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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Vielleicht stiftet Pa ja seine eigene Religion.« Brianna zog eine Augenbraue hoch; auch sie erkannte seine Handschrift.

Mrs. Bug kam plötzlich um die Hausecke gebogen, eine Schüssel Hühnerfutter in den Händen. Bei unserem Anblick bremste sie abrupt, und ihr Mund öffnete sich spontan. Ich machte mich instinktiv auf ihren Wortschwall gefasst und hörte Brianna leise kichern.

»Och, da seid Ihr ja, Ma’am! Gerade habe ich noch zu Lizzie gesagt, was für eine Schande es ist, einfach nicht zu glauben, dass diese Bälger durch sämtliche Stockwerke toben und im ganzen Haus ihren Dreck hinterlassen, sogar in Myladys eigenem Arbeitszimmer, und sie hat zu mir gesagt, unsere Lizzie –«

»In meinem Sprechzimmer? Was? Wo? Was haben sie angestellt?« Ohne einen weiteren Gedanken an das Kreuz zu verschwenden, hastete ich bereits auf das Haus zu. Mrs. Bug folgte mir auf den Fersen und redete pausenlos weiter.

»Ich habe zwei von den kleinen Teufeln dabei erwischt, wie sie dort drinnen mit Euren schönen blauen Flaschen und einem Apfel Kegeln gespielt haben, und natürlich habe ich ihnen ein paar Ohrfeigen verpasst, dass ihnen jetzt noch die Ohren sausen, den bösartigen Kreaturen, und dann lassen sie auch noch das gute Essen liegen und verderben, und –«

»Mein Brot!« Ich war im Eingangsflur angelangt, und als ich jetzt die Tür des Sprechzimmers aufwarf, fand ich es blitzsauber vor – inklusive der Arbeitsfläche, auf der ich meine jüngsten Penizillinexperimente ausgebreitet hatte. Jetzt war sie vollkommen leer, die Eichenoberfläche blank geschrubbt.

»Es war widerlich«, sagte Mrs. Bug hinter mir im Flur, die Lippen tugendsam aufeinander gepresst. »Widerlich! Ganz und gar mit Schimmel überzogen, vollkommen blau, und –«

Ich holte tief Luft, die Hände an meinen Seiten zu Fäusten geballt, um sie nicht zu erwürgen. Ich schloss die Tür des Sprechzimmers, um den Anblick der leeren Arbeitsfläche zu verhüllen, und wandte mich an die kleine Schottin.

»Mrs. Bug«, sagte ich und hielt meine Stimme mit großer Mühe im Zaum. »Ihr wisst ja, wie sehr ich Eure Hilfe zu schätzen weiß, aber ich habe Euch gebeten, nicht –«

Die Haustür flog auf und knallte neben mir vor die Wand.

»Verfluchte, alte Schachtel! Wie könnt Ihr es wagen, Hand an meine Kinder zu legen.«

Ich fuhr herum und fand mich Nase an Nase mit Mrs. Chisholm wieder, deren Gesicht vor Wut rot angelaufen war und die mit einem Besen bewaffnet war. Zwei Kleinkinder hingen mit hochroten Köpfen an ihren Röcken, die Wangen mit frischen Tränen verschmiert. Sie ignorierte mich vollständig und konzentrierte sich ganz auf Mrs. Bug, die zu meiner anderen Seite im Flur stand, die Haare gesträubt wie ein Zwergigel.

»Ihr und Eure wunderbaren Kinder!«, rief Mrs. Bug entrüstet. »Wenn Euch irgendwie an ihnen gelegen wäre, würdet Ihr sie anständig aufziehen und ihnen den Unterschied zwischen Gut und Böse beibringen, anstatt sie wie die Wilden im Haus herumtanzen zu lassen, wo sie mit ihren Klebefingern auf alles losgehen, was nicht niet- und nagelfest ist.«

»Also, Mrs. Bug, sie wollten aber doch bestimmt nicht –« Mein Versuch, Frieden zu stiften, ging im ohrenbetäubenden Gekreische aller drei Chisholms unter, wobei Mrs. Chisholm mit Abstand am lautesten war.

»Wer seid Ihr denn, dass Ihr meine Kinder Diebe nennt, alte Meckerhexe!« Die aufgebrachte Mutter schwenkte drohend den Besen und bewegte sich von einer Seite zur anderen, um an Mrs. Bug zu gelangen. Ich bewegte mich mit ihr und hüpfte hin und her, um zwischen den beiden Kontrahentinnen zu bleiben.

