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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Kapitel 22

Das flammende Kreuz

Die Männer waren fort. Jamie, Roger, Mr. Chisholm und seine Söhne, die Gebrüder MacLeod … sie alle waren vor Tagesanbruch verschwunden, und die einzige Spur, die sie hinterlassen hatten, waren die chaotischen Überreste eines hastigen Frühstücks und eine Ansammlung schmutziger Fußabdrücke auf der Eingangsschwelle.

Jamie bewegte sich so leise, dass er mich nur selten weckte, wenn er unser Bett verließ, um sich im Dunkel vor der Dämmerung anzukleiden. Allerdings beugte er sich normalerweise über mich, um mir einen Abschiedskuss zu geben und mir eine rasche Liebkosung ins Ohr zu flüstern, so dass ich seine Berührung und seinen Geruch zurück in meine Träume mitnehmen konnte.

Heute Morgen hatte er mich nicht geweckt.

Diese Aufgabe hatte er den kundigen Händen eines Rudels halbwüchsiger Chisholms und MacLeods überlassen, die kurz nach Anbruch der Dämmerung direkt unter meinem Fenster eine lautstarke Auseinandersetzung austrugen.

Im ersten Moment verwirrt durch die Rufe und Schreie, war ich abrupt erwacht, und meine Hände hatten automatisch nach Schwamm und Sauerstoffmaske, Injektionsnadel und Alkohol getastet, während ich die Notaufnahme eines Krankenhauses lebhaft vor mir sah. Dann holte ich Luft und roch Holzrauch, kein Äthanol. Ich schüttelte den Kopf und betrachtete blinzelnd die zerwühlte, blaugelbe Quiltdecke, die friedlichen Reihen der Kleider an ihren Haken und das klare, blasse Winterlicht, das durch die halb geöffneten Fensterläden fiel. Zuhause. Ich war zu Hause in Fraser’s Ridge.

Unten flog krachend eine Tür auf, und der Lärm verstummte augenblicklich, gefolgt von raschelnden Fluchtgeräuschen, die von gedämpftem Kichern begleitet wurden.

»Mmmpfm!«, sagte Mrs. Bugs Stimme voll grimmiger Genugtuung, weil es ihr gelungen war, die Unruhestifter aufzumischen. Die Tür schloss sich, und hölzernes Hämmern und metallenes Scheppern zeigten mir an, dass unter mir die Aktivitäten des Tages begannen.

Als ich kurz darauf hinunterging, traf ich die gute Frau dabei an, wie sie gleichzeitig Brot röstete, Kaffee kochte, Porridge zubereitete und sich beim Aufräumen der Hinterlassenschaft der Männer beschwerte. Nicht über die Unordnung – was konnte man von Männern schon anderes erwarten? –, sondern vielmehr darüber, dass Jamie sie nicht geweckt hatte, um ihnen ein anständiges Frühstück zu machen.

»Wie soll Ehrwürden denn so zurechtkommen?«, fragte sie bestimmt und schwang tadelnd die Toastgabel in meine Richtung. »So ein großer, kräftiger Mann, und jetzt ist er da draußen unterwegs und hat nichts als einen Schluck Milch und ein altes Brötchen im Bauch?«

Ein verquollener Blick auf das Durcheinander aus Krümeln und schmutzigem Geschirr erweckte bei mir eher den Eindruck, dass Ehrwürden und seine Mannen mindestens zwei Dutzend Maismuffins und ein ganzes Brot auf dem Gewissen hatten, dazu ein gutes Pfund frische Butter, ein Glas Honig und die gesamte Milch des morgendlichen Melkens.

»Ich glaube nicht, dass er Hunger leiden wird«, murmelte ich und pickte mit dem Zeigefinger einen Krümel auf. »Ist der Kaffee schon fertig?«

Der Großteil der größeren Chisholm- und MacLeodkinder verbrachte die Nächte in Decken oder alte Tücher gewickelt am Herdfeuer. Sie waren schon auf den Beinen, ihre Bettdecken hinter der Kaminbank aufgetürmt. Als jetzt Essensgerüche das Haus zu durchwehen begannen, drangen murmelnde Geräusche durch die Wände und die Treppe herab, während die Frauen sich ankleideten und sich um die Babys und Kleinkinder kümmerten. Eine Schar kleiner Gesichter kehrte nach und nach von draußen zurück und lugte hungrig um die Ecke.

»Habt ihr eure Dreckspfoten gewaschen, ihr gottlosen Geschöpfe?«, wollte Mrs. Bug bei ihrem Anblick wissen. Sie wies mit dem Porridgelöffel auf die Bänke entlang des Tisches. »Wenn ja, dann kommt herein und setzt euch. Aber putzt euch ja die schmutzigen Füße ab!«

In Sekundenschnelle waren die Bänke und Stühle besetzt, und Mrs. Chisholm, Mrs. MacLeod und Mrs. Aberfeldy sahen sich gähnend und blinzelnd unter ihren Sprösslingen um, wünschten mir und einander murmelnd und kopfnickend einen guten Morgen, zupften hier ein Halstuch und da einen Hemdschoß gerade und benutzten ihre speichelfeuchten Daumen, um einem kleinen Jungen die abstehenden Haare an den Kopf zu kleben oder einem kleinen Mädchen einen Fleck aus dem Gesicht zu wischen.

