Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Dort entlang«, sagte er und nickte zu einem fernen blauen Gipfel hinüber. »Siehst du die Stelle, wo er mit dem niedrigen Berg den Pass bildet? Auf der anderen Seite beginnt das Indianerland; die neue Vertragslinie folgt diesem Bergkamm.«
»Jemand hat tatsächlich eine Landvermessung da oben durchgeführt?« Ich blickte ungläubig auf die Bergzacken, die sich aus den mit Morgennebel gefüllten Tälern erhoben. Die Berge stiegen vor uns auf wie eine endlose Reihe dahintreibender Luftspiegelungen, erst schwarzgrün, dann blau, dann violett, und die entferntesten Berge hoben sich schwarz und nadelspitz vom klaren Himmel ab.
»Oh, aye.« Er schwang sich in den Sattel und wendete sein Pferd, so dass ihm die Sonne über die Schulter fiel. »Das mussten sie, um mit Sicherheit sagen zu können, welches Land besiedelt werden darf. Ich habe mich über die Grenze kundig gemacht, bevor wir Wilmington verlassen haben, und Myers hat dasselbe gesagt – diesseits des höchsten Bergkammes. Ich habe es mir allerdings auch nicht nehmen lassen, die Jungs, die gestern mit uns zu Abend gegessen haben, danach zu fragen, nur um sicherzugehen, dass sie derselben Meinung sind.« Er grinste zu mir herab. »Fertig, Sassenach?«
»Fertiger geht’s nicht«, versicherte ich ihm und wendete mein Pferd, um ihm zu folgen.
Er hatte sein Hemd – oder das, was davon übrig war – im Bach ausgewaschen. Der fleckige Leinenfetzen war hinter seinem Sattel zum Trocknen ausgebreitet, also war er halbnackt in seiner ledernen Reithose und hatte das Plaid lose um die Taille geschlungen. Die langen Kratzer, die die Bärenkrallen hinterlassen hatten, hoben sich schwarz von seiner hellen Haut ab, doch ich sah keine Entzündung, und der Leichtigkeit nach, mit der er sich im Sattel bewegte, schienen ihn die Wunden nicht zu stören.
Und sonst auch nichts, soweit ich sehen konnte. Die Andeutung von Wachsamkeit, die ihn immer begleitete, war noch da; sie war seit seiner Kindheit ein Teil von ihm – doch in der Nacht war irgendeine Last von ihm gewichen. Ich glaubte, dass es vielleicht an unserem Zusammentreffen mit den drei Jägern lag – dieses erste Zusammentreffen mit Wilden war für uns beide sehr beruhigend gewesen, und Jamie schien nicht länger hinter jedem Baum tomahawkschwingende Kannibalen zu vermuten.
Oder vielleicht waren es die Bäume selbst – oder die Berge. Mit jedem Meter, den wir von der Küstenebene aufgestiegen waren, war ihm leichter ums Herz geworden. Ich konnte nicht anders, als seine offensichtliche Freude zu teilen – doch gleichzeitig verspürte ich wachsende Furcht vor den möglichen Folgen dieser Freude.
Am späten Vormittag wurde der Wald auf den Abhängen zu dicht zum Weiterreiten. Als ich an einem fast senkrechten Felshang hinaufblickte in ein schwindelerregendes Gewirr dunkler, gold und grün und braun gefleckter Zweige, fand ich, dass die Pferde sich glücklich schätzen konnten, hier unten bleiben zu dürfen. Wir ließen sie mit gefesselten Vorderbeinen an einem Bach zurück, dessen Ufer mit dichtem Gras bewachsen war, und drangen zu Fuß immer weiter bergauf in den verdammten Urwald vor.
Ragten schwarz die düstern Fichten, ragten Tannen, wie?, dachte ich, während ich über den knorrigen Stamm eines umgestürzten Baumes kletterte. Longfellow hatte ja keine Ahnung.
Die Luft war feucht, kühl, und meine Mokassins versanken geräuschlos in jahrhundertealtem, schwarzem Laubkompost. Mein Fußabdruck im weichen Schlamm eines Bachufers wirkte so seltsam und unerwartet wie eine Dinosaurierspur.
Wir erreichten den Gipfel eines Berges und sahen einen weiteren vor uns, und dahinter noch einen. Mir war schleierhaft, wonach wir suchten oder woran wir erkennen würden, wenn wir es gefunden hatten. Jamie legte in seinem unermüdlichen Bergwandererschritt Meilen zurück und sah sich dabei alles an. Ich trottete hinter ihm her, genoss die Aussicht, hielt dann und wann an, um eine faszinierende Pflanze oder Wurzel zu sammeln, und verstaute meine Schätze in der Tasche an meinem Gürtel.
