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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Ich nickte, zu aufgeregt zum Sprechen.

»Mmpf. Und warum genau meinst du, dass ich nach Schottland fahre?«, fragte er vorsichtig.

Ich starrte ihn entnervt an und deutete auf die Wildnis um uns herum.

»Wo zum Teufel willst du denn sonst Siedler für dieses Land herbekommen? Natürlich fährst du nach Schottland.«

Jetzt sah er mich seinerseits entnervt an.

»Wie um Himmels willen meinst du, dass ich das tun soll, Sassenach? Ich hätte es vielleicht tun können, als ich die Edelsteine noch hatte, aber jetzt? Ich habe gerade mal zehn Pfund, und die sind geliehen. Soll ich vielleicht wie ein Vogel nach Schottland fliegen? Und die Leute auf dem Rückweg hinter mir herführen, indem ich über das Wasser wandle?«

»Dir fällt schon etwas ein«, sagte ich elend. »Wie immer.«

Er warf mir einen seltsamen Blick zu, dann wandte er sich ab und schwieg einige Augenblicke, bevor er antwortete.

»Mir ist nicht klar gewesen, dass du mich für den Allmächtigen hältst, Sassenach«, sagte er schließlich.

»Das tue ich auch nicht«, sagte ich. »Für Moses vielleicht.« Die Worte waren scherzhaft, doch keiner von uns machte Witze.

Er entfernte sich ein Stück, die Hände auf dem Rücken verschränkt.

»Pass auf die Kletten auf«, rief ich hinter ihm her, als ich ihn auf den Ort meines Missgeschicks zusteuern sah. Er änderte seinen Kurs, sagte aber nichts. Den Kopf nachdenklich gesenkt, ging er auf der Lichtung auf und ab. Schließlich kam er zurück und stellte sich vor mich.

»Ich kann es nicht allein«, sagte er leise. »Da hast du recht. Aber ich glaube nicht, dass ich mir meine Siedler in Schottland suchen muss.«

»Sondern?«

»Meine Männer – die Männer, die mit mir in Ardsmuir waren«, sagte er. »Sie sind schon hier.«

»Aber du hast doch keine Ahnung, wo sie sind«, protestierte ich. »Und außerdem sind sie vor Jahren deportiert worden! Sie werden sich längst irgendwo niedergelassen haben; verdammt, sie werden kaum ihre Zelte abbrechen und mit dir ans Ende der Welt kommen wollen.«

Er lächelte, etwas ironisch.

»Du hast es auch getan, Sassenach.«

Ich holte tief Luft. Die bohrende Furcht, die mein Herz wochenlang belastet hatte, hatte nachgelassen. Doch jetzt, da ich von dieser Sorge befreit war, konnte ich mich mit der überwältigenden Schwierigkeit der Aufgabe befassen, die er sich gestellt hatte – Männer aufzuspüren, die über drei Kolonien verstreut waren, sie zu überreden, sich ihm anzuschließen, und gleichzeitig genug Kapital aufzutreiben, um die Rodung des Landes und seine Bepflanzung zu finanzieren. Ganz zu schweigen von dem enormen Arbeitsaufwand, der dazu gehörte, dieser jungfräulichen Wildnis eine kleine Niederlassung abzuringen.

»Mir fällt schon etwas ein«, sagte er und lächelte leise, als er Zweifel und Unsicherheit über mein Gesicht huschen sah. »Wie immer, aye?«

Mein Atem entwich in einem langen Seufzer.

»Wie immer«, sagte ich. »Jamie – bist du sicher? Deine Tante Jocasta –«

Er tat die Möglichkeit mit einer Handbewegung ab.

»Nein«, sagte er. »Niemals.«

Ich zögerte immer noch, denn ich hatte ein schlechtes Gewissen.

»Du würdest nicht – es ist nicht nur meinetwegen? Was ich über die Sklavenhaltung gesagt habe?«

»Nein«, sagte er. Er hielt inne, und ich sah die beiden verkrümmten Finger seiner rechten Hand zucken. Er sah es auch und hörte abrupt mit der Bewegung auf.

»Ich habe wie ein Sklave gelebt, Claire«, sagte er leise mit gesenktem Kopf. »Ich könnte nicht in dem Bewusstsein leben, dass es einen Menschen auf der Welt gäbe, der mir gegenüber das empfände, was ich gegenüber jenen empfunden habe, die glaubten, mich zu besitzen.«

Ich streckte die Hand aus und bedeckte seine verkrüppelte Hand mit der meinen. Tränen liefen mir über die Wangen, warm und wohltuend wie Sommerregen.

