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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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Wenn er den Kopf nur ein bisschen drehte, konnte er die Sonnenstrahlen auf dem Lenker reflektiert sehen. Er dachte daran, wie weich und warm und geschmeidig sich der Ledersitz und die Handgriffe anfühlen würden — wie eine Frau ganz in Leder —, wenn er später wieder aufstieg.

Bei dem Gedanken wurde ihm auch in der Schrittgegend richtig warm, und er lächelte.

Mann, wie er dieses Leben liebte!

Wenn er Hunger hatte, aß er. Wenn er müde war, schlief er. Wenn er geil war, suchte er sich eine Frau. Wenn er Durst hatte, machte er in einer Bar Station.

Momentan hatte Mel keine Lust, die gesamte Summe von fünf Dollar sechsundvierzig für dieses miese Frikadellengericht mit Kaffee zu bezahlen. Er zog vier Dollarscheine aus der Brieftasche und ein paar Vierteldollarmünzen aus der rechten Hosentasche und legte alles so auf den Tisch, dass das Geld unter der Rechnung hervorschaute.

Dann stand er auf und ging an der Kellnerin vorbei.

«Geld liegt auf dem Tisch«, sagte er ihr.

«Stückchen Kirschkuchen?«, fragte sie.

Weil es sich anhörte wie ein unmoralisches Angebot, erwiderte er grinsend:»Nä.«Wenn du nicht so hässlich wärst, dachte er, würde ich vielleicht sogar zum Nachtisch bleiben.

«Kommen Sie mal wieder«, sagte sie.

Hättest du wohl gern, dachte er.

Wenn sie ihn zurückriefen, würde er sagen, er hätte ihre Handschrift nicht lesen können. Selber schuld. MUSS sich nicht wundern, wenn sie kein Trinkgeld kriegt. Lächelnd nahm er sich einen Zahnstocher von der Kassentheke und salutierte damit dem Mann hinter der Ladenkasse.

«Danke«, sagte dieser.

«Alles klar.« Dann stand Mel draußen auf dem Parkplatz und reckte sich, stieß die Arme hoch in die Luft, damit ihn auch alle, die hinschauten, begutachten konnten. Nichts zu verbergen. Bin doch echt ein toller Hecht, eh, Baby. Dann schlenderte er zu seiner Maschine hinüber und kickte den Motorradständer mit der Ferse hoch. Er schob den Zahnstocher im Mund herum, spuckte ein Fitzelchen Fleisch aus und schnippte den Zahnstocher dann auf die Erde. Er stieg auf seine Maschine und seufzte zufrieden, als sein Hintern mit dem warmen Ledersitz in Berührung kam.

Genüsslich das langsame Anschwellen von Kraft spürend, das sich zwischen seinen Schenkeln aufbaute, beschleunigte Mel ganz allmählich.

Abends lag Jane Baum um halb elf im Bett, wieder einmal völlig erschöpft von ihrer eigenen Angst. Während sie so dalag im Doppelbett ihrer verstorbenen Tante, quälte sie der Gedanke, was für ein Fehler es doch gewesen war, an diesen schrecklichen, öden, gottverlassenen Ort zu ziehen.

Zwar hatte sie damit gerechnet, sich eine Zeit lang etwas nervös zu fühlen, so wie alle Stadtbewohner, die aufs Land ziehen. Aber dass sie krankhafte Angst verspüren würde — besessen wäre von einer Angst, die so stark war, dass sie jede einzelne ihrer Körperzellen besetzte, bis sie abends, jeden Abend einfach dachte, sie würde daran sterben —, das hätte sie nicht erwartet. Sie hatte nicht geahnt — wie hätte sie es auch ahnen können? — , dass sie zu den Leuten gehörte, denen die Weite der Prärie furchtbare Angst einflößt. Sie war nur als Kind ein paar Mal auf der Farm gewesen und hatte von diesen Besuchen nur noch warme, flaumige Sachen wie Raupen und Küken in Erinnerung. Nur ganz vage konnte sie sich daran erinnern, wie ameisenhaft sich ein menschliches Wesen in der Prärie vorkommt.

In der Zeit zwischen dem Tod ihrer Tante und ihrem eigenen Einzug war im Haus ihrer Tante zweimal eingebrochen worden. Diese Tatsache bot ihren Wahnvorstellungen ein Fundament von erschreckender Realität. Wenn Cissy sagte:»Das bildest du dir ein«, gab Janie zurück:»Es ist aber zweimal passiert! Zwei Mal!« Sie dachte es sich nicht bloß aus! Es gab tatsächlich fremde, brutale Männer — so stellte sie sich die Diebe vor, die Polizei hatte sie nie geschnappt —, die eingebrochen waren und genommen hatten was sie wollten: Konservendosen aus dem Schrank, das Radio aus der Küche. Es konnte wieder passieren, dachte Janie wie besessen, während sie im Bett lag. Es konnte wieder und wieder passieren. Mir, mir, mir.

