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Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern

Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:

Noch immer wütet auf Krynn der mörderische Krieg zwischen den Heerscharen des Guten und des Bösen. Die Übermacht der tyrannischen Drachenkönigin Takhisis zwingt die Ritter von Solamnia, sich auf Burg Vingaard zurückzuziehen. Huma, einer der Ritter, erkennt in letzter Minute, daß sich sein bester Freund von Paladin, dem Gott des Lichts, abgewandt hat und auf Vingaard in dunkle Machenschaften verstrickt ist. Aber der Kampf gegen den Verräter ist nur ein weiterer Teil von Humas gefährlicher Prüfung...
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Während Drakos sprach, ging Huma seine Möglichkeiten durch – und das waren nicht viele. Ein Plan, den nur die Verzweiflung gebären konnte, fuhr ihm durch den Kopf. Huma ging einen Schritt zurück und hielt seine freie Hand über die große Kugel, von der der Ritter nur Augenblicke zuvor die Vision der Drachenkönigin empfangen hatte. »Keine Bewegung, sonst zertrümmere ich sie. Was dann mit deinen Träumen?«

»Sie würden buchstäblich zu Staub zerfallen – wenn du es wirklich schaffst, die Kugel zu zerbrechen. Ich gebe dir Gelegenheit zu einem Versuch.«

Huma schlug, so fest er konnte, auf die Oberfläche der Smaragdkugel. Sein Handschuh prallte ab. Auf der Kugel war nicht einmal ein Kratzer zu sehen.

»Siehst du?«

Huma nickte und ließ seine freie Hand wie beiläufig zum Gürtel sinken.

»Ich finde – «, konnte Galan Drakos gerade noch sagen, bevor Huma einen scharfen Dolch herauszog und ihn direkt auf den Zauberer warf.

Der Dolch war gut geworfen. Doch der Abtrünnige hob bloß einen Finger, da wurde die Klinge langsamer, drehte sich – und zischte auf Huma zu. Der Ritter warf sich hin und kullerte die Stufen der Kristallplattform hinunter. Das Messer prallte von der riesigen, grünen Kugel ab und fiel klirrend zu Boden.

»Schlapp. Ich hatte eigentlich mehr von dir erwartet.« Bevor Huma wieder richtig stand, schnipste Drakos mit den Fingern. Plötzlich wurde der Ritter von festen, anscheinend steinernen Händen von hinten gepackt. Er wand sich, um den dicken, monsterhaften Fingern zu entkommen. Das bedrohliche Wesen, das er übersehen hatte, ließ nicht locker. Humas Rüstung begann, in sein Fleisch einzuschneiden.

»An diese Wand«, zeigte Drakos.

Huma wurde umgedreht und hochgehoben. Etwas Kaltes, Steinernes hielt seine Handgelenke und dann die Knöchel fest. Der Ritter saß in der Falle.

Die schnellen, gezielten Bewegungen hatten Huma keine Zeit gelassen, einen Blick auf den Diener des Zauberers zu werfen. Jetzt merkte Huma zu seinem Entsetzen, daß sein Gegner tatsächlich einer der Gargyle an den Wänden war. Unter Humas Augen kehrte der Gargyl langsam zu seiner Nische zurück. Über die Schulter blickend, sah Huma, daß ein anderer Gargyl, der eigentlich nur aus Armen bestand, ihn an der Wand festhielt.

»Ich sehe, daß du meine Kunstwerke bewunderst.« Drakos trat näher, und der gefangene Ritter sah, daß sein Gesicht von einer dünnen Schuppenschicht bedeckt war. Der Abtrünnige war dem Aussehen nach fast ein Reptil, und Huma fragte sich, wieviel von seiner Menschlichkeit der Zauberer wohl für Macht hingegeben hatte.

»Um gerecht zu sein, ich habe dich anfangs unterschätzt. Ich dachte, du wärst nur ein Lakai von Magus, ein alter Freund, der ihm mal wieder nützlich erschien. Stell dir vor, wie überrascht ich war, als ich merkte, daß du nicht nur kein Lakai warst, sondern daß unser beider Freund dir tatsächlich vertraute.«

Das Gerede über Magus ließ Huma wieder wütend zappeln, doch die Pranken des Gargyls ließen nicht locker. Hilflos funkelte er den Abtrünnigen an, der nur noch befriedigter dreinschaute.

»Er hat sich von allem losgesagt, was er je getan hat, weißt du. Ich glaube kaum, daß es in seinen letzten paar Tagen auf ganz Krynn eine weißere Robe gab. Schade. Du hättest seine Schreie hören müssen. Meine – Assistenten – können phantasievoll sein. Einen mußte ich wegen seines Übereifers bestrafen. Er hätte unseren Freund fast getötet.« Der Abtrünnige kicherte. »Ich hasse es allerdings, Ideenreichtum zu unterbinden. Nicht, daß es da noch etwas ausgemacht hätte. Ich fürchte, danach war Magus nicht mehr richtig bei uns. Er begann, mit sich selber zu reden – Sachen aus der Kindheit, vermute ich. Das hat meine Leute furchtbar geärgert. Eigentlich hat er überhaupt nicht mehr richtig gesprochen, bis ich mich mit dir getroffen habe. Du mußt ihm sehr viel bedeutet haben, wenn er dafür von jenem sicheren Hafen zurückgekehrt ist, in dem er seinen Geist in Sicherheit gebracht hatte.«

