Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Es war ihm eigentlich gleichgültig, was die Seherin machte. Er rieb ständig über den Griff seines Schwertes, und wenn es ihm bewußt wurde, dann blickte er staunend darauf hinunter. So also ist eine Schlacht. Er konnte sich kaum an etwas erinnern, jedenfalls nicht an irgendeine bestimmte Einzelheit. Alles floß in seinem Kopf zu einem Brei zusammen, einer geschmolzenen Masse von haarigen Gesichtern und Angst. Angst und Hitze. Während des Kampfes war es ihm so heiß vorgekommen wie an einem Mittsommermittag. Er konnte das nicht verstehen. Der eisige Wind versuchte, Schweißperlen an seinem Körper und Gesicht anzufrieren.
Er sah seine beiden Freunde an. Mat wischte sich mit einem Zipfel seines Umhangs Schweiß von der Stirn. Perrin, der in die Ferne zu blicken schien und offensichtlich den Anblick nicht gerade schön fand, war sich wohl nicht bewußt, daß auch auf seiner Stirn Schweißperlen glitzerten.
Die Hügel wurden flacher, und das Land wandelte sich langsam zu einer Ebene, doch anstatt flott weiterzureiten, hielt Lan an. Nynaeve wollte wieder an Moiraines Seite reiten, doch der Blick des Behüters hielt sie davon ab. Er und die Aes Sedai ritten ein wenig voraus und steckten wieder die Köpfe zusammen. Aus Moiraines Gesten wurde ersichtlich, daß sie sich stritten. Nynaeve und Thom beobachteten sie. Die Seherin zog besorgt die Stirn in Falten. Der Gaukler führte Selbstgespräche und blickte immer mal wieder zurück. Die anderen vermieden es, Lan und Moiraine überhaupt anzusehen. Wer wußte schon, was aus einem Streit zwischen einer Aes Sedai und einem Behüter entstehen konnte?
Nach ein paar Minuten sprach Egwene Rand leise an, wobei sie einen unangenehm berührten Blick auf das sich immer noch streitende Paar warf. »Diese Sachen, die Ihr den Trollocs entgegengeschrien habt...« Sie hielt inne, als sei sie nicht sicher, wie sie fortfahren solle.
»Was ist damit?« fragte Rand. Er fühlte sich schon ein wenig eigenartig dabei — Kriegsgeschrei mochte für die Behüter selbstverständlich sein, aber Leute von den Zwei Flüssen taten so etwas nicht, was auch immer Moiraine sagte — doch wenn sie sich deswegen über ihn lustig machte... »Mat muß diese Geschichte doch schon zehnmal wiederholt haben.«
»Und zwar schlecht«, warf Thom ein. Mat brummte protestierend.
»Wie er sie auch erzählt haben mag«, sagte Rand, »wir haben sie jedenfalls alle oft genug gehört. Außerdem mußten wir einfach irgend etwas rufen. Ich meine, das tut man eben in dem Fall. Du hast ja Lan gehört.«
»Und wir haben ein Anrecht darauf«, fügte Perrin gedankenverloren hinzu. »Moiraine sagt, daß wir alle Nachkommen dieser Leute von Manetheren sind. Sie haben gegen den Dunklen König gekämpft, und wir kämpfen gegen den Dunklen König. Das gibt uns doch ein Recht darauf!«
Egwene schnaubte verächtlich, als wolle sie zeigen, was sie davon hielt. »Davon habe ich doch gar nicht gesprochen. Was... was hast du denn eigentlich gerufen, Mat?«
Mat zuckte unsicher die Achseln. »Ich kann mich nicht erinnern.« Er sah sie um Rechtfertigung heischend an. »Na ja, es geht eben nicht. Alles ist verschwommen. Ich weiß nicht, was es war oder woher es kam oder was es bedeutet.« Er lachte über sich selbst. »Ich schätze, es hat nichts zu bedeuten.«
»Doch... ich glaube, es bedeutet etwas«, sagte Egwene langsam. »Als ihr geschrien habt, dachte ich einen Augenblick lang — ich verstünde euch. Aber nun ist alles wie weggeblasen.« Sie seufzte und schüttelte den Kopf. »Vielleicht hast du recht. Seltsam, was man sich in einer solchen Situation alles einbilden kann, nicht wahr?«
»Carai an Caldazar«, sagte Moiraine. Alle drehten die Köpfe zu ihr und sahen sie an. »Carai an Ellisande. Al Ellisande. Zur Ehre des Roten Adlers. Zur Ehre der Rose der Sonne. Die Rose der Sonne. Der uralte Schlachtruf von Manetheren und der Schlachtruf seines letzten Königs. Eldrene nannte man die Rose der Sonne.« Moiraines Lächeln galt Mat und Egwene, obwohl ihr Blick vielleicht etwas länger auf ihm ruhte. »Das Blut von Arads Familie rinnt immer noch in den Adern der Menschen der Zwei Flüsse. Das alte Blut singt immer noch.«
Mat und Egwene sahen einander an, und alle anderen sie beide. Egwene machte große Augen, und ihr Mund verzog sich immer wieder zum Anflug eines Lächelns. Sie verbiß es sich immer wieder, als sei sie nicht sicher, wie sie dieses Gespräch über das alte Blut verstehen solle. Mat dagegen war sich sicher, wie man an seiner finsteren Miene ablesen konnte.