»Mrs. Chisholm«, sagte ich und hob die Hand, um sie zu beruhigen. »Margaret, ich bin sicher, dass –«

»Wer ich bin?« Mrs. Bug schien vor unseren Augen an Höhe zu gewinnen wie ein Hefeteig. »Wer ich bin? Nun, ich bin eine gottesfürchtige Frau und eine christliche Seele. Wer seid Ihr denn, dass Ihr so mit Leuten sprecht, die älter und besser gestellt sind als Ihr, Ihr und Eure nichtsnutzige Sippe, die in Lumpen durchs Gebirge wandert und nicht einmal einen Topf besitzt, in den Ihr pissen könnt?«

»Mrs. Bug!«, rief ich aus. »Das dürft Ihr aber nicht –«

Mrs. Chisholm versuchte erst gar nicht, darauf eine Erwiderung zu finden, sondern machte stattdessen mit gezücktem Besen einen Satz nach vorn. Ich breitete die Arme aus, um zu verhindern, dass sie sich an mir vorbeischob; als sie ihren Angriffsversuch auf Mrs. Bug gescheitert sah, begann sie, über meine Schulter hinweg nach ihr zu zielen und vollführte wilde Stöße mit dem Besen, um die ältere Frau niederzuschlagen.

Mrs. Bug, die sich hinter der Barrikade meiner Person offensichtlich sicher fühlte, hüpfte auf und ab wie ein Pingpongball, und ihr kleines, rundes Gesicht lief vor Triumphgefühl und Wut rot an.

»Bettler!«, rief sie, so laut sie konnte. »Kesselflicker! Zigeuner!«

»Mrs. Chisholm! Mrs. Bug!«, appellierte ich an die beiden, aber keine von ihnen schenkte mir auch nur die geringste Aufmerksamkeit.

»Vettel! Dumme Pute!«, bellte Mrs. Chisholm unter weiteren, heftigen Besenstößen. Die Kinder kreischten und brüllten, und Mrs. Chisholm – die eine sehr kräftige Frau war – trat mir fest auf den Zeh.

Dies fiel nun unter die Überschrift »Mehr als genug«, und ich baute mich mit Funken sprühenden Augen vor Mrs. Chisholm auf. Sie wich zurück und ließ den Besen fallen.

»Ha! Ihr Hurenpack! Ihr und –«

Mrs. Bugs schrille Rufe hinter mir verstummten plötzlich, und ich wirbelte erneut herum und entdeckte Brianna. Offenbar war sie um das Haus herumgelaufen und durch die Küche hereingekommen. Jetzt hielt sie Mrs. Bug ein gutes Stück über den Boden, einen Arm um ihre Taille gelegt, die andere Hand fest auf ihren Mund gepresst. Mrs. Bug trat wild mit ihren winzigen Füßen um sich, und oberhalb der knebelnden Hand quollen ihr die Augen hervor. Brianna sah mich an und verdrehte die Augen, dann trat sie den Rückzug durch die Küchentür an und nahm ihre Gefangene mit.

Ich machte kehrt, um mich mit Mrs. Chisholm zu befassen, sah aber nur noch ihren Leinenrock vor der Haustür um die Ecke verschwinden. Das Kinderjammern entfernte sich wie Sirenengeheul. Der Besen lag zu meinen Füßen. Ich hob ihn auf, ging in mein Sprechzimmer und schloss die Tür.

Ich kniff die Augen zu und stützte mich mit den Händen auf die Arbeitsplatte. Ich verspürte ein plötzliches, irrationales Bedürfnis, auf irgendetwas einzuschlagen – und das tat ich auch. Ich hieb mit der Faust auf die Arbeitsplatte und hämmerte wieder und wieder mit der fleischigen Seite meiner Hand darauf ein, doch die Platte war so stabil, dass meine Schläge kaum ein Geräusch verursachten, und ich hielt keuchend inne.

Was in aller Welt war nur mit mir los? Mrs. Bugs Einmischung war zwar ärgerlich, aber keinesfalls eine Katastrophe. Dasselbe galt für Mrs. Chisholms mütterlichen Kampfgeist – sie und ihre kleinen Plagegeister würden früher oder später wieder aus dem Haus verschwinden. Früher, hoffte ich.

Mein Herzschlag verlangsamte sich allmählich, aber kleine Anflüge von Irritation überliefen meine Haut immer noch wie Nesselfieber. Ich versuchte, sie abzuschütteln, und öffnete den großen Schrank, um mich zu versichern, dass weder Mrs. Bug noch die Kinder bei ihren Raubzügen irgendetwas wirklich Wichtiges beschädigt hatten.

Nein, alles war in bester Ordnung. Jede einzelne Flasche war so blank gewichst, dass sie wie ein Edelstein glänzte – das Sonnenlicht fing sich mit blauem, grünem und kristallenem Funkeln darin –, aber jede war auch wieder exakt an ihren Platz gestellt worden, die ordentlich beschrifteten Etiketten nach vorn gedreht. Die in Gaze gehüllten Bündel getrockneter Kräuter waren abgestaubt, dann aber wieder sorgsam an ihre Nägel zurückgehängt worden.

Der Anblick meiner Arzneisammlung war beruhigend. Ich berührte ein Töpfchen mit Entlausungstinktur und empfand die Genugtuung eines Geizkragens über die Anzahl und Vielfalt der Beutel, Töpfchen und Flaschen.

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