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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
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Man ermunterte die Bewohner, ihre Zimmer mit persönlichen Dingen auszustatten. Die meisten Zimmer hatten einen Fernseher, einen Polstersessel mit gesteppter Überdecke und ein an auffallender Stelle angebrachtes Kruzifix. In Karls Zimmer waren an den Wänden jedoch Bücherregale, und die Bücherregale waren voll. Karl stand, ein Buch in der Hand, neben der Tür.

«Ah, die hübsche Frau von gegenüber. «Seine Stimme hatte sich nicht verändert. Sie war immer noch voll und wohl tönend und jagte ihr immer noch Schauer über den Rücken. Sein schwarzes Haar war silbern geworden, und seine Haut war von feinen Linien durchzogen. Vom Alter gebeugt war er nicht. Er streckte die Hand aus. Seine Bewegungen waren so geschmeidig wie früher.»Möchten Sie einen Augenblick hereinkommen?« Nell merkte, dass sie wie gebannt auf seine Hand starrte.

Als sie sie das letzte Mal gesehen hatte, war sie voller Blut gewesen.

«Nein, danke«, sagte sie.»Ich mache nur meinen Spaziergang.« «Aber Sie haben doch sicher einen Augenblick Zeit, äh?«Er neigte den Kopf zu ihr hinüber und wartete darauf, dass sie ihm ihren Namen nannte.

«Eleanor«, sagte sie.

«Eleanor?«Er trat einen Schritt zurück, um sie vorbeizulassen. Sie zögerte, lächelte dann ein wenig über sich selbst, als sie daran dachte, dass dies der Mann war, der ihr gezeigt hatte, was Charme bedeutete.

«Aber nur ganz kurz. «Als sie ihre Gehhilfe umkehrte und auf ihn zuging, kam sie sich zum ersten Mal seit Jahren unbeholfen vor.

Er beobachtete ihre schlurfenden Bewegungen.

«Arthritis?« Sie schüttelte den Kopf.»Ich habe mir beide Hüften gebrochen, als ich mal 1975 bei ein paar Spielen in der Little League eingesprungen bin. Die Ärzte sagten, ich würde nie wieder gehen können.« «Haben Sie gewonnen?« Sie warf einen Blick zu ihm hoch und erschrak, dass sie plötzlich direkt vor ihm stand.»Na, ich bin doch auf den Beinen, oder nicht?« Er kicherte.»Nein, nein. Ich meine das Spiel.« «Ach so. «Sie schob die Gehhilfe durch die Tür. Wegen der Bücherregale war der Durchgang schmal. Sein Zimmer roch nach Tinte und alten Büchern.»Um drei Runs haben wir verloren.« «Schade«, sagte er nur.»Sein letztes Spiel sollte man immer gewinnen.« Sie blieb am Fenster stehen. Er hatte einen Blick auf den hinteren Parkplatz.»Wer behauptet, dass es mein letztes Spiel war?« Dann drehte sie sich um und sah sich sein Zimmer genauer an. Es war voller Bücher. In der Mitte stand ein mit Papieren übersäter Schreibtisch, und eine Stereoanlage wie die, auf die ihre Enkelin so stolz war, nahm in einem der Bücherregale ein ganzes Regalbrett ein. Das Bett hinten in der Ecke war ordentlich gemacht und mit einer fertig gekauften Tagesdecke bedeckt.

«Möchten Sie sich setzen?«Er rückte ihr einen Stuhl her. Nell schüttelte den Kopf.

«Einen Tee?«Er griff hinter sich und steckte eine Kaffeemaschine ein. Neben der Maschine befanden sich Tassen, Behälter und Röhrchen mit flüssigem Inhalt.

«Was machen Sie eigentlich hier?«Die Frage war Nell einfach so herausgerutscht. Er fuhr herum und musterte sie aufmerksam. Nell spürte, wie sie errötete.»Ich meine, Sie sehen nicht so aus, als müssten Sie hier sein.« Als er lächelte, vertieften sich die Fältchen zu Runzeln.

«Mein Großneffe leitet dieses Haus. Er meint, ich werde allmählich zu alt zum Alleinleben.« «Es gibt aber doch andere Heime, wo man leben kann, wenn man noch gesund ist. Sie brauchen offensichtlich keine medizinische Pflege.« «Noch nicht. «Er hakte die Daumen in seinen vorderen Hosentaschen ein und lehnte sich an den Türrahmen. Nell überlegte, ob er sie wohl aufhalten würde, wenn sie gehen wollte.»Ich helfe ihm bei ein paar Forschungen.« Nell blickte wieder auf den Schreibtisch hinüber. Auf einigen der Papiere, die dort lagen, war die gleiche Spirale abgebildet wie auf dem Bild neben der Tür.

