Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Inverness
Schottland
23. Dezember 1969
Er überprüfte zum dutzendsten Mal den Zugfahrplan und strich dann im Wohnzimmer des Pfarrhauses herum, denn er war zu nervös zum Stillsitzen. Noch eine Stunde.
Das Zimmer war halb zerlegt, und Kartons stapelten sich kunterbunt auf jeder Oberfläche. Er hatte versprochen, das Haus zum Neujahrstag geräumt zu haben, bis auf die Stücke, die Fiona behalten wollte.
Er wanderte durch den Flur und in die Küche, stand einen Moment lang da und starrte in den uralten Kühlschrank, entschied, dass er keinen Hunger hatte, und schloss die Tür.
Er wünschte, Mrs. Graham und der Reverend hätten Brianna kennenlernen können und Brianna sie. Er lächelte beim Anblick des leeren Küchentisches und erinnerte sich an eine Unterhaltung, die er als Jugendlicher mit den beiden älteren Herrschaften geführt hatte, als er, erfüllt von rasender – und unerwiderter – Begierde nach der Tochter des Tabakhändlers, gefragt hatte, woran man erkannte, dass man wirklich verliebt war.
»Wenn du dich fragen musst, ob du verliebt bist, Junge – dann biste’s nicht«, hatte Mrs. Graham ihm versichert und nachdrücklich ihren Löffel auf dem Rand der Rührschüssel abgeklopft. »Und lass die Pfoten von der kleinen Mavis MacDowell, sonst bringt ihr Pa dich um.«
»Wenn du verliebt bist, Rog, erkennst du es ohne Hilfe«, hatte der Reverend eingestimmt und dabei seinen Finger in den Kuchenteig getaucht. Er duckte sich in gespielter Angst, als Mrs. Graham drohend den Löffel hob, und lachte. »Und pass mit der kleinen Mavis auf, Junge; ich bin noch nicht alt genug, um Großvater zu werden.«
Nun, sie hatten recht gehabt. Er hatte es ohne Hilfe erkannt – war sich sicher, seit er Brianna Randall zum ersten Mal begegnet war. Was er nicht genau wusste, war, ob Brianna das Gleiche empfand.
Er konnte nicht mehr warten. Er klopfte sich auf die Tasche, um sicherzugehen, dass er seine Schlüssel hatte, und rannte die Treppe hinunter in den Winterregen, der kurz nach dem Frühstück niederzuprasseln begonnen hatte. Man sagte ja, dass eine kalte Dusche Wunder wirken sollte. Bei Mavis hatte es allerdings nicht funktioniert.
24. Dezember 1969
»Also, der Plumpudding steht im Ofen warm, und der Guss ist hinten in dem kleinen Topf«, instruierte ihn Fiona, während sie sich ihre Pudelmütze aufsetzte. Die Mütze war rot, Fiona war klein, und sie sah damit aus wie ein Gartenzwerg.
»Pass aber auf, dass du die Flamme nicht zu weit aufdrehst. Und mach sie nicht ganz aus, sonst kriegst du sie nie wieder an. Und hier habe ich dir die Anleitung für die Vögel für morgen aufgeschrieben, sie sind schon gefüllt im Topf, und das Gemüse dazu habe ich schon geschnitten, es ist in der großen, gelben Schüssel im Kühlschrank, und …« Sie kramte in ihrer Jeanstasche und zog einen handbeschriebenen Zettel heraus, den sie ihm in die Hand drückte.
Er tätschelte ihr den Kopf.
»Keine Sorge, Fiona«, beruhigte er sie. »Wir brennen das Haus nicht ab. Und wir verhungern auch nicht.«
Sie runzelte zweifelnd die Stirn und zögerte an der Tür. Ihr Verlobter, der draußen in seinem Auto saß, trat ungeduldig aufs Gaspedal.
»Aye, gut. Bist du sicher, dass ihr beiden nicht mit uns kommen wollt? Ernies Mutter würde es nichts ausmachen, sie würde es sicher nicht richtig finden, wenn ihr zwei hier ganz alleine Weihnachten feiert …«
»Keine Sorge, Fiona«, sagte er und drängte sie sanft rückwärts zur Tür hinaus. »Wir schaffen das schon. Feier du nur schön mit Ernie und kümmer dich nicht um uns.«
Sie seufzte und gab widerstrebend nach. »Aye, das werdet ihr wohl.« Als hinter ihr ein kurzes, ärgerliches Hupen erklang, drehte sie sich um und warf dem Wagen einen wütenden Blick zu.
»Also, ich komme ja schon, oder?«, schimpfte sie. Sie wandte sich zurück, strahlte Roger plötzlich an, warf die Arme um ihn, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn fest auf die Lippen.
