Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Ein schrecklicher Wind erhob sich. Der silberne Drache wurde fast gegen die Bergwand gedrückt, und Kaz und Blitz fielen hinter ihnen zurück. Huma ergriff mit einer Hand die Drachenlanze und befingerte mit der anderen das Medaillon von Paladin. Mit diesen beiden konnte er noch Hoffnung hegen.
Na schön! Du hast mich abgewiesen. Du hast deiner eigenen Vernichtung Tür und Tor geöffnet – und deiner Liebe.
Die Dunkle Königin kannte zwar keine Liebe, doch der Haß war ihr nur allzu vertraut.
»Huuummmaaa!«
Der Ritter drehte sich kurz um und sah, daß Blitz gezwungen war, auf einem Felsvorsprung zu landen. Kaz klammerte sich hilflos am Sattel fest.
Das ist eine Sache zwischen uns, du, ach so sterblicher Ritter von Solamnia! Du wirst um Vergebung flehen für alles, was du getan hast! Du wirst mich anbetteln, der Qual ein Ende zu bereiten, aber erst am Ende der Ewigkeit werde ich das auch nur in Erwägung ziehen.
Huma rief sich die Wahl ins Gedächtnis, die Galan Drakos getroffen hatte: lieber Körper und Seele verlieren, als sich der zartfühlenden ›Gerechtigkeit‹ der Königin der Finsternis auszuliefern. Und das von einem, der kein Mitleid kannte, der Magus grausam gefoltert und Tausende und Abertausende in einen sinnlosen Tod geschickt hatte. Am Ende hatte Drakos nur noch Furcht gekannt, die Furcht, der Rache seiner Herrin ausgeliefert zu sein.
Als erstes werde ich deinen Körper zu Brei zerstampfen – aber du wirst nicht sterben. Dann nehme ich deinen Geist und enthülle ihm die ganze, schwarze Schönheit meines Reiches. Wahnsinn wird dich nicht retten. Das werde ich nicht zulassen. Dann nehme ich deine Liebste und amüsiere mich auf das Feinste mit ihr – während du hilflos zuschaust.
Huma hatte Wunder und Schrecken gesehen wie nur wenige Männer, und nur sein Glaube an Paladin, an die Gerechtigkeit und das Gute, das sein Gott verkörperte, hatte ihn gerettet. Jedesmal hatte dieser Glaube ihn bestärkt. Huma hatte gelernt, Krynn so sehr zu lieben wie Paladin selbst, und er war bereit, alles um dieser Welt willen zu opfern, wenn er dadurch die Finsternis besiegen konnte.
Anstatt Gwyneth zurückzuhalten, trieb Huma sie weiter.
Die silberne Drachendame gehorchte. Sie würde ihn nicht im Stich lassen.
Ihr seid Dummköpfe. Größere Dummköpfe als Drakos, der glaubte, er könnte ein Gott werden. Seine Flucht in die Vergessenheit hat ihn vor meiner begrenzten Milde gerettet. Was wird euch retten?
Es war, als würde plötzlich ein Vorhang weggezogen. Die Drachenkönigin stand wartend da, atemberaubend schön und schrecklich zugleich.
Jeder Kopf des gigantischen Drachen verhöhnte ihn. Fünf insgesamt, und jeder stand für eines ihrer Kinder. Das verschlagene, grausame Grün. Zähes Weiß. Mächtiges, zerstörerisches Rot. Unberechenbares Schwarz. Herrisches Blau.
Sie schlängelten sich geschmeidig vor und zurück, als würden sie einen Bannzauber wirken. Keiner ließ Huma aus den Augen. Kein einziger Kopf hielt auch nur einmal still.
Die Dunkle Königin bestand aus gut zwanzig Metern reiner Macht. Jede Bewegung war die Verkörperung von Anmut und Kraft. Mit jeder leisesten Bewegung enthüllte sie, wie dumm der Versuch war, ihrem Willen zuvorzukommen.
Jetzt siehst du es. Jetzt weißt du es.
Der schnelle, kleinere, weiße Drache blies plötzlich in ihre Richtung. Huma sah den eisigen Kältekegel kaum, der auf ihn zielte, doch Gwyneth wendete blitzschnell und flog außer Reichweite.
Der Drache von allen Farben und keiner – ihr alter Name fiel Huma wieder ein – lachte schneidend. Dieser Angriff war für die Göttin ein reines Spiel gewesen, wie die Katze mit der Maus spielt, bevor sie sie ganz verschlingt.
Der Wind peitschte weiter auf sie ein, und der silberne Drache trieb gefährlich nah an die Bergflanke. Die Köpfe der Drachenkönigin lachten belustigt.
