Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Der Medicus - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
1 ... 82 83 84 85 86 87 88 89 90 ... 162
Перейти на страницу:

»Warum nicht?«

»Es ist überflüssig, ihm noch mehr Schmerzen zu bereiten.« Wenn Rob nicht an das Schwein gedacht und sich gefragt hätte, ob Ismail Ghazalis Körper von Blumenkohlgewächsen zerstört wurde, hätte er sich vielleicht nicht selbst diese Falle gestellt. »Beim Einbruch der Nacht wird er tot sein.«

Al-Juzjani starrte ihn an.

»Warum glaubst du das?« fragte Ibn Sina.

Alle Augen waren auf Rob gerichtet, aber er war nicht so dumm, eine Erklärung abzugeben. »Ich weiß es«, antwortete er schließlich, und Fadil vergaß seine frischerworbene Würde und lachte schallend. Al-Juzjanis Gesicht wurde rot vor Zorn, doch Ibn Sina hob die Hand und zeigte damit an, daß sie weitergehen sollten.

Der Vorfall dämpfte Robs Optimismus sehr. An diesem Abend war es ihm unmöglich zu studieren. Die Schule ist ein Fehler gewesen, dachte er. Es gibt nichts, das dich zu etwas machen kann, was du nicht bist, und vielleicht ist es an der Zeit zuzugeben, daß du nicht dazu bestimmt bist, Medicus zu werden.

Am nächsten Morgen ging er in die Schule, hörte drei Vorlesungen und überwand sich am Nachmittag dazu, al-Juzjam bei seinem Patientenbesuch zu begleiten. Als sie sich auf den Weg machten, schloß sich ihnen zu Robs Verzweiflung wie am Vortag Ibn Sina an. In der Tumorabteilung lag auf dem Strohsack neben der Tür ein junges Bürschchen.«

»Wo ist Ismail Ghazali?« fragte al-Juzjani den Pfleger. »Er ist in der Nacht verstorben, Hakim.«

Al-Juzjani gab keinen Kommentar ab. Als sie weitergingen, behandelte er Rob mit der eisigen Verachtung, die einem fremden Dhimmi gebührt, der zufällig richtig geraten hat.

Nachdem sie jedoch den Rundgang beendet hatten und entlassen worden waren, spürte Rob eine Hand auf seinem Arm. Er drehte sich um und blickte in die beunruhigenden Augen des alten Mannes. »Ihr kommt heute zum Abendessen zu mir«, bestimmte Ibn Sina.

Rob war nervös und voll Erwartung, als er an diesem Abend den Anweisungen des Arztes aller Ärzte folgte und auf seinem braunen Wallach über die Allee der Tausend Gärten zu jener Straße ritt, die zu Ibn Sinas Haus führte.

Er erwies sich als riesiger, aus Steinen errichteter Wohnsitz mit zwei Türmen, der von terrassenförmig angelegten Obst- und Weingärten umgeben war. Auch Ibn Sina hatte vom Schah einen calaat erhalten, aber erst, als er berühmt war. Rob wurde von einem Torhüter, der ihn erwartet hatte und ihm das Pferd abnahm, in den von einer Mauer umgebenen Besitz eingelassen. Der Weg zum Haus bestand aus so fein zermahlenen Steinen, daß seine Schritte wie Flüstern klangen. Als er sich dem Haus näherte, ging eine Seitentür auf, und eine Frau trat heraus. Sie war jung und anmutig, trug einen roten, an der Taille engen, an den Säumen mit Flitterwerk verzierten Samtmantel über einem losen Baumwollkleid mit aufgedruckten gelben Blumen, und obwohl sie sehr klein war, schritt sie wie eine Königin. Mit Perlen besetzte Bänder umschlossen ihre Knöchel, an denen die scharlachrote Hose eng zusammengezogen war und mit Wollfransen über anmutigen, nackten Fersen endete. Ibn Sinas Tochter - falls sie das war - schaute ihn mit großen, dunklen Augen ebenso neugierig an, wie er sie musterte, bevor sie, dem Islam gehorchend, ihr verschleiertes Gesicht von dem Mann abwandte.

