte die Tür auf.
Es war, als beträte man eine Höhle. Die Fenster waren mit schweren braunen Samtvorhängen verdeckt, die zum Schutz gegen das Tageslicht fest zugezogen waren, und jeder Lichtstrahl, der trotzdem durch eine Ritze drang, wurde augenblicklich in der Rauchschicht des Kaminfeuers erstickt.
Ich holte tief Luft und atmete auf der Stelle hustend wieder aus. Die Gestalt auf dem Bett regte sich nicht; ein Häuflein Elend unter einem Federbett. Die Wirkung der Droge musste doch inzwischen vorüber sein, und schlafen konnte sie nach dem Getöse im Flur auch nicht mehr. Vermutlich tat sie nur so, für den Fall, dass es ihre Tante war, die zurückgekehrt war, um ihr eine weitere Standpauke zu halten. An ihrer Stelle hätte ich dasselbe getan.
Ich machte kehrt und schlug Mrs. Hawkins die Tür vor der elenden Nase zu, dann ging ich zum Bett hinüber.
»Ich bin’s«, sagte ich. »Wie wäre es, wenn du da herauskommst, ehe du erstickst?«
Plötzlich kam Bewegung in die Bettwäsche, und Mary schoss aus den Decken hervor wie ein Delfin, der aus den Meereswogen steigt, und klammerte sich an meinen Hals.
»Claire! Oh, Claire! Gott sei Dank! Ich dachte schon, ich würde dich nie wiedersehen! Mein Onkel hat gesagt, du wärst im Gefängnis! Er s-sagt, du …«
»Lass los.« Es gelang mir, ihren Griff zu lösen und sie so weit von mir zu schieben, dass ich einen Blick auf sie werfen konnte. Sie war rot, verschwitzt und zerzaust, weil sie sich unter der Bettwäsche versteckt hatte, doch ansonsten sah sie gut aus. Ihre braunen Augen waren groß und klar und zeigten keine Symptome eines Opiumrauschs, und sie machte zwar einen erregten und alarmierten Eindruck, doch offensichtlich hatte die Nachtruhe, gepaart mit der Widerstandskraft der Jugend, dem Großteil ihrer körperlichen Verletzungen abgeholfen. Es waren die anderen Verletzungen, die mir Sorge bereiteten.
»Nein, ich bin nicht im Gefängnis«, sagte ich, um die Flut ihrer Fragen zu stillen. »Das ist ja offensichtlich, auch wenn dein Onkel diesbezüglich alles versucht hat.«
»Ab-Aber ich habe es ihm doch erklärt …«, begann sie, dann ließ sie stotternd den Blick sinken. »Z-Zumindest habe ich v-versucht, es ihm zu erklären, aber er … aber ich …«
»Mach dir keine Sorgen«, beruhigte ich sie. »Er ist so außer sich, dass er auf kein Wort von dir hören würde, ganz gleich, wie du es sagst. Es spielt auch gar keine Rolle. Was wichtig ist, bist du. Wie geht es dir?« Ich schob ihr das schwere schwarze Haar aus der Stirn und betrachtete sie forschend.
»Gut«, antwortete sie und schluckte. »Ich … habe ein bisschen geblutet, aber dann hat es aufgehört.« Das Blut stieg ihr noch höher in die blassen Wangen, doch sie sah mich aufrecht an. »Ich … es ist … wund. Hö-Hört das wieder auf?«