Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Daß der Aetna in unserem Jahrhunderte sich weniger bemerkbar macht mag daher kommen, weil er jetzt einen gerechten Anspruch auf Ruhe hat. Man zählt seit Beginn der christlichen Zeitrechnung nicht weniger als dreißig Ausbrüche. Daß Sicilien dabei nicht zu Grunde gegangen ist, dankt es seiner soliden Verankerung. Es muß auch berücksichtigt werden, daß der Vulcan sich nicht nur einen einzigen, ununterbrochen thätigen Krater geschaffen hat. Er arbeitet wie und wann es ihm beliebt. Das Gebirge spaltet sich dort, wo einer seiner Feuerströme gerade hinausdrängt und durch die entstandene Oeffnung strömt die gesammte, in seinen Flanken angesammelte Lavamasse hinaus. Diesem Umstande entstammt die große Menge kleiner Vulcane, die Monte-Rossi, ein Doppelgebirge, das sich innerhalb dreier Monate in einer Höhe von hundertsiebenunddreißig Metern aus dem Sande und den Schlacken des Ausbruches von 1669 gebildet hat, die Frumento, Krater Simoni, Stornello, Crisinco; sie ähneln den rings um den Dom einer Kathedrale aufgehängten Glöckchen und haben zu Genossen noch die Krater der Ausbrüche von 1809, 1811, 1819, 1838, 1852, 1865 und 1879, deren Trichter die Flanken des Hauptkegels wie die Zellen die Bienenstöcke durchlöchern.
Nachdem der Flecken Belvedere durchritten war, schlug der Führer einen näheren Pfad ein, um die Straße von Tramestieri und dann diejenige von Nicolosi zu erreichen. Es ist immer noch die erste, cultivirte Zone des Gebirges, welche sich fast bis zu diesem Flecken,
Indessen sprossen hier und dort noch Eichen, Buchen… (S. 378.)
also zu einer Höhe von zweitausendeinhundertundzwanzig Fuß erstreckt. Es war ungefähr vier Uhr Nachmittags, als Nicolosi auftauchte, ohne daß die Reisenden irgend ein fatales Abenteuer auf der fünfzehn Kilometer langen Strecke erlebt hätten, welche sie bereits von Catania trennte; sie hatten weder Wölfe noch wilde Schweine zu Gesicht bekommen. Zwanzig Kilometer mußten noch bis zur Casa Inglese zurückgelegt werden.
»Wie lange wollen sich Eure Excellenz hier aufhalten? fragte der Führer.
– So kurze Zeit als möglich, erwiderte der Doctor, so daß wir Abends gegen neun Uhr in der Casa eintreffen können.
– Vielleicht vierzig Minuten?
– Schön, vierzig Minuten.«
Das war eine reichliche Zeit, um einen kräftigen Imbiß in einem der beiden Wirthshäuser des Ortes einnehmen zu können, welche das culinarische Ansehen, in welchem die Locanden Siciliens gemeinhin stehen, ein wenig erhöhen. Das muß zur Ehre der dreitausend Einwohner Nicolosi’s, einschließlich der Menge Bettler, die sich dort aufhalten, gesagt werden. Man erhält dort ein Stück Ziegenfleisch, Früchte, Weintrauben, Orangen, Granaten und Wein von San Placido, der in der Umgebung Catania’s gewonnen wird; es gibt in Italien sehr viele bedeutendere Städte als Nicolosi es ist, in denen mancher Hotelier ebensoviel nicht bieten kann und sehr in Verlegenheit käme, wenn man es verlangte.
Noch vor fünf Uhr bestiegen der Doctor, Peter und der Führer ihre Maulesel und die Thiere kletterten durch die zweite Zone, die Waldzone, weiter empor. Die Bäume sind dort durchaus nicht so zahlreich vertreten, wie es der Name besagt, denn auch dort, wie überall, arbeiten die Holzfäller und zerstören die alten, prächtigen Forsten, die bald nur noch eine mythologische Erinnerung ihres einstigen Bestehens bilden werden. Indessen sprossen hier und dort, theils in Gruppen, theils in Gebüschen vereint, längs der Säume der Lavaströme, auf den Rändern der Abgründe, noch Eichen, Buchen, Feigenbäume mit fast schwarzen Blättern, ferner in einer höheren Luftschicht Tannen, Fichten und Birken. Sogar die Aschenreste erzeugen, wenn sie sich mit Erdreich mischen, breite Büschel von Farrenkräutern, Malven und Eschwurz und bedecken sich mit einem dichten Rasenteppich.
Um acht Uhr Abends befanden sich der Doctor und Peter schon in einer Höhe von dreitausend Meter, die fast die Grenze des ewigen Schnees bildet. Auf den Abhängen des Aetna lagert ein solcher Ueberfluß von Schnee, daß er, ausgebreitet, gut und gern Italien bedecken könnte.
