Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Die Alkohollampe, die Alkoholflasche, das Mikroskop, die große Amputationssäge, das Glas mit Nähmaterial, die Pflasterschachtel, das Paket mit Spinnweben – alles war mit militärischer Präzision arrangiert, aufgereiht wie extrem unterschiedliche Rekruten unter dem Blick eines Exerziermeisters. Mrs. Bug mochte ja den Fehler der Hochmut besitzen, aber ihre Fähigkeiten als Haushälterin konnte ich nur bewundern.
Der einzige Gegenstand im Schrank, der ganz eindeutig nicht angerührt worden war, war ein kleiner Lederbeutel, das Amulett, das mir die Tuscaroraschamanin Nayawenne geschenkt hatte; es lag abseits in einer Ecke. Interessant, dass Mrs. Bug es nicht anrührte, dachte ich; ich hatte ihr nicht gesagt, was es war, obwohl die Raben- und Spechtfedern, die im Knoten des Beutelchens steckten, ihm ein indianisches Aussehen gaben. Da sie noch kein Jahr in den Kolonien und noch keinen ganzen Monat in der Wildnis war, betrachtete Mrs. Bug alles Indianische mit großem Argwohn.
Seifengeruch hing in der Luft, tadelnd wie ein Hausmeistergeist. Eigentlich konnte ich ihr wohl keine Vorwürfe machen; verschimmeltes Brot, verfaulte Melone und pampige Apfelschnitze mochten für mich Forschungsgegenstände sein; für Mrs. Bug waren sie nichts weiter als ein bewusster Affront gegen die Gottheit der Reinlichkeit.
Ich seufzte und schloss den Schrank, wobei sich das schwache Parfum getrockneten Lavendels und der Stinktiergeruch der Poleiminze zu den Geistern der Seife und der gammeligen Äpfel gesellten. Ich hatte schon oft die Früchte meiner Arbeit verloren, und das vorliegende Experiment war weder besonders komplex noch besonders fortgeschritten gewesen. Ich würde nicht mehr als eine halbe Stunde brauchen, um es zu ersetzen, indem ich neue Brotstücke und andere Teststoffe auslegte. Aber ich würde es nicht tun; ich hatte nicht genug Zeit dazu. Jamie war unübersehbar im Begriff, seine Miliz um sich zu sammeln; es konnte nur noch ein paar Tage dauern, bis sie nach Cross Creek aufbrachen, um sich bei Gouverneur Tryon einzustellen. Bevor wir aufbrachen – denn ich hatte fest vor, sie zu begleiten.
Ganz plötzlich wurde mir klar, dass ich von Anfang an nicht genug Zeit gehabt hatte, das Experiment zu Ende zu führen – schon, als ich es angesetzt hatte. Ich hatte gewusst, dass wir bald aufbrechen würden; selbst wenn der Schimmel gut angeschlagen wäre, wäre mir keine Zeit geblieben, ihn zu ernten, zu trocknen, zu reinigen … Das hatte ich genau gewusst – und ich hatte es dennoch getan, war einfach mit meinen Vorhaben fortgefahren und meiner täglichen Routine gefolgt, als sei das Leben nach wie vor geordnet und vorhersehbar, als könne nichts auf der Welt den Grundton meiner Tage bedrohen. Als könnte es wahr werden, wenn ich so tat, als ob.
»Du bist eine Närrin, Beauchamp«, murmelte ich und schob mir müde eine Haarlocke hinter das Ohr. Ich trat aus dem Sprechzimmer, schloss die Tür fest hinter mir, und machte mich auf, um Frieden zwischen Mrs. Bug und Mrs. Chisholm auszuhandeln.
Oberflächlich war der Friede im Haus wieder hergestellt, doch die Atmosphäre blieb gedrückt. Die Frauen erledigten ihre Arbeiten angespannt und mit schmalen Lippen; selbst Lizzie, normalerweise die Geduld in Person, ließ sich dazu hinreißen, eines der Kinder anzuzischen, als es Buttermilch auf den Stufen verschüttete.
Selbst im Freien schien die Luft zu knistern, als zöge ein Gewitter auf. Während ich zwischen den Vorratsschuppen und dem Haus hin und her pendelte, blickte ich immer wieder hinter mich zum Himmel über dem Roan Mountain, weil ich fest damit rechnete, Gewitterwolken über mir aufragen zu sehen – doch der frühe Winterhimmel war nach wie vor blassblau und nur von ein paar zarten Wolkenstreifen durchzogen.
Ich war abgelenkt und konnte mich auf nichts konzentrieren. Ich driftete von einer Aufgabe zur nächsten, ließ einen Zwiebelzopf halb geflochten in der Vorratskammer liegen, ließ eine Schüssel Bohnen halb gepult auf der Eingangstreppe stehen, ließ eine zerrissene Hose mit am Faden baumelnder Nadel auf der Kaminbank liegen. Wieder und wieder ertappte ich mich dabei, dass ich richtungslos den Hof überquerte.
