Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ich kann es nicht sagen«, sagte er schließlich leise. Seine Schulter berührte die meine, und ich lehnte den Kopf an ihn. »Es gibt das, was die Kirche sagt, aber –« Sein Blick war immer noch auf die Glühwürmchen gerichtet, die unermüdlich zwischen den Grashalmen zwinkerten. »Nein, ich kann es nicht sagen. Aber ich denke, es wird vielleicht alles gut.«
Er neigte den Kopf und drückte einen Moment lang seine Wange auf mein Haar, dann stand er auf und griff nach seinem Dolch.
»Das Feuer brennt jetzt gut.«
Die Luft war mit dem Herannahen der Dämmerung weniger drückend geworden, und ein leichter Abendwind blies mir die feuchten Haarsträhnen aus dem Gesicht. Ich saß mit geschlossenen Augen da, das Gesicht zum Himmel gewandt, und genoss die Kühle nach der schweißtreibenden Hitze des Tages.
Ich konnte hören, wie Jamie sich raschelnd am Feuer bewegte und mit schnellen Messerschnitten grüne Eichenzweige schälte, um die Fische zu grillen.
Ich denke, es wird vielleicht alles gut. Das dachte ich auch. Niemand konnte sagen, was nach dem Tod kam, doch ich hatte schon oft jene Stunde erlebt, in der die Zeit stillsteht, ohne zu denken, mit ruhiger Seele, im Angesicht … wessen? Es war etwas, das weder einen Namen noch ein Gesicht hatte, das mir jedoch gut erschien und voller Frieden. Wenn dort der Tod lag …
Jamies Hand berührte im Vorbeigehen meine Schulter, und ich lächelte, ohne die Augen zu öffnen.
»Autsch!«, schimpfte er auf der anderen Seite des Feuers. »Hab mich geschnitten, ich dummer Trottel.«
Ich öffnete die Augen. Er war gute zweieinhalb Meter von mir entfernt und hatte den Kopf gesenkt, um an einem kleinen Schnitt an seinem Daumengelenk zu lutschen. Plötzlich lief mir eine Gänsehaut über den Rücken.
»Jamie«, sagte ich. Meine Stimme hörte sich merkwürdig an, sogar in meinen Ohren.
Ich hatte eine kleine, kalte Stelle im Nacken, die sich wie eine Zielscheibe anfühlte.
»Aye?«
»Ist da –« Ich schluckte und spürte, wie sich die Haare auf meinen Unterarmen aufstellten. »Jamie, ist … jemand … hinter mir?«
Seine Augen huschten zu den Schatten in meinem Rücken und öffneten sich weit. Ich blickte mich nicht erst um, sondern warf mich gleich flach auf den Boden, eine Reaktion, die mir wahrscheinlich das Leben rettete.
Ein lautes Brummen ertönte, und dann roch es plötzlich nach Ammoniak und Fisch. Irgendetwas traf mich mit solcher Gewalt im Rücken, dass mir die Luft wegblieb, und trat dann schwer auf meinen Kopf, wobei es mein Gesicht in den Boden bohrte.
Ich fuhr hoch, schnappte nach Luft und schüttelte mir den Laubkompost aus den Augen. Ein großer Schwarzbär torkelte fauchend wie eine Katze über die Lichtung und verstreute mit den Tatzen brennende Zweige.
Halb blind vor Schmutz, konnte ich Jamie im ersten Moment überhaupt nicht sehen. Dann erblickte ich ihn. Er war vor dem Bären, hatte einen Arm um dessen Hals geschlungen und den Kopf genau unter dem geifernden Maul an dessen Schulter gepresst.
Sein Fuß schoss unter dem Bären hervor, trat verzweifelt um sich und grub sich haltsuchend in den Boden. Er hatte seine Schuhe und Strümpfe ausgezogen, als wir unser Lager aufschlugen; ich hielt den Atem an, als er mit dem nackten Fuß ins glimmende Feuer geriet, dass die Funken sprühten.
Sein Unterarm war vor Anstrengung zerfurcht und halb in dem dichten Pelz vergraben. Mit dem freien Arm hieb und stieß er um sich. Wenigstens hatte er seinen Dolch noch. Gleichzeitig zerrte er mit aller Kraft am Hals des Bären und versuchte, ihn zu Boden zu ziehen.
Der Bär machte einen Satz, schlug mit einer Tatze um sich und versuchte, das Gewicht abzuschütteln, das sich fest an seinen Hals klammerte. Er schien das Gleichgewicht zu verlieren und fiel unter lautem Wutgeheul schwerfällig nach vorn. Ich hörte ein ersticktes Uff!, das nicht von dem Bären zu kommen schien, und sah mich verzweifelt nach etwas um, was ich als Waffe gebrauchen konnte.
Der Bär kämpfte sich wieder auf die Pfoten und schüttelte sich heftig.
