Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Wilde Erdbeeren!«, sagte ich entzückt.
Die Beeren waren dunkelrot und winzig, ungefähr so groß wie mein Daumengelenk. Gemessen an den Richtlinien des modernen Gartenbaus, wären sie zu herb gewesen, fast bitter, aber zu einer Mahlzeit aus halbgarem Bärenfleisch und steinharten Maiskuchen waren sie einfach köstlich – süße Nadelstiche auf meiner Zunge.
Ich sammelte eine Handvoll nach der anderen in meinem Umhang, ohne mich an den Flecken zu stören – was war schon ein bisschen Erdbeersaft zwischen den Flecken von Kiefernpech, Ruß, Laub und schlichtem Dreck? Als ich fertig war, klebten meine Finger und rochen durchdringend nach Saft, mein Magen war angenehm voll, und von dem herb-sauren Geschmack der Beeren fühlte sich mein Mund ganz rauh an. Dennoch konnte ich nicht widerstehen und nahm mir eine letzte Beere.
Jamie lehnte sich mit dem Rücken an eine Platane, die Augen vor der blendenden Nachmittagssonne halb geschlossen. Die kleine Lichtung hielt das Licht wie eine Schale, hell und klar.
»Was hältst du von diesem Ort, Sassenach?«, fragte er.
»Ich finde ihn wunderschön. Du nicht?«
Er nickte und sah zwischen den Bäumen hinab, wo sich eine Wiese voll Timotheusgras bergab senkte und in einer Reihe von Weiden, die in der Entfernung den Fluss säumte, wieder anstieg.
»Ich überlege«, sagte Jamie ein wenig verlegen. »Hier im Wald ist die Quelle. Die Wiese da unten –« Er deutete mit einer Handbewegung auf die Erlen, die den Bergkamm von dem grasbewachsenen Hang abschirmten. »Sie würde fürs Erste für etwas Vieh reichen, und dann könnte man das Land am Fluss roden und bebauen. Die Steigung hier ist gut zur Entwässerung. Und hier, siehst du …« Hingerissen von seinen Visionen, stand er auf und zeigte mit dem Finger darauf.
Ich sah genau hin – mir erschien die Stelle kaum anders als die steilen, bewaldeten Abhänge und grasbewachsenen Kuppen, die wir in den letzten paar Tagen durchwandert hatten. Doch unter Jamies erfahrenem Blick erhoben sich Häuser und Vorratsschuppen und Felder wie Zauberpilze im Schatten der Bäume.
Er leuchtete förmlich vor Glück. Mir lag das Herz bleischwer in der Brust.
»Du meinst also, wir sollten uns hier ansiedeln? Auf das Angebot des Gouverneurs eingehen?«
Er sah mich an und hielt abrupt in seinen Spekulationen inne.
»Das könnten wir«, sagte er. »Wenn –«
Er brach ab und warf mir einen Seitenblick zu. Sonnenverbrannt, wie er war, konnte ich nicht erkennen, ob er nun von der Sonne oder aus Schüchternheit errötete.
»Glaubst du an Vorzeichen, Sassenach?«
»Was für Vorzeichen?«, fragte ich vorsichtig.
Statt einer Antwort bückte er sich, pflückte einen Trieb vom Boden und ließ ihn in meine Hand fallen – dunkelgrüne Blätter wie kleine, runde chinesische Fächer, eine reinweiße Blüte auf einem schlanken Stiel, und an einem anderen eine halbreife Beere mit purpurroter Spitze.
»Das. Es gehört zu uns, verstehst du?«, sagte er.
»Uns?«
»Zu den Frasers, meine ich«, erklärte er. Mit seinem großen, stumpfen Finger stupste er die Beere sanft an. »Erdbeeren sind immer das Emblem des Clans gewesen – das ist es, was der Name am Anfang bedeutet hat, als ein Monsieur Fréselière mit König William aus Frankreich herüberkam – und zum Lohn für seine Mühen ein Stück Land in den schottischen Bergen in Besitz nahm.«
König William. William der Eroberer. Die Frasers waren vielleicht nicht der älteste der Highlandclans, doch sie waren dennoch von bedeutender Abstammung.
»Krieger seit eh und je, stimmt’s?«
»Und auch Bauern.« Der Zweifel in seinen Augen wich einem Lächeln.
Ich sagte nicht, was ich dachte, doch ich wusste sehr gut, dass ihm derselbe Gedanke durch den Kopf gehen musste. Vom Clan der Frasers waren nur noch verstreute Fragmente geblieben, jene, die durch Flucht, List oder Glück überlebt hatten. Die Clans waren auf dem Schlachtfeld von Culloden zerschlagen worden, ihre Oberhäupter in der Schlacht umgekommen oder von der Justiz ermordet.
