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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Plötzlich rollten enorme Felsblöcke von der Höhe des Plateaus wie die Steine einer Lawine hernieder und zerschmetterten drei Räuber, die ihnen nicht schnell genug ausweichen konnten.

Kap Matifu war es, der die Basaltfelsen heranrollte, um sie von der First des Piano del Lago herabzuwerfen.

Doch dieses Vertheidigungsmittel konnte nicht lange vorhalten. Das Material mußte bald zu Ende gehen. Es hieß also, unterliegen oder Hilfe von draußen herbeiholen.

Pointe Pescade hatte eine Idee, doch wollte er sie dem Doctor nicht mittheilen, weil er fürchtete, dieser würde ihm die Erlaubniß verweigern, sie auszuführen. Er theilte sie daher Kap Matifu mit.

Er wußte aus der Rede, die Benito in der Locanda von Santa Grotta gehalten hatte, daß eine Abtheilung Gensdarmen sich in Cassone befand. Um dorthin zu gelangen, gebrauchte man eine Stunde, eine ebenso lange Zeit zum Rückwege. Sollte es nicht möglich sein, dieses Detachement zu benachrichtigen? Ja, wenn es gelang, sich durch die Belagerer hindurchzustehlen und sich sofort nach Westen in das Gebirge hineinzuschlagen.

»Ich muß durchkommen und ich werde durchkommen, sagte Pointe Pescade zu sich selbst. Zum Teufel! Man ist entweder Clown oder man ist es nicht!«

Und er machte Kap Matifu mit dem Mittel bekannt, welches er zur Herbeiholung von Hilfe in Anwendung bringen wollte.

»Du riskirst aber…, meinte Kap Matifu bedenklich.

– Ich will es!«

Kap Matifu würde nie gewagt haben, Pointe Pescade zu widersprechen.

Beide gingen einer Stelle rechts von der Casa Inglese zu, woselbst der Schnee sich in großen Massen aufgethürmt hatte.

Zehn Minuten später, während der Kampf hinüber und herüber tobte, erschien Kap Matifu wieder, er trieb einen mächtigen Schneeball vor sich her. Inmitten der Felsblöcke, welche die Matrosen auf die Stürmenden herabsandten rollte auch die Schneemasse den Abhang hinab, sie fuhr durch die Räuberbande und blieb einige fünfzig Schritte weiter unten in einer Höhlung des Terrains liegen.

Der halb durch den Sturz geborstene Ball öffnete sich vollends und erlaubte einem flinken, lebendigen, »etwas boshaften Wesen«, wie es von sich selbst sagte, hervorzuschlüpfen.

Pointe Pescade war es. Eingeschlossen in diese Schildkrötenschale von hartem Schnee hatte er es gewagt, sich den Abhang herunterrollen zu lassen, auf die Gefahr hin, in irgend einen Abgrund zu stürzen. Jetzt war er frei und sprang behend die Fußpfade durch das Gebirge in der Richtung nach Cassone hinab.

Die Uhr zeigte jetzt eine halbe Stunde nach Mitternacht.

Der Doctor, der Pointe Pescade nicht mehr sah, fürchtete schon, er wäre verwundet worden. Er rief nach ihm.

»Fort! sagte Kap Matifu.

– Fort?

– Ja!… Er will Hilfe holen.

– Wie entkam er?

– Als Schneeball.«

Kap Matifu erzählte was Pointe Pescade gethan.

»Der tapfere Mensch! rief der Doctor. Muth, Freunde!… Sie sollen uns doch nicht bekommen, diese Banditen!«

Und die Steine klapperten weiter auf die Belagerer nieder. Doch dieses neue Vertheidigungsmittel drohte jetzt ebenso auszugehen wie das frühere.

Gegen drei Uhr Morgens mußten der Doctor, Peter, Luigi und Kap Matifu, gefolgt von ihren Leuten, welche die Verwundeten mit sich führten, das Haus räumen, welches nun in die Hände Zirone’s fiel. Zwanzig seiner Genossen waren bereits todt und trotzdem war die Uebermacht noch auf seiner Seite. Der Rückzug der kleinen Truppe konnte nur in der Weise bewerkstelligt werden, daß man an den Abhängen des Centralkraters hinaufkletterte, dieser Anhäufung von Lava, Schlacken, Asche, deren Spitze ein Krater bildete, das heißt ein unergründlicher, feuerspeiender Abgrund.

Dort hinauf zogen sich Alle zurück, die Verwundeten wurden natürlich mitgenommen. Von den dreihundert Metern, welche der Kegel mißt, durchmaßen sie zweihundertundfünfzig inmitten der Schwefeldämpfe, welche der Wind ihnen in das Gesicht blies.