Es lag ein gewisses Zögern in den Handlungen des göttlichen Ungeheuers, als Huma sich ein Herz faßte. Sie verspottete ihn auch nicht länger. Jedes Augenpaar fixierte ihn genauer, als ob sie ihn von neuem einzuschätzen suchte. Die gewaltigen Schwingen breiteten sich aus. Bei einem normalen Drachen hätte Huma diese Haltung als Nervosität interpretiert.
Huma gab Gwyneth ein Zeichen. Sie wendete, damit sie viel Raum vor der schrecklichen Gestalt der Drachenkönigin bekam, wendete wieder und sah die Göttin an. Humas Hand richtete die Drachenlanze aus. Die fünf Köpfe erstarrten. Wieder gab der Ritter ein Zeichen.
Das von der Drachenkönigin entfesselte Unwetter wurde noch zehnmal stärker, wodurch Kaz und Blitz gezwungen waren, am innersten Teil des Vorsprungs Schutz zu suchen. Sie konnten nur einen kurzen Blick auf den Silberdrachen werfen, der den unberechenbaren Winden und dem plötzlichen, sintflutartigen Regenguß trotzte und mit immer größerer Geschwindigkeit vorwärts flog. Dann verschwanden Ritter und Drache, als sie sich dem Berggipfel näherten.
Kaz murmelte ein Gebet zu jedem Gott in Paladins Haus, an den sein benebeltes Gedächtnis sich erinnern konnte. Das letzte und längste sparte er für den Platindrachen auf – den Gott, den die Menschen als Paladin kannten.
Eiseskälte. Schnelle, tödliche Blitze. Ein zischender Strom Giftgas. Lodernde Flammen. Spritzende Säure.
Jeder Kopf ließ seine Kräfte gegen die beiden los. Gwyneth drehte und tauchte ab, tauchte und wendete und stieg wieder auf, um einem grauenhaften Angriff nach dem anderen auszuweichen. Manchmal reichte nicht einmal ihre Flugkunst aus. Säure ätzte unzählige winzige Löcher in ihre Flügel. Flammen versengten ihren Rücken. Huma hielt trotz allem die Drachenlanze fest.
Bis jetzt hatten sie noch keinen Treffer gegen die Drachenkönigin landen können. Daß diese sie trotz all ihrer Kräfte noch nicht erledigt hatte, war jedoch ein lebenswichtiger Punkt. Das bedeutete, daß die Königin der Finsternis ihre Kraft kaum kontrollieren konnte. Sie wollte zu viel auf einmal, breitete ihre Macht zu weit aus, verteilte sie auf zu viele grundverschiedene Sprüche.
Gwyneth ließ einen Kältekegel gegen den grünen Kopf der Göttin los, der ihn wie ein Blatt abschüttelte.
Zwei Kiefer klappten gefährlich nah neben ihnen aufeinander. Huma sah gerade noch den Kopf eines roten Drachen, als Gwyneth außer Reichweite floh.
Als sie sich erneut der Drachenkönigin zuwandte, sah Huma, daß die Riesenkreatur nun doch noch vom Gipfel abhob. Die Dunkle Herrin glaubte nicht mehr, daß ihr der Sieg sicher war. Sie trug den Kampf zu Huma, weil sie entschlossen war, ihn nicht mehr länger als notwendig auszudehnen.
In der Luft betrachtet, war die Drachenkönigin mindestens zehnmal so groß wie der silberne Drache. Ihre ausgebreiteten Flügel verdeckten den Himmel. Jede ihrer Vorderklauen konnte leicht den Kopf von Humas Gefährtin ergreifen und zerquetschen.
Ich habe das Spielchen satt. Du flatterst wie ein Schmetterling.
Der silberne Drache zuckte zusammen, und Huma wurde klar, daß Takhisis zum ersten Mal Gwyneth angesprochen hatte.
Der schwarze Kopf von Takhisis schrie etwas in einer Zaubersprache. Ritter und Drache waren plötzlich in Finsternis getaucht.
Ein Brüllen.
Klauen zertrennten die Luft über Huma. Der silberne Drache tauchte im letzten Moment ab. Die Drachenlanze leuchtete immer noch, die einzige Lichtquelle am Himmel.
Licht? Du kannst kein Licht haben!
Nicht einmal Huma hatte es zuerst bemerkt, aber es stimmte. Die Dunkelheit wich einem Schatten, und dieser wurde wieder zu Licht. Takhisis schwebte einen Augenblick nur in der Luft, so wütend war sie über die Macht der Drachenlanze.
Paladin kann dich nicht für immer beschützen.
»Huma«, rief der silberne Drache ihm zu. Sein Atem ging schmerzhaft schnell. »Ich kann ihr nicht mehr lange ausweichen.«
Huma berührte das Medaillon, das mitten auf seiner Brust hing. Er nickte. »Es wird Zeit, daß wir ihr entgegentreten.«