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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Inzwischen hing das Tuch in Fetzen da, und weißer Rauch trieb in kleinen Wölkchen über die Wiese. Der Falke hatte sich bei Ertönen des ersten Schusses gemeinsam mit allen anderen Vögeln der näheren Umgebung verzogen, obwohl sich das Sausen in seinen Ohren anhörte wie ein ganzer Schwarm von Meisen.

Er ließ das Gewehr sinken und sah Brianna grinsend an, und sie brach in Gelächter aus.

»Du siehst aus wie ein Schornsteinfeger«, sagte sie, und ihre Nasenspitze lief rot an vor Belustigung. »Hier, mach dich ein bisschen sauber, dann versuchen wir es aus größerer Entfernung.«

Sie nahm ihm das Gewehr ab und reichte ihm ein sauberes Taschentuch. Er wischte sich den schwarzen Ruß aus dem Gesicht und sah zu, wie sie rasch den Lauf säuberte und neu lud. Sie richtete sich auf, dann hörte sie etwas; ihr Kopf hob sich plötzlich, und sie heftete den Blick auf eine Eiche am anderen Ende der Wiese.

Roger, dessen Ohren immer noch vom Lärm des Gewehres dröhnten, hatte nichts gehört. Doch als er jetzt herumfuhr, fing er eine blitzartige Bewegung auf; ein dunkelgraues Eichhörnchen, das in mindestens zehn Metern Höhe auf einem Kiefernast saß.

Ohne eine Sekunde zu zögern, hob Brianna das Gewehr an ihre Schulter und schien im selben Atemzug zu feuern. Der Ast gleich unter dem Eichhörnchen zerplatzte in einem Regen aus Holzstückchen, und das Eichhörnchen verlor den Halt und stürzte zu Boden. Dabei prallte es von den nachgiebigen, immergrünen Zweigen ab.

Roger rannte zum Fuß des Baumes hinüber, doch es gab keinen Grund zur Eile, das Eichhörnchen lag tot da, schlaff wie ein Pelzlappen.

»Guter Schuss«, gratulierte er Brianna und hielt das tote Tier hoch, als sie herbeikam, um es sich anzusehen. »Es hat aber nicht einmal einen Kratzer abbekommen – du musst es zu Tode erschreckt haben.«

Brianna sah ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an.

»Wenn ich vorgehabt hätte, es zu treffen, Roger, hätte ich es getroffen«, sagte sie mit einem leicht tadelnden Unterton. »Und wenn ich es getroffen hätte, hättest du jetzt Eichhörnchenbrei in der Hand. Auf so kleine Tiere zielt man nicht direkt; man zielt knapp unter sie und erschlägt sie durch die Wucht«, erklärte sie wie eine freundliche Kindergärtnerin, die einen begriffsstutzigen Schützling verbessert.

»Oh, aye?« Er unterdrückte einen Anflug von Verärgerung. »Hat dein Vater dir das beigebracht?«

Sie sah ihn merkwürdig an, bevor sie antwortete.

»Nein, Ian.«

Er reagierte mit einem unverbindlichen Geräusch. Ian war ein wunder Punkt in der Familie. Alle hatten Briannas Vetter sehr geliebt, und er wusste, dass er der ganzen Familie fehlte. Dennoch zögerten sie aus Taktgefühl, vor Roger von Ian zu sprechen.

Es war zwar nicht unbedingt Rogers Schuld gewesen, dass Ian Murray bei den Mohawk geblieben war – aber es war nicht zu leugnen, dass er dabei die Hand im Spiel gehabt hatte. Hätte er diesen Indianer nicht getötet …

Nicht zum ersten Mal verdrängte er seine konfusen Erinnerungen an jene Nacht in Snaketown, spürte aber dennoch ihren Nachhall am ganzen Körper; den pfeilschnellen Rausch des Schreckens, der durch seine Eingeweide jagte, und die Vibrationen des Aufpralls, die durch seine Unterarmmuskeln liefen, als er das Ende eines abgebrochenen Holzpflockes mit aller Kraft in einen Schatten rammte, der vor ihm in der von Geschrei erfüllten Dunkelheit aufgetaucht war. Einen ausgesprochen soliden Schatten.

Brianna hatte die Wiese überquert und ein neues Ziel errichtet; drei unregelmäßig geformte Holzstücke, die sie auf einen tischgroßen Baumstumpf gestellt hatte. Kommentarlos wischte er sich die verschwitzten Hände an der Hose ab und konzentrierte sich auf die neue Herausforderung, doch Ian Murray wollte ihm nicht aus dem Kopf gehen. Er hatte den Mann kaum zu Gesicht bekommen, konnte sich jedoch deutlich an ihn erinnern; kaum mehr als ein Jugendlicher, groß und schlaksig, mit einem nicht besonders hübschen, aber sympathischen Gesicht.