Sie waren jetzt in die Region der schwarzen Lava, der Asche, der Schlacken gekommen, die sich jenseits einer ungeheuren Kluft ausbreitet, in dem riesigen elliptischen Circus des Valle del Bove. Nun galt es die tausend bis dreitausend Meter hohen Klippen zu überwinden, deren Bestandtheile Schichten von Trachyten und Basalten zum Vorschein kommen lassen, gegen welche die Elemente noch nicht ankämpfen konnten.
Vor ihnen erhob sich der eigentliche Kegel des Vulcans, um den hier und da einige Phanerogamen grünende Kreise bildeten. Dieses centrale Höckersystem, das ein ganzes Gebirge für sich bildet – Pelion auf dem Ossa – schließt mit seiner äußersten Spitze in einer Höhe von dreitausenddreihundertsechzehn Metern über dem Meeresspiegel ab.
Dort erzitterte schon der Boden unter ihren Füßen. Schwingungen, hervorgebracht durch die plutonische Thätigkeit, die unermüdlich den Aetna durchtobt, pflanzten sich unter der Schneedecke fort. Streifen von Schwefeldämpfen, die der Wind aus der Oeffnung des Kraters trieb, wurden mitunter bis zur Basis des Kegels niedergedrückt und ein Schauer von Schlackenstückchen, ähnlich dem weißglühenden Cokes, fiel auf den weißen Teppich herab, auf dem dieselben zischend verloschen.
Die Luft war bereits eine bitter kalte – mehrere Grade unter Null – und die Schwierigkeit, Athem holen zu können, machte sich bereits in Folge der Verdünnung der Luft sehr fühlbar. Die Bergsteiger mußten sich fest in ihre Reisemäntel hüllen. Ein scharfer Wind, welcher das Gebirge bestrich, führte spitzige Flocken mit sich, die er dem Boden entrissen hatte und welche nun in der Luft umherwirbelten. Von dieser Höhe aus konnte man, unterhalb des feuerspeienden Rachens, in welchem sich ein schnaubendes Flammenmeer bemerkbar machte, andere Krater untergeordneter Gattung überblicken, schmale Schwefelgruben oder düstere Schachte, in deren Innerem unterirdische Feuer glühten. Ein fortwährendes Grollen mit orkanartigem Anschwellen machte sich vernehmbar, so wie es ähnlich ein ungeheurer Dampfkessel von sich geben würde, wenn der überhitzte Dampf die Ventile emporhebt. Ein Ausbruch war aber nicht zu befürchten. Dieser ganze innere Zorn des Berges verrieth sich nur durch das Grollen des obersten Kraters und ein Aufstoßen in den vulcanischen Rachen, welche den Gipfel durchlöcherten.
Die neunte Stunde war angebrochen. Am Himmel erglänzten Milliarden von Sternen, welche die Dünne der Luft in dieser Höhe noch funkelnder erscheinen ließ. Der aufsteigende Mond badete sich im Westen in den Wogen des äolischen Meeres. Auf einem anderen Gebirge, welches keinen thätigen Vulcan in sich barg wäre diese Ruhe der Nacht eine wahrhaft überwältigende gewesen.
»Wir müssen nun bald an Ort und Stelle sein? fragte der Doctor.
– Dort ist die Casa Inglese,« antwortete der Führer.
Und er wies auf eine Mauerwand, in welche zwei Fenster und eine Thür eingelassen waren, die sein bewanderter Blick in der Entfernung von fünfzig Schritten, das heißt also vierhundertachtundzwanzig Meter unterhalb des Randes des Centralkegels sich vom Schnee abheben sah. Es war das im Jahre 1811 von englischen Officieren auf einem von Lava gebildeten Plateau Namens Piano del Lago errichtete Haus.1
Dieses Haus, welches man auch die Casa Etnea nennt, wurde lange Zeit hindurch auf Kosten des Herrn Gemellaro, des Bruders des gelehrten Geologen gleichen Namens, unterhalten, neuerdings war es durch die Bemühungen des Alpenclubs wieder in Stand gesetzt worden. Nicht weit davon starrten durch die Dunkelheit einige Ruinen römischen Ursprunges den Kommenden entgegen; man hat ihnen den Namen »Thurm der Philosophen« gegeben. Von dort hat sich, so behauptet die Sage, Empedokles in den Krater gestürzt. In Wirklichkeit gehört schon eine ganz einzige Dosis von Philosophie dazu, acht Tage an diesem einsamen Orte zuzubringen und man kann sich die That des Philosophen von Agrigent wirklich erklären.