Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Huma zwinkerte. Aufgrund seines gebannten Ekels angesichts der Vernichtung der zwei Schreckenswölfe hatte er nicht zugehört. »Was hast du vor?«
»Das.« Der Zauberer strich über die Kugel. »Das hier ist der Schlüssel für die Errichtung eines Zugangs zwischen unserer Ebene und dem Abgrund. Ein Portal oder Tor zum Reich der Drachenkönigin. Du mußt verstehen: Wenn Götter auf die Ebene der Sterblichen kommen – ich meine, wirklich hier sind –, sind sie nur noch Schatten ihres wahren Selbst. Was nicht heißt, daß sie schwach sind. Weit gefehlt. Ihre Gegner sind jedoch im Vorteil.«
Die Augen des Ritters leuchteten verstehend auf. »Deshalb entfernt sich die Drachenkönigin nie weit von dem von ihr geschaffenen Zugang. Sie fürchtet, daß Paladin sie in einem schwachen Moment erwischt. Jetzt aber hast du einen Weg gefunden, wie sie ihre volle Stärke auch hier in unserer Welt nutzen kann.«
Galan Drakos erstarrte. Dann lächelte er kalt. Ein Erdbeben schien die Zitadelle zu erschüttern, doch der Magier schenkte ihm keine Beachtung. »Du bist schlauer, als ich dachte. Aber deine kleine Einmischung wird trotzdem bald Geschichte sein.«
Fast! Ein unscharfes Bild formte sich in Humas Gedächtnis.
»Betrachte dich als geehrt. Du wirst Zeuge eines Ereignisses, das ganz Krynn verändern wird!«
Bei dieser Bemerkung glühte die große Smaragdkugel auf. Galan Drakos zog seine Kapuze über und rief einen bleichen, knochenfarbenen Stab aus der Luft herbei.
Humas Augen konzentrierten sich völlig auf den Stab des Abtrünnigen. Das war der Schlüssel! Der Stab von Magus. Den sein Gefährte bei seiner Gefangennahme durch die Schwarze Garde fallen gelassen hatte. Fallen gelassen? Wahrscheinlich eher zurückgelassen. Magus hätte ihn jederzeit leicht herbeirufen können, genau wie Galan Drakos seinen gerufen hatte.
»Takhisis, Herrin der Finsternis, die Zeit ist gekommen, um das Portal ganz zu öffnen! Die Zeit ist gekommen, deine ganze Macht von deinem Reich in dieses fluten zu lassen!«
Der Stab von Magus war für den Moment vergessen. Fassungslos sah Huma zu, wie die Wand hinter der Kugel sich wie in einem wahnsinnigen Alptraum zu verformen begann. Dann schien dieser Teil des Gebäudes völlig zu verschwinden.
Es waren jedoch nicht die Berge, die von dem Spruch enthüllt wurden. Statt dessen war es eine dunkle, chaotische Landschaft, die in ein klaffendes, endloses Loch überging, aus dem kein Licht entweichen konnte.
Vor Humas Augen veränderte sich die Landschaft wieder. Jetzt war sie bewaldet, aber die Bäume waren entweder tot oder am Sterben, und sie waren schwarz wie die Nacht.
Danach entstand eine sengende Wüste, aus der die Knochen verschollener Reisender ragten. In Sekundenschnelle wuchs es zu einem richtigen Knochenmeer heran.
»Was ist das?« Huma glaubte, es zu wissen, aber er hoffte, daß der Zauberer es abstreiten würde.
Galan Drakos wandte sich von der irren Szenerie ab und starrte den Ritter durch zusammengekniffene Augen an. »Das ist das Reich meiner Herrin – das ist der Abgrund.«
»Es verändert sich dauernd.«
»Es ist dein Kopf, in dem es sich verändert. Der Abgrund beruht auf persönlichen Erlebnissen. In diesem Falle, deinen. Ich habe gelernt, solche unbewußten Gedanken zu beherrschen.«
Galan Drakos trat von der Plattform herunter und näherte sich Huma, der vergeblich versuchte, sich loszureißen. Die Zitadelle erbebte wieder, doch Drakos schien das immer noch nicht zu bemerken. Er griff mit seiner Klauenhand nach der Stirn des Ritters.
»Mach dir keine Sorgen.« Die Stimme des Abtrünnigen war herablassend. »Ich habe jetzt weder Zeit noch Kraft für dich. Ich will nur deine Gedanken vor dem Abgrund abschirmen. Wie wenn man eine Wand aufstellt.«
Humas Kopf wurde von einer heftigen Kraft zurückgeworfen. Einen kurzen Moment lang war jeder Gedanke vergessen. Dann stand Drakos wieder oben auf der Plattform. Er klopfte zweimal mit dem Elfenbeinstab auf den Boden und begann, in einer Zaubersprache zu murmeln. Die Smaragdkugel strahlte wie eine winzige Sonne. Das Schloß erbebte wieder.
