Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Wirst du dieses Haus nicht vermissen?«, fragte sie. Sie wischte sich eine Haarsträhne aus den Augen und deutete auf das geräumige Zimmer. »Du bist doch hier aufgewachsen, oder?«
»Doch und ja«, antwortete er und hievte noch einen vollen Karton auf den Stapel, der an die Universitätsbibliothek geschickt werden sollte. »Aber ich habe kaum eine andere Wahl.«
»Ich schätze, du könntest nicht hier wohnen«, pflichtete sie ihm bedauernd bei. »Weil du ja die meiste Zeit in Oxford sein musst. Aber musst du es verkaufen?«
»Ich kann es gar nicht verkaufen. Es gehört mir nicht.« Er bückte sich, um einen besonders großen Karton besser anpacken zu können, dann erhob er sich langsam und stöhnte vor Anstrengung. Er schwankte durch den Raum und ließ ihn mit einem Knall, der kleine Staubwolken von den unteren Kartons aufsteigen ließ, auf den Stapel fallen.
»Wow!« Er atmete aus und grinste sie an. »Gott stehe dem Antiquar bei, der den hochhebt.«
»Was meinst du damit, es gehört dir nicht?«
»Was ich gesagt habe«, erwiderte er nüchtern. »Es gehört mir nicht. Haus und Grundstück gehören der Kirche. Papa hat hier fast fünfzig Jahre gewohnt, aber es hat ihm nicht gehört. Es gehört der Pfarre. Der neue Pfarrer will es nicht – er hat selber Geld, und seine Frau will etwas mehr Komfort –, also vermietet es die Pfarre. Fiona und ihr Ernie nehmen es, und der Himmel möge ihnen beistehen.«
»Nur die beiden?«
»Es ist billig. Mit gutem Grund«, fügte er ironisch hinzu. »Sie will jede Menge Kinder – hier ist Platz für eine ganze Armee davon, das kann ich dir sagen.« Da es in viktorianischer Zeit für Priester mit großen Familien entworfen worden war, hatte das Pfarrhaus zwölf Zimmer – das nicht modernisierte und hochgradig unpraktische Bad nicht eingeschlossen.
»Die Hochzeit ist im Februar, deshalb muss ich über Weihnachten mit dem Ausräumen fertig werden, damit noch Zeit für die Putzkolonne und die Maler ist. Eine Schande, dass du am Feiertag arbeiten musst. Vielleicht fahren wir Montag nach Fort William?«
Brianna ergriff das nächste Buch, legte es aber nicht gleich in einen Karton.
»Also verlierst du dein Zuhause für immer«, sagte sie langsam. »Das kommt mir ungerecht vor – auch wenn ich mich freue, dass Fiona es bekommt.«
Roger zuckte mit den Achseln.
»Es ist nicht so, als hätte ich vorgehabt, mich in Inverness niederzulassen«, sagte er. »Und es ist auch nicht so, als wäre es der Familiensitz oder so etwas.« Er wies auf die Risse im Linoleum, die schäbige Emailfarbe und die uralte Glaslampe über ihnen. »Schließlich kann ich es nicht dem National Trust vermachen und den Leuten zwei Pfund für die Besichtigung abnehmen.«
Sie lächelte und machte sich wieder ans Aussortieren. Doch sie schien nachdenklich, und zwischen ihren dichten, roten Augenbrauen zeigte sich eine kleine Falte. Schließlich steckte sie das letzte Buch in den Karton, reckte sich und seufzte.
»Der Reverend hatte fast so viele Bücher wie meine Eltern«, sagte sie. »Mit Mamas medizinischen Büchern und Papas Geschichtskram haben sie genug hinterlassen, um eine ganze Bücherei auszustatten. Es wird wahrscheinlich sechs Monate dauern, das alles zu sortieren, wenn ich nach Ha – wenn ich zurückfahre.« Sie biss sich leicht auf die Lippe und wandte sich ab, um sich eine Rolle Paketband zu nehmen und mit dem Fingernagel daran herumzupicken. »Ich habe der Immobilienmaklerin gesagt, dass sie das Haus im Sommer zum Verkauf anbieten kann.«
»Das ist es also, was dich beschäftigt hat?«, sagte Roger langsam, und es dämmerte ihm, als er ihr Gesicht beobachtete. »Der Gedanke daran, das Haus, in dem du aufgewachsen bist, aufzulösen – dein Zuhause für immer zu verlieren?«
Sie hob leicht die Schulter und fixierte immer noch das widerspenstige Klebeband.