«Wir wollen eine Methode finden, mit der sich der Alterungsprozess verzögern lässt«, sagte er.»Haben Sie schon mal von Leonard Hayflick gehört?« «Nein.« «Hayflick ist ein Biologe, der entdeckt hat, dass Zellen eine ganz klar definierte Lebensspanne haben. Er dachte, die Lebensspanne werde von der Anzahl der Zellteilungen bestimmt und nicht vom chronologischen Alter. Aber manche Zellen verfallen schon, bevor sie ihre maximale Anzahl von Teilungen erreicht haben. Und das, glauben manche, bewirkt die Alterung. Können Sie mir folgen?« Nell merkte, dass sie ihn verständnislos angestarrt hatte.

«Tut mir Leid.« «Oder einfach ausgedrückt«, sagte er,»jeder Mensch kann ein gewisses maximales Alter erreichen, aber wegen des körperlichen Verfalls erreicht dieses Alter nicht jeder.

Wir versuchen jetzt, diesen körperlichen Verfall zu verhindern, damit die Menschen ihr gesamtes Leben durchleben können.« «Was ist denn das maximale Alter?«, wollte Nell wissen.

«Wissen wir nicht«, meinte Karl achselzuckend.»Es gibt aber Leute, die behaupten, sie wären weit über hundert.

Und ich habe gerade von einer Frau gelesen, deren Taufurkunde beweist, dass sie hundertzwanzig ist.« «Wieso erzählen Sie mir das?« «Weil du gefragt hast, Nelly.« Nell wurde am ganzen Körper kalt. Sie hielt sich an ihrer Gehhilfe fest und überlegte, wie sie bloß aus dem Zimmer kommen könnte.

Als er auf sie zutrat, wich sie erschrocken zurück.

«Entschuldige«, sagte er sanft.»Ich hätte dir gleich sagen sollen dass ich weiß, wer du bist. Meine Familie ist in Wisconsin geblieben, Nell. Sie haben mir gesagt, was in deinem Leben so vor sich ging. Ich wusste, dass du hier bist, bevor ich herkam.« «Und was willst du jetzt machen?«Ihre Stimme zitterte.

Er machte noch einen zögernden Schritt auf sie zu.

«Also, als Erstes will ich dir das mit Bess erklären, Nelly.« «Nein«, sagte sie, und ihre Angst war so echt wie an jenem sonnenbeschienen Julimorgen, als er ihr mit seiner blutigen Hand den Mund zugehalten hatte.»Wenn du mich nicht hier raus lässt, fange ich an zu schreien.« «Nelly — « «Ich mein’s ernst, Karl, ich fange an zu schreien.« Er breitete die Hände aus.»Du kannst ruhig gehen, Nell.

Wenn ich dir wehtun wollte, hätte ich es schon längst tun können.« Sie schob die Gehhilfe wie einen Schutzschild vor sich her. Ihre Hände rutschten auf dem Metall ab. Als sie an Karl vorbeikam, sah sie ihn nicht an.

Die Wände schienen enger beieinander und der Abstand bis zu ihrem Zimmer viel zu kurz. Als sie drinnen war, machte sie die Tür zu und wünschte, man könnte sie abschließen. Und doch wusste sie, dass ihre Angst zum Teil irrational war. Viel konnte ihr ein fünfundneunzigjähriger Mann hier nicht anhaben, doch nicht in diesem hell erleuchteten Heim voller junger Pflegerinnen. In Hausgemeinschaft 5 wurden Schreie nämlich nicht ignoriert.

Nell zupft an ihren Knickers herum. Egal wie eng sie sie bindet, um die Taille herum bleiben sie immer unangenehm locker. Sie hat sich nicht getraut, in ein Base zu rutschen, wie Chucky wollte, weil sie Angst hat, dass sie dann ihre Hosen verliert.

Sie nimmt den Weg quer durch Kirschmans Apfelgarten.

Mr. Kirschman kann es zwar nicht leiden, wenn die Kinder die Abkürzung durch seinen Obstgarten nehmen, aber sie machen es trotzdem.

Als sie um die Ecke biegt und in die Gartenmitte will, hält ihr jemand mit der Hand den Mund zu und zerrt sie mit dem Rücken gegen einen Baum. Die Hand ist fest und glitschig. Sie riecht nach Eisen.

«Nelly, versprichst du mir, nicht zu schreien, wenn ich dich loslasse?« Es ist Karls Stimme. Sie nickt. Langsam lässt er sie los.

«Was soll denn das?« Er hebt einen verschmierten Finger an die Lippen. Sein dunkles Haar hebt sich deutlich ab von seiner blassen Haut.»Ich will nicht, dass du da weitergehst, okay? Ich will, dass du umkehrst und sofort deinen Vater holst.

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