Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Dann erhob er sich ohne jedes Zeichen von Steifheit und hielt Jamie die Pfeife hin.
Jamie rauchte genau wie die Indianer – ein oder zwei zeremonielle Züge –, dann hob er die Pfeife und wandte sich um, um sie mir zu reichen.
Ich ergriff die Pfeife und zog vorsichtig daran. Sofort füllte mir brennender Rauch Augen und Nase, und meine Kehle zog sich zu einem überwältigenden Hustenreiz zusammen. Ich würgte ihn hinunter und gab Jamie hastig die Pfeife. Ich spürte, wie ich rot wurde, als sich der Rauch träge durch meine Brust kringelte und mich kitzelte und verbrannte, als er sich seinen Weg durch meine Lunge bahnte.
»Man atmet ihn nicht ein, Sassenach«, murmelte er. »Man lässt ihn sich nur hinten in der Nase hochsteigen.«
»Das sagst du … mir … jetzt«, sagte ich, während ich mir Mühe gab, nicht zu ersticken.
Die Indianer beobachteten mich höchst interessiert. Der ältere Mann legte den Kopf schief und runzelte die Stirn, als versuchte er, ein Rätsel zu lösen. Er sprang auf, umrundete das Feuer und hockte sich vor mich, um mich neugierig anzusehen. Er war mir so nah, dass ich den seltsamen Rauchgeruch wahrnahm, der von seiner Haut aufstieg. Er trug nur einen Lendenschurz und eine Art kurzer Lederschürze, doch seine Brust war von einer großen, reichverzierten Kette bedeckt, in die Muscheln, Steine und die Zähne eines großen Tieres eingearbeitet waren.
Ohne Vorwarnung streckte er plötzlich die Hand aus und drückte meine Brust. Die Geste hatte nichts auch nur entfernt Lüsternes an sich, doch ich fuhr zusammen. Jamie tat dasselbe, und seine Hand fuhr an sein Messer.
Der Indianer setzte sich ruhig auf die Fersen zurück und winkte ab. Er legte die Hand flach auf seine Brust, wölbte sie dann und zeigte auf mich. Es hatte nichts zu bedeuten – er hatte sich nur vergewissern wollen, dass ich wirklich eine Frau war. Er zeigte von mir auf Jamie und zog eine Augenbraue hoch.
»Aye, sie gehört zu mir«, nickte Jamie und ließ den Dolch sinken, hielt ihn aber weiter fest und sah den Indianer stirnrunzelnd an. »Benimm dich, ja?«
Unbeeindruckt von diesem Zwischenspiel, sagte einer der jüngeren Indianer etwas und deutete ungeduldig auf den Kadaver am Boden. Der ältere Mann, der Jamies Verärgerung nicht beachtet hatte, antwortete und zog das Häutemesser aus seinem Gürtel, als er sich umwandte.
»Halt – das ist meine Sache.«
Die Indianer drehten sich überrascht um, als Jamie sich erhob. Er deutete mit dem Dolch auf den Bären und wies dann mit der Spitze fest auf seine eigene Brust.
Ohne auf eine Reaktion zu warten, kniete er sich neben dem Kadaver auf den Boden und sagte etwas auf Gälisch, wobei er das Messer über dem reglosen Körper erhoben hielt. Ich kannte den Wortlaut nicht genau, aber ich hatte ihn schon einmal dabei beobachtet, als er auf der Reise von Georgia ein Reh getötet hatte.
Es war das Grallochgebet, das man ihm beigebracht hatte, als er in den schottischen Highlands als Junge das Jagen lernte. Es war alt, hatte er mir erzählt, so alt, dass einige der Worte nicht mehr gebräuchlich waren, daher klang es ungewohnt. Doch man musste es über jedem getöteten Tier sprechen, das größer als ein Hase war, bevor man ihm die Kehle oder die Bauchdecke aufschlitzte.
Ohne zu zögern, machte er einen flachen Einschnitt quer über die Brust des Bären – er brauchte den Kadaver nicht auszubluten, denn das Herz stand schon lange still – und riss die Haut zwischen den Beinen auf, so dass die Eingeweide bleich aus dem schwarzen Pelz hervorquollen und im Licht aufglänzten.
Man braucht sowohl Kraft als auch beträchtliche Erfahrung, um die zähe Haut aufzuschneiden und abzuziehen, ohne Gekröse und Eingeweidesack zu durchbohren. Da ich schon sehr viel nachgiebigere menschliche Körper geöffnet hatte, erkannte ich chirurgische Kompetenz, wenn ich sie sah. Dasselbe galt für die Indianer, die die Vorgänge mit kritischem Interesse beobachteten.
