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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Stunden verstrichen. Von Zeit zu Zeit fielen Scapa und Arane in einen leichten Halbschlaf und Scapas Erinnerungen vermischten sich mit der Gegenwart und seinen Träumen. Noch immer holperte die Kutsche dahin und Peitschen knallten. Gut vierzig Graue Krieger auf Schlachtrössern begleiteten sie. Der Schlaf wogte lähmend und angenehm über sie hinweg.

Scapa wachte auf, als eine kühle Hand ihm über die Wange strich, und verwundert stellte er fest, dass die Kutsche nicht mehr rumpelte. Arane war neben ihm.

»Komm«, sagte sie sanft. »Wir sind da.«

Sie stiegen aus der Kutsche. Ohne sich noch einmal zu ihrem Gefolge umzudrehen, nahm Arane Scapa an der Hand und raffte ihre Röcke, dann gingen sie einen zerklüfteten Felshang hinauf.

Ein frischer Wind wehte ihnen entgegen. Salzgeruch hing in der Luft. In den Nischen und Spalten des Gesteins hatte sich Sand abgesetzt. Wirbelnde Schneeflocken stoben wie weiße Blätter durch die Luft. In den Hohlräumen der spitzzackigen Felsen heulte der Wind. Aber noch ein anderes Rauschen mischte sich in das Windgetöse.

Arane und Scapa hatten die Spitze des Hangs erreicht und standen auf einem weiten Felsvorsprung.

Er beugte sich direkt – dem offenen Meer entgegen.

Scapa schnappte nach Luft. Er hatte noch nie das Meer gesehen. Nun erstreckte es sich so weit vor ihm, dass sein Blick es gar nicht einfangen konnte.

Bis zum fernen Horizont reichte es und verschwamm zu beiden Seiten in der Ferne, gesäumt von zerklüfteten Felsen und Sandhügeln. Gut fünfzig Meter unter ihnen peitschten mannshohe Wellen gegen die Klippen, schäumten unter Tosen und Gurgeln auf und verschlangen sich gegenseitig. Es war, als führten die Wellen einen ewigen Kampf gegen sich und die Felsen.

Weiter draußen war das Wasser noch immer aufgeraut und die Wellenkämme trugen weiße Schaumkronen. Das Meer sah aus wie eine unendliche, graue Wüste, die alles verschlingen würde, was ihr nahe kam. Dann bemerkte Scapa etwas aus den Augenwinkeln und wandte sich vom Anblick des Ozeans ab.

Dort, wo die rauen Klippen abfielen und Dünen sich zum Meer hin erstreckten, herrschte ein reges Gewimmel. Scapa erkannte, dass es Baustellen waren: Große, merkwürdige Strukturen wurden von den scheinbar ungeordnet durcheinander laufenden Arbeitern hergestellt. Von hier oben sahen sie aus wie die Gerippe riesiger Tiere. Als Scapas Blick weiter schweifte, sah er, wie sie fertig gebaut aussahen: Lange, hölzerne Ruderschiffe mit eingerollten Segeln trieben auf den Wellen. Es war eine ganze Flotte – zwanzig, dreißig, fünfzig Schiffe schätzte Scapa.

»Schiffe?«, wiederholte er. »Wieso baust du Schiffe?«

Arane trat hinter ihn. Ihr Umhang flatterte im Wind, der vom Meer herüberwehte, und aus ihrem kunstvollen Haarkranz lösten sich einzelne Strähnen.

»Ich will nicht nur die Dunklen Wälder erobern. Das ist nicht das Ziel, das ich verfolge, sondern nur ein notwendiger Schritt dahin.« Nun, da sie ihm dies eröffnet hatte, atmete Arane tief die frische Seeluft ein und zog die Schultern hoch. Ihre Augen glänzten.

»Sobald die Dunklen Wälder mir gehören und die drohende Gefahr beseitigt ist, will ich diese Schiffe ausschicken. Es heißt, in der Ferne, jenseits der Meere, gäbe es unentdeckte Länder und ganze Welten, die kein Mensch zuvor betreten hat. Ich will sie alle erkunden lassen. Ich will die Welt entdecken! Und ich will sie erobern. Es ist so viel da draußen, so viel ... dass ich mich manchmal winzig klein fühle, wie ... ja, wie ein Schneekorn im Sturm, weißt du?«

Scapa sah sie an. Er musste sich plötzlich fragen, was sie von Dingen haben würde, die sie nicht einmal sehen konnte. Arane würde bereit sein, Blut zu vergießen und Leben zu opfern nur für einen Gedanken. Für den Gedanken des Sieges. Für ein Land, auf das sie ihren Namen, nicht aber einen Fuß setzen würde. Das war es, was sie wollte. Das war es, was sie ihr ganzes Leben lang angestrebt hatte: Sie wollte der Welt ihren Namen einritzen, und wenn es sein musste, mit einer blutigen Klinge.