Für eine Sekunde erblickte ich Jamies vor Anstrengung verzerrtes Gesicht. Ein hervorquellendes Auge weitete sich, als er mich sah, und er befreite seinen Mund aus dem Zottelpelz.
»Lauf weg!«, schrie er. Dann ließ sich der Bär wieder auf ihn fallen, und er verschwand unter dreihundert Pfund Fell und Muskeln.
Ich erinnerte mich vage an Mowgli und die Rote Blume und suchte wie wahnsinnig die feuchte Erde der Lichtung ab, fand aber nur kleine, verkohlte Zweige und glühende Holzkohlen, an denen ich mir Brandblasen holte, die aber zu klein zum Anfassen waren.
Ich hatte immer gedacht, Bären würden brüllen, wenn sie wütend waren. Dieser hier machte einen Heidenlärm, doch das durchdringende Gekreische und Gezeter, durchsetzt mit haarsträubendem Grollen, hörte sich eher nach einem Riesenschwein an. Jamie machte ebenfalls eine Menge Lärm, was unter den Umständen beruhigend war.
Meine Hand berührte etwas Feuchtes und Klammes – die Fische, die wir am Feuer abgelegt hatten.
»Zum Teufel mit der Roten Blume«, brummte ich. Ich packte eine der Forellen am Schwanz, rannte los und hieb sie dem Bären, so fest ich konnte, über die Nase.
Der Bär schloss das Maul und machte ein überraschtes Gesicht. Dann schwenkte er den Kopf in meine Richtung und tat einen Satz. Er bewegte sich schneller, als ich es für möglich gehalten hätte. Ich fiel rückwärts hin, landete auf dem Hintern und versetzte dem Bären einen letzten, tapferen Hieb mit meinem Fisch, bevor er mich angriff. Jamie klammerte sich immer noch unerbittlich an seinen Hals.
Ich kam mir vor wie in einem Fleischwolf – für einen kurzen Moment herrschte totales Chaos, akzentuiert von ziellosen, schmerzhaften Schlägen auf meinen Körper und dem Gefühl, von einer großen, stinkenden, haarigen Decke erstickt zu werden. Dann war es vorbei, und ich blieb angeschlagen auf dem Rücken im Gras zurück. Ich roch kräftig nach Bärenpisse und blinzelte den Abendstern an, der friedlich am Himmel leuchtete.
Am Boden ging es sehr viel weniger friedlich zu. Ich kämpfte mich auf alle viere und rief »Jamie!« in Richtung der Bäume, wo eine große, formlose Masse hin- und herrollte, Eichenschösslinge zermalmte und Grolllaute und gälisches Gekreische von sich gab.
Am Boden war es jetzt vollständig dunkel, doch der Himmel spendete noch genug Licht, dass ich die Vorgänge verfolgen konnte. Der Bär war hingefallen, doch anstatt sich wieder aufzurichten und zuzuschlagen, rollte er sich jetzt auf den Rücken und fuchtelte mit den Hinterpfoten, um einen Ansatzpunkt für seine Krallen zu finden. Seine Vordertatze landete mit einem heftigen Klatschen, gefolgt von einem lauten Grunzen, das mir nicht von dem Bären zu kommen schien. In der Luft hing Blutgeruch.
»Jamie!«, kreischte ich.
Es kam keine Antwort. Der zuckende Haufen rollte weiter und kippte langsam seitwärts in die tieferen Schatten unter den Bäumen. Die gemischten Geräusche gingen in heftiges Grunzen und Japsen über, unterbrochen von leisem, wimmerndem Stöhnen.
»JAMIE!«
Die Hiebe und das Ästeknacken erstarben zu einem Rascheln. Etwas bewegte sich unter den Zweigen und schwankte schwerfällig auf allen vieren hin und her.
Ganz langsam, unter stöhnenden, stockenden Atemzügen kam Jamie auf die Lichtung gekrochen.
Ohne meine eigenen Verletzungen zu beachten, rannte ich zu ihm und sank neben ihm auf die Knie.
»Mein Gott, Jamie! Geht’s dir gut?«
»Nein«, sagte er kurz angebunden und brach leise keuchend auf dem Boden zusammen.
Sein Gesicht war ein bleicher Fleck im Licht der Sterne; der übrige Körper war so dunkel, dass er fast unsichtbar war. Den Grund dafür fand ich heraus, als ich rasch meine Hände über ihn gleiten ließ. Seine Kleider waren so blutdurchtränkt, dass sie ihm am Körper klebten, und als ich an seinem Jagdhemd zog, löste es sich mit einem ekligen, leisen Sauggeräusch.
»Du riechst nach Schlachthof«, sagte ich, während ich nach dem Puls unter seinem Kinn suchte. Er ging schnell – was mich nicht überraschte –, aber kräftig. Mir fiel ein Stein vom Herzen. »Ist das dein Blut oder das des Bären?«