»Wenn du es aushalten kannst, kann ich es wohl auch. Außerdem«, fuhr sie fort, »ist es nicht so schlimm. Mama hat sich fast um alles gekümmert – sie hat einen Mieter gefunden und mit ihm einen Zeitvertrag über ein Jahr abgeschlossen, so dass ich in Ruhe entscheiden konnte, was ich tun wollte, ohne dass ich mir Sorgen machen musste, weil das Haus einfach leer stand. Aber es ist albern, es zu behalten; es ist viel zu groß, um allein darin zu wohnen.«
»Du könntest heiraten.« Er platzte damit heraus, ohne nachzudenken.
»Möglich«, sagte sie. Sie warf ihm einen Seitenblick zu, und ihr Mundwinkel zuckte, vielleicht vor Belustigung. »Eines Tages. Aber was, wenn mein Mann nicht in Boston leben will?«
Ganz plötzlich kam ihm der Gedanke, dass der Verlust des Pfarrhauses sie vielleicht – nur vielleicht – deswegen so betroffen gemacht hatte, weil sie sich vorgestellt hatte, mit ihm darin zu leben.
»Willst du Kinder haben?«, fragte er abrupt. Er hatte bis jetzt nicht daran gedacht, sie danach zu fragen, doch er hoffte sehr, dass es so war.
Einen Augenblick sah sie erschrocken aus, doch dann lachte sie.
»Einzelkinder wünschen sich doch normalerweise große Familien, nicht wahr?«
»Kann ich nicht sagen«, sagte er. »Ich jedenfalls schon.« Er beugte sich über die Kartons und küsste sie plötzlich.
»Ich auch«, sagte sie. Ihre Augen wurden zu Schlitzen, wenn sie lächelte. Sie wandte den Blick nicht ab, doch sie wurde ein bisschen rot und sah aus wie eine reife Aprikose.
Er wünschte sich Kinder, gut und schön, doch im Augenblick hätte er noch viel lieber das getan, wovon man Kinder bekam.
»Aber vielleicht sollten wir zuerst fertig aufräumen?«
»Was?« Die Bedeutung ihrer Worte drang nur vage zu ihm durch. »Oh. Ja. Stimmt, das sollten wir wohl.«
Er senkte den Kopf und küsste sie noch einmal, langsam diesmal. Sie hatte den wundervollsten Mund: breit, mit vollen Lippen, fast zu groß für ihr Gesicht – aber doch nicht ganz.
Er hatte sie um die Taille gefasst und die andere Hand in ihrem seidigen Haar vergraben. Ihr Nacken fühlte sich glatt und warm an, er umschloss ihn mit der Hand, und sie erschauerte leicht und öffnete den Mund zum Zeichen der Hingabe, und da hätte er sie am liebsten rückwärts über seinen Arm gebeugt, sie zum Teppich vor dem Kamin getragen und …
Kräftiges Gerappel ließ seinen Kopf hochfahren und schreckte ihn aus der Umarmung.
»Wer ist das denn?«, rief Brianna aus und fuhr sich mit der Hand ans Herz.
Das Arbeitszimmer war an einer Seite von deckenhohen Fenstern begrenzt – der Reverend war Maler gewesen –, und ein quadratisches, backenbärtiges Gesicht war jetzt gegen eins davon gepresst, die Nase fast platt vor Neugier.
»Das«, sagte Roger durch die Zähne, »ist der Postbote, MacBeth. Was zum Teufel macht der Kerl da draußen?«
Als hätte er die Frage gehört, trat Mr. MacBeth einen Schritt zurück, zog einen Brief aus der Tasche und wedelte ihnen jovial damit zu.
»Ein Brief«, sagte er mit deutlichen Lippenbewegungen und sah Brianna an. Dann wanderte sein Blick zu Roger, und er zog die buschigen Brauen vielsagend zu einem lüsternen Blick hoch.
Als Roger die Eingangstür erreicht hatte, stand Mr. MacBeth mit dem Brief auf der Stufe.
»Wieso um Himmels willen haben Sie ihn nicht in den Briefschlitz gesteckt?«, wollte Roger wissen. »Nun geben Sie ihn schon her.«
Mr. MacBeth hielt den Brief außer Reichweite und setzte eine gekränkte Miene auf, deren Wirkung allerdings erheblich dadurch beeinträchtigt wurde, dass er ständig versuchte, Brianna über Rogers Schultern hinweg zu erspähen.
»Dachte, er wäre vielleicht wichtig, nicht? Aus den Staaten, nicht? Und er ist für die junge Dame, nicht für Sie, mein Junge.« Mit einem massiven, taktlosen Zwinkern zwängte er sich an Roger vorbei und streckte Brianna den Arm hin.
»Ma’am«, sagte er mit einem affektierten Lächeln. »Mit den Empfehlungen der Post Ihrer Majestät.«