Im Anfang war der Mord
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- ISBN: 3442459532
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
«Jedenfalls gefällt’s mir nicht, dass die Mädchen so viel um sie rum sind. Die wird mir allmählich zu wunderlich, Cissy.« Sie dachte an ihre Töchter — an die unerschrockene Tess und die liebe kleine Mandy — und wie sicher und schön es für Kinder auf dem Land doch war …
«Außerdem«, hatte Bob gesagt,» muss die ihre Hausarbeit öfter mal selber machen. Tess und Mandy müssen nämlich bei uns im Haus mehr mithelfen. Das geht nicht, dass sie dauernd zu ihr rennen und ihr den Rasen mähen und die Blumen pflanzen und die Kühe füttern und dem Pferd Wasser geben und ihr die Eier einsammeln, bloß weil die Angst davor hat, einer verdammten Henne unter den Hintern zu greifen …« Beim Aufzählen der Hausarbeiten schlief Cissy ein.
«Tess!«, zischte Mandy verzweifelt.»Warte!« Tess ging etwas langsamer, damit Mandy hinterherkam und das ältere Mädchen zur Beruhigung anfassen konnte.
Sie machten eine kleine Atempause und hockten sich im Schatten von Jane Baums Veranda auf die Erde. Tess trug drei Rollen Klopapier in einem behelfsmäßigen Beutel, zu dem sie das Vorderteil ihres schwarzen Sweatshirts umfunktioniert hatte (»Denk dran, wir müssen Schwarz tragen!«), und Mandy war ähnlich ausgestattet. Tess beschloss, dass nun der passende Moment gekommen war, die Bombe platzen zu lassen.
«Ich hab mir da was überlegt«, flüsterte sie.
Die wohl vertrauten, gefürchteten Worte trafen Mandy bis ins Mark. Sie erstarrte.»Was denn?«, stöhnte sie leise.
«Es könnte ja regnen.« «Hab ich dir doch gesagt!« «Dann ist es, glaub ich, besser, wir machen es drinnen.« « Drinnen? « «Pssst! Dann erschrickt sie sich zu Tode, das wird toll!
Das traut sich bestimmt sonst niemand, so was Tolles zu machen! Wir machen die Küche, und wenn wir Zeit haben, vielleicht noch das Esszimmer.« «O neeeiiin.« « Die meint, sie hat alle Türen und Fenster verrammelt, stimmt aber nicht!«, kicherte Tess. Sie hatte sich alles genau ausgedacht: Wenn Jane Baum am nächsten Morgen die Treppe herunterkäme, würde sie erst gucken, dann kreischen und in Ohnmacht fallen, und wenn sie wieder aufgewacht war, alle Welt verständigen. Ihr war zwar der Gedanke gekommen, dass Jane womöglich den Sheriff holen würde, aber weil sie Erwachsenen sowieso nicht zutraute, überhaupt irgendetwas Wichtiges herauszukriegen, machte sie sich keine Gedanken darüber, erwischt zu werden.»Als ich ihr die Eier reingebracht hab, hab ich das Fenster unten im Badezimmer aufgeschlossen!
Komm schon! Das wird bestimmt toll!« Das Band der Dunkelheit, das sich vor Mel Brown dahinzog, verlief inzwischen nicht mehr gerade, sondern war zu langen, abschüssigen Hügeln zusammengerafft.
Mit Hügeln hatte er nicht gerechnet. Niemand hatte ihm gesagt, dass es Teile von Kansas gab, die nicht flach waren. Er kam also nicht mehr so zügig voran und konnte auch nicht mit Vollgas dahinbrausen. Andererseits war er auch nicht in Eile, sondern raste bloß aus Jux. Das hier war jetzt viel interessanter und gefährlicher, und er genoss den Nervenkitzel. Wenn er jetzt einen Hügel hinaufraste, fuhr er immer dichter an die Mittellinie heran, spielte also eine Art Highway-Roulette, bei dem er der Gewinner war, solange alles, was aus der entgegengesetzten Richtung kam, die Scheinwerfer eingeschaltet hatte.
Als ihm das langweilig wurde, schaltete er seine eigenen Scheinwerfer aus und dröhnte nun wie ein dunkler Dämon an Autos und Lastwagen vorbei.