Rand glaubte zu wissen, woran Mat dachte. Er dachte das gleiche. Wenn Mat ein Nachkomme der alten Könige von Manetheren war, dann waren die Trollocs vielleicht hinter ihm her und nicht hinter allen dreien. Er schämte sich bei diesem Gedanken. Seine Wangen röteten sich, und als er sah, wie schuldbewußt Perrin das Gesicht verzog, da wußte er, daß Perrin derselbe Gedanke gekommen war. »Ich kann nicht behaupten, daß ich je von so etwas gehört habe«, sagte Thom nach einer Weile. Er schüttelte sich, und sein Tonfall wurde wieder nüchtern. »Zu einer anderen Zeit würde ich möglicherweise eine Geschichte daraus machen, aber im Moment... Plant Ihr, den Rest des Tages hier zu verbringen, Aes Sedai?«
»Nein«, antwortete Moiraine und ergriff ihre Zügel.
Als wolle es ihre Worte unterstreichen, ertönte von Süden her ein Trolloc-Horn. Weitere Hörner antworteten aus Osten und Westen. Die Pferde wieherten leise und tänzelten nervös.
»Sie haben das Feuer passiert«, sagte Lan ruhig. Er wandte sich Moiraine zu: »Ihr seid nicht stark genug für das, was Ihr vorhabt, jedenfalls noch nicht. Nicht ohne Euch ausgeruht zu haben. Und weder Myrddraal noch Trolloc wird diesen Ort betreten.«
Moiraine hob eine Hand, als wolle sie ihn unterbrechen, seufzte aber dann und ließ sie wieder fallen. »Also gut«, sagte sie gereizt. »Ich schätze, du hast recht, aber mir wäre es lieber, wenn wir eine andere Wahl hätten.« Sie zog ihren Stab aus der Gurtschlinge ihres Sattels. »Kommt alle her zu mir. So nahe Ihr könnt! Noch näher!«
Rand trieb Wolke näher an die Stute der Aes Sedai heran. Moiraine bestand darauf, daß sie sich in einem engen Kreis um sie herum versammelten, so daß der Kopf jedes Pferdes über Kruppe oder Widerrist eines anderen hinwegragte. Erst dann war die Aes Sedai zufrieden. Dann stellte sie sich in ihre Steigbügel und schwang wortlos den Stab über ihre Köpfe. Sie streckte sich, damit auch jeder vollkommen einbezogen wurde.
Rand zuckte jedesmal zusammen, wenn der Stab über ihn hinwegging. Bei jedem Kreis durchrann ihn ein Prickeln. Er hätte der Bewegung des Stabs folgen können, ohne ihn zu sehen, nur durch das fortlaufende Zittern der Menschen unter ihm. Es überraschte ihn nicht, daß Lan der einzige war, den der Stab nicht beeinflußte.
Plötzlich streckte Moiraine den Stab nach Westen aus. Abgestorbene Blätter wirbelten durch die Luft, und Äste peitschten sie, als folge ein Luftwirbel der Richtung ihres Stabs. Als der unsichtbare Wirbelwind in der Entfernung verschwand, setzte sie sich mit einem Seufzer wieder im Sattel zurecht. »Den Trollocs«, sagte sie, »wird es erscheinen, als folgten unsere Spuren und Gerüche diesem Wind. Der Myrddraal wird es nach einer Weile durchschauen, aber bis dahin... «
»Bis dahin«, sagte Lan, »haben sie uns längst verloren.«
»Euer Stab ist sehr mächtig«, sagte Egwene, was ihr ein Schnauben von Nynaeve einbrachte.