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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Ich blickte alle vier vernichtend an.

»Das Abendessen«, sagte ich laut, »ist angerichtet.«

Wir aßen gemeinsam halb durchgebratenes Fleisch und Maiskuchen und tranken Whisky dazu, während uns der Bärenkopf, der feierlich auf der Plattform thronte, aus glasigen Augen beobachtete.

Ich lehnte mich leicht benebelt an einen Baumstamm und lauschte mit halbem Ohr der Unterhaltung. Nicht, dass ich viel von dem verstand, was gesagt wurde. Einer der Söhne, der ein begabter Pantomime war, gab eine temperamentvolle Vorstellung der großen Jagden der Vergangenheit, wobei er abwechselnd die Rollen von Jäger und Beute spielte und seine Sache so gut machte, dass selbst ich keine Schwierigkeiten hatte, einen Hirsch von einem Panther zu unterscheiden.

Unsere Bekanntschaft war so weit fortgeschritten, dass wir unsere Namen austauschten. Meiner klang aus ihrem Mund wie »Klah«, was sie sehr komisch zu finden schienen. »Klah«, sagten sie und zeigten auf mich. »Klah-Klah-Klah-Klah-Klah!« Dann lachten sie alle unbändig, denn ihr Humor war vom Whisky angefacht. Ich wäre vielleicht versucht gewesen, es ihnen in gleicher Münze heimzuzahlen, doch ich war mir nicht sicher, ob ich »Nacognaweto« einmal herausbringen konnte, geschweige denn mehrmals.

Sie waren – so informierte mich Jamie – Tuscarora. Mit seiner Sprachbegabung zeigte er bereits auf Gegenstände und probierte ihre indianischen Namen aus. Zweifelsohne würde er, wenn es dämmerte, unanständige Geschichten mit ihnen austauschen; sie erzählten ihm jetzt schon Witze.

»He«, sagte ich und zupfte am Saum von Jamies Plaid. »Geht’s dir gut? Ich kann nämlich nicht mehr wach bleiben, um mich um dich zu kümmern. Wirst du ohnmächtig werden und kopfüber ins Feuer fallen?«

Jamie tätschelte mir geistesabwesend den Kopf.

»Mir geht’s gut, Sassenach«, sagte er. Vom Essen und vom Whisky wiederhergestellt, schien er nicht unter irgendwelchen Nachwirkungen seines Kampfes mit dem Bären zu leiden. Wie es ihm am Morgen gehen würde, war eine andere Frage, dachte ich.

Ich sorgte mich aber weder darum noch um irgendetwas anderes; in meinem Kopf drehte sich alles – die Nachwirkungen von Adrenalin, Whisky und Tabak –, und ich kroch davon, um meine Decke zu holen. Zu Jamies Füßen zusammengerollt, döste ich müde ein, umwabert von den heiligen Düften von Rauch und Alkohol, und der Bärenkopf schaute mir zu.

»Weiß genau, wie dir zumute ist«, sagte ich zu ihm, und dann war ich weg.

Kapitel 16

Der erste Hauptsatz der Thermodynamik

Kurz nach der Morgendämmerung wurde ich durch ein schwaches Ziehen am Kopf geweckt. Ich blinzelte und griff forschend mit der Hand nach oben. Die Bewegung verschreckte einen großen Eichelhäher, der dabei gewesen war, mir Haare auszureißen, und er schoss hysterisch kreischend auf einen nahen Baum.

»Geschieht dir recht, Kumpel«, brummte ich und rieb mir den Scheitel, doch ich musste lächeln. Man hatte mir schon so oft gesagt, dass mein Haar nach dem Aufwachen wie ein Vogelnest aussah, vielleicht war doch etwas dran.

Die Indianer waren fort. Glücklicherweise war der Bärenkopf mit ihnen verschwunden. Ich griff vorsichtig an meinen eigenen Kopf, doch abgesehen von dem leichten Brennen, das auf die Plünderungsversuche des Eichelhähers zurückzuführen war, schien er intakt zu sein. Entweder war der Whisky außerordentlich gut gewesen, oder mein Gefühl der Trunkenheit war mehr den Wirkungen von Adrenalin und Tabak zuzuschreiben gewesen als dem Alkohol.

Mein Kamm war in dem kleinen Hirschlederbeutel, in dem ich meine persönlichen Dinge und jene wenigen Arzneien aufbewahrte, von denen ich glaubte, dass sie unterwegs nützlich sein könnten. Ich setzte mich hin, vorsichtig, um Jamie nicht zu wecken. Er lag nicht weit von mir entfernt mit gekreuzten Händen auf dem Rücken, so friedlich wie die gemeißelte Skulptur auf einem Sarkophag.

Allerdings sehr viel farbenfroher. Er lag im Schatten, und ein Fleck aus Sonnenlicht kroch an ihm entlang und berührte gerade eben sein Haar. In dem frischen, kühlen Licht sah er aus wie Adam, den soeben die Hand seines Schöpfers berührt hatte.

