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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Was ging wohl in dem Geiste Carpena’s vor, als er sich unerwartet dem Doctor gegenüber sah? Welche Vorstellung bedrückte wohl sein Gehirn mit jener dringlichen Beständigkeit, die gewisse photographische Proceduren charakterisirt? Es wäre das schwer zu sagen gewesen. Jedenfalls fühlte der Spanier plötzlich, daß sich der Doctor seiner Person mit Hilfe einer Art moralischen Uebergewichtes ganz und gar bemächtigte, daß sein eigenes Selbst vor dem Doctor in Nichts aufging, daß ein fremder Wille, der stärker war als der seinige, ihn ohnmächtig machte. Er wollte sich ermannen, es ging nicht: er mußte vor diesem übermächtigen Einflusse zurückweichen. Der Doctor hatte seinen Wagen halten lassen und fuhr fort, Carpena mit einer durchdringenden Stetigkeit anzublicken.

Der Doctor und Peter Bathory befanden sich allein an Bord. (S. 396.)

Der leuchtende Punkt in seinen Augen brachte in dem Gehirn Carpena’s eine befremdliche, unwiderstehliche Wirkung hervor. Die Sinne des Spaniers verdummten nach und nach. Seine Augenlider blinzelten und schlossen sich; sie gingen in ein krampfhaftes Zittern über. Sobald das Bewußtsein ganz entschwunden war, fiel Carpena auf den Straßenrand nieder, ohne daß seine Genossen irgend etwas von der Scene bemerkt hätten. Er war in einen magnetischen Schlaf verfallen, aus dem ihn Keiner von ihnen hätte ziehen können.

Der Doctor ließ nun den Wagen nach der Residenz des Gouverneurs zu weiterfahren. Die Scene hatte überdies kaum eine halbe Minute gedauert Niemand hatte beobachten können, was soeben zwischen dem Spanier und ihm vorgegangen war – Niemand, mit Ausnahme Peter Bathory’s.

»Jetzt gehört der Mensch mir, sagte der Doctor, und ich kann ihn zwingen…

– Uns Alles zu sagen, was er weiß? fragte Peter.

– Nein, das nicht, wohl aber Alles zu thun, was ich verlange, und zwar unbewußt. Beim ersten Blick, den ich auf diesen Elenden geworfen habe, habe ich gefühlt, daß ich sein Meister werden, meinen Willen an Stelle des seinigen setzen kann.

– Trotzdem der Mann nicht krank ist?

– Glaubst Du denn, daß die Wirkungen der Hypnose sich nur bei Nervenkranken zeigen? Nein, Peter, gerade die Irrsinnigen sind die unbrauchbarsten Medien. Im Gegentheil, das Subject muß einen Willen haben und nur die Umstände kamen mir zu Hilfe, indem sie mich in diesem Carpena eine vorzüglich sich meinem Willen fügende Natur finden ließen. Er wird so lange in Schlaf versunken sein, bis ich selbst mich bewogen fühlen werde, diesen Schlaf enden zu lassen.

– Gut, aber welchen Zweck hat dieser Schlaf, da es doch unmöglich ist, Carpena in diesem Zustande von dem sprechen zu lassen, was uns zu wissen wünschenswerth erscheint, erwiderte Peter.

– Richtig, sagte der Doctor, und es ist sehr klar, daß ich ihn nicht etwas sagen lassen kann, was ich selbst nicht weiß. Aber wohl steht es in meiner Macht, ihn zu zwingen, es zu thun, und wann es mir gefallen wird, es ihn thun zu lassen, ohne daß sein Wille sich dem zu widersetzen wagen wird. Zum Beispiel morgen, übermorgen, in acht Tagen, in sechs Monaten, selbst wenn er in einem wachenden Zustande sich befindet. Wenn ich will, daß er das Präsidio verläßt, so wird er es verlassen!

– Das Präsidio verlassen, frei ausgehen? fragte Peter ganz betroffen…. Erst müssen seine Wächter das doch gestatten! Der Einfluß der Eingebung kann doch nicht bis dahin gehen, daß seine Kette gelöst, das Bagnothor geöffnet, eine unübersteigbare Mauer übersteigbar wird…?

– Nein, Peter, antwortete der Doctor, ich kann ihn allerdings nicht dazu zwingen, zu thun, was ich selbst nicht würde unternehmen können, und aus diesem Grunde mache ich den Besuch beim Gouverneur von Ceuta.«

Der Doctor Antekirtt übertrieb in keiner Weise. Diese Eingebungssacta im hypnotischen Zustande sind jetzt erwiesen. Die Arbeiten und Beobachtungen von Charcot, Brown-Séquard, Azam, Richet, Dumontpailler, Maudsley, Hack Tuke, Rieger und vielen anderen Gelehrten lassen in dieser Beziehung keinen Zweifel mehr aufkommen. Der Doctor hatte während seiner Reisen im Orient Gelegenheit gehabt, die merkwürdigsten Vorgänge zu verfolgen und diesem Zweige der physiologischen Wissenschaft einen reichen Beitrag von neuen Beobachtungen zugewendet. Er war also in diesen phänomenalen Erscheinungen sehr bewandert und ebenso in den Wirkungen, welche sich aus ihnen ergaben. Selbst mit einer großen Dosis suggestiver Macht begabt, deren Wirkung er in Kleinasien oft erprobt hatte, baute er darauf, mit Hilfe eben dieser Macht sich Carpena’s bemächtigen zu können, da der Zufall ihm gezeigt hatte, daß der Spanier auf den hypnotischen Einfluß reagirte.

