Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er lachte, und seine Augenwinkel legten sich in Falten.
»Tennis? An der Volksschule in Inverness? Das war für uns ein Sport für die Weichlinge aus dem Süden. Aber ich verstehe, was du meinst – nein, du hast Recht, ich konnte gut Fußball spielen, aber beim Baseball war ich eine Niete. Wieso?«
»Du besitzt kein räumliches Sehvermögen«, sagte ich. »Wahrscheinlich ist das irgendjemandem aufgefallen, als du ein Kind warst, und man hat versucht, es mit Prismengläsern zu korrigieren – aber als du sieben oder acht warst, war es wahrscheinlich schon zu spät«, fügte ich hastig hinzu, als sein Gesicht jeden Ausdruck verlor. »Wenn das funktionieren soll, muss man es sehr früh machen – vor dem fünften Lebensjahr.«
»Kein – räumliches Sehen? Aber kann denn nicht jeder …? Ich meine, meine Augen funktionieren doch beide, oder?« Er machte ein etwas verwirrtes Gesicht. Er blickte auf seine Handfläche hinab und schloss erst ein Auge, dann das andere, als könnte er zwischen den Linien seiner Hand eine Antwort finden.
»Mit deinen Augen ist alles in Ordnung«, versicherte ich ihm. »Es ist nur so, dass sie nicht zusammenarbeiten. Das ist eigentlich ein recht verbreitetes Phänomen – und vielen Leuten ist gar nicht klar, dass sie es haben. Aus irgendwelchen Gründen lernt nur bei manchen Leuten das Gehirn nicht, die Bilder der beiden Augen zu einem dreidimensionalen Bild zusammenzufügen.«
»Ich sehe nicht dreidimensional?« Er kniff die Augen fest zusammen und sah mich an, als erwartete er, mich plötzlich platt mit der Wand verschmelzen zu sehen.
»Na ja, ich habe weder die Ausstattung eines Augenarztes –«, ich wies mit einer Handbewegung auf die gelöschte Kerze, den Holzlöffel, die gezeichneten Figuren und die Stöckchen, mit denen ich mir ausgeholfen hatte, »noch bin ich entsprechend ausgebildet. Aber ich bin mir einigermaßen sicher, ja.«
Er hörte schweigend zu, während ich ihm erklärte, was in meiner Macht lag. Was die Schärfe anging, schien seine Sehkraft einigermaßen normal zu sein. »Und sehr wahrscheinlich kannst du ganz normal schießen lernen; die meisten Männer, die ich sehe, schließen beim Schießen sowieso ein Auge. Aber es könnte sein, dass es dir Probleme bereitet, bewegte Ziele zu treffen. Du kannst zwar sehen, worauf du zielst – aber ohne räumliches Sehvermögen kannst du möglicherweise nicht genau bestimmen, wo es sich befindet, um es dann zu treffen.«
»Verstehe«, sagte er trocken. »Wenn es also zum Kampf kommt, verlasse ich mich besser auf die gute, alte Prügelei, ja?«
»Meiner bescheidenen Erfahrung mit schottischen Auseinandersetzungen nach«, sagte ich genauso trocken, »sind die meisten Kämpfe sowieso Prügeleien. Gewehre oder Pfeile benutzt man nur, wenn man vorhat, jemanden zu ermorden – und in diesem Fall ist normalerweise ein Messer die bevorzugte Waffe. Jamie sagt, das ist viel zuverlässiger.«
Er gab ein leises, belustigtes Grunzen von sich, sagte aber nichts mehr. Er saß still da und dachte über meine Worte nach, während ich die Unordnung beseitigte, die von der heutigen Sprechstunde zurückgeblieben war. Ich konnte es in der Küche rumpeln und scheppern hören, und die Gerüche heißen Fettes schwebten gemeinsam mit dem verlockenden Aroma von gebratenen Zwiebeln und Speck durch den Flur.
Es würde eine hastige Mahlzeit werden; Mrs. Bug war den ganzen Tag mit den Vorbereitungen für die Milizexpedition beschäftigt gewesen. Doch selbst Mrs. Bugs bescheidenste Anstrengungen waren immer noch eine Gaumenfreude.
Gedämpfte Stimmen drangen durch die Wand – Jemmy heulte plötzlich auf, dann ein kurzer Ausruf von Brianna, ein anderer von Lizzie, gefolgt von Jamies tiefer Stimme – offenbar tröstete er das Baby, während Brianna und Lizzie sich um das Abendessen kümmerten.
