Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Meinst du –«, begann sie und zögerte dann. Der eine Schattenkopf wandte sich dem anderen zu, um ihm zuzuhören.
»Meinst du, Ian ist glücklich?«
»Ich hoffe es«, erwiderte er und legte den Arm fester um sie. »Wenn er eine Frau wie dich hat – dann ist er es ganz bestimmt.«
Kapitel 21
Falkenauge
Halt das vor dein linkes Auge und lies die kleinste Zeile vor, die du noch deutlich erkennen kannst.«
Geduldig hielt sich Roger den Holzlöffel vor das eine Auge und kniff das andere zusammen, während er sich auf das Blatt Papier konzentrierte, das ich an die Küchentür geheftet hatte. Er stand im Eingangsflur, gleich an der Innenseite der Haustür, da der Korridor das einzige Stück Fußboden im Haus war, das länger als sechs Meter war.
»Et tu, Brute?«, las er. Er ließ den Löffel sinken, zog eine seiner dunklen Augenbrauen hoch und sah mich an. »Ich habe noch nie einen literarischen Sehtest gemacht.«
»Nun ja, ich fand die ›f – e – 5 – z – t – d‹-Reihen der üblichen Tests schon immer ziemlich langweilig«, sagte ich. Ich nahm das Blatt ab und drehte es um. »Das andere Auge, bitte. Was ist die kleinste Zeile, die du noch mühelos lesen kannst?«
Er hielt sich den Löffel vor das andere Auge, blinzelte die fünf handgeschriebenen Zeilen an – deren Größe ich so ebenmäßig wie möglich verringert hatte – und las langsam die dritte Zeile.
»Esst keine Zwiebeln. Woher ist das?«
»Shakespeare natürlich«, sagte ich und machte mir eine Notiz. »Esst keine Zwiebeln noch Knoblauch, denn süß soll euer Atem sein. Das ist das Kleinste, was du lesen kannst, ja?«
Ich sah, wie sich Jamies Gesichtsausdruck fast unmerklich veränderte. Er und Brianna standen draußen auf der Veranda gleich hinter Roger und beobachteten das Geschehen mit großem Interesse. Brianna stand zu Roger hinübergebeugt, und ihre Miene war etwas nervös, so als hätte sie ihn am liebsten durch ihre Willenskraft dazu gebracht, die Buchstaben zu lesen.
Jamies Miene dagegen zeigte leichte Überraschung, einen Anflug von Mitleid – und ein unleugbares Aufblitzen der Genugtuung. Er konnte offensichtlich die fünfte Zeile ohne Probleme lesen. Sie stammte aus Julius Caesar: Weil er tapfer war, ehr ich ihn; aber weil er herrschsüchtig war, erschlug ich ihn.
Er spürte meinen Blick, und der Ausdruck verschwand. Sein Gesicht nahm umgehend wieder die übliche Miene gutmütiger Unergründlichkeit an. Ich gab ihm mit zusammengekniffenen Augen zu verstehen, dass er mich nicht zum Narren halten konnte, und er wandte den Kopf ab. Sein Mundwinkel zuckte schwach.
»Du kannst gar nichts von der nächsten Zeile lesen?« Wie durch Osmose angezogen, war Brianna dichter an Roger herangetreten. Sie starrte gebannt auf das Papier und sah ihn dann ermutigend an. Auch sie konnte offensichtlich die beiden letzten Zeilen ohne Schwierigkeiten lesen.
»Nein«, sagte Roger kurz angebunden. Er hatte sich auf ihre Bitte hin bereit erklärt, seine Augen von mir untersuchen zu lassen, aber er war offensichtlich nicht besonders glücklich darüber. Er schlug sich ungeduldig mit dem Löffel auf die Handfläche, als könne er es nicht abwarten, die Sache hinter sich zu bringen. »Sonst noch etwas?«
»Nur noch ein paar kleine Übungen«, sagte ich so beruhigend wie möglich. »Komm hier herein, da ist das Licht besser.« Ich legte ihm die Hand auf den Arm und zog ihn auf mein Sprechzimmer zu. Dabei warf ich Brianna und Jamie einen entschlossenen Blick zu. »Brianna, wie wär’s, wenn du schon den Tisch für das Abendessen deckst? Wir brauchen nicht lange.«
Sie zögerte eine Sekunde, doch Jamie berührte ihren Arm und sagte leise etwas zu ihr. Sie nickte, sah Roger erneut mit einem kleinen, nervösen Stirnrunzeln an und ging. Jamie zuckte entschuldigend mit den Achseln und folgte ihr.
Roger stand inmitten des Durcheinanders in meinem Sprechzimmer und sah aus wie ein Bär, der in der Ferne Hunde bellen hört – verärgert und argwöhnisch zugleich.