Jedes Mal, wenn ich an dem Kreuz vorbeikam, blickte ich daran hinauf, als erwartete ich, dass es seit dem letzten Mal verschwunden war oder jemand eine erklärende Notiz daran geheftet hatte. Wenn nicht Iesus Nazarenus, Rex Iudaeorum, dann eben etwas anderes. Aber nein. Das Kreuz blieb, wie es war, zwei schlichte Kiefernholzstücke, die mit einem Seil zusammen gebunden waren. Sonst nichts. Außer, dass ein Kreuz natürlich immer eine Bedeutung hat. In diesem Fall wusste ich nur noch nicht, welche.
Alle anderen schienen genauso unkonzentriert zu sein wie ich. Mrs. Bug, die wegen der Auseinandersetzung mit Mrs. Chisholm schmollte, weigerte sich, Mittagessen zu machen und zog sich in ihr Zimmer zurück, angeblich, weil sie Kopfschmerzen hatte, auch wenn sie sich nicht von mir behandeln lassen wollte. Lizzie, die normalerweise eine geschickte Köchin war, ließ den Eintopf anbrennen, und schwarze Rauchwolken verfärbten die Eichenbalken über dem Herdfeuer.
Wenigstens waren wir die Muellers fürs Erste los. Sie hatten ein großes Fass Bier mitgebracht und hatten sich nach dem Frühstück in Briannas Hütte zurückgezogen, wo sie sich prächtig zu amüsieren schienen.
Der Brotteig weigerte sich aufzugehen. Jemmy bekam einen neuen Zahn, der besonders hartnäckig war, und er schrie und schrie und schrie. Das ununterbrochene Gebrüll zerrte an jedermanns Nerven, die meinen eingeschlossen, bis sie kurz vor dem Zerreißen standen. Am liebsten hätte ich Brianna vorgeschlagen, ihn irgendwo hinzubringen, wo wir ihn nicht hören konnten, aber ich sah die dunklen Ränder der Erschöpfung unter ihren Augen und die Anspannung in ihrem Gesicht und brachte es nicht übers Herz. Mrs. Chisholm, die durch die ständigen Zankereien ihrer eigenen Brut abgehärtet war, waren derlei Hemmungen fremd.
»Warum in Gottes Namen bringt ihr das Kind denn nicht in Eure eigene Hütte?«, schnappte sie. »Wenn er schon so schreien muss, dann brauchen wir es doch nicht alle zu hören.«
Briannas Augen verengten sich bedrohlich.
»Weil«, zischte sie, »Eure beiden ältesten Söhne in meiner Hütte sitzen und sich mit den Deutschen besaufen. Ich möchte sie wirklich nicht stören.«
Mrs. Chisholms Gesicht lief knallrot an. Bevor sie etwas erwidern konnte, schritt ich hastig ein und nahm Brianna das Baby ab.
»Ich gehe ein bisschen mit ihm spazieren, ja?«, sagte ich und hob ihn an meine Schulter. »Ich kann etwas frische Luft gebrauchen. Wie wär’s, wenn du nach oben gehst und dich ein Weilchen bei mir hinlegst, Schatz?«, sagte ich zu Brianna. »Du siehst ein klein wenig müde aus.«
»Hm-mm«, sagte sie. Ihr Mundwinkel zuckte. »Und der Papst ist ein klein wenig katholisch. Danke, Mama.« Sie küsste Jemmys heiße, nasse Wange und verschwand in Richtung Treppe.
Mrs. Chisholm sah ihr böse funkelnd nach, doch sie fing meinen Blick auf, hustete und rief nach ihren dreijährigen Zwillingen, die damit beschäftigt waren, meinen Nähkorb auseinanderzunehmen.
Nach der heißen, verqualmten Enge der Küche war die kalte Luft im Freien eine Erlösung, und Jemmy beruhigte sich etwas, wenn er auch weiter jammerte und sich wand. Er rieb sein heißes, feuchtes Gesicht an meinem Hals und kaute verbissen auf meinem Schultertuch herum, während ihm beim Quäken der Speichel aus dem Mund lief.
Ich ging langsam auf und ab, klopfte ihm sanft auf den Rücken und summte ihm ein Kinderlied vor. Jemmys Genörgel zum Trotz empfand ich die Bewegung als beruhigend. Er war schließlich allein, und er konnte nicht sprechen.
»Außerdem bist du ein Mann«, sagte ich zu ihm und zog ihm die Wollmütze über seinen leuchtenden, weichen Haarflaum. »Ein Geschlecht, das zwar nicht ohne Fehler ist, aber ich muss zugeben, dass Keifereien nicht dazu gehören.«
So lieb mir die einzelnen Frauen waren – Brianna, Marsali, Lizzie und sogar Mrs. Bug –, so musste ich doch zugeben, dass ich mit Männern en masse sehr viel leichter zurechtkam. Ob dies eine Folge meiner ausgesprochen unorthodoxen Erziehung – ich war vornehmlich von meinem Onkel Lamb und seinem persischen Leibdiener Firouz aufgezogen worden –, meiner Kriegserfahrungen oder schlicht ein Aspekt meiner eigenen, unkonventionellen Persönlichkeit war, jedenfalls empfand ich Männer als beruhigend logisch und – von einigen drastischen Ausnahmen abgesehen – angenehm direkt.