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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Man sah, wie die Rauchwölkchen der Gewehre an den Hängen entlangliefen und einander zu jagen schienen, und wie die Rauchschwaden der Geschütze aufwirbelten, sich ausbreiteten und ineinanderflossen. An dem Blinken der Bajonette durch den Rauch erkannte man, wie sich die Infanterie in Massen vorwärts wälzte und die Artillerie mit ihren grünen Munitionswagen in schmalen Streifen dahinzog.

Auf einem Höhenvorsprung hielt Rostow sein Pferd einen Augenblick an, um zu beobachten, was dort vor sich ging. Aber wie sehr er auch seine Aufmerksamkeit anspannte, er konnte weder erkennen noch verstehen, was sich da abspielte: es bewegten sich dort im Rauch gewaltige Menschenmassen, irgendwelche Truppenkörper schoben sich vorwärts und rückwärts, aber wer, warum und wohin – daraus konnte er nicht klug werden. Doch dieser Anblick und das Getöse weckten in ihm keineswegs Bangen und Zagen, sondern flößten ihm im Gegenteil Energie und Entschlossenheit ein.

Nur immer feste, immer feste! sagte er in Gedanken zu diesem Getöse und sprengte weiter die Front entlang, immer mehr und mehr in jene Truppenteile eindringend, die schon in den Kampf verwickelt waren.

Wie es kommen wird, weiß ich nicht, aber es wird schon alles gut werden! sagte sich Rostow.

Nachdem er an verschiedenen österreichischen Truppen vorbeigekommen war, bemerkte er, daß der nun folgende Teil der Front – es war die Garde – bereits mitten im Kampf stand.

Um so besser, dann werde ich alles aus nächster Nähe sehen, dachte Rostow.

Er ritt fast an der Vorderlinie entlang. Einige Reiter sprengten in der Richtung auf ihn zu. Es waren unsere Leibulanen, die in aufgelösten Reihen von einem Angriff zurückkamen. Rostow ritt dicht an ihnen vorbei, bemerkte, daß einer blutüberströmt war, und jagte weiter.

Das schert mich nicht! dachte er.

Er war noch keine hundert Schritt weitergeritten, als links, über die ganze weite Ausdehnung des Feldes, eine Unmasse Kavallerie in glänzenden weißen Uniformen auf schwarzen Rossen sichtbar wurde, die, ihm den Weg abschneidend, gerade auf ihn zutrabte. Rostow trieb sein Pferd an, so sehr er konnte, um den Reitern die Bahn freizugeben, und es wäre ihm auch gerade noch gelungen, wenn diese ihr anfängliches Tempo beibehalten hätten. Aber sie ritten immer schneller und schneller, so daß sie teilweise bereits galoppierten. Rostow hörte immer deutlicher das Stampfen der Hufe und Klirren der Waffen und erkannte immer greifbarer die Pferde, die Gestalten und sogar die Gesichter. Es war unsere Gardekavallerie, die zu einer Attacke gegen französische Kavallerie vorging, welche gegen sie anrückte.

Die Gardekavalleristen sprengten im Galopp heran, hielten aber die Pferde noch etwas zurück. Rostow erkannte schon genau die Gesichter und hörte das Kommando: »Marsch, Marsch!« eines Offiziers, der sein Vollblut in vollem Galopp dahinsausen ließ. Rostow, der in Gefahr schwebte, überritten oder in die Attacke auf die Franzosen mit hineingezogen zu werden, jagte, was sein Pferd nur laufen konnte, vor der Front her. Dennoch gelang es ihm nicht, vollständig vorbeizukommen.

Der Flügelmann der Gardekavallerie, ein riesiger Mensch mit pockennarbigem Gesicht, runzelte finster die Stirn, als er Rostow, mit dem er unfehlbar zusammenstoßen mußte, vor sich sah. Zweifellos hätte er ihn mitsamt seinem »Beduinen« in Grund und Boden gestampft – Rostow kam sich im Vergleich mit diesen riesigen Leuten und Pferden selber so winzig und schwach vor –, wenn Rostow nicht auf den Einfall gekommen wäre, dem Pferde des Kavalleristen mit der Peitsche in die Augen zu schlagen. Der schwere, lange Rappe legte die Ohren zurück und bäumte sich, aber der pockennarbige Gardekavallerist stieß ihm mit aller Wucht die gewaltigen Sporen in die Flanken, und das Pferd schlug mit dem Schweif, streckte den Hals vor und jagte noch toller weiter. Kaum war die Gardekavallerie an Rostow vorbei, da hörte er auch schon ihr Hurraschreien, und als er sich umblickte, sah er, wie die ersten Reihen sich bereits mit fremden Kavalleristen, wahrscheinlich Franzosen, mit roten Achselstücken vermischt hatten. Weiter konnte er nichts sehen, denn gleich darauf wurde von irgendwoher geschossen, und alles hüllte sich wieder in Rauch.

