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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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»So lassen Sie doch endlich Bataillonskolonnen bilden und einen Umweg um das Dorf machen!« rief Kutusow ärgerlich einem heranreitenden General zu. »Begreifen Sie denn nicht, meine verehrte Exzellenz, daß man, wenn man gegen den Feind vorgeht, nicht in einer solchen Breite durch die langen Dorfstraßen ziehen kann.«

»Ich wollte die Aufstellung hinter dem Dorf vornehmen lassen, Exzellenz«, erwiderte der General.

Kutusow lachte bitter.

»Das kann ja gut werden, wenn Sie die Front erst angesichts des Feindes formieren! Sehr gut kann das werden!«

»Der Feind ist noch weit, Exzellenz. Nach der Disposition …«

»Zum Teufel die Disposition!« schrie Kutusow gallig. »Wer sagt Ihnen denn das? Tun Sie gefälligst, was ich Ihnen befehle!«

»Zu Befehl.«

»Mon cher«, flüsterte Neswizkij dem Fürsten Andrej zu, »le vieux est d’une humeur de chien.«

Da sprengte ein österreichischer Offizier in weißer Uniform und grünem Federbusch auf Kutusow zu und fragte im Namen des Kaisers, ob die vierte Kolonne schon in den Kampf gezogen sei.

Kutusow gab keine Antwort, wandte sich um, und sein Blick fiel zufällig auf den Fürsten Andrej, der gleich hinter ihm stand. Als Kutusow Bolkonskij sah, milderte sich der böse, scharfe Ausdruck seiner Augen, als käme es ihm zum Bewußtsein, daß sein Adjutant doch an dem, was da vorging, nicht schuld sei. Und ohne dem österreichischen Adjutanten eine Antwort zu geben, wandte er sich an Bolkonskij und sagte auf französisch zu ihm: »Sehen Sie zu, mein Lieber, ob die dritte Division schon durch das Dorf marschiert ist, und sagen Sie ihr, sie solle haltmachen und meine Befehle abwarten.«

Fürst Andrej wollte gerade abreiten, als er ihn noch einmal zurückhielt: »Und fragen Sie, ob die Schützen aufgestellt sind«, fügte er hinzu.

»Was die nur machen, was die nur machen!« murmelte er dann vor sich hin, noch immer ohne dem Österreicher eine Antwort gegeben zu haben.

Fürst Andrej sprengte hinweg, um seinen Auftrag auszuführen.

Nachdem er alle schon vorübergezogenen Bataillone überholt hatte, hielt er bei der dritten Division an und überzeugte sich, daß tatsächlich keine Schützenkette vor unseren Kolonnen aufgestellt war. Der Kommandeur des vordersten Regiments war höchst verwundert, als ihm vom Oberkommandierenden der Befehl, Schützen ausschwärmen zu lassen, überbracht wurde. Er war der festen Überzeugung gewesen, daß vor ihm noch andere von unseren Truppen marschierten, und daß der Feind noch gegen zehn Werst entfernt sein müsse. Und tatsächlich war vorn nichts weiter zu sehen als ein ödes Gelände, das stark abfiel und von dichtem Nebel bedeckt war. Nachdem Fürst Andrej im Namen des Oberkommandierenden den Befehl erteilt hatte, das Versäumte nachzuholen, sprengte er eilig wieder zurück. Kutusow befand sich noch an derselben Stelle, sein vierschrötiger Körper war greisenhaft im Sattel zusammengesunken; er gähnte schwer und machte die Augen zu. Die Truppen waren nicht mehr in Bewegung, sie standen Gewehr bei Fuß.

»Schön, schön«, sagte er zum Fürsten Andrej und wandte sich dann an einen General, der mit der Uhr in der Hand bemerkte, es sei Zeit abzumarschieren, da alle Kolonnen des linken Flügels bereits talabwärts gezogen wären.

»Wir kommen schon noch hin, Exzellenz«, brummte Kutusow unter Gähnen. »Wir kommen schon noch hin«, wiederholte er.

In diesem Augenblick hörte man die Regimenter hinter Kutusow in der Ferne Hurra schreien, und dieses Geschrei, das sich über die ganze Linie der vorrückenden russischen Kolonnen ausbreitete, kam rasch immer näher und näher. Es war deutlich zu merken, daß der, dem dieser Gruß galt, sehr schnell ritt. Als nun auch die Soldaten jenes Regiments, vor dem Kutusow hielt, zu schreien anfingen, ritt dieser ein wenig zur Seite und sah sich stirnrunzelnd um. Auf dem Weg von Pratzen kam eine buntfarbige Kavalkade daher, als wäre es eine ganze Schwadron. Allen voran sprengten in scharfem Galopp zwei Reiter. Der eine, in schwarzer Uniform und weißem Federbusch, ritt eine englisierte Fuchsstute, der andere, in weißer Uniform, einen Rappen. Es waren die beiden Kaiser mit ihrem Gefolge. Als alter Soldat, der schon oft an der Front gewesen ist, kommandierte Kutusow dem neben ihm stehenden Regiment: »Stillgestanden!« und ritt salutierend auf den Kaiser zu. Seine ganze Gestalt und sein ganzes Wesen schienen mit einem Schlag verändert. Er nahm die Miene eines Untergebenen an, der sich jedes Urteils enthält. Mit erkünstelter Ehrerbietung, die Kaiser Alexander offenbar unangenehm berührte, ritt er auf ihn zu und salutierte.

