Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Ich bin nichts von dem, was ich zu sein geglaubt hatte, dachte sie verzweifelt. Ich bin eine Lüge.
Sie redete, um sich von diesen Gedanken freizumachen, sprach davon, was sie gesehen hatte, als sie den Harrow durchwandert hatte, und davon, wie die Windstimme der Drakuls sie eingeschläfert hatte. Sie erzählte auch, wie Eowen – so empfindsam für Visionen und Bilder – umgarnt worden sein mußte. Manchmal schweifte sie ab, denn der Klang ihrer Stimme half ihr, sich von düsteren Gedanken abzulenken, er hielt sie wach und in Bewegung. Sie dachte an die Toten von dieser Altptraumreise, besonders an Ellenroh und Eowen. Sie wurde von ihrem Verlust überwältigt, vom Gefühl der Hilflosigkeit zerstört, weil sie sie nicht hatte retten können. Sie fühlte Schuld, weil sie der Aufgabe, die die beiden ihr hinterlassen hatten, nicht gewachsen gewesen war. Sie umklammerte die Elfensteine in ihrer Hand und fühlte sich außerstande, sie wegzustecken, so sehr fürchtete sie, daß die Drakuls wiederkommen könnten. Sie taten es nicht. Nicht einmal die Windstimme flüsterte jetzt noch in der Dunkelheit. Sie war in die Erde zurückgeglitten und hatte sie allein gelassen. Sie starrte hinaus in die Dunkelheit und empfand sie als eine Widerspiegelung der Leere in sich selbst. Die Welt war ein Ort geworden, den sie nicht mehr verstand. Sie konnte nicht einmal entscheiden, was das größere Übel war – die Monster oder die Erschaffer der Monster. Schattenwesen oder Elfen – wer sollte die Verantwortung tragen? Wo war das Gleichgewicht dem Leben gegenüber, das sich auf gelernten Lektionen und gewonnener Erfahrung gründete? Wo war das Gefühl, daß der Wahnsinn vergehen würde und daß ein Sinn hinter allem, was geschah, offenbart werden würde? Sie wußte keine Antworten. Die Magie hatte sie alle in ihren Strudel gezogen und würde sie fallenlassen, wo sie es für richtig hielt.
Diese Nacht schlug ihr größere Wunden, als sie für möglich gehalten hätte. Sie entkamen dem Harrow mit erschöpften und tauben Knochen. Sie waren erleichtert, ihm entflohen zu sein, und erpicht darauf, bald weiterzugehen. Sie wollten bis zur Dämmerung ausruhen und dann weiterziehen. Der größere Teil des Blackledge lag jetzt hinter ihnen, verborgen in den Schatten von Killeshans Vog. Vor ihnen, zwischen ihnen und dem Strand, war nur der In Ju. Sie würden den Dschungel schnell durchquert haben, in zwei Tagen, wenn sie sich beeilten, und in zwei weiteren würden sie die Ufer der Blauen Spalte erreichen. Schnell jetzt, drängten sie sich im stillen. Schnell, um freizukommen.
Sie erreichten die Stelle, an der sie ihre Begleiter zurückgelassen hatten, eine Lichtung mit einem Haufen von Lavabrocken im Schatten eines Gestrüpps aus dürrem Wein und verdorrten Sträuchern. Faun huschte durch die Dunkelheit. Er kam aus einiger Entfernung aus einem Versteck, schnatterte wild, sprang auf Wrens Schulter und kauerte sich dort hin, als gäbe es keinen anderen Zufluchtsort. Wren streichelte ihn beruhigend. Der Baumschreier zitterte vor Angst.
Dann fanden sie Dal. Er lag ausgestreckt am anderen Ende der Lichtung, ein lebloses Gewirr von Armen und Beinen mit tief gespaltenem Schädel. Triss beugte sich hinab und drehte den Elfenjäger um. Wie betäubt sah er dann wieder auf. Dals Waffen steckten noch immer in den Scheiden.
Wren wandte sich verzweifelt ab. Eine düstere Gewißheit hatte bereits von ihr Besitz ergriffen. Sie mußte nicht weitersuchen, um zu wissen, daß Gavilan Elessedil und der Ruhkstab verschwunden waren.
23
Par Ohmsford kauerte in den Schatten der Häuser. Der Umhang, der ihn schützte, war so dunkel wie die Nacht um ihn herum. Er lauschte auf die Klänge von Tyrsis, während sich die Stadt unter ihrer Decke von Sommerhitze ruhelos regte, und wartete auf den Morgen. Die Luft war ruhig und von schweren, süßen und schwülen Gerüchen der Stadt erfüllt. Par atmete sie widerwillig ein und spähte erschöpft aus seinem Versteck den Teichen aus Licht, die von den Straßenlaternen gebildet wurden. Er achtete auf Wesen, die nicht dorthin gehörten, die krochen und jagten, die unaufhörlich etwas suchten.