In dem Augenblick, als die Gardekavallerie an ihm vorbei und im Rauch verschwunden war, fing Rostow an zu schwanken, ob er ihnen nachsprengen oder dorthin reiten sollte, wohin es ihm befohlen war. Es war jene glänzende Attacke der Gardekavallerie, die selbst bei den Franzosen Bewunderung hervorgerufen hat. Mit Grauen hörte Rostow dann später, daß von dieser gewaltigen Masse schöner Menschen, von all den reichen jungen Leuten, Offizieren und Junkern, die auf ihren prächtigen Pferden für tausend Rubel an ihm vorbeisprengten, nach der Attacke nur noch achtzehn Mann übriggeblieben waren.

Warum beneide ich sie? Der Kampf wird mir nicht davonlaufen, und vielleicht sehe ich doch noch den Kaiser, dachte Rostow und jagte weiter.

Als er bis zur Gardeinfanterie vorgedrungen war, bemerkte er, daß hier und ringsherum Kanonenkugeln einschlugen, und zwar merkte er das nicht nur an dem Sausen der Kugeln, sondern an den unruhigen Gesichtern der Soldaten und den unnatürlich kriegerischfeierlichen Mienen der Offiziere.

Er ritt hinter der einen Linie dieser Gardeinfanterie entlang. Da hörte er plötzlich seinen Namen rufen.

»Rostow!«

»Was ist?« rief er zurück, ohne Boris erkannt zu haben.

»Denk mal, wir sind ganz an die Front gekommen! Unser Regiment ist zum Angriff vorgegangen!« rief Boris mit jenem glückseligen Lächeln, wie man es oft bei jungen Leuten sieht, die zum erstenmal im Feuer gewesen sind. Rostow hielt sein Pferd an.

»Sieh mal an!« sagte er. »Nun und?«

»Wir haben sie geschlagen!« sagte Boris erregt und wurde gesprächig.

»Denke dir nur …«

Und nun fing Boris an zu erzählen, wie die Garde in Ruhe gelegen und vor sich Truppen gesehen habe und immer in dem Glauben gewesen sei, es seien Österreicher. Plötzlich hätten sie durch Kanonenkugeln, die von jenen Truppenteilen zu ihnen herübergeflogen seien, erkannt, daß sie in der ersten Linie standen, und seien ganz unerwartet in den Kampf verwickelt worden. Aber Rostow ließ Boris nicht zu Ende erzählen, sondern trieb sein Pferd wieder an.

»Wohin reitest du?« fragte Boris.

»Zu Seiner Majestät, mit einem Auftrag.«

»Da ist er ja«, sagte Boris, der verstanden hatte, daß Rostow Seine Hoheit und nicht Seine Majestät suche.

Und er zeigte auf den Großfürsten, der im Helm und Koller der Gardekavallerie mit seinen hochgezogenen Schultern stirnrunzelnd etwa hundert Schritte von ihnen entfernt stand und einem bleichen österreichischen Offizier in weißer Uniform etwas zuschrie.

»Aber das ist doch der Großfürst, ich muß doch zum Oberkommandierenden oder zum Kaiser«, rief Rostow und wollte davonsprengen.

»Graf, Graf!« rief Berg, der ebenso aufgeregt wie Boris von der anderen Seite herbeigelaufen kam, »Graf, ich bin an der rechten Hand verwundet worden«, rief er und zeigte seine blutende Hand, die mit einem Taschentuch umwunden war, »bin aber trotzdem an der Front geblieben. Ich führe jetzt den Degen mit der linken Hand, Graf, in unserem Geschlecht, im Geschlecht derer von Berg, sind alle stets Helden gewesen!«

Berg fügte noch etwas hinzu, aber Rostow hörte nicht auf ihn und sprengte weiter.

Nachdem er die Garde und einen darauf folgenden leeren Zwischenraum hinter sich hatte, hielt sich Rostow, um nicht wieder in die vorderste Linie wie bei der Attacke der Gardekavallerie hineinzugeraten, mehr nach den Reserven zu und weit von der Richtung entfernt, von wo aus das lauteste Flinten- und Geschützfeuer zu hören war. Plötzlich vernahm er vor sich, also hinter unseren Truppen, an einer Stelle, wo keineswegs der Feind zu vermuten war, in nächster Nähe Gewehrfeuer.

Was kann das sein? Der Feind im Rücken unserer Truppen? Das ist unmöglich, dachte Rostow, und eine entsetzliche Furcht für sich und den Ausgang der ganzen Schlacht kam plötzlich über ihn. Was es auch immer sein mag, dachte er dann weiter, ich kann jetzt nicht mehr ausweichen. Ich muß den Oberkommandierenden hier suchen, und wenn alles verloren ist, so ist es meine Pflicht, hier mit allen anderen zu fallen.

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