Sie wich zurück, zwinkerte ihm verschwörerisch zu und verzog ihr kleines, rundes Gesicht. »Jetzt haben wir’s Ernie aber gezeigt«, flüsterte sie. »Frohe Weihnachten, Rog!«, sagte sie laut, hüpfte fröhlich winkend von der Eingangstreppe und schlenderte in aller Ruhe und mit einem kleinen Hüftschwung zum Auto.
Mit protestierend aufheulendem Motor schoss das Auto reifenquietschend davon, noch ehe sich die Tür ganz hinter Fiona geschlossen hatte. Roger stand winkend auf der Stufe und war froh, dass Ernie kein übermäßig bulliger Zeitgenosse war.
Die Tür hinter ihm öffnete sich, und Brianna streckte den Kopf heraus.
»Was machst du ohne Mantel hier draußen?«, erkundigte sie sich. »Es ist eiskalt.«
Er zögerte, war aber versucht, es ihr zu erzählen. Schließlich hatte es bei Ernie ja gewirkt. Doch es war Heiligabend, erinnerte er sich. Trotz des tiefhängenden Himmels und der sinkenden Temperaturen war ihm warm, und es prickelte ihn am ganzen Körper. Er lächelte sie an.
»Habe mich nur von Fiona verabschiedet«, sagte er und zog die Tür auf. »Wollen wir mal sehen, ob wir Mittagessen machen können, ohne die Küche in die Luft zu jagen?«
Sie brachten ohne Zwischenfälle ein paar Sandwiches zustande und kehrten nach dem Essen ins Arbeitszimmer zurück. Der Raum war jetzt fast leer, nur die Bücher aus ein paar Regalen mussten noch sortiert und eingepackt werden.
Einerseits verspürte Roger immense Erleichterung darüber, dass er es fast geschafft hatte. Andererseits war er traurig, als er das warme, vollgestopfte Studierzimmer auf die bloße Hülle seines früheren Selbst reduziert sah.
Der große Schreibtisch des Reverends war geleert und zur Lagerung in die Garage gebracht worden, die deckenhohen Regale von ihrer gigantischen Bücherlast entblößt worden und die Wand mit der Korktapete ihrer vielen Schichten loser Zettel entledigt. Der ganze Vorgang erinnerte Roger unangenehm an das Rupfen eines Huhns, und vom Ergebnis, einer trostlosen und traurigen Kahlheit, hätte er am liebsten den Blick abgewendet.
Ein Blatt Papier steckte immer noch an der Korkschicht. Das würde er zuletzt abnehmen.
»Was ist hiermit?« Brianna schwenkte den Staubwedel fragend über einem kleinen Bücherstapel, der vor ihr auf dem Tisch lag. Ein Sammelsurium von Kartons stand offen auf dem Boden, halbvoll mit Büchern, denen unterschiedliche Schicksale bestimmt waren: Büchereien, antiquarische Gesellschaften, Freunde des Reverends, Rogers persönlicher Gebrauch.
»Sie sind signiert, tragen aber keine Widmung«, sagte sie und gab ihm das obere Buch. »Du hast schon den Satz, der deinem Vater gewidmet ist, aber möchtest du die auch haben? Es sind Erstausgaben.«
Roger drehte das Buch um. Frank Randall hatte es geschrieben, ein schönes Buch, wunderbar gesetzt und gebunden, passend zur Eleganz seines wissenschaftlichen Inhalts.
»Du solltest sie bekommen, findest du nicht?«, sagte er. Ohne ihre Antwort abzuwarten, legte er das Buch vorsichtig in einen kleinen Karton, der auf einem Sessel stand. »Sie sind schließlich das Werk deines Vaters.«
»Ich habe schon welche«, protestierte sie. »Tonnen. Kisten über Kisten.«
»Aber keine signierten?«
»Hm, nein.« Sie ergriff ein anderes der Bücher und schlug das Deckblatt auf, auf dem in einer prägnanten, schrägen Handschrift Tempora mutantur nos et mutamur in illis – F. W. Randall stand. Sie rieb sanft mit dem Finger über die Unterschrift, und ihre vollen Lippen wurden weich.
»Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen. Bist du sicher, dass du sie nicht willst, Roger?«
»Ja«, sagte er und lächelte. Er ließ ironisch die Hand über ihre bücherübersäte Umgebung schweifen. »Keine Angst, ich komme schon nicht zu kurz.«
Sie lachte und legte die Bücher in ihren persönlichen Karton, dann machte sie sich wieder an die Arbeit und staubte und wischte die aufgestapelten, sortierten Bücher ab, bevor sie sie einpackte. Die meisten waren in den letzten vierzig Jahren nicht sauber gemacht worden, und inzwischen war sie selbst reichlich vollgestaubt, ihre langen Finger schmuddelig und die Manschetten ihres weißen Hemdes fast schwarz vor Schmutz.