Angesichts eines halben Dutzends hungrig aufgesperrter Mäuler war Mrs. Bug in ihrem Element. Sie hüpfte unablässig zwischen Herd und Tisch hin und her, und als ich ihr dabei zusah, kam mir der Gedanke, dass sie in einem früheren Leben eine Wachtel gewesen sein musste.

»Habt Ihr Jamie aufbrechen sehen?«, fragte ich, als sie kurz stehen blieb, um sämtliche Tassen nachzufüllen, in der anderen Hand eine große, noch ungebratene Wurst.

»Nein, nichts dergleichen.« Sie schüttelte den Kopf mit seinem ordentlichen, weißen Häubchen. »Ich habe nicht das Geringste davon mitbekommen. Ich habe gehört, wie mein alter Herr vor der Dämmerung aufgestanden ist, aber ich dachte, er ginge nur zum Abort, denn er stört mich nicht gern mit dem Lärm vom Nachttopf. Aber er ist nicht zurück gekommen, und als ich ganz wach war, waren sie alle fort. Ah! Hör sofort auf damit!«

Aus dem Augenwinkel sah sie eine Bewegung und hieb einem sechsjährigen MacLeodjungen die Wurst über den Schädel, woraufhin er abrupt seine Finger aus dem Marmeladenglas zog.

»Vielleicht sind sie ja auf die Jagd gegangen«, sagte Mrs. Aberfeldy schüchtern, während sie das kleine Mädchen auf ihrem Knie löffelweise mit Porridge fütterte. Sie war kaum neunzehn, und aus Respekt vor den älteren Frauen sagte sie nur selten etwas.

»Sie sollten besser nach Siedlungsplätzen und nach Bauholz jagen«, sagte Mrs. MacLeod und hob sich ein Baby an die Schulter, um ihm den Rücken zu klopfen. Sie schob sich eine ergrauende Haarsträhne aus dem Gesicht und lächelte mich ironisch an. »Nichts gegen Eure Gastfreundschaft, Mrs. Fraser, aber ich möchte den Winter lieber nicht unter Euren Füßen verbringen. Geordie! Lass die Zöpfe deiner Schwester in Ruhe, oder du wirst dir wünschen, du hättest es getan!«

Da ich so früh am Morgen noch nicht in Hochform war, lächelte ich vor mich hin und murmelte höflich etwas Unverständliches. Auch ich brannte nicht darauf, einen ganzen Winter lang fünf oder zehn zusätzliche Leute in meinem Haus zu beherbergen, aber ich bezweifelte, dass es sich vermeiden ließ.

Der Brief des Gouverneurs hatte wenig Spielraum für Interpretationen gelassen; alle gesunden Männer im Hinterland mussten sich als Milizionäre mustern lassen und sich Mitte Dezember in Cross Creek melden. Das ließ nicht viel Zeit zum Hausbau. Dennoch hoffte ich, dass Jamie etwas einfallen würde, wie sich die Überfüllung lindern ließ; Adso, das Kätzchen, hatte sich vorübergehend in einem Schrank in meinem Sprechzimmer einquartiert, und die Szene in der Küche nahm mit rasender Geschwindigkeit ihre tägliche Ähnlichkeit mit einem Gemälde von Hieronymus Bosch an.

Wenigstens hatte die vollgestopfte Küche ihre frühmorgendliche Kühle verloren und war jetzt angenehm warm und laut. Angesichts der Menschenmassen dauerte es jedoch einige Zeit, bevor ich bemerkte, dass nicht nur drei junge Mütter anwesend waren, sondern vier.

»Wo kommst du denn her?«, fragte ich erstaunt beim Anblick meiner Tochter, die in der Ecke der Kaminbank benommen unter einer Decke hockte.

Brianna blinzelte schläfrig und verlagerte Jemmy, der hochkonzentriert an ihrer Brust trank, ohne die Menge zu beachten.

»Die Muellers sind mitten in der Nacht aufgetaucht und haben bei uns an die Tür gehämmert«, sagte sie gähnend. »Acht Mann hoch. Sie konnten nicht viel Englisch, aber ich glaube, sie haben gesagt, Pa hat sie rufen lassen.«

»Wirklich?« Ich griff nach einem Stück Rosinenkuchen, das ich einem der kleinen Chisholms knapp vor der Nase wegschnappte. »Sind sie noch da?«

»Hm-mm. Danke, Mama.« Sie streckte die Hand nach dem Kuchenstück aus, das ich ihr entgegen hielt. »Ja. Pa ist im Stockfinsteren gekommen und hat Roger aus dem Bett gezerrt, aber die Muellers schien er noch nicht zu brauchen. Als Roger fort war, ist einer von ihnen, ein großer, alter Kerl, aufgestanden, hat ›Darf ich, Fräulein?‹ gesagt und sich neben mich gelegt.« Ihre Wangen liefen zartrosa an. »Also habe ich mir gedacht, ich stehe lieber auf und komme zu euch.«

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