Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Damit hatte der silberne Drache Huma schon Zeit genug verschafft. Er schnappte sich den Stab des Magus und wirbelte wieder herum, wobei er den nächsten Angreifer mit dem ersten Schlag außer Gefecht setzte. Die anderen wagten sich wieder näher heran.
Eine Anzahl Männer kamen angerannt. Die Schwarze Garde. Die schwarzgekleideten Gestalten blieben im Torbogen stehen und starrten mit offenem Mund auf die Szene vor ihnen.
Huma sah den irren Ausdruck von Drakos, als er sich rasch den Soldaten zuwandte. Ein Licht wie das der grünen Smaragdkugel glitzerte in seinen Augen. Er sagte ein einziges Wort, und selbst diese kleine Anstrengung ließ ihn zusammenzucken.
Ein dünner, tödlicher Blitz aus grüner Energie, der aus der Kugel stammte, zuckte mit furchtbarer Geschwindigkeit auf die nichtsahnenden Krieger zu. Er teilte sich in zwei, dann in vier einzelne Pfeile, noch ehe er halb bei ihnen war. Zu spät erkannten die Soldaten die Gefahr und versuchten davonzurennen. Vier hatten keine Zeit mehr dazu. Sie wurden von den Energieblitzen wie Fische auf eine Harpune aufgespießt und in den Raum gezogen. Huma erschauerte. Der Zauberspruch schien Galan Drakos genauso zu beherrschen, wie dieser den Spruch. Der Ritter bezweifelte, daß der Abtrünnige überhaupt wußte, was er getan hatte. Alles, was für Drakos jetzt zählte, war Macht.
Die anderen Wachen flohen. Von seinem Standort aus sah Huma hilflos zu, wie ein weiterer Blitz heranzuckte, diesmal in seine Richtung.
Er traf ihn auf die Brust, und der Aufprall ließ den Blitzschlag auf einen Haufen Gargyle überspringen. Zuerst fühlte sich Huma, als würde ihm die Lebenskraft davonrinnen. Doch dann warf etwas den gefräßigen Blitz zurück und sandte ihn zuckend wieder in die Kugel. Huma griff sich an die Brust, wo er das Medaillon entdeckte, das Avontal ihm gegeben hatte. Das Medaillon eines Paladin-Klerikers.
»Huma! Das Schloß bricht auseinander!«
Ein Gargyl fiel auf die Knie. Ein anderer brach einfach zusammen. Als Huma herumfuhr, sah er Galan Drakos vor sich. Aus dem schon vorher kaum noch menschenähnlichen Gesicht des Abtrünnigen sprach der pure Wahnsinn.
»Ich – ich werde sie – sie meinem Willen unterwerfen! Ich bin Drakos, der größte Magier aller Zeiten!«
Der Zauberer rief seinen Stock herbei und klopfte damit dreimal auf das Podest. »Shurak! Gestay Shurak Kaok!«
Die Gargyle hatten alle Lebendigkeit eingebüßt. Als sie um Huma herum zusammenbrachen, tauchte der silberne Drache wieder auf und flog auf ihn zu. Drakos griff nicht an, sah ihn nicht einmal. Statt dessen lachte er den Himmel an. Seine Gestalt sprühte vor Energie.
»Ich habe es geschafft, Herrin! Die Macht ist mein!«
Der Abtrünnige war so in seinem augenscheinlichen Triumph gefangen, daß er das Bild nicht sah, das sich in der Smaragdkugel formte. Unter Humas Augen teilte sich das Gesicht in der Kugel in zwei. Dann drei. Die Gesichter verzerrten sich, wurden echsenartig. Drachen. Mindestens fünf Köpfe. Alle spottend.
»Huma, wir müssen fort!«
»Ich kann nicht!« Huma starrte die Drachenlanzen an, die Gwyneth trug. Sie waren für seinen Zweck zu unpraktisch. Selbst die Lanze für den Fußsoldaten war unhandlich. Dann blieben seine Augen an Magus’ Stab hängen. Ihm kam eine Idee.
Er ergriff den Stab. Worte, die er nicht verstand, strömten von seinen Lippen, und auf einmal leuchtete der Stab. Er warf ihn mit aller Kraft.
Der Stab verfehlte Galan Drakos, doch dieser war auch nicht das Ziel. Statt dessen flog der Stab wie ein Speer genau in den Mittelpunkt der leuchtenden Kugel. Er schien zu zögern, als das vordere Ende die Kugel berührte, doch dann versenkte er sich weiter hinein und zerbrach jeden Widerstand.
»Sieh nicht hin!« schrie Huma Gwyneth zu.
Die Smaragdkugel explodierte krachend.
Die Zitadelle bebte, und der Raum neigte sich, als sich die Auswirkungen der Zerstörung der Kugel auf das Schloß übertrugen.