Doch es war nicht Jamies Geschick beim Abhäuten, das ihre Aufmerksamkeit erregt hatte – das war hier sicherlich eine recht verbreitete Fähigkeit. Nein, es war das Grallochgebet – ich hatte gesehen, wie sich die Augen des älteren Mannes weiteten und wie er seinen Söhnen einen Blick zuwarf, als Jamie bei dem Kadaver kniete. Wenn sie auch nicht verstanden, was er sagte, so zeigten ihre Gesichter doch klar, dass sie wussten, was er tat – und dass sie zugleich überrascht und positiv beeindruckt waren.
Eine kleine Schweißspur lief hinter Jamies Ohr herab. Ein großes Tier abzuhäuten, ist Schwerstarbeit, und Jamies Wunden begannen erneut zu bluten.
Bevor ich ihm jedoch anbieten konnte, das Messer zu nehmen, setzte er sich auf die Fersen zurück und hielt einem der Indianer den Dolch mit dem Griff zuerst hin.
»Mach nur«, sagte er und wies einladend auf den halb zerlegten Fleischberg. »Ich hoffe, du hast nicht gedacht, ich wollte das alles selber essen.«
Ohne zu zögern, nahm der Mann das Messer, kniete sich hin und fuhr mit dem Abhäuten fort. Die beiden anderen blickten Jamie an, und als sie sein Nicken sahen, schlossen sie sich an.
Er ließ es geschehen, dass ich ihn ein weiteres Mal auf den Baumstamm setzte und verstohlen seine Schulter säuberte und verband, während er zusah, wie die Indianer den Bären blitzschnell abhäuteten und zerlegten.
»Was hat er mit dem Whisky gemacht?«, fragte ich leise. »Weißt du das?«
Er nickte, wobei er das blutige Werk am Feuer im Blick behielt.
»Es ist eine Beschwörungsformel. Man versprüht heiliges Wasser in alle vier Himmelsrichtungen, um sich vor dem Bösen zu schützen. Und unter diesen Umständen ist Whisky wohl ein ganz annehmbarer Ersatz für heiliges Wasser.«
Ich blickte zu den Indianern hinüber, die bis zu den Ellbogen mit dem Blut des Bären befleckt waren und sich lässig unterhielten. Einer von ihnen baute ein kleines Podest am Feuer, indem er eine grobe Lage Äste über quadratisch angeordnete Steine legte. Ein anderer schnitt Fleischstreifen zurecht und reihte sie zum Garen auf einem geschälten grünen Zweig auf.
»Vor dem Bösen? Meinst du, sie haben vor uns Angst?«
Er lächelte.
»Ich glaube nicht, dass wir so furchterregend sind, Sassenach; nein, vor Geistern.«
Mir hatte der Auftritt der Indianer einen solchen Schrecken eingejagt, dass ich gar nicht auf die Idee gekommen war, unser Erscheinen hätte sie ähnlich aus der Fassung bringen können. Doch als ich mir Jamie jetzt ansah, dachte ich, dass man es ihnen nicht hätte verdenken können, wenn sie nervös geworden wären.
Da ich so an ihn gewöhnt war, war mir nur selten bewusst, wie er auf andere wirkte. Doch selbst müde und verwundet war er noch eindrucksvoll – eine aufrechte und breitschultrige Gestalt mit schrägen Augen, in denen das Feuer blau wie das Herz der Flamme glitzerte.
Er saß jetzt locker da, entspannt, und seine großen Hände lagen lose zwischen seinen Oberschenkeln. Doch es war die Reglosigkeit einer großen Katze, deren Augen unter der Ruhe ständig wachsam waren. Er war groß, er war schnell, doch darüber hinaus hatte er unleugbar einen Hauch von Wildheit an sich – er war genauso in diesen Wäldern zu Hause, wie es der Bär gewesen war.
Die Engländer hatten die Schotten aus dem Hochland immer für Barbaren gehalten; nie zuvor hatte ich in Betracht gezogen, dass andere dasselbe empfinden könnten. Doch diese Männer hatten einen grimmigen Wilden gesehen und sich ihm mit der gebotenen Vorsicht und gezückten Waffen genähert. Und Jamie, den bisher der Gedanke an die wilden Indianer so erschreckt hatte, hatte ihre Rituale gesehen – die den seinen so ähnelten – und sie sogleich als Jäger erkannt, wie er einer war, als zivilisierte Menschen.
Jetzt sprach er ganz selbstverständlich mit ihnen, erklärte in ausladenden Gesten, wie der Bär über uns hergefallen war und wie er ihn getötet hatte. Sie folgten ihm mit großer Aufmerksamkeit und äußerten an genau den richtigen Stellen ihre Anerkennung. Als er die Überreste des zertrampelten Fisches aufhob und meine Rolle bei den Vorgängen demonstrierte, sahen sie mich an und kicherten haltlos.