Und doch stand er hier, hochgewachsen und aufrecht, den dunklen Stahl eines Highlanddolches an seiner Seite. Krieger und Bauer zugleich. Und wenn er auch nicht den Boden Schottlands unter den Füßen hatte, so atmete er doch in Freiheit – und es war Bergwind, der in seinem kupferroten Haar spielte.
Ich lächelte ihn an und unterdrückte mein wachsendes Unwohlsein.
»Fréselière, was? Mr. Erdbeere? Dann hat er sie also angebaut – oder hat er sie nur gern gegessen?«
»Vielleicht eins von beidem, vielleicht beides«, sagte er trocken, »oder vielleicht war er auch einfach nur ein Rotschopf, aye?«
Ich lachte, und er hockte sich neben mich und löste die Brosche, die sein Plaid festhielt.
»Es ist eine besondere Pflanze«, sagte er und berührte den Zweig in meiner offenen Hand. »Blüten, Früchte und Blätter gleichzeitig. Die weißen Blüten stehen für die Ehre, die roten Früchte für Mut – und die grünen Blätter für Beständigkeit.«
Es schnürte mir die Kehle zu, als ich ihn ansah.
»Volltreffer«, sagte ich.
Er umfing meine Hand mit der seinen und presste meine Finger um den winzigen Stengel.
»Und die Frucht hat die Form eines Herzens«, sagte er leise und beugte sich zu mir, um mich zu küssen.
Die Tränen waren dicht unter der Oberfläche; immerhin hatte ich eine gute Entschuldigung für die eine, die jetzt hervorquoll. Er tupfte sie mir ab, stand dann auf, öffnete seinen Gürtel und ließ das Plaid zu Boden fallen. Dann zog er sich Hemd und Hose aus und lächelte mich an, nackt.
»Hier ist niemand«, sagte er. »Niemand außer uns.«
Ich hätte gesagt, dass das kein Grund war, doch ich spürte, was er wirklich meinte. Tagelang waren wir von Weite und Gefahren umgeben gewesen, und die Wildnis war nicht weiter von uns entfernt gewesen, als der blasse Lichtkreis unseres Feuers reichte. Doch hier waren nur wir beide, wir gehörten zu diesem Ort, und am helllichten Tag gab es keinen Grund, die Wildnis auf Abstand zu halten.
»In alter Zeit haben die Menschen das getan, um die Felder fruchtbar zu machen«, sagte er und reichte mir die Hand zum Aufstehen.
»Ich sehe keine Felder.« Und war mir auch nicht sicher, ob ich nicht hoffte, dass ich nie welche sehen würde. Dennoch streifte ich mein Wildlederhemd ab und zog den Knoten meines improvisierten Büstenhalters auf. Er betrachtete mich anerkennend.
»Nun, ich werde ohne Zweifel zuerst ein paar Bäume fällen müssen, aber das kann warten, aye?«
Wir machten uns ein Bett aus Plaid und Umhängen und legten uns nackt darauf, Haut an Haut, umgeben von gelben Gräsern und dem Duft von Balsam und wilden Erdbeeren.
Wir berührten uns lange, oder vielleicht waren es auch nur Augenblicke, die wir zusammen im Garten der irdischen Freuden verbrachten. Ich verdrängte die Gedanken, die mich während des ganzen Aufstiegs geplagt hatten, und wollte nur noch seine Freude teilen, solange sie anhielt. Ich umschloss ihn fest, und er atmete tief ein und presste sich an meine Hand.
»Und was wäre das Paradies ohne eine Schlange?«, murmelte ich, während meine Finger auf und ab strichen.
Seine Augen zogen sich zu blauen Dreiecken zusammen.
»Und wirst du mit mir speisen, mo chridhe? Von der Frucht vom Baum der Erkenntnis?«
Ich ließ meine Zungenspitze herausgleiten und zog sie ihm als Antwort über die Unterlippe. Er erschauerte unter meinen Fingern, obwohl die Luft warm und süß war.
»Je suis prêt«, sagte ich. »Monsieur Fréselière.«
Er neigte den Kopf, und sein Mund saugte sich an meiner Brustwarze fest, die so geschwollen war wie eine der kleinen, reifen Beeren.
»Madame Fréselière«, flüsterte er zurück. »Je suis à votre service.«
Und dann teilten wir uns die Früchte und die Blüten, und die grünen Blätter, die alles bedeckten.