Drakos zuckte mit den Schultern. »Genug von diesem Gerede über die Vergangenheit. Laß uns zur Zukunft übergehen – für diejenigen unter uns, die noch eine haben.«

Huma gab das Lächeln des Magiers zurück, obwohl sich sein Kopf vor Sorgen drehte. »Die Drachen sind besiegt; deine Abtrünnigen sind geschlagen; Crynus und die meisten aus seiner Schwarzen Garde sind tot. Du hast verloren. In ein paar Wochen wird dieser Krieg nur noch Legende sein.«

Drakos’ Augen blitzten auf, und Huma erkannte, daß er einen wunden Punkt getroffen hatte. Als der Zauberkundige wieder sprach, war seine Stimme rauh und wütend.

»In allen Punkten richtig, bis auf einen: Die Oger werden sich zurückziehen; sie sind im Grunde Maulhelden und damit Feiglinge. Sie sind nur Lanzenfutter, sonst nichts, und sie wären ziemlich überrascht, wenn sie wüßten, wie unwichtig sie in meiner Welt sein würden.«

»Deiner Welt?«

»Meiner Welt – als Stimme meiner Herrin, Takhisis, natürlich.« Drakos vollzog einen perfekten, höfischen Diener.

»Du hast keine Armee.«

»Das war das Problem mit Crynus. Er hat alles als Kampf gesehen. Selbst als er den Nutzen meiner Kräfte einräumte, sah er sie nur als Mittel für seine eigenen Ziele an.«

Galan Drakos war zu der dunklen Kristallplattform hinüber gegangen und stand jetzt oben, wo er die Kugel regelrecht streichelte. Der Smaragdglanz, der von ihr ausging, bestrahlte sein Gesicht, so daß es wie eine schon lange tote Leiche aussah. Huma erschauerte unwillkürlich.

»Die Stärke meiner Macht stammt – freiwillig oder unfreiwillig – von meinen Anhängern. Als die Schwarze Robe Sagathanus mich entdeckte, war es das, was ihn zuerst an mir interessierte. Damals war ich noch ein Narr, denn ich herrschte nur über ein paar Einheimische. Ich empfand wirklich etwas für den scheußlichen Ort, weil ich dort geboren war.« Er sah zu Huma hinauf. »Hast du je von Kultairai gehört? Nein? Das überrascht mich nicht. Es ist eine kleine, ländliche Provinz mitten in Istar. Außer Hafer haben sie nur ein paar starke Kerle für Söldnertruppen zu bieten. Man stelle sich das vor! Der größte Zauberer aller Zeiten – geboren in einer armseligen Provinz!«

»Das muß schlimm für dich gewesen sein.« Huma überraschte sich selbst mit dieser Bemerkung.

Das Reptiliengesicht verzog sich zu einem herben Lächeln. »Wie wahr. Niemand anders hat das bisher verstanden. Ich nehme an, daß es daher kommt, daß du unter ähnlichen Umständen aufgewachsen bist.«

Drakos hatte anscheinend viel über ihn in Erfahrung gebracht.

Er war für dich bestimmt. Die plötzliche Klarheit dieses Gedankens überwältigte Huma. Es war nicht sein eigener, sondern klang eher nach Magus… Was war für ihn bestimmt?

Weil er etwas spürte, trottete einer der Schreckenswölfe zu ihm herüber und schnüffelte. Von dem Fäulnisgestank wurde Huma ganz übel.

Drakos seinerseits starrte etwas in der Kugel an, das vielleicht nur er selbst sehen konnte.

Das Geräusch langer, ledriger Flügel ließ beide aufblicken. Cyan Blutgeißel war ohne die Erlaubnis seines Meisters zurückgekehrt. Der Blick des jungen, grünen Drachen verriet seine Angst.

»Meister Galan! Die Oger fangen an, davonzurennen! Meine Brüder fliehen voller Panik, diese Feiglinge! Was sollen wir tun?«

Drakos frohlockte. »Die Zeit ist gekommen. Es herrscht ein solches Chaos wie zuletzt vor dem Zeitalter der Träume.« Zu dem ängstlichen Drachen sagte er wieder: »Weg mit dir! Ich will nicht, daß dein Gestank schon wieder die Luft verpestet!«

Der junge Drache verschwand eilig. Drakos rief die beiden Schreckenswölfe, die zu zittern begonnen hatten.

Huma sah mit einer Mischung aus Abscheu und Erstaunen zu. Er konnte regelrecht mitverfolgen, wie die Lebenskraft – wenn man das so nennen konnte – aus den beiden ghulischen Kreaturen schwand. Sie kämpften nicht einmal. Galan Drakos nahm seine Hände von den beiden ausgehungerten, bewegungslosen Wesen. Die Schreckenswölfe zerfielen zu Asche.

»Angst ist Chaos. Krieg ist Chaos. Chaos ist grenzenlose Macht. Das ist eine Macht, die sogar die Götter respektieren. Verstehst du?«

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