Als wir über einen Kamm wanderten, fanden wir ihn von einem Heidegestrüpp versperrt: einem Berglorbeergebüsch, das aus der Entfernung zwischen den dunklen Koniferen wie eine helle, kahle Stelle aussah, sich aber aus der Nähe als undurchdringliches Dickicht erwies, dessen biegsame Zweige wie bei einem Korb ineinander verflochten waren.
Wir kehrten um und wandten uns bergab, ließen die hohen, duftenden Tannen hinter uns, überquerten Hänge mit wildem, sonnengebleichtem Lieschgras und tauchten schließlich an einem bewaldeten Steilufer, das einen kleinen, namenlosen Fluss überblickte, wieder in das wohltuende Grün der Eichen und Hickorybäume ein.
Es war kühl im plötzlichen Schatten der Bäume, und ich seufzte vor Erleichterung und schob mir das Haar aus dem Nacken, damit ein Luftzug an mich kam. Jamie, der mich hörte, drehte sich lächelnd um und hielt einen losen Ast zur Seite, so dass ich ihm folgen konnte.
Wir redeten nicht viel; abgesehen davon, dass wir unseren Atem zum Klettern brauchten, schien der Berg selbst sich das Reden zu verbitten. Er war voll geheimer, grüner Winkel und schien ein lebendiger Abkömmling der alten, schottischen Berge zu sein, zwar dicht bewaldet und doppelt so hoch wie die kahlen, schwarzen, elterlichen Hügel, doch in seiner Aura lag dieselbe Mahnung zur Stille, dasselbe Versprechen der Verzauberung.
Der Boden war hier mit einer dreißig Zentimeter tiefen Laubschicht bedeckt, die weich und schwammig unter den Füßen federte, und die Zwischenräume zwischen den Bäumen schienen eine Illusion zu sein, als könnte man plötzlich in eine andere Dimension der Realität befördert werden, wenn man zwischen diesen hohen, mit Flechten bewachsenen Stämmen hindurchschritt.
Jamies Haar flammte in den gelegentlich eindringenden Sonnenstrahlen auf wie eine Fackel, der ich durch die Schatten des Waldes folgen konnte. Es war im Lauf der Jahre zu einem tiefen, satten Rotbraun nachgedunkelt, doch das tagelange Reiten und Wandern in der Sonne hatten es wieder ausbleichen lassen. Er hatte das Band verloren, das seine Haare zusammenhielt; er blieb stehen und strich sich die dichten, feuchten Locken aus dem Gesicht, so dass ich plötzlich den weißen Streifen über der einen Schläfe sah. Normalerweise war er unter dem dunkleren Rot verborgen und nur selten zu sehen – eine Hinterlassenschaft der Schusswunde, die er sich in der Höhle von Abandawe zugezogen hatte.
Trotz der Wärme erschauerte ich leicht bei dem Gedanken daran. Ich hätte es wirklich vorgezogen, Haiti und seine barbarischen Geheimnisse ganz zu vergessen, doch hatte ich nicht viel Hoffnung. Manchmal, wenn ich im Begriff war einzuschlafen, hörte ich den Höhlenwind und das nagende Echo des Gedankens, der ihm folgte: Wo noch?
Wir kletterten einen dicht mit Moos und Flechten bewachsenen Granitvorsprung hoch, der von ständig fließendem Wasser befeuchtet wurde, und folgten dann dem Bett eines bergab fließenden Wildwassers, strichen das hohe Gras zur Seite, das an unseren Beinen zog, und wichen den tiefhängenden Zweigen des Berglorbeers und den dickblättrigen Rhododendren aus.
Wunder taten sich zu meinen Füßen auf, kleine Orchideen und leuchtend bunte Pilze schimmerten zitternd und glänzend wie Geleefrüchte auf umgestürzten Baumstämmen. Libellen hingen über dem Wasser, unbewegliche Juwelen in der Luft, bis sie im Dunst verschwanden.
Ich war benebelt von all dem Überfluss, all der Schönheit. Jamies Gesicht trug den traumverblüfften Ausdruck eines Mannes, der weiß, dass er schläft, aber nicht aufwachen will. Paradoxerweise wurde mir umso mulmiger, je besser es mir ging; ich war extrem glücklich – und von extremer Angst erfüllt. Dies war der richtige Ort für ihn, und sicherlich spürte er das genauso wie ich.
Am frühen Nachmittag hielten wir an, um Rast zu machen und aus einer kleinen Quelle am Rand einer Lichtung zu trinken. Der Boden unter den Ahornbäumen war mit einem dichten Teppich aus dunkelgrünen Blättern bedeckt, zwischen denen es plötzlich rot aufblitzte.