Hinter ihr trat eine Gestalt mit einem Turban aus dem Haus, die riesig war wie ein böser Traum. Die Hand des Eunuchen lag auf dem juwelenbesetzten Griff des Dolches in seinem Gürtel, und er wandte seine Augen nicht ab, sondern beobachtete Rob grimmig, bis er seine Schutzbefohlene durch eine Tür in einer Gartenmauer geleitet hatte. Rob sah ihnen noch immer nach, als das Eingangsportal, eine einzige große Steinplatte, auf geölten Angeln aufging und ein Diener ihn in die kühlen Räume einließ.

»Ah, junger Freund, sei in meinem Haus willkommen!« Ibn Sina ging ihm durch eine Reihe großer Räume voraus, deren geflieste Wände mit kostbaren Teppichen in den Farben der Erde und des Himmels geschmückt waren. Die Teppiche auf den Steinböden waren so dicht wie ein Rasen. Im Atriumgarten im Zentrum des Hauses war neben einem plätschernden Brunnen ein Tisch gedeckt. Rob war verlegen, denn noch nie war ihm ein Diener behilflich gewesen, sich zu setzen. Ein anderer brachte ein irdenes Tablett mit flachem Brot, und Ibn Sina sang ungezwungen sein islamisches Gebet. »Möchtest du deinen eigenen Segen sprechen?« fragte er höflich. Rob brach einen der Fladen auseinander und sagte das hebräische Dankgebet, an das er sich gewöhnt hatte, auf:

»Gesegnet seist Du, o Herr, unser Gott, König des Universums, der das Brot aus der Erde hervorbringt.«

»Amen«, schloß Ibn Sina.

Die Mahlzeit war einfach, aber ausgezeichnet: Gurkenscheiben mit Minze und dicker, saurer Milch, ein leichterpilaw mit mageren Lamm-und Hühnerstücken, gedünstete Kirschen und Aprikosen und ein erfrischendes Scherbett aus Obstsäften.

Als sie gegessen hatten, brachte ein Mann, der durch einen Ring in der Nase als Sklave gekennzeichnet war, nasse Tücher für ihre Hände und Gesichter, während andere Sklaven den Tisch abräumten und rauchende Fackeln entzündeten, um die Insekten zu vertreiben. Eine Schale mit großen Pistazien wurde gebracht, und sie knackten die Nüsse mit den Zähnen und kauten gemütlich.

»Nun.« Ibn Sina beugte sich vor, und seine bemerkenswerten Augen, die so viel aussagen konnten, leuchteten aufmerksam im Fackellicht. »Sprechen wir darüber, wieso du wußtest, daß Ismail Ghazali sterben würde!«

Rob erzählte ihm, wie er im Alter von neun Jahren erkannt hatte, daß seine Mutter sterben würde, als er ihre Hand ergriff, und wie er auf die gleiche Weise vom bevorstehenden Tod seines Vaters erfahren hatte. Dann beschrieb er die anderen Fälle, jene Personen, deren Hand er ergriffen und dabei das furchtbare Grauen und die schreckliche Erkenntnis empfunden hatte.

Ibn Sina stellte geduldig Fragen, während Rob über jeden Fall berichtete, erforschte sein Gedächtnis und sorgte dafür, daß keine Einzelheit übersehen wurde. Langsam verschwand der Vorbehalt aus dem Gesicht des alten Mannes. »Zeig mir, was du dabei tust!«

Rob ergriff Ibn Sinas Hände, blickte ihm in die Augen, und bald darauf lächelte er. »Derzeit müßt Ihr keine Angst vor dem Tod haben.«

»Du auch nicht«, antwortete der Arzt leise.

Ein Moment verging, und dann dachte Rob: Grundgütiger Gott! »Ist es wirklich etwas, das auch Ihr fühlen könnt, Arzt aller Ärzte?« Ibn Sina schüttelte den Kopf. »Nicht wie du es fühlst. In mir offