Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ein kleines Licht glühte plötzlich neben mir im Gras auf, kühl und hell. Ich sah noch eins und noch eins, und dann war der Waldrand erfüllt davon. Sie sanken träge zu Boden und verloschen, kalte Funken, die in der zunehmenden Dunkelheit dahintrieben.
»Weißt du, dass ich Glühwürmchen zum ersten Mal in Boston gesehen habe?«, sagte ich voll Freude über den Anblick der glühenden Smaragde und Topase im Gras. »In Schottland gibt es keine Glühwürmchen, oder?«
Jamie schüttelte den Kopf und lehnte sich träge im Gras zurück, einen Arm angewinkelt hinter dem Kopf.
»Hübsche kleine Dinger«, beobachtete er und seufzte zufrieden. »Das ist meine liebste Tageszeit, glaube ich. Als ich nach Culloden in der Höhle gelebt habe, bin ich immer zur Abendzeit herausgekommen und habe mich auf einen Stein gesetzt und auf die Dunkelheit gewartet.«
Mit halb geschlossenen Augen beobachtete er die Glühwürmchen. Die Schatten breiteten sich nach oben aus, als die Nacht von der Erde zum Himmel aufstieg. Einen Moment zuvor hatte ihn das Licht, das durch die Eichenblätter schien, noch wie ein Rehkitz gesprenkelt; jetzt, da es dunkel wurde, lag er in einer Art gedämpftem, grünem Leuchten da, das seine Gestalt fest und substanzlos zugleich wirken ließ.
»All die kleinen Insekten kommen jetzt heraus – Motten und Mücken; all die winzigen Tierchen, die in Wolken über dem Wasser hängen. Man sieht die Schwalben nach ihnen jagen und dann die Fledermäuse herabsausen. Und die Lachse, die aufsteigen, wenn die Insekten am Abend schlüpfen und Ringe ins Wasser zeichnen.«
Seine Augen waren jetzt offen und auf das wogende Grasmeer auf dem Hügel gerichtet, doch ich wusste, dass er stattdessen die gekräuselte Oberfläche des winzigen Lochs in der Nähe von Lallybroch sah.
»Es dauert nur einen Augenblick, doch man meint, dass es niemals enden wird. Seltsam, nicht wahr?«, sagte er gedankenverloren. »Man kann fast zusehen, wie das Licht schwindet – und doch gibt es keinen Zeitpunkt, an dem man sagen könnte: ›Jetzt! Jetzt ist es Nacht!‹« Er deutete auf die Lücke zwischen den Eichen und das Tal, das sich mit Dunkelheit füllte.
»Nein.« Ich streckte mich neben ihm aus. Die warme Feuchtigkeit des Grases drang durch meine Wildlederkleidung, so dass sie sich an meinen Körper schmiegte. Die Luft unter den Bäumen war schwer und kühl wie die Luft in einer Kirche, halbdunkel und voller Erinnerungen an Weihrauchduft.
»Erinnerst du dich an Bruder Anselm in der Abtei?« Ich blickte nach oben; die Farbe wich aus den Eichenblättern über uns und ließ die weichen, silbernen Blattunterseiten so grau wie Mäusefell zurück. »Er hat gesagt, jeder Tag hat eine Stunde, in der die Zeit stillzustehen scheint – aber sie ist für jeden anders. Er hat gemeint, es ist vielleicht die Stunde, in der man geboren wurde.«
Ich wandte den Kopf und sah ihn an.
»Weißt du, wann du geboren bist?«, fragte ich. »Die Tageszeit, meine ich?« Er blickte mich an und lächelte. Dann drehte er sich um, so dass er mir gegenüberlag.
»Aye, das weiß ich. Vielleicht hat er recht gehabt, denn ich bin zur Abendessenszeit geboren worden – am ersten Mai, gerade als das Zwielicht kam.« Er strich ein dahinschwebendes Glühwürmchen zur Seite und grinste mich an.
»Habe ich dir die Geschichte nie erzählt? Wie meine Mutter einen Topf mit Haferbrei zum Kochen auf den Herd gestellt hat und ihre Wehen dann so schnell gekommen sind, dass sie keine Zeit mehr gehabt hat, daran zu denken, und es ist auch keinem anderen eingefallen, bis sie diesen Brandgeruch bemerkt haben, und das Abendessen war ruiniert und der Topf auch? Es war nichts mehr zum Essen im Haus außer einer Stachelbeertorte. Also haben sie alle davon gegessen, aber die Küchenmagd war neu und die Stachelbeeren unreif, und alle – außer meiner Mutter natürlich – haben sich die ganze Nacht mit Darmkrämpfen gewunden.«
Er schüttelte den Kopf und lächelte immer noch. »Mein Vater hat gesagt, es hätte Monate gedauert, bis er mich ansehen konnte, ohne Bauchgrimmen zu bekommen.«
Ich lachte, und er streckte die Hand aus, um mir ein Blatt vom vorigen Jahr aus dem Haar zu zupfen.
»Und um welche Zeit bist du geboren, Sassenach?«
»Ich weiß es nicht«, sagte ich mit dem leichten Stich des Bedauerns, den mir der Gedanke an meine verschwundene Familie immer versetzte. »Es hat nicht in meiner Geburtsurkunde gestanden, und wenn Onkel Lamb es gewusst hat, so hat er es mir nicht gesagt. Aber ich weiß, wann Brianna auf die Welt kam«, fügte ich etwas heiterer hinzu. »Sie ist um drei nach drei am Morgen geboren worden. An der Wand des Kreißsaals hat eine riesige Uhr gehangen, da habe ich es gelesen.«
Trotz des gedämpften Lichtes konnte ich seine Überraschung deutlich sehen.
»Du bist wach gewesen? Ich dachte, du hast mir gesagt, dass man in deiner Zeit die Frauen betäubt, damit sie keine Schmerzen spüren.«
»Die meisten, ja. Aber ich wollte nicht, dass sie mir etwas geben.« Ich starrte nach oben. Um uns war es dunkel geworden, doch der Himmel war immer noch klar und hell, ein sanftes, leuchtendes Blau.
»Warum zum Teufel nicht?«, wollte er ungläubig wissen. »Ich habe noch nie gesehen, wie eine Frau ein Kind bekommt, aber ich habe es schon mehr als einmal gehört, sag ich dir. Da komme ich doch wirklich nicht mit – warum sollte eine Frau, die halbwegs bei Verstand ist, das tun, wenn sie die Wahl hätte?«
»Hm …« Ich hielt inne, denn ich wollte nicht melodramatisch erscheinen. Doch es war die Wahrheit. »Nun«, sagte ich ziemlich trotzig, »ich habe geglaubt, ich würde sterben, und ich wollte nicht im Schlaf sterben.«
Er war nicht schockiert. Er zog nur eine Augenbraue hoch und schnaubte leise vor Belustigung.
»Nicht?«
»Nein. Du?« Ich wandte den Kopf, um ihn anzusehen. Er rieb sich das Nasenbein, immer noch belustigt über die Frage.
»Aye, tja, vielleicht. Ich bin dem Tod am Galgen nahe gewesen und fand das Warten furchtbar. Ich bin mehrere Male fast in der Schlacht umgekommen, aber da habe ich mir keine großen Sorgen ums Sterben gemacht, weil ich zu beschäftigt war, um darüber nachzudenken. Und dann bin ich fast an Verletzungen und am Fieber gestorben, und da ging es mir so elend, dass ich es kaum abwarten konnte, tot zu sein. Aber wenn ich die Wahl gehabt hätte, hätte ich im Großen und Ganzen nichts dagegen, im Schlaf zu sterben, nein.«
Er beugte sich zu mir herüber und küsste mich sacht. »Am liebsten im Bett neben dir. Natürlich in sehr hohem Alter.« Er berührte meine Lippen sanft mit der Zunge, dann stand er auf und strich sich trockene Eichenblätter von der Reithose.
»Am besten machen wir Feuer, solange wir noch genug Licht haben, um den Feuerstein zu sehen«, sagte er. »Gehst du die Fische holen?«
Ich überließ es ihm, sich mit Feuerstein und Zunder zu beschäftigen, während ich den kleinen Hügel hinabstieg und zum Bach ging, wo unsere frisch gefangenen Forellen an Drahtschnüren in der eisigen Strömung baumelten. Als ich den Hügel wieder heraufkam, war es so dunkel geworden, dass ich ihn nur schemenhaft über einem glimmenden Häufchen Reisig kauern sah. Ein Rauchfaden stieg bleich zwischen seinen Händen auf.
Ich legte die ausgenommenen Fische in das hohe Gras, hockte mich neben ihn und sah zu, wie er neue Zweige auf das Feuer legte und es geduldig anfachte, eine Barrikade gegen die kommende Nacht.
»Was glaubst du, wie es sein wird?«, fragte ich plötzlich. »Zu sterben.«
Er starrte ins Feuer und dachte nach. Ein brennender Zweig zersprang knisternd und funkensprühend. Die Funken sanken herab und verloschen, bevor sie den Boden berührten.
»›Der Mensch ist wie das Gras, das verwelkt und ins Feuer geworfen wird; er ist wie ein Funke, der zum Himmel steigt … und seine Heimat wird sich seiner nicht erinnern‹«, zitierte ich leise. »Meinst du, danach kommt nichts mehr?«
Er schüttelte den Kopf und blickte ins Feuer. Ich sah, wie seine Augen darüber hinwegwanderten, dorthin, wo die kühlen, hellen Funken der Glühwürmchen zwischen den dunklen Halmen aufleuchteten und verloschen.