Er konnte nicht an Murrays Gesicht denken, ohne es so vor sich zu sehen wie beim letzten Mal, mit den Krusten einer Reihe frisch tätowierter Punkte, die sich über seine Wangen und seinen Nasenrücken schwang. Sein Gesicht war von der Sonne gebräunt, aber seine frisch gerupfte Kopfhaut war schockierend rosa gewesen, nackt wie ein Kinderpopo und mit roten, vom Ausreißen der Haare gereizten Flecken übersät.

»Was ist los?«

Briannas Stimme ließ ihn zusammenfahren, der Lauf fuhr mit einem Ruck in die Luft, und der Schuss ging ins Leere. Oder besser, noch mehr ins Leere. Mit einem Dutzend Schüssen hatte er es nicht geschafft, auch nur einen der Holzklötze zu treffen.

Er ließ das Gewehr sinken und drehte sich zu ihr um. Sie hatte die Stirn gerunzelt, sah aber nicht wütend aus, nur verwirrt und besorgt.

»Was ist denn?«, fragte sie erneut.

Er holte tief Luft und rieb sich mit dem Ärmel über das Gesicht, ohne sich an den schwarzen Rußspuren zu stören.

»Dein Vetter«, sagte er abrupt. »Es tut mir furchtbar leid, Brianna.«

Ihre Gesichtszüge wurden weicher, und ihr besorgtes Stirnrunzeln entspannte sich ein wenig.

»Oh«, sagte sie. Sie legte ihm die Hand auf den Arm und trat dichter an ihn heran, so dass er die Wärme ihrer Nähe spürte. Sie seufzte tief und legte ihre Stirn an seine Schulter.

»Na ja«, sagte sie schließlich, »mir tut es auch leid – aber du bist auch nicht mehr schuld daran als Pa oder ich … oder Ian selbst.« Ihr leises Prusten hätte ein Lachen sein können. »Wenn jemand daran schuld ist, ist es Lizzie – und ihr macht niemand Vorwürfe.«

Da lächelte er, wenn auch ein wenig ironisch.

»Aye, verstehe«, antwortete er und legte die Hand um ihren kühlen, glatten Zopf. »Da hast du Recht. Und trotzdem – ich habe einen Mann umgebracht, Brianna.«

Sie fuhr nicht zusammen und riss sich nicht los, erstarrte aber irgendwie ganz und gar. Ihm ging es nicht anders; es war das Letzte, was er hatte sagen wollen.

»Das hast du mir gar nicht erzählt«, sagte sie schließlich und hob den Kopf, um ihn anzusehen. Sie klang unschlüssig, unsicher, ob sie das Thema weiter verfolgen sollte. Der Wind blies ihr eine Haarsträhne ins Gesicht, doch sie versuchte nicht, sie beiseite zu streichen.

»Ich – na ja, um die Wahrheit zu sagen, habe ich auch kaum noch daran gedacht.« Er ließ die Hand sinken, und sie erwachte aus ihrer Erstarrung. Sie schüttelte sich sacht und trat zurück.

»Das klingt schrecklich, nicht wahr? Aber –« Er rang um Worte. Er hatte nicht vorgehabt, etwas zu sagen, aber jetzt, da er damit angefangen hatte, schien es ihm dringend notwendig, es ihr zu erklären, es in die richtigen Worte zu fassen – für ihn selbst genauso wie für sie.

»Es war Nacht, und im Dorf gab es eine Auseinandersetzung. Ich bin entflohen – ich hatte ein Stück von einem abgebrochenen Pfosten in der Hand, und als dann jemand aus der Dunkelheit auftauchte, habe ich …«

Seine Schultern fielen plötzlich zusammen, als er begriff, dass es unmöglich zu erklären war. Er blickte auf das Gewehr hinab, das er in der Hand hatte.

»Ich wusste nicht, dass ich ihn umgebracht hatte«, sagte er leise, den Blick auf die Zündung gerichtet. »Ich habe noch nicht einmal sein Gesicht gesehen. Ich weiß bis heute nicht, wer es war – obwohl es jemand sein musste, den ich kannte; Snaketown war ein kleines Dorf, ich kannte alle ne rononkwe dort.« Warum, fragte er sich plötzlich, war es ihm nicht ein einziges Mal in den Sinn gekommen zu fragen, wer der Tote war? Die Antwort war simpel; er hatte nicht danach gefragt, weil er es nicht wissen wollte.

»Ne rononkwe.« Sie wiederholte die Worte unsicher.

»Die Männer … die Krieger. So nennen sie sich selbst, die Kahnyen’kehaka.« Die Mohawkwörter lagen ihm seltsam fremd und vertraut zugleich auf der Zunge. Er konnte Argwohn in ihrem Gesicht sehen und wusste, dass es ungewohnt für sie war, die Sprache aus seinem Mund zu hören; nicht zurückhaltend, wie wenn man sich eines Wortes aus einer Fremdsprache bedient, sondern so, wie ihr Vater manchmal beiläufig Gälisch und Schottisch vermischte, wenn er in Gedanken nach dem erstbesten Wort aus einer der beiden Sprachen griff.

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