Der Tag begann bereits heraufzudämmern und schon zeichneten sich die Umrisse der calabrischen Gebirge mit leuchtenden Farben oberhalb der östlichen Küste der Meerenge von Sicilien ab.

Doch in der Lage, in welcher sich der Doctor mit seiner Schaar befand, bot selbst der Tag keine Aussicht auf ein glückliches Entkommen mehr. Immer weiter mußte man sich zurückziehen, die Hügel bis an ihre äußersten Grenzen erklettern und die letzten Felsstücke versenden, was Kap Matifu mit einer fast übermenschlichen Kraft besorgte. Sie mußten sich wiederholt verloren geben, wenn die Flintenkugeln an die Basis des Kegels klatschten.

Plötzlich ein Augenblick der Unentschlossenheit in den Reihen der Banditen. Bald darauf stürzt Alles, was nur fliehen kann, die Abhänge herunter.

Sie hatten die Gensdarmen, die von Cassone herauskamen, Pointe Pescade an ihrer Spitze erkannt.

Der muthige Mensch hatte es nicht nöthig gehabt, bis in die Stadt selbst zu eilen. Die Gensdarmen, welche das Gewehrfeuer vernommen hatten, waren bereits unterwegs gewesen. Pointe Pescade hatte sie nur zur Casa Inglese zu führen gehabt.

Nun hatten der Doctor und die Seinigen die Oberhand. Kap Matifu, als ob er für seine Person allein schon eine Lawine gewesen wäre, sprang auf die Nächsten zu und erwürgte zwei, die nicht mehr Zeit hatten, zu entfliehen. Dann stürzte er auf Zirone zu.

»Bravo, mein Kap, Bravo! rief Pointe Pescade, der herbeigekommen war. Werf’ ihn!… Laß’ ihn die Erde mit den Schultern küssen!… Der Zweikampf zwischen Zirone und Kap Matifu, meine Herren!«

Zirone hörte diese Worte und mit der Hand, die ihm frei blieb, feuerte er seinen Revolver auf Pointe Pescade ab.

Dieser fiel lautlos zu Boden.

Nun ereignete sich eine fürchterliche Scene! Kap Matifu hatte Zirone gepackt und würgte an seinem Halse, ohne daß der halb erdrosselte Schurke dieser Umschlingung sich hätte entziehen können.

Vergebens rief der Doctor, der Zirone gern lebend haben wollte, ihm zu, diesen zu schonen. Vergebens waren Peter und Luigi herbeigesprungen, um Zirone freizumachen. Kap Matifu dachte an nichts weiter als daran, daß Zirone Pointe Pescade erschossen hatte. Er kannte sich selbst nicht mehr, er hörte und sah nicht, er hatte nur das Ueberbleibsel von einem Menschen vor Augen, das er jetzt mit gestreckten Armen von sich abhielt.

Mit einem nochmaligen Sprunge erreichte er den Rand des Kraters, diese gähnende Schwefelgrube, und in diesen Feuerbrunnen hinein schleuderte er Zirone.

Pointe Pescade, der ziemlich schwer verwundet, war vom Doctor zwischen die Kniee genommen worden, der die Wunde prüfte und verband. Als Kap Matifu zu ihm zurückgekehrt war, liefen dicke Thränen über dessen Gesicht.

Plötzlich rollten enorme Felsblöcke hernieder. (S. 388.)

»Habe keine Furcht, mein Kap…. Es ist wirklich nichts!« sagte leise Pointe Pescade.

Kap Matifu nahm ihn in seine Arme wie ein Kind und Alle stiegen die Anhöhe des Kegels hinunter, während die Gensdarmen Jagd auf die letzten Flüchtlinge von Zirone’s Bande machten. Sechs Stunden später hatten der Doctor und die Seinen Catania wieder erreicht und sich auf dem »Ferrato« eingeschifft.

Pointe Pescade wurde in seine Kabine gebettet. Mit dem Doctor als Arzt und Kap Matifu als Pfleger mußte es ihm gut gehen. Seine Wunde – ein Streifschuß an der Schulter – bot zu Befürchtungen keinen Anlaß. Ihre Heilung war nur eine Frage der Zeit. Wenn er schlafen sollte, erzählte Kap Matifu ihm Geschichten – stets die gleichen – und Pointe Pescade sank sofort in einen gefunden Schlaf.

Der Doctor hatte mit dem Beginn seines Feldzuges Unglück gehabt. Nachdem er beinahe selbst in die Hände Zirone’s gefallen war, hatte er sich nicht einmal dieses Genossen Sarcany’s bemächtigen, ihm seine Geheimnisse entreißen können – und das durch die Schuld Kap Matifu’s. Man konnte diesem aber deswegen doch nicht zürnen.

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