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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
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«Kommt Bob heute Abend zurück?«, fragte Janie.

Jetzt dringt sie auch noch in meine Gedanken ein, dachte Cissy. Gereizt hieb sie auf die Kartoffel ein und schälte nicht nur die Schale, sondern auch reichlich vom Inneren weg.»Morgen. «Ihre Schultern versteiften sich.

«Kann ich dann heute Nacht hier schlafen?« «Nein. «Cissy war selbst überrascht von der Knappheit ihrer Antwort. Sie konnte die Verletztheit förmlich spüren, die Janie ausstrahlte, und versuchte es dadurch wieder gutzumachen, dass sie einen sanfteren Ton anschlug.»Tut mir Leid, Janie, aber ich hab noch so viel Schreibkram zu erledigen und kann mich schwer konzentrieren, wenn jemand im Haus ist. Den Mädchen hab ich sogar gesagt, sie dürfen ihre Schlafsäcke heute Nacht mit in die Scheune nehmen, damit ich ein bisschen Ruhe hab. «Mit den Mädchen waren ihre Töchter gemeint: Tessie, dreizehn, und Mandy, elf.»Sie wollen draußen schlafen, weil wir doch das neue blinde Kälbchen haben, das wir mit der Flasche aufziehen. Armes Kerlchen, seine Mutter will nichts von ihm wissen. Tessie hat ihn Plumpsy genannt, weil er aufstehen will und immer wieder hinplumpst. Also füttern ihn die Mädchen mit der Flasche und wollen da schlafen, wo er in der Nähe …« «Ach. «Der Ausruf klang vorwurfsvoll.

Cissy trat vom Spülbecken an ihren Ofen, um ihn auf 200 Grad einzustellen. Ihre persönliche Temperatur stieg ebenfalls an. Dass sie vielleicht mal über ihr Leben reden könnte — von wegen! Dass sie sich vielleicht mal über was anderes unterhalten könnten als über Janie und das ganze verdammte Zeug, vor dem sie sich fürchtete — von wegen!

Sie könnte bereits ein Buch darüber schreiben: Wie Jane Baum einen großen Fehler machte, als sie aus Kansas City wegzog, und wie alles auf dem Land sie schlichtweg zu Tode ängstigte.

«Hast du denn vor gar nichts Angst, Cissy?« In der unterschwelligen Bewunderung lag ein leicht weinerlicher Ton — vor gar nichts —, wie ein leichter Drall bei einem scharfen Baseball-Wurf.

«Doch. «Cissy zog das Wort widerwillig in die Länge.

« Wirklich? Vor was denn?« Cissy drehte sich am Spülbecken um und lachte verlegen.

«Es ist so was Dummes … Ich hab sogar Angst davor, es zu sagen.« «Sag doch! Mir ist gleich wohler, wenn ich weiß, dass du dich auch vor was fürchtest.« Da haben wir’s! dachte Cissy. Sogar meine Ängste laufen bloß darauf hinaus, wie sie dich berühren!

«Na gut. «Sie seufzte.»Also, ich hab Angst davor, dass Bobby was passieren könnte, ein Unfall auf dem Highway oder so was, oder einem von den Mädchen oder meinen Leuten, solche Sachen eben. Leukämie oder ein Herzinfarkt oder etwas, was ich nicht unter Kontrolle habe. Ich hab immer Angst, dass mal nicht mehr genug Geld da ist und wir alles verkaufen müssen. Wir sind so glücklich hier. Ich glaub, ich hab einfach Angst, dass sich das mal ändern könnte. «Sie machte eine Pause, bestürzt über die plötzliche Erkenntnis, dass sie nicht mehr so glücklich war, seit Jane Baum in dem Haus weiter unten eingezogen war. Sie blickte ihre Nachbarin anklagend an.

«Das ist es wohl, wovor ich Angst habe«, sagte Cissy.

Dann fügte sie bedächtig hinzu:»Ich denke aber nicht die ganze Zeit dran.« «Ich denk an meine die ganze Zeit«, flüsterte Jane.

«Ich weiß.« «Ich find es hier furchtbar!« «Du könntest ja wieder wegziehen.« Janie sah sie vorwurfsvoll an.»Du weißt doch, dass ich mir das nicht leisten kann!« Cissy machte kurz die Augen zu. Die Vorstellung, sich das für wer weiß wie viele Jahre anhören zu müssen …

«Ich komme schrecklich gern hier herüber«, sagte Janie sehnsüchtig, als könnte sie wieder Cissys Gedanken lesen.

«Mir geht’s dann immer viel besser. Hier ist der einzige Ort, an dem ich mich noch sicher fühle. Ich find es einfach furchtbar, ganz allein in das große alte Haus zurückgehen zu müssen.« Ich werde dich nicht zum Abendessen einladen, dachte Cissy.