Die Förderation.
Die Schattenwesen.
Sie waren beide dort draußen, Jäger, die niemals zu schlafen schienen und sich weigerten, jemals aufzugeben. Fast eine Woche lang waren Damson und er jetzt vor ihnen davongelaufen, die ganze Zeit über, seit sie das unterirdische Versteck des Mole hinter sich gelassen und durch die Abwasserkanäle der Stadt ihren Weg zurück zu den Straßen genommen hatten. Eine Woche. Er wußte kaum, wie sie vergangen war, denn seine Erinnerung lag in Scherben und zeigte ihm nur ein Gewirr von Gebäuden und Räumen, von Kammern und Schleichwegen und ein Versteck nach dem anderen. Sie hatten nirgends mehr als ein paar Stunden rasten können, wurden immer irgendwie entdeckt, gerade wenn sie sich in Sicherheit geglaubt hatten, und gezwungen, weiterzulaufen und vor den dunklen Wesen zu fliehen, die sich ihrer bemächtigen wollten.
Wie konnte es sein, fragte sich Par mindestens zum tausendsten Male, daß sie immer so schnell gefunden wurden?
Zuerst hatte er es dem Glück seiner Feinde zugeschrieben. Aber Glück würde nicht so weit reichen, und die Regelmäßigkeit, mit der sie entdeckt wurden, hatte bald jegliche Möglichkeit ausgeschlossen, daß es nur Zufall war. Dann hatte er gedacht, daß es vielleicht seine Magie sei, die irgendwie von Rimmer Dall aufgespürt worden war – denn es waren die Sucher, die am häufigsten kamen. Manchmal erschienen sie in der Aufmachung der Föderation, aber häufiger noch als die Monster, die sie waren, dunkle Schatten mit Umhängen und Kapuzen, Alpträume auch im Wachsein. Aber er hatte seine Magie nicht mehr benutzt, seit sie den Abwasserkanälen entstiegen waren, und wenn er sie nicht benutzt hatte, wie konnten sie dann aufgespürt werden?
»Sie sind in die Bewegung eingedrungen«, hatte Damson vor wenigen Stunden erklärt, bevor sie ihn verlassen hatte, um erneut nach einem Versteck zu suchen, das ihre Verfolger nicht kannten. Ihr Mund war verkniffen gewesen, und sie hatte bleich ausgesehen. »Oder sie haben einen von uns gefangen und ihm alle unsere Geheimnisse entlockt. Es gibt keine andere Erklärung.«
Aber selbst sie hatte zugeben müssen, daß außer Padishar Creel niemand sonst all die Verstecke kannte, die sie benutzten. Niemand sonst konnte sie verraten haben.
Was umgekehrt auf die beunruhigende Möglichkeit hinwies, daß trotz all ihrer Hoffnung auf das Gegenteil der Niedergang des Jut der Föderation jenen Fang eingebracht hatte, auf den sie so erpicht gewesen war.
Par ließ seinen Kopf an den rauhen, harten Stein zurücksinken, um sich auszuruhen. Einen Augenblick lang schloß er verzweifelt die Augen. Coll war tot. Padishar und Morgan waren vermißt, genauso Wren und Walker Boh. Steff und Teel. Die Gesellschaft. Sogar der Mole – sie hatten nichts mehr von ihm gehört, seit sie seinen unterirdischen Räumen entflohen waren. Es gab kein Zeichen von ihm, nichts, das ihnen verraten hätte, was geschehen war. Es war zum Verrücktwerden. Alle jene, mit denen er vor Wochen aufgebrochen war, waren verschwunden – sein Bruder, sein Cousin, sein Onkel und seine Freunde. Manchmal erschien es ihm, als wenn jeder, mit dem er in Berührung kam, verdammt sei, von der Erde zu verschwinden, von irgendeiner unterirdischen Dunkelheit verschlungen zu werden, um niemals wieder an die Oberfläche zu kommen.
Sogar Damson...
Nein. Seine Augen öffneten sich plötzlich, und Wut spiegelte sich im Schein der Lampen. Nicht Damson. Er würde sie nicht Verlieren. Es würde nicht wieder geschehen.
Aber wie lange konnten sie noch so weiter machen? Wie lange noch, bevor ihre Feinde sie schließlich überwältigten?