»Das Band zum Abgrund ist fest geknüpft!« rief der Abtrünnige triumphierend aus. In der Kugel glitzerte etwas. Drakos ließ seinen Stab verschwinden und legte beide Hände auf den leuchtenden Gegenstand. Er starrte darauf, ohne auf das fast blendend helle Licht zu achten. Wieder begann er zu murmeln.
Huma rief in Gedanken den Stab herbei.
Er konnte nicht beurteilen, ob es seine eigene Idee oder die des rachsüchtigen Geistes von Magus war. Er wußte nur, daß er sich darauf konzentrieren mußte, den Stab des toten Zauberers zu rufen, und daß er es jetzt tun mußte.
So einfach – jetzt, wo er es wußte. In der einen Minute waren seine Hände leer, in der nächsten hielt er in der Linken den Stab in seiner kompakten Form. Seine Augen wurden plötzlich größer, als er ein Zittern in der Handfläche spürte, die den magischen Gegenstand umklammerte. Als ob er sich mit Eigenleben bewegte, drehte er sich in seiner Hand und klopfte gegen die steinerne Tatze, die sein Handgelenk festhielt.
Der Gargyl ließ los.
Galan Drakos wendete sein Gesicht immer noch der Kugel zu. Seine Hände waren ausgestreckt, als würde er einen persönlichen Gott beschwören.
Huma befreite seine rechte Hand.
Drakos schrie etwas Unverständliches. Der Glanz der Kugel hatte sich ausgebreitet und den Zauberer erfaßt, der zu wachsen schien. Huma starrte die Kugel an. In ihr schien ungebändigte Energie zu wirbeln. Wieder erbebte die Zitadelle.
»Nein!« Drakos redete scheinbar mit jemandem. »Die Flut ist zu stark! Ich brauche mehr Macht, sonst überwältigt sie mich!«
Huma begriff diese Worte nicht, wußte aber, daß er die Verbindung zwischen den beiden Ebenen unterbrechen mußte. Wenn Takhisis diese Macht nutzen konnte –
Beim nächsten Mal war das Beben so stark, daß mehrere Gargyle nach vorne kippten und am Boden zerschmetterten. Galan Drakos’ Miene veränderte sich nicht, als er merkte, daß Huma frei war. Er murmelte einfach etwas vor sich hin und widmete sich dann sofort wieder seinem Zauber.
Sobald Huma frei war, begann sich der Stab zu dehnen und zu strecken, als wenn er lebendig wäre. Er wuchs, wie er es schon einmal getan hatte.
Plötzlich traten die Gargyle aus ihren Nischen und bildeten ein Sammelsurium von Monstern, deren einziger Gedanke Humas Tod war.
Da dieser mit dem Bauernspieß umzugehen wußte, sah Huma in dem Zauberstab eine geeignete Waffe. Bei jeder Berührung flogen die Splitter, und die Gargyle hätten genauso gut aus Butter sein können, so leicht glitt er durch sie durch. Doch ein verletztes Bein oder eine Enthauptung reichten nicht aus, um auch nur einen von ihnen aufzuhalten. Aus allen Richtungen drangen sie auf ihn ein, und Huma wußte, daß dem Abtrünnigen die untoten Diener in unermeßlicher Zahl zur Verfügung standen. Dennoch focht er entschlossen weiter, im festen Glauben an Paladin.
Huma wußte, daß er nur einen einzigen treffsicheren Hieb auf Drakos landen mußte, doch die Gargyle umringten ihn von allen Seiten, und auf diese kurze Distanz war der Stab praktisch nutzlos. Wenn nichts passierte, würde er in Kürze von einer der Steinkreaturen zermalmt werden.
»Huuuuuummmaaa!«
Die Stimme kam von oben und übertönte selbst den Lärm in der Zitadelle. Was machte Drakos nur? Mußte er die Berge selbst niederringen?
»Huuuuummmaaa!«
Jetzt konnte Huma sie sehen.
»Gwyneth!«
Sie entdeckte ihn und schraubte sich hinunter, als ein Gargyl Huma gerade den Stab aus der Hand schlug. Der silberne Drache brüllte und schlug nach den nächsten der Steinkreaturen. Sie zersprangen zu Sand. Gwyneth flog hoch, wendete und kam zurück, um noch einmal anzugreifen. Mehrere Gargyle ließen von Huma ab, um diesen neuen Feind anzugreifen. Gwyneth wurde vom Gewicht der Wesen heruntergezogen, die sich zu viert an ihrem Bauch festgekrallt hatten. Mit lautem Gebrüll, mehr vor Ärger als vor Schmerz, wirbelte sie in dem großen Raum so gut wie möglich herum, um die Gargyle abzuschütteln. Sie klammerten sich jedoch fest, so daß sie hinausfliegen mußte, um sie loszuwerden.