Wenn aber der Doctor in Zukunft Herr über Carpena sein, wenn er ihn handeln lassen wollte, wann und wie es ihm beliebte, dadurch, daß er ihm seinen eigenen Willen einflößte, so war es unumgänglich nothwendig, daß der Gefangene sich frei bewegen konnte, sobald der Augenblick gekommen sein würde, ihn diese oder jene That begehen zu lassen. Zu diesem Zwecke mußte die Vollmacht des Gouverneurs eingeholt werden. Der Doctor hoffte dieselbe von Oberst Guyarre zu erlangen, denn nur auf diese Weise konnte man den Spanier ausgeliefert erhalten.

Zehn Minuten später langte der Wagen am Eingange zu den großen Kasernen an, welche sich fast an der Grenze der Enclave erheben, und fuhr an der Residenz des Gouverneurs vor.

Der Gouverneur Guyarre war von der Anwesenheit des Doctors Antekirtt in Ceuta schon unterrichtet. Diese berühmte Persönlichkeit wurde durch den Ruf, den ihm seine Talente und sein Vermögen eintrugen, wie ein auf Reisen befindlicher Herrscher angesehen. Daher empfing der Gouverneur ihn und seinen jungen Genossen Peter, sobald die Fremden in den Empfangssalon geführt worden waren, mit der ausgesuchtesten Höflichkeit. Vor allen Dingen stellte er sich ihnen, behufs Besichtigung der Enclave, dieses kleinen Stückchens von Spanien, das so glücklich in das marokkanische Gebiet hineingeschoben ist, völlig zur Verfügung.

»Wir nehmen Ihr freundliches Anerbieten gern an, Herr Gouverneur, antwortete der Doctor auf spanisch, welche Sprache Peter ebenso beherrschte und sprach, wie der Doctor selbst. Doch ich fürchte, wir werden nicht die Zeit haben, ihre Liebenswürdigkeit in Anspruch zu nehmen.

– Ich bitte, Herr Doctor, unsere Kolonie ist nicht sehr groß, antwortete der Gouverneur. In einem halben Tage ist die Rundfahrt beendet. Gedenken Sie nicht, sich einige Zeit hier aufzuhalten?

– Vier bis fünf Stunden höchstens, sagte der Doctor. Ich muß heute Abend noch nach Gibraltar fahren, woselbst man mich morgen Vormittag erwartet.

– Heute Abend noch wollen Sie abreisen? rief der Gouverneur. Gestatten Sie mir auf meinem Anerbieten zu bestehen. Ich versichere Sie, Herr Doctor Antekirtt, unsere Militärkolonie verdient es, daß man sie gründlich kennen lernt. Sie haben auf Ihren Reisen gewiß viel gesehen, viel beobachtet, aber gewiß nichts im Hinblick auf die Strafeinrichtungen. Sie dürfen mir schon glauben, daß Ceuta die Aufmerksamkeit der Gelehrten wie diejenige der Volkswirthschaftler verdient.«

Man konnte es dem Gouverneur nicht übel nehmen, daß er voller Eigenliebe seine Kolonie pries. Er übertrieb aber nicht, denn das Verwaltungssystem des Präsidio von Ceuta – identisch demjenigen der Präsidien von Sevilla – wird als eine der besten Einrichtungen der alten und der neuen Welt angesehen, sowohl was den materiellen Zustand der Deportirten als auch ihre moralische Besserung betrifft. Der Gouverneur bestand deshalb darauf, daß ein so bedeutender Mann wie der Doctor Antekirtt seine Abreise verschob, um die verschiedenen Abtheilungen der Strafanstalt mit seinem Besuche zu beehren.

»Es wäre das leider unmöglich, Herr Gouverneur, doch heute gehöre ich Ihnen ganz und wenn Sie wollen…

– Es ist bereits vier Uhr, meinte Oberst Guyarre. Sie werden selbst sehen, daß uns wenig Zeit bleibt…

– In der That, antwortete der Doctor, und es thut mir das um so mehr weh, je mehr ich mich darauf gefreut habe, Ihnen die Honneurs auf meiner Yacht erweisen zu können, nachdem Sie so liebenswürdig sein wollten, persönlich mir Ihre Kolonie zu zeigen.

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