»Du verlässt mich nicht?«, fragte ich schließlich. »Du stirbst nicht?«

Er schüttelte den Kopf und drückte mir fest die Hand.

»Du bist mein Mut, wie ich dein Gewissen bin«, flüsterte er. »Du bist mein Herz – und ich dein Mitgefühl. Keiner von uns beiden ist ohne den anderen vollständig. Weißt du das nicht, Sassenach?«

»Doch, das weiß ich«, sagte ich, und meine Stimme zitterte. »Deshalb habe ich ja solche Angst. Ich will nicht wieder ein halber Mensch sein, ich kann es nicht ertragen.«

Er strich mir mit dem Daumen eine Locke von der feuchten Wange und nahm mich in die Arme, so nah, dass ich spüren konnte, wie sich seine Brust beim Atmen hob und senkte. Er war so wirklich, so lebendig, sein rotes Haar gewelltes Gold auf bloßer Haut. Und doch hatte ich ihn schon einmal so festgehalten – und ihn verloren.

Seine Hand berührte meine Wange, warm trotz der Feuchtigkeit meiner Haut.

»Aber verstehst du nicht, wie belanglos der Gedanke an den Tod für uns beide ist, Claire?«, flüsterte er.

Meine Hände ballten sich auf seiner Brust zu Fäusten. Nein, ich fand den Gedanken nicht belanglos.

»Die ganze Zeit nach unserem Abschied, nach Culloden – damals war ich doch tot, oder?«

»Das habe ich gedacht. Darum habe ich – oh.« Ich atmete tief und zittrig ein, und er nickte.

»In zweihundert Jahren werde ich mit absoluter Sicherheit tot sein, Sassenach«, sagte er. Er lächelte schief. »Ob es Indianer sind, wilde Tiere, eine Seuche, die Galgenschlinge oder auch nur ein gesegnetes hohes Alter – ich werde tot sein.«

»Ja.«

»Und während du dort warst – in deiner eigenen Zeit –, da war ich tot, oder nicht?«

Ich nickte wortlos. Selbst jetzt noch konnte ich hinter mir den Abgrund der Verzweiflung sehen, in den mich diese Trennung gestürzt hatte und aus dem ich mich unter großen Schmerzen herausgearbeitet hatte.

Jetzt stand ich wieder mit ihm auf dem Gipfel des Lebens und wollte nicht an den Abstieg denken. Er bückte sich, pflückte einen Grashalm und breitete die weichen, grünen Grannen zwischen seinen Fingern aus.

»›Der Mensch ist wie das Gras im Felde‹«, zitierte er leise und strich mit dem schlanken Stiel über meine Fingerknöchel, die an seiner Brust ruhten. »›Heute erblüht es; morgen welkt es dahin und wird in den Ofen geworfen.‹«

Er hob das seidige, grüne Büschel an die Lippen und küsste es, dann berührte er sanft meinen Mund damit.

»Ich war tot, Sassenach – und doch habe ich dich die ganze Zeit geliebt.«

Ich schloss die Augen und fühlte, wie das Gras meine Lippen kitzelte, so sachte wie die Berührung von Sonne und Luft.

»Ich liebe dich auch«, flüsterte ich. »Ich werde dich immer lieben.«

Der Grashalm fiel zu Boden. Die Augen immer noch geschlossen, spürte ich, wie er sich zu mir herüberbeugte und sein Mund sich auf den meinen legte, warm wie die Sonne, leicht wie die Luft.

»Solange mein Körper lebt und der deine – sind wir eins«, flüsterte er. Seine Finger strichen über meine Haare und mein Kinn, über Hals und Brust, und ich atmete seinen Atem und spürte ihn lebendig unter meiner Hand. Dann lag mein Kopf an seinen Schultern, seine Stärke schützte mich, und seine Worte klangen tief und sanft in seiner Brust.

»Und wenn mein Körper aufhört zu sein, ist meine Seele immer noch dein, Claire – ich schwöre bei meiner Hoffnung auf den Himmel, wir werden nicht getrennt.«

Der Wind bewegte die Blätter der Kastanien, und rings um uns stiegen die schweren Düfte später Sommerrosen auf; Kiefern und Gras und Erdbeeren, sonnengewärmter Stein und kühles Wasser, und der scharfe Geruch seines Körpers neben meinem.

»Nichts geht verloren, Sassenach; es verändert sich nur.«

»Das ist der erste Hauptsatz der Thermodynamik«, sagte ich und wischte mir die Nase.

»Nein«, sagte er. »Das ist Zuversicht.«

Sechster Teil

Je t’aime

Kapitel 17

Schöne Feiertage

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