Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er starrte auf das Gewehr in seiner Hand hinunter, als hätte er eine solche Waffe noch nie gesehen. Er sah sie nicht an, spürte aber, wie sie wieder näher trat, zögernd, aber nicht abgestoßen.
»Tut es … dir leid?«
»Nein«, sagte er augenblicklich und blickte zu ihr auf. »Ich meine … aye, es tut mir leid, dass es passiert ist. Aber nicht, dass ich es getan habe, nein.« Er hatte geantwortet, ohne innezuhalten und seine Worte abzuwägen, und stellte überrascht – und erleichtert – fest, dass sie die Wahrheit waren. Er verspürte Bedauern, wie er gesagt hatte, aber was er an Schuldgefühlen empfand, hatte nichts mit dem Tod des Schattens zu tun, wer er auch immer gewesen war. Er war in Snaketown Sklave gewesen und hegte keine großen Sympathien für die Mohawk, wenn auch manche von ihnen ganz anständig waren. Er hatte nicht vorgehabt, jemanden zu töten, aber er hatte sich verteidigt. Unter denselben Umständen würde er dasselbe wieder tun.
Und doch nagte sein Gewissen leise an ihm – die Erkenntnis, wie leicht er diesen Tod verdrängt hatte. Die Kahnyen’kehaka sangen Lieder und erzählten sich Geschichten über ihre Toten und hielten ihr Andenken an den Feuern der Langhäuser lebendig, wo man sie noch Generationen später kannte und sich ihrer Taten erinnerte. Genau wie es die Highlander taten. Plötzlich musste er an Jamie Fraser denken, wie er mit leuchtendem Gesicht am großen Feuer des gathering gestanden und seine Gefolgsleute beim Namen und ihrer Herkunft genannt hatte. Steh mir bei, Roger, der Sänger, Sohn des Jeremiah MacKenzie. Vielleicht fand Ian Murray die Mohawk ja gar nicht so fremd.
Dennoch hatte er das obskure Gefühl, den unbekannten Toten nicht nur um sein Leben, sondern auch um seinen Namen gebracht zu haben, um ihn durch das Vergessen auszulöschen, so zu tun, als sei dieser Tod niemals geschehen, nur um sich selbst von dem Wissen um diesen Tod zu befreien. Und das, so fand er, war falsch.
Ihr Gesicht war reglos, jedoch nicht erstarrt; ihr Blick ruhte mit einer Art Mitgefühl auf ihm. Dennoch wandte er den Blick ab, zurück zu dem Gewehr, dessen Lauf er umklammert hielt. Seine rußverschmierten Finger hatten fettige, schwarze Ovale auf dem Metall hinterlassen; sie streckte die Hand aus und nahm es ihm ab, um die Flecken an ihrem Hemdsaum abzuwischen.
Er ließ es geschehen und sah ihr zu, während er sich die schmutzigen Finger an seiner Hose abrieb.
»Es ist nur … wenn man schon jemanden umbringen muss, findest du nicht, dass es dann mit Absicht geschehen sollte? Dass man wissen sollte, was man tut?«
Sie antwortete nicht, sondern spitzte ein wenig die Lippen, um sie dann wieder zu entspannen.
»Wenn du hiermit jemanden erschießt, Roger, wird es Absicht sein«, sagte sie leise. Dann blickte sie mit durchdringenden blauen Augen zu ihm auf, und er sah, dass das, was er für Mitgefühl gehalten hatte, in Wirklichkeit stille Energie war, wie die Flammen auf einem ausgebrannten Holzscheit.
»Und wenn du jemanden erschießt, Roger, dann möchte ich, dass du weißt, was du tust.«
Zwei Dutzend Schüsse später konnte er die Holzstücke mindestens bei jedem sechsten Versuch treffen. Verbissen hätte er sogar noch weiter geübt, doch sie konnte sehen, wie seine Unterarmmuskeln zu zittern begannen, wenn er das Gewehr hob, das er nur noch durch seine Willenskraft still halten konnte. Er würde jetzt aus Erschöpfung öfter danebentreffen, und das würde ihm kaum weiterhelfen.
Und ihr auch nicht. Ihre milchgefüllten Brüste begannen langsam zu schmerzen. Sie würde bald etwas dagegen unternehmen müssen.
»Lass uns etwas essen«, sagte sie lächelnd und nahm ihm nach dem letzten Schuss die Muskete ab. »Ich habe Bärenhunger.«
Die ständige Bewegung des Schießens, Nachladens und des Errichtens der Ziele hatte sie beide warm gehalten, doch es war früher Winter, und die Luft war kalt; viel zu kalt, dachte sie bedauernd, um nackt im trockenen Farn zu liegen. Aber die Sonne war warm, und sie hatte vorausschauend zwei alte Quiltdecken zu ihrem Essen in den Rucksack gepackt.