»Huma!« Der Silberdrache stupste ihn an. »Wir müssen fliehen! Schnell!«
Er kam wieder auf die Beine, wobei er sich an ihrem einen Flügel festhielt. Ein rascher Blick zeigte ihm, daß die Plattform von einem grünlichen Inferno umgeben war, das die ganze Wand zu verdecken schien.
Draußen brüllte etwas.
»Paladin!« flüsterte er. Das konnte nicht sein! Huma konnte sich nur ein Wesen vorstellen, das einen so ohrenbetäubenden, erderschütternden Schrei ausstoßen konnte. Ein Drache. Ein riesiger Drache. Ein Titan mit fünf Köpfen, fürchtete er. Takhisis.
»Iiiiiaaaauuuu!«
Huma vergaß das Brüllen und fuhr herum zu der Feuersbrunst, aus der dieser neue Schrei gekommen war.
Langsam stieg etwas aus dem Smaragdfeuer. Es glühte, aber es brannte nicht. Es ging auf zwei Beinen, war jedoch nicht einmal mehr entfernt menschenähnlich. Es hob eine klauenbewehrte Tatze, die einst eine Hand gewesen war. Ein dämonisches Gesicht mit verzerrten Gesichtszügen wie die einer verrenkten Schlange war unter den zerrissenen Fetzen einer Kapuze zu erkennen.
»Hhhuuuummmaaaa!«
Galan Drakos taumelte vorwärts.
»Ich will deinen Tod!«
Etwas mit Tentakeln schoß auf ihn zu – und wurde von etwas abgewehrt, was kurz einem silbrigen Schild ähnelte. Galan Drakos ging einen Schritt zurück.
»Du hast auch deinen – deinen Schirmherrn! Schade, daß es für Krynn zu spät ist!« Das Gesicht verzog sich.
Huma ging einen Schritt vor. Gwyneth wollte aufbegehren, doch ein Blick des Ritters brachte sie zum Schweigen. Dann begann er, langsam auf den irren Zauberer zuzugehen.
»Zu viele Menschen sind deinetwegen gestorben, Galan Drakos. Paladin ist mein Zeuge, daß ich dich nicht laufen lassen kann. Es muß ein Ende haben.«
Als Drakos schließlich sprach, hatte er seine Stimme unter Kontrolle. Er starrte in die Weite.
»Ja. Es wird ein Ende haben. Mit dem siegreichen – mit der Aufdeckung meines Verrats. Ich habe gespielt und verloren.« Drakos wendete sich wieder Huma zu und zuckte mit den Schultern.
Der Abtrünnige taumelte zurück zum Rand des Infernos. Seine Beine trugen ihn kaum noch. Er stützte sich immer stärker auf seinen Stab.
Huma ging direkt auf ihn zu. »Ich kann dich nicht gehen lassen.«
Der deformierte Magier lachte, ein Lachen, das viel zu lange zu dauern schien. Die Augen von Galan Drakos waren enge, leuchtende Schlitze. »Ich warte nicht auf die Gerechtigkeit der Königin. Da ziehe ich die Vergessenheit vor. Sie soll meinen verdammten Geist nicht bekommen, um damit bis in alle Ewigkeit zu spielen.«
Galan Drakos, Magiermeister und Abtrünniger, sprach ein einziges Wort.
Die Smaragdflammen umfingen ihn. Jedweder Schutz, den er gehabt hatte, war abgelegt. Huma bedeckte die Augen, als das Feuer heller flackerte. Als er wieder hinsah, war von dem Zauberer nichts mehr übrig.
»Er hat sich verbrannt.«
»Nein.« Der silberne Drache schüttelte den Kopf. »Er existiert nicht mehr. Das war sein letzter Spruch. Es ist, als wäre er niemals gewesen. Schon bald wird keiner, der ihn mal kannte, sich mehr an ihn erinnern – außer seiner einstigen Herrin, denke ich.« Der Drache runzelte die Stirn. »Er ist der Drachenkönigin wirklich entkommen. Erstaunlich.«
Die Zitadelle machte einen weiteren Ruck.
»Huma!« Als Gwyneth die Gefahr erkannte, war ihre Faszination dahin.
»Ja!« Er wollte auf ihren Rücken klettern, hielt dann aber inne. »Nein! Der Stab von Magus! Ich muß ihn suchen…«
»Ist das der kleine Ast an deinem Gürtel?«
Er sah hinunter. An seiner rechten Seite steckte fest im Gürtel ein vertrauter, einen Fuß langer Stock. »Wie – «
Gwyneths Geduld war jetzt zu Ende. »Ich erkläre dir ein andermal etwas über Magie! Huma, Paladin ist mein Zeuge, daß ich dich liebe! Ich werde nicht zusehen, wie du hier stirbst, wenn ich es verhindern kann!«
Bei diesen Worten krabbelte er umständlich hoch. Mit jedem Moment, den sie dablieb, riskierte sie ihr eigenes Leben – und wofür? Sein Zögern, seine Ängste.