Janie seufzte.

Cissy schaute aus dem großen quadratischen Fenster hinter Janie. Es war Oktober, ihr Lieblingsmonat, wenn das Gras rot wie die Löckchen auf dem Rücken einer Hereford-Kuh wurde und der Himmel das Stahlgrau des Highway annahm, der zwischen ihren beiden Häusern verlief. Es war, als würde die ganze Welt in sich verschmelzen — das Gras ins Vieh, die Straßen in den Himmel und sie selbst in das alles hinein. Es lag eine Spannung in der Luft, als würde bald etwas viel Wichtigeres hereinbrechen als der Winter, als wäre die ganze Welt eins und würde gleich zu etwas ganz Neuem auseinander bersten. Cissy liebte die Prärie, und es verletzte sie ein wenig, dass es bei Janie nicht so war. Wie konnte jemand inmitten von so viel Schönheit leben, rätselte sie, und Angst davor haben?

«Eine bessere Chance kriegen wir nie. «Tess hakte die Argumente zugunsten des Abenteuers ab, indem sie die Finger an ihrer rechten Hand nacheinander hochhob, dicht vor dem verängstigten Gesicht ihrer Schwester.»Dad ist weg. Wir sind in der Scheune. Mom wird bald schlafen.

Und es ist Neumond. «Weil sie an der Hand nicht mehr genug Finger hatte, hob sie den linken Daumen.»Und die Hunde kennen uns.« «Die kriegen das raus!«, jammerte Mandy.

«Wer soll was rauskriegen?« «Na, Mom und Daddy!« «Ach Quatsch! Wer soll’s ihnen denn sagen? Der Tankstellenbesitzer? Meinst du, wir hätten eine Klopapierspur hinterlassen, der er von seiner Tankstelle bis hier rauf folgen könnte? Und dann ruft er den Sheriff an und sagt, he, Jungs, sperrt mal die Johnson-Mädchen ein, die haben mir mein Klopapier gestohlen!« «Ja!« Gemeinsam wanderten ihre Blicke — stolz und schlau bei der einen, stolz und beklommen bei der anderen — zu dem kleinen Heuhaufen hinüber, der ohne ersichtlichen Grund in einer dunklen Ecke der Scheune aufgeschichtet war.

Unter dieser Schicht lagerten ihre gehamsterten sechs Rollen Klopapier — eine neue, aus ihrem eigenen Wäscheschrank stibitzt und fünf teilweise angebrochene (einzeln gestohlen und unter ihren Schuljacken versteckt) aus der Damentoilette der Tankstelle in der Stadt. Dem Plan gemäß, den Tess ausgeheckt hatte, würden die beiden abends nach Einbruch der Dunkelheit das Haus ihrer Nachbarin mit Klopapier schmücken. Tess stellte es sich schon ganz toll vor, wie es aussehen würde — richtig geisterhaft und unheimlich würden die langen, weißen Papierbänder von den Ästen der Bäume flattern und schaurig in der Brise wehen.

«Du Trottel, in Kansas City machen sie so was andauernd«, behauptete Tess.»Und ich wette, die machen da nicht so ein Riesen-Heulsusen-Theater drum. «Sie wollte die erste in ihrer Klasse sein, die es machte, und hatte nicht vor, ihre Schwester kneifen zu lassen. Mit diesem Plan, da war Tess sich sicher, würde sie im weiten Umkreis berühmt, in mindestens vier Bezirken. Von den Erwachsenen würde keiner rauskriegen, wer es gewesen war, aber alle Kinder würden es erfahren, selbst wenn sie es ihnen selber verraten musste.

«Mom bringt uns um!« «Uns erwischt doch keiner!« «Es wird regnen!« «Wird es nicht.« «Wir sollen aber doch Plumpsy nicht allein lassen!« Beide sahen gleichzeitig zu dem Bullenkälbchen in einem der verschlage hinüber. Es stierte blind in die Richtung, aus der ihre stimmen gekommen waren, und versuchte sich aufzurappeln, war aber zu schwach dazu.

«Mensch, bist du doof. Wir lassen ihn doch andauernd allein.« Mandy seufzte.

Tess, die den Ton wohl kannte, mit dem ihre Schwester sich geschlagen gab, lächelte sie großherzig an.

«Du darfst auch die erste Rolle schmeißen«, bot sie ihr an.

In einer Raststätte in Emporia tunkte Mel Brown seine Bratensoße mit dem letzten Drittel seines Milchbrötchens auf. Er saß an einem Fenstertisch. Während er aß, ging sein zufriedener Blick nach draußen zu seinem Motorrad.

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