Er schwieg, doch es war ein entspanntes Schweigen. Sie sah zu, wie er mit gesenkten Augenlidern das Stück Hartkäse in Scheiben schnitt, und bewunderte sein Aussehen – langgliedrig, kompetent –, seine flinken, sicheren Finger, seinen sanften Mund, den er leicht zusammenpresste, während er sich auf die Arbeit konzentrierte. Ein Schweißtropfen rollte vor seinem Ohr über seine hohe, geschwungene, braune Wange.
Sie wusste nicht so recht, was sie von den Dingen halten sollte, die er ihr erzählt hatte. Andererseits war sie klug genug zu wissen, dass es gut war, dass er es ihr überhaupt erzählt hatte, auch wenn sie nicht gern von seiner Zeit bei den Mohawk hörte oder daran dachte. Es war nicht nur für ihn eine schlimme Zeit gewesen, sondern auch für sie – allein, schwanger, voller Zweifel, ob er oder ihre Eltern je zurück kommen würden. Sie streckte die Hand aus, um ein Stück Käse in Empfang zu nehmen, streifte seine Finger mit den ihren und beugte sich vor, damit er sie küsste.
Er tat es, dann setzte er sich zurück. Seine Augen waren jetzt sanft und klar, frei von den Schatten, die sie zuvor heimgesucht hatten.
»Pizza«, sagte er.
Sie kniff die Augen zu, dann lachte sie. Es war eines ihrer Spiele, sich abwechselnd Dinge einfallen zu lassen, die ihnen aus der anderen Zeit fehlten – von früher – oder später, je nachdem, wie man es betrachtete.
»Cola«, sagte sie prompt. »Eine Pizza kriege ich, glaube ich, hin – aber was ist schon eine Pizza ohne Coca-Cola?«
»Pizza mit Bier ist absolut in Ordnung«, versicherte er ihr. »Und Bier können wir ja haben – nicht, dass Lizzies Selbstgebrautes einem MacEwan’s Lager schon das Wasser reichen könnte. Aber meinst du wirklich, du könntest Pizza machen?«
»Ich wüsste nicht, warum nicht.« Sie knabberte stirnrunzelnd an ihrem Käse. »Damit geht es nicht –« Sie wedelte mit dem gelblichen Überbleibsel in ihrer Hand, dann steckte sie es in den Mund. »Er schmeckt zu streng. Aber ich glaube –« Sie unterbrach sich, um zu kauen und zu schlucken, dann spülte sie den Käse mit einem großen Schluck einfachem Cidre herunter.
»Der würde, ehrlich gesagt, auch nicht schlecht zu Pizza schmecken.« Sie ließ die Lederflasche sinken und leckte sich die letzten süßen, leicht alkoholischen Tropfen von den Lippen. »Aber der Käse – vielleicht funktioniert es ja mit Schafskäse. Pa hat letztes Mal welchen aus Salem mitgebracht. Ich bitte ihn, noch welchen mitzubringen, und dann probiere ich, wie er schmilzt.«
Sie blinzelte in die helle, blasse Sonne und überlegte.
»Mama hat jede Menge getrocknete Tomaten und tonnenweise Knoblauch. Ich weiß, dass sie Basilikum hat – bei Oregano bin ich mir nicht sicher, aber darauf kann ich verzichten. Und der Boden –« Sie winkte ab. »Mehl, Wasser und Schmalz, da ist nichts dabei.«
Er lachte und reichte ihr ein Brötchen, das mit Schinken und Mrs. Bugs selbst gemachten Pickles belegt war.
»Wie die Pizza in die Kolonien kam«, sagte er und salutierte kurz mit der Cidreflasche. »Die Leute fragen sich doch immer, wo die großen Erfindungen der Menschheit her kommen; jetzt wissen wir es!«
Sein Tonfall war beschwingt, jedoch mit einem seltsamen Unterton, und er sah sie fest an.
»Vielleicht wissen wir es tatsächlich«, sagte sie kurz darauf leise. »Denkst du manchmal darüber nach – warum? Warum wir hier sind?«
»Natürlich.« Das Grün seiner Augen war jetzt dunkler, aber immer noch klar. »Du doch auch, aye?«
Sie nickte, biss in ihr Schinkenbrötchen und schmeckte süße Pickles und durchdringenden Zwiebelgeschmack. Natürlich dachten sie darüber nach. Sie und Roger und ihre Mutter. Denn sie musste doch etwas zu bedeuten haben, diese Passage durch die Steine. Sie musste es. Und doch … ihre Eltern sprachen nur selten von Kriegen und Schlachten, doch aus ihren spärlichen Erzählungen – und ihrer eigenen, sehr viel umfangreicheren Lektüre – wusste sie, wie zufällig und sinnlos solche Dinge manchmal sein konnten. Manchmal erhebt sich ein Schatten, und der Tod wartet namenlos in der Dunkelheit.