Die Dunkelheit, die in der Prärie herrschte, war absolut, so kam es ihr jedenfalls vor. Es gab Millionen von Sternen, aber keine Straßenlaternen. Kojoten heulten, das Vieh brüllte. Gelegentlich surrten die großen Sattelschlepper vor dem Haus vorbei, die immer nachts unterwegs waren. Ihre Reifen- und Motorengeräusche schienen aus dem Nichts zu kommen, steigerten sich zu einem unerträglichen Jaulen und verschwanden dann auf unheimliche Weise plötzlich wieder. Die Fahrer stellte sie sich als große, grobschlächtige, kraftvolle Männer vor, voll gepumpt mit Aufputschmitteln. Eines Nachts, dachte sie verängstigt, würde sie hören, wie Lastwagenreifen in ihre Kieseinfahrt einbogen, ein Motor abgestellt wurde, eine Lastwagentür leise geöffnet und wieder zugeschlagen wurde und zögernde Schritte über ihren Kiesweg schlurften.

Ihre Angst war so immens geworden, so schlimm, dass sie sogar davor Angst hatte. Es war wie ein gigantischer Ballon, der sich mit jedem ihrer Atemzüge weiter füllte.

Jede Nacht wurde die Angst noch schlimmer, und der Ballon wurde größer. Inzwischen füllte er fast das ganze Schlafzimmer aus.

Im Schlafzimmer im Obergeschoss, wo sie lag, war es heiß, denn sie hielt die Fenster immer geschlossen und fest verriegelt und die Vorhänge zugezogen. Sie hätte das Zimmer mit einem Ventilator auf der Frisierkommode kühlen können, befürchtete aber, der Lärm des Ventilators könnte das Geräusch übertönen, falls im Erdgeschoss jemand einbrach und die Treppe hochkam, um sie zu überfallen. Sie hatte sich ein Bettlaken und eine Decke über Arme und Schultern bis knapp unters Kinn gezogen.

Sie schwitzte, als ob ihr vor Angst erstarrter Körper zerschmelzen würde, und doch fühlte es sich warm und beinahe behaglich an. Im Bett trug sie immer Schlafanzug und dünne Wollsocken, denn sie fühlte sich sicherer, wenn sie vollständig bekleidet war. Ganz besonders sicher fühlte sie sich in Schlafanzughosen, denn anders als bei einem Nachthemd konnte ihr die keine dreckige Hand auf den Bauch hochschieben.

Während sie nun wie eine Querschnittsgelähmte reglos und mit offenen Augen im Bett lag, ging Janie im Geiste noch einmal ihre Sicherheitsvorkehrungen durch. Alle Türen waren verriegelt, alle Fenster sowieso immer geschlossen und verriegelt, so dass sie sie nicht jeden Abend zu überprüfen brauchte. Alle Vorhänge waren zugezogen, das Licht auf der Veranda war ausgeschaltet und ihr Auto in der Scheune eingeschlossen, so dass kein Lastwagenfahrer auf die Idee käme, sie wäre zu Hause.

In letzter Zeit hatte sie sich angewöhnt, mit der geladenen Pistole ihrer Tante auf dem Kopfkissen neben sich zu schlafen.

Müde von der stundenlangen Buchhaltung, schlüpfte Cissy kurz vor Mitternacht ins Bett. Vorher war sie noch draußen in der Scheune gewesen, um nach ihren kichernden Mädchen und dem blinden Kälbchen zu sehen.

Sie hatte mit ihrem Mann gesprochen, als der aus Oklahoma City angerufen hatte. Nun dachte sie darüber nach, wie sie es anstellen sollte, Janie Baum allmählich aus ihrem Familienleben hinauszumanövrieren.

«Tut mir Leid, Janie, aber ich hab heute schrecklich viel zu tun. Du solltest also vielleicht nicht rüberkommen …« Ach, aber dann käme dieses unterwürfige, gemarterte Stimmchen, wie von einem Mäuschen, das jemanden braucht, der es bemuttert. Wie könnte sie dieses Bedürfnis nicht erfüllen? Sie hatte sowieso schon Schuldgefühle, weil sie Janies Bitte abgeschlagen hatte, bei ihnen zu übernachten.

«Ja, aber ich mach es. Ich mach es einfach und Schluss.

Wenn ich zu den jungen Mädchen vom Klub zukünftiger Hausfrauen Amerikas nein sagen konnte, als sie da waren und Früchtekuchen verkaufen wollten, kann ich auch bei Janie Baum öfter mal nein sagen. Sonst überwindet sie ihre Angst ja nie, wenn ich sie auch noch darin bestärke.« Etwas Ähnliches hatte Bob auch gesagt, als sie sich per Ferngespräch bei ihm beklagt hatte.»Cissy, damit hilfst du ihr auch nicht«, hatte er gesagt.»Damit lässt du nur zu, dass es schlimmer wird. «Und dann hatte er noch etwas Neues gesagt, was sie ziemlich beunruhigt hatte.

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