Roger hörte sie auch; ich sah, wie sich sein Kopf den Geräuschen zuwendete. »Was für eine Frau«, sagte er mit einem langsamen Lächeln. »Sie kann es umbringen und kochen. Sieht so aus, als wäre das ein Glück«, fügte er reumütig hinzu. »Ich werde ja offensichtlich nicht viel Fleisch auf den Tisch bringen.«
»Pah«, sagte ich energisch, um seine selbstmitleidigen Anwandlungen im Keim zu ersticken. »Ich habe im Leben noch nichts geschossen, und ich bringe täglich Essen auf diesen Tisch. Wenn du wirklich das Gefühl hast, etwas umbringen zu müssen, dann haben wir genug Hühner, Gänse und Schweine. Und wenn es dir gelingt, die verfluchte weiße Sau zu fangen, bevor sie das Fundament komplett untergräbt, wirst du der Held des Tages sein.«
Das brachte ihn zum Lächeln, wenn auch noch mit einer Spur von Ironie.
»Ich gehe davon aus, dass sich mein Selbstwertgefühl wieder erholen wird, mit oder ohne Schweine«, sagte er. »Das Schlimmste wird sein, es den Scharfschützen zu erklären –« Er wies mit einem Ruck seines Kopfes zur Wand, hinter der sich Briannas Stimme mit Jamies in einem gedämpften Gespräch abwechselte. »Sie werden sehr nett zu mir sein – so, wie man mit jemandem umgeht, dem ein Fuß fehlt.«
Ich lachte, wischte meinen Mörser ab und reckte mich, um ihn im Schrank zu verstauen.
»Brianna macht sich nur Sorgen um dich, weil es diesen Ärger mit den Regulatoren gibt. Aber Jamie glaubt nicht, dass es Ernst wird; die Wahrscheinlichkeit, dass du auf jemanden schießen musst, ist nur gering. Außerdem können Raubvögel auch nicht räumlich sehen«, fügte ich an. »Bis auf Eulen. Für Falken und Adler ist es unmöglich; ihre Augen sind auf beiden Seiten des Kopfes. Sag Brianna und Jamie einfach, ich hätte gesagt, du hast Augen wie ein Falke.«
Er lachte schallend, stand auf und klopfte sich den Staub von den Rockschößen.
»Gut, das mache ich.« Er wartete auf mich und hielt mir die Tür zum Flur auf. Doch als ich sie erreichte, legte er mir die Hand auf den Arm, um mich aufzuhalten.
»Diese Sache mit dem räumlichen Sehen«, sagte er mit einer vagen Geste in Richtung seiner Augen. »Ich nehme an, sie ist angeboren?«
Ich nickte.
»Ja, mit ziemlicher Sicherheit.«
Er zögerte, und es war deutlich, dass er nicht wusste, wie er das, was er sagen wollte, formulieren sollte.
»Heißt das – es ist erblich? Mein Vater war bei der Royal Air Force; er kann es bestimmt nicht gehabt haben – aber meine Mutter hat eine Brille getragen. Sie hat sie an einer Kette um den Hals getragen; ich kann mich daran erinnern, wie ich damit gespielt habe. Ich meine, ich könnte mein Augenproblem von ihr haben.«
Ich schürzte die Lippen und versuchte, mir ins Gedächtnis zu rufen, was ich – wenn überhaupt – über das Thema erblicher Sehfehler gelesen hatte, aber mir fiel nichts Konkretes ein.
»Ich weiß es nicht«, sagte ich schließlich. »Es könnte sein. Vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Machst du dir Sorgen wegen Jemmy?«
»Oh.« Ein schwacher Ausdruck der Enttäuschung überzog sein Gesicht, obwohl er ihn hastig unterdrückte. Er lächelte mich verlegen an.
»Nein, keine Sorgen. Ich dachte nur – wenn es erblich wäre und der kleine Mann es auch bekäme … dann wüsste ich Bescheid.«
Der Flur war mit den würzigen Düften von Eichhörncheneintopf und frischem Brot erfüllt, und ich hatte einen Bärenhunger, aber ich blieb stehen und starrte zu ihm hinauf.
»Nicht, dass ich es ihm wünschen würde«, sagte Roger schnell, als er mein Gesicht sah. »Wirklich nicht. Nur, wenn es so wäre …« Er brach ab und wandte schluckend den Blick ab. »Hör mal, sag Brianna nicht, dass mir dieser Gedanke gekommen ist, bitte.«
Ich berührte leicht seinen Arm.
»Ich glaube, dass sie es verstehen würde. Dass du dir Gewissheit wünschst.«
Er warf einen Blick zur Küchentür, hinter der sich Briannas Stimme erhob und zu Jemmys lautstarkem Vergnügen »Clementine« sang.
»Sie würde es vielleicht verstehen«, sagte er. »Das heißt aber nicht, dass sie es auch gern hören würde.«