Allerdings entpuppte sich dieser Adam bei näherer Betrachtung als ziemlich angeschlagen – dieser Schnappschuss musste lang nach dem Sündenfall entstanden sein. Er zeigte weder die zerbrechliche Vollkommenheit eines Kindes, das aus Lehm geboren war, noch die unverbrauchte Schönheit eines Jünglings, den Gott liebte, sondern die Kraft eines reifen Mannes, dessen Gesicht und Körper von Kampf und Stärke gezeichnet waren, eines Mannes, der dazu gemacht war, nach der Welt zu greifen und sie sich untertan zu machen.

Ich bewegte mich sehr leise, als ich meinen Beutel hervorkramte. Ich wollte ihn nicht wecken, da ich selten Gelegenheit hatte, ihm beim Schlafen zuzusehen. Er schlief wie eine Katze, allzeit bereit, bei der geringsten Andeutung einer Bedrohung aufzuspringen, und normalerweise stand er im Morgengrauen auf, während ich noch an der Oberfläche meiner Träume herumdriftete. Entweder hatte er letzte Nacht mehr getrunken, als ich dachte, oder er befand sich im tiefen Schlaf der Heilung.

Der Hornkamm fuhr wohltuend durch mein Haar. Ausnahmsweise hatte ich keine Eile. Es gab kein Baby, das gefüttert werden musste, kein Kind, das geweckt und für die Schule angezogen werden musste, keine Arbeit, die getan werden musste. Keine Patienten, nach denen ich sehen musste, kein Papierkram, den es zu erledigen galt.

Nichts konnte weniger an die sterile Beengtheit eines Krankenhauses erinnern als dieser Ort, dachte ich. Im Wald lärmten die ersten Vögel auf der Suche nach Würmern fröhlich vor sich hin, und eine kühle, sanfte Brise wehte über die Lichtung. Es roch leicht nach getrocknetem Blut und nach der kalten Asche vom Feuer der letzten Nacht.

Vielleicht war es der Blutgeruch gewesen, der mich an das Krankenhaus erinnert hatte. Von dem Augenblick an, in dem ich zum ersten Mal eine Klinik betreten hatte, hatte ich gewusst, dass ich dort hingehörte. Und dennoch kam ich mir auch hier in der Wildnis nicht fehl am Platz vor. Das fand ich merkwürdig.

Meine Haarspitzen strichen mir mit einem angenehm kitzelnden Gefühl über die nackten Schulterblätter. Die Luft war so kühl, dass ich in der leichten Brise eine Gänsehaut bekam und meine Brustwarzen sich zusammenzogen und aufrichteten. Ich hatte es mir also nicht eingebildet, dachte ich und lächelte vor mich hin. Ich hatte mich bestimmt nicht selbst ausgezogen, ehe ich mich schlafen legte.

Ich schob die schwere Leinendecke zurück und sah die getrockneten Blutspritzer, Schmierspuren auf meinen Oberschenkeln und meinem Bauch. Ich spürte Feuchtigkeit zwischen meinen Beinen hervorsickern und fuhr mit dem Finger hindurch. Milchig, mit einem schweißigen Geruch, der nicht von mir stammte.

Das reichte, um mir den Traum ins Gedächtnis zurückzurufen – oder was ich für einen Traum gehalten hatte: der massige Bär, der über mir aufragte; der Schrecken, der mich durchfuhr; meine Reglosigkeit, als er mich anstieß und beschnüffelte; sein heißer Atem auf meiner Haut, sein weicher Pelz auf meinen Brüsten, seine Sanftheit, die für ein Tier erstaunlich war.

Dann dieser eine, messerscharfe Moment des Bewusstseins; erst kalt, dann heiß, als nackte Haut, nicht Bärenfell, mich berührte, und dann das benommene Zurückgleiten in trunkenes Träumen, die langsame, kraftvolle Paarung, deren Klimax in Schlaf überging … während er leise auf Schottisch in meinem Ohr grollte.

Ich blickte nach unten und sah die erdbeerfarbene Sichel einer Bissspur auf meiner Schulter.

»Kein Wunder, dass du noch schläfst«, sagte ich vorwurfsvoll. Die Sonne hatte seine Wange erreicht und ließ die Augenbraue in dieser Gesichtshälfte aufflammen wie ein Streichholz. Er öffnete die Augen nicht, doch ein langsames, seliges Lächeln breitete sich als Antwort auf seinem Gesicht aus.

Die Indianer hatten uns eine Portion Bärenfleisch dagelassen, das sie sorgfältig in Ölhaut gewickelt und an die Äste eines Baumes gehängt hatten, um die Stinktiere oder Waschbären davon abzuhalten. Nach dem Frühstück und einem hastigen Bad im Bach orientierte sich Jamie anhand der Sonne und der Berge.

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