Dabei lachte er jedes Mal und dachte, wie überrascht sie bestimmt waren und wie erschrocken. Verrückter Typ, würden sie denken, fast wäre ich in ihn reingefahren …
Er hatte eigentlich vor überhaupt nichts Angst, außer vielleicht davor, wieder ins Gefängnis zu müssen, konnte sich aber nicht vorstellen, dass sie ihn wegen überhöhter Geschwindigkeit verknacken würden. Außerdem, wenn Kansas so war wie die meisten anderen Staaten, gab es jede Menge Landstraßen und kaum Verkehrspolizei …
Bergab zu donnern machte sogar noch mehr Spaß, weil es ihm so schön den Magen hob. Er kam sich vor wie ein Halbwüchsiger.
«Fuuuck«, schrie er aus vollem Hals, während er auf der anderen Seite hinunterraste. Schau mal einer an — eine gottverdammte Achterbahn, dieses Kansas!
Der Regen schien noch meilenweit entfernt zu sein.
Mel kam sich vor, als könnte er die ganze Nacht so weiterfahren. Bloß dass sich die Augen jetzt sandig anfühlten, das erste Anzeichen dafür, dass er wohl besser nach einem passenden Plätzchen für die Nacht Ausschau halten sollte. Er war nicht so scharf darauf, unter freiem Himmel zu schlafen, jedenfalls nicht, wenn sich ein Dach über dem Kopf finden ließ.
Tess wies ihre Schwester an, die Klopapierrollen unter dem Badezimmerfenster im Erdgeschoss von Jane Baums Haus aufzustapeln. Die sechs Rollen, allesamt weiß und in zwei Dreierreihen übereinander gestapelt, verschafften Tess die Höhe und Hebelwirkung, die sie brauchte, um die Scheibe mit den Handflächen hochschieben zu können.
Sie steckte die Finger an der unteren Kante hindurch und versuchte mühsam, das Fenster aufzubekommen, das wegen der vielen Farbschichten festsaß.
«Verdammt!«, rief sie aus und ließ die Arme sinken. Das Klopapier unter ihren Füßen wurde allmählich zusammengequetscht.
Als sie es erneut probierte, zeigte sich, wie stark sie vom Hochheben von Kälbchen und Heuaufwerfen geworden war. Farbe splitterte ab und Holz prallte dumpf auf Holz, als das Fenster nach oben glitt.
«Pssst!«Mandy hielt sich die Fäuste vors Gesicht und schlug vor lauter Aufregung die Knöchel aneinander. Ihre scharfen Ohren machten draußen auf dem Highway Motorenlärm aus, und sie wusste gleich, dass es der Sheriff war, der gekommen war, um sie und Tess zu verhaften. Verzweifelt zerrte sie ihre Schwester am rechten Unterschenkel.
Das Knacken des Fensters und das Geräusch des heranbrausenden Motorrads vermischten sich in Janes Bewusstsein im Schlaf miteinander, so dass sie sich beim Aufwachen aus angsterfüllten Träumen — ihre Augen flogen auf, der Rest ihres Körpers erstarrte — in einer Art konfuser Halluzination einbildete, jemand sei hinter ihr her und befände sich bereits im Haus.
Jane tat daraufhin das, was sie sich antrainiert hatte.
Weil sie es Abend für Abend immer wieder eingeübt hatte, waren ihre Bewegungen gleichsam instinktiv. Sie drehte ihr Gesicht zu der Pistole auf dem anderen Kissen hinüber und legte den Daumen an den Abzug.
Ihre Angst — vor Vergewaltigung, Folterqualen, Entführung, Todesangst, vor dem Tod — war wie ein Ballon, in dessen Mitte sie sich entsetzt schweben sah.
Aus dem Erdgeschoss waren dumpfe Schläge und andere Geräusche zu hören, die zu ihr in den Ballon drangen. Ein Motor dröhnte, dann war es auf einmal still, Reifen schleiften über ihre Kieseinfahrt, dann drangen auch diese Geräusche zu ihr in den Ballon. Als sie es schließlich nicht mehr aushielt, ließ sie den Ballon zerplatzen und schoss sich in die Stirn.
In der Einfahrt hörte Mel Brown die Schusswaffe losgehen.
Er schwang sein Bein wieder aufs Motorrad und donnerte wieder auf den Highway hinaus. Hatte das Haus eben nur unbewohnt ausgesehen. Hatte er sich eben geirrt.
Würde er sich eben was anderes suchen. Verdammte Scheiße aber auch. Nichts wie weg, verdammt noch mal.
Drinnen im Haus, im Badezimmer hatte Tess den Schuss ebenfalls gehört und ihn als Farmerkind auch sofort richtig erkannt, obwohl sie sich nicht ganz sicher war, woher er gekommen war. Schimpfend und schluchzend kletterte sie über das Waschbecken und durchs Fenster hinaus und purzelte dabei, Kopf und Schultern voraus, auf die Klopapierrollen.