Vom Abgrund brauste der Wind empor und wirbelte eine Woge tanzender Schneekörner um Arane und Scapa. Sein Herz zog sich zusammen, so sehr verschwammen in diesem Moment Wirklichkeit und Traum. Arane war ihm so nah, und der Schnee, der Schnee stob unter ihren Füßen hervor, direkt in den Himmel hinein.

»Und wer weiß?«, flüsterte Arane. »Vielleicht ist dort in der Ferne, im Unbekannten das Land, das wir suchen. Wo die Sonne scheint und wo es weite, grüne Auen gibt, bis zum Horizont ... Wo es keine bösen Menschen gibt, keine Habgier, keine Armut und keine hinterhältigen Elfen. Nur das, was wir mitbringen. Uns beide.« In ihren Augen schimmerten Tränen.

Scapa wusste nicht mehr, was sie wollte: die Welt oder eine perfekte Welt, den Sieg oder ihren Frieden, ihre Ziele oder ihn, Scapa ...

Wortlos schloss er die Augen. Jenseits des Meeres, in die Ferne – so weit sollten sie also reisen, um die Freiheit und den Frieden zu finden, nach denen Arane sich sehnte. Im Fuchsbau hatte sie ihn damals nicht gefunden. In den Marschen von Korr, dem gigantischen Turm, zwischen all den herrlichen Samtkleidern und Seidenkissen war er nicht. Und auch jetzt, wo sie der unendlichen Freiheit des Meeres gegenüber stand, sehnte sie sich nach einem fernen Traum.

Nill schob ihre Kapuze nach hinten. Eine Weile stand sie reglos im Schatten der hohen Bäume. Der Anblick des Dorfes hatte etwas in ihr versteinert, und sie konnte sich mehrere Augenblicke lang nicht rühren. Selbstgefällig hockten die Häuser mit ihren Strohdächern und ordentlichen Holzwänden beieinander. Hier und da sah sie geschäftige Menschen beim Pflügen ihrer kleinen Gärten und Felder, sie liefen zwischen den Häusern umher und sprachen miteinander. So viele Erinnerungen kamen in Nill hoch, dass ihr schlecht wurde. Ihre Fäuste ballten sich. Wenn sie jetzt nicht den Mut aufbrachte – dann nie!

Mit steifen Schritten ging sie los. Noch bewegte sie sich in den Schatten der hohen, rauschenden Bäume. Sie blinzelte eine Schneeflocke aus den Augen, zog sich die Kapuze aber nicht wieder über den Kopf. Sie würde sich nicht verstecken, sondern erhobenen Hauptes ins Dorf gehen. Unter dem Wams, in ihrem Gürtel, steckte der Steindorn. Obwohl sie natürlich Hunderte von Meilen von dem Weißen Kind entfernt war, hatte sie plötzlich das Gefühl, dass der Stein wärmer war als sonst. Und auch ein Kurzschwert trug sie bei sich. Unbewaffnet würde sie sich dem Hykadendorf auf keine hundert Meter nähern. Die Schatten des Waldes glitten zurück. Sie stand im grauen Tageslicht. Es sah aus, als würde es bald dämmern, obwohl gerade erst Nachmittag sein konnte.

Nill schritt an den Häusern und Hütten vorbei. Die Menschen, an denen sie vorüberkam, blickten verblüfft auf. Manche begannen zu tuscheln und auf sie zu zeigen. Nill ging bis zum Marktplatz in der Mitte des Dorfes. Vor ihr ragte das Haus des Dorffürsten auf, das etwas größer war als die anderen Hütten.

Inzwischen hatte sich eine regelrechte Menge um sie geschlossen. Das Murmeln und Tuscheln der Menschen schwoll an.

Nill blickte ihnen in die kühlen Gesichter, ohne Scham zu verspüren. Was sie fühlte, war Bedauern; Bedauern dafür, dass sie so lange, fast ihr ganzes Leben lang, wie diese Menschen hatte sein wollen. Wäre damals ihr sehnlicher Wunsch so mancher Nächte in Erfüllung gegangen, Nill wäre heute genauso gemein wie die Leute, die jetzt mit krummen Fingern auf sie zeigten.

»Das Dornenmädchen ist zurück! Der Bastard, seht! Sie ist wirklich zurückgekommen!«, riefen einige Leute gedämpft. »Was hat sie an? Das sind fremde Kleider! Seht doch, dieser Mantel! Und sie trägt Hosen, sie trägt Männerkleider!«

Nill öffnete den Mund und schlagartig verstummte die Menge. »Ich suche den Fürst von Lhorga!«, rief sie. Ihr Atem gefror zu kleinen Wölkchen, die sofort wieder zerfielen. »Weiß jemand, wo er ist?« Sie drehte sich langsam im Kreis. Alle Blicke waren auf sie gerichtet, manche noch immer verblüfft, andere verächtlich. Doch niemand antwortete ihr.

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