»Das ist doch wirklich nicht nötig«, sagte er, als ich die Tür schloss. »Ich kann wunderbar sehen. Ich schieße nur einfach noch nicht gut. Mit meinen Augen ist alles in Ordnung.« Dennoch machte er keine Anstalten zu gehen, und der Anflug des Zweifels in seiner Stimme entging mir nicht.
»Davon bin ich fest überzeugt«, sagte ich zuversichtlich. »Lass mich trotzdem einen raschen Blick darauf werfen … es ist wirklich nur Neugier meinerseits …« Ich brachte ihn dazu, sich, wenn auch widerstrebend, zu setzen, und da ich keine Taschenlampe hatte, zündete ich eine Kerze an.
Ich hielt sie ihm dicht vor das Gesicht, um seine Pupillenerweiterung zu überprüfen. Seine Augen hatten eine wunderhübsche Farbe, dachte ich; nicht der geringste Braunstich, sondern ein ganz klares, dunkles Grün. So dunkel, dass sie im Schatten fast schwarz aussahen, im hellen Licht betrachtet jedoch verblüffend intensiv – beinahe smaragdgrün – gefärbt waren. Ein verstörender Anblick für jemanden, der Geilis Duncan gekannt und gesehen hatte, wie ihr Wahnwitz in diesen klaren, grünen Tiefen auflachte. Ich hoffte, dass Roger wirklich nur die Augen von ihr geerbt hatte.
Er kniff unwillkürlich die Augen zu, und als sich seine langen, schwarzen Wimpern darüber senkten, verflog die Erinnerung. Diese Augen waren wunderschön – aber voller Ruhe, und ihnen haftete nichts Irres an. Ich lächelte ihm zu, und er erwiderte das Lächeln automatisch, ohne den Grund zu verstehen.
Ich fuhr mit der Kerze vor seinem Gesicht hin und her, auf und ab, nach rechts und links, bat ihn, den Blick dabei auf die Flamme gerichtet zu halten und beobachtete die Veränderungen seiner Augen. Da bei diesem Test keine Antworten von ihm erwartet wurden, entspannte er sich langsam ein wenig, und die Fäuste auf seinen Oberschenkeln lockerten sich allmählich.
»Sehr schön«, sagte ich in leisem, beruhigendem Tonfall. »Ja, so ist es gut … kannst du bitte nach oben schauen? Ja, jetzt nach unten in die Ecke am Fenster. Mm-hm, ja … Jetzt wieder zu mir. Siehst du meinen Finger? Gut, jetzt mach das linke Auge zu und sag mir, ob sich der Finger bewegt. Mm-hmmm …«
Schließlich pustete ich die Kerze aus, richtete mich auf und dehnte leise stöhnend meinen Rücken.
»Und«, sagte Roger betont unbeschwert, »wie lautet Ihr Urteil, Frau Doktor? Soll ich mir einen Blindenstock besorgen?« Er wedelte die dahintreibenden Rauchwölkchen der gelöschten Kerze beiseite und bemühte sich redlich um Beiläufigkeit – nur die leichte Anspannung in seinen Schultern verriet ihn.
Ich lachte.
»Nein, du brauchst vorerst noch keinen Blindenhund und auch keine Brille. Apropos Brille – du sagst, du hast noch nie einen literarischen Sehtest gemacht. Das heißt aber, dass du Sehtests kennst, ja? Hast du als Kind eine Brille getragen?«
Er dachte stirnrunzelnd nach.
»Aye, das habe ich«, sagte er langsam. »Oder besser –« Ein schwaches Grinsen erschien in seinem Gesicht. »Ich hatte eine Brille. Oder zwei oder drei. Als ich sieben oder acht war, glaube ich. Sie hat mich furchtbar gestört, und ich habe Kopfschmerzen davon bekommen. Also habe ich sie ständig im Bus vergessen, oder in der Schule oder auf den Felsen am Fluss … Ich kann mich nicht erinnern, sie je länger als eine Stunde am Stück getragen zu haben, und nachdem ich die dritte Brille verloren hatte, hat mein Vater aufgegeben.« Er zuckte mit den Achseln.
»Ehrlich gesagt, hatte ich nie das Gefühl, eine Brille zu brauchen.«
»Tja, das brauchst du auch nicht – jetzt nicht mehr.«
Beim Klang meines Tonfalls sah er verwirrt zu mir herab.
»Was?«
»Du bist links etwas kurzsichtig, aber nicht so sehr, dass es dir echte Probleme bereiten würde.« Ich rieb mir den Nasenrücken, als würde ich selbst von einer Brille gekniffen. »Lass mich raten – du warst in der Schule gut beim Fußball und beim Hockey, aber nicht beim Tennis.«