Doch dieser unangenehme Eindruck huschte schnell, wie ein letztes Nebelfetzchen am klaren Himmel, über das junge, glückliche Gesicht des Kaisers und verschwand sogleich wieder. Nach seinem Unwohlsein erschien er heute etwas magerer als auf dem Felde bei Olmütz, wo ihn Bolkonskij zum erstenmal im Ausland gesehen hatte, aber in seinen schönen blaugrauen Augen lag dieselbe bezaubernde Verschmelzung majestätischer Größe und sanfter Güte, und seine feinen Lippen zeigten dieselbe vielgestaltige Ausdruckskunst, wobei allerdings meist der Ausdruck jugendlich harmloser Gutherzigkeit vorherrschte.

Bei der Besichtigung in Olmütz war er majestätisch würdevoller gewesen, heute war er heiterer und energischer. Durch diesen Galopp von beinahe drei Werst hatte sich sein Gesicht etwas gerötet, und er hielt ausruhend an, schöpfte tief Atem und sah sich nach seiner Suite um, deren Gesichter ebenso jung und belebt waren wie das seine. Czartoryski und Nowosilzew, Fürst Wolkonskij, Stroganow und andere, lauter reich gekleidete, heitere junge Leute auf prächtigen, sorgfältig gepflegten, frischen Pferden, die nur wenig in Schweiß geraten waren, machten hinter dem Kaiser halt und unterhielten sich lächelnd. Kaiser Franz, ein frischer junger Mann mit länglichem Gesicht, saß ungewöhnlich steif auf seinem schönen schwarzen Hengst und sah sich besorgt und gemessen um. Er rief einen seiner Adjutanten in weißer Uniform zu sich heran und fragte ihn etwas. Sicherlich will er wissen, um welche Zeit sie weggeritten sind, dachte Fürst Andrej und betrachtete den Kaiser wie einen alten Bekannten, konnte aber ein Lächeln nicht unterdrücken, als er an seine Audienz bei ihm dachte. Im Gefolge der Kaiser befanden sich auserlesene, reckenhafte junge Ordonnanzoffiziere aus österreichischen und russischen Garde- und Linienregimentern. Dazwischen waren auch einige Bereiter, die prächtige kaiserliche Reservepferde mit gestickten Decken mit sich führten.

Wie durch ein geöffnetes Fenster der frische Wind aus Wald und Feld in die dumpfe Stube hineinbläst, so fühlte sich der verdrossene Kutusowsche Stab durch die Heiterkeit, Energie und Siegesgewißheit dieser heransprengenden glänzenden Jugend frisch angeweht.

»Warum fangen Sie denn nicht an, Michail Ilarionowitsch?« wandte sich Kaiser Alexander eilig an Kutusow, warf aber gleichzeitig einen höflichen Seitenblick auf Kaiser Franz.

»Ich warte noch, Majestät«, erwiderte Kutusow in ehrerbietig vornübergeneigter Haltung.

Der Kaiser hielt ihm das Ohr hin, runzelte leicht die Stirn und tat, als habe er ihn nicht verstanden.

»Ich warte noch, Majestät«, wiederholte Kutusow. Fürst Andrej bemerkte, daß Kutusows Oberlippe unnatürlich zitterte, während er dieses »Ich warte noch« aussprach. »Es sind noch nicht alle Kolonnen zusammengezogen, Majestät.«

Der Kaiser hatte es jetzt gehört, aber diese Antwort schien ihm sichtlich nicht zu gefallen. Er zuckte die etwas krummen Schultern und sah Nowosilzew an, der neben ihm hielt, als wolle er sich mit diesem Blick über Kutusow beklagen.

»Wir sind doch hier nicht auf der Zarizynwiese, Michail Ilarionowitsch, wo die Parade nicht eher anfangen darf, als bis alle Regimenter aufmarschiert sind«, sagte der Kaiser und sah dabei wieder Kaiser Franz ins Gesicht, als fordere er ihn auf, zuzuhören, was er sage, wenn er sich nun schon an dem Gespräch nicht beteiligen wolle. Aber Kaiser Franz fuhr fort, sich umzuschauen, und hörte nicht hin.

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