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Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern

Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:

Noch immer wütet auf Krynn der mörderische Krieg zwischen den Heerscharen des Guten und des Bösen. Die Übermacht der tyrannischen Drachenkönigin Takhisis zwingt die Ritter von Solamnia, sich auf Burg Vingaard zurückzuziehen. Huma, einer der Ritter, erkennt in letzter Minute, daß sich sein bester Freund von Paladin, dem Gott des Lichts, abgewandt hat und auf Vingaard in dunkle Machenschaften verstrickt ist. Aber der Kampf gegen den Verräter ist nur ein weiterer Teil von Humas gefährlicher Prüfung...
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Vor sich sah er die Schatten von Männern in Rüstungen. Huma huschte zurück in einen anderen Gang und wartete ab.

Sechs Wachen marschierten leise vorbei. Sie konzentrierten sich auf ihre Pflichten, was immer die auch sein mochten.

Die Schwarzen Roben steckten in größerer Gefahr, als ihnen klar war. Wenn Huma die Lage richtig beurteilte, begannen die Wachen, sie allmählich zu umzingeln – wenn sie sie nicht unverzüglich töten wollten. Dann würde Huma es allein mit Galan Drakos und der Königin der Finsternis aufnehmen müssen.

An der nächsten Biegung blieb Huma stehen: Drei hellerleuchtete Korridore lagen vor ihm. Stimmen. Huma schlich näher. Dann erstarrte er, als er die eine erkannte.

»Du weißt, was mit dem Edelstein zu tun ist, Gharis?«

»Es ist ein Platz gewählt worden, Meister Galan. Wir werden dort auf Euer Zeichen warten.«

»Es ist nur eine Sicherheitsvorkehrung, Gharis. SIE hat sie gefordert, aber du wirst meinem Zeichen gehorchen, wenn die Zeit gekommen ist. Verstanden?«

Derjenige namens Gharis antwortete nuschelnd. Huma argwöhnte, daß Drakos seinen Befehlen mit einer Art Hypnose Nachdruck verleihen mußte.

Nachdem er sichergestellt hatte, daß man ihm gehorchen würde, befahl Galan Drakos dem anderen, zu verschwinden. Huma wich rasch zurück, doch Gharis – dem Anschein nach ein Abtrünniger wie sein Meister, denn er trug eine braune Robe, keine schwarze – nahm nicht diesen Ausgang. Statt dessen verklangen seine Schritte in einer anderen Richtung.

Es gab mehr als einen Zugang zu diesem Raum. Zögernd näherte sich Huma dem Zimmer über einen weiteren Gang. Als er sich langsam herangeschlichen hatte, spähte er hinein.

Der Raum war ein Gebilde des Irrsinns, so wie der Rest der Burg. Riesige, dämonische Gestalten säumten die Wände, jede offenbar bereit, sich auf jeden unbedachten Eindringling zu stürzen. Der Gedanke ließ Huma erschauern. Das größte Kunstwerk war eine Plattform aus schwarzem Kristall, aus der sich vier Stufen erhoben. Auf der obersten von ihnen lag eine strahlende Smaragdkugel.

Der Ritter fuhr rasch zurück. Drakos war wirklich da und stand mit dem Rücken zu Huma vor der Kristallkugel. Den Magier hatte er erwartet, aber hinter der Kugel saß etwas, das dreimal so groß war wie ein Mensch und genau zusah: ein grüner Drache.

Huma hatte noch nie einen solchen Drachen gesehen und war deshalb beunruhigt.

»Du siehst jetzt, warum ich immer die obere Hand hochgehalten habe, nicht wahr, mein kleiner Freund?«

»Groß ist Meister Galan«, zischte der junge Drache. Selbst für einen seiner Rasse hatte er eine äußerst verschlagene Stimme. Das wenige, was Huma von grünen Drachen gehört hatte, beschrieb sie als gerissen, weil sie meistens mit Betrug arbeiteten. Offener Zweikampf war nicht ihre Sache, obwohl ihre körperlichen Kräfte ebenso gefürchtet waren wie ihr Verstand – ihr verdrehter, verräterischer Verstand.

»Cyan Blutgeißel lernt viel durch Zusehen, Meister Galan.«

Das Lachen des Abtrünnigen war genauso kalt wie die Stimme des jungen Drachen. »Cyan Blutgeißel wird niemals ihre volle Kraft entfalten, wenn er glaubt, mich jemals besiegen zu können. Du bist ein Experiment, Cyan. Durch mich hast du gelernt, das Denken von Menschen, Elfen, Zwergen und all den anderen Rassen besser zu verstehen als jeder andere deiner Art. Wenn du ausgewachsen bist, wird dein Name selbst ihre Träume heimsuchen – aber nicht, wenn du mich verärgerst.«

Jemand begann heftig zu husten. Huma fragte sich, ob der Drache vielleicht beschlossen hatte, den arroganten Wortschwall des Zauberers zu unterbrechen. Einen Augenblick später hörte er, wie Cyan Blutgeißel sich eilends entschuldigte.

»Meister Galan ist allmächtig! Nicht noch mal! Bitte!«

»Dein nach Chlor stinkender Atem verpestet die Luft. Raus mit dir! Ich werde dich rufen, wenn ich deine Anwesenheit wieder wünsche.«

»Meister!« Flügelschlagen. Huma erkannte, daß der Raum weiter oben eine Verbindung nach draußen haben mußte.

Der Klang von Schritten sagte ihm, daß Drakos fort ging. Huma wagte es, nochmals um die Ecke zu spähen, und sah gerade noch den Rücken des Zauberers, bevor dieser durch einen weiteren Torbogen verschwand. Die Fackeln in der Kammer schienen schwächer zu leuchten, nachdem er gegangen war.

Huma machte einen vorsichtigen Schritt in den Raum. Eigentlich rechnete er mit einer Zauberfalle, aber es flackerte noch nicht einmal etwas auf.

Mit sorgfältig bemessenen Schritten ging er zu der schwarzen Kristallplattform und starrte die große Kugel an. Vielleicht, dachte er, war es das, was seinen kleinen Führer angezogen hatte. Vielleicht versteckte Drakos damit das Schloß vor der Außenwelt – oder vielleicht…

Eine Woge der Ablehnung traf ihn, die ihn taumeln ließ, wobei er fast sein Schwert fallen gelassen hätte. Wie er mühsam erkannte, kam sie aus der Kugel selbst. Huma schloß kurz die Augen und konzentrierte sich.

Der Haß verschwand, um durch Verachtung und Belustigung ersetzt zu werden, weil jemand ihn verspottete, seine ganze Existenz verhöhnte. Huma öffnete gewaltsam wieder die Augen, obwohl er wußte, was er sehen würde, und weil er nicht verzagen wollte.

Sie war da, starrte ihn von irgendwoher an, starrte ihn durch die Kugel an.

Takhisis.

Humas erster Gedanke drehte sich komischerweise darum, ob Galan Drakos wußte, daß sie in diese Kammer gelangen konnte. Ahnte sie – wie Huma gerade zu begreifen begann –, daß Drakos etwas gegen sie ausheckte, wie man aus seinen Befehlen an den hypnotisierten Diener entnehmen konnte? Bestimmt ahnte sie, daß jemand, der so ehrgeizig war wie der Abtrünnige, nie zufrieden sein würde, bevor er alles beherrschte. War das etwa der Grund für ihr Lächeln?

Lächeln? Zuerst war kein echtes Gesicht dagewesen. Aber das hier waren die fein gemeißelten Züge einer Königin der Königinnen, einer wahrhaft Unsterblichen. Ein Mann konnte sich an eine solche Schönheit durchaus verlieren – für alle Ewigkeit. Um so einen geringen Preis. Hatte ihm die Ritterschaft denn etwas anderes gegeben als Leid? Ihretwegen hatte er seine Eltern verloren, dazu Rennard und zahllose Kameraden, einschließlich Buoron. Selbst seine Liebe war ihm genommen worden –

Lügen! Der Nebel um seinen Verstand lichtete sich, und er sah die Lügen hinter der angeblichen Wahrheit. Rennard war schon lange vor seiner Ritterschaft verloren gewesen. Humas Vater, Durak, war gestorben, als er für etwas kämpfte, an das er mit aller Inbrunst glaubte, etwas, für das er den Tod in Kauf nahm. Was Gwyneth anging – dieser Gedanke blieb offen.

Anstatt ihn niederzustrecken, lächelte die Dunkle Königin nur.

Das Gesicht verschwand. Nur ein Hauch der Bosheit, die die Drachenkönigin verkörperte, blieb zurück, um ihn daran zu erinnern, was er gerade erlebt hatte.

»Ich finde, es wird Zeit, dieses Spiel zu beenden«, bemerkte Galan Drakos plötzlich.

30

Galan Drakos starrte den Ritter mit verschränkten Armen an. Seine dünnen Lippen waren zu einem raubtierhaften Lächeln verzogen.

Der abtrünnige Zauberer zog die Kapuze seiner Robe zurück, so daß sein Gesicht ganz sichtbar wurde. Sein dünnes Haar klebte ihm strähnig am Kopf. Der spitze Haaransatz reichte bis in die Stirn. Der Kopf an sich war lang gezogen, fast unmenschlich. Der Zauberer griff hinunter und tätschelte den knochenweißen Kopf des einen von zwei Schreckenswölfen, die ihn flankierten; diese Bewegung enthüllte lange, knochige Finger, die in Klauen endeten.

»Und so kommen wir zum Ende. Ich hätte es mir nicht anders wünschen können. Du mußtest hier sein, um meinen Sieg zu sehen – den endgültigen Sieg.«

»Du wußtest, daß ich hier war?«

»Die Anhänger Nuitaris machen ihrem Gott keine Ehre. Sie sind so von ihrer eigenen Wichtigkeit überzeugt, daß sie nicht erkennen, was einer vermag, der nicht von den Gesetzen eingeschränkt wird, die von diesen Obertrotteln der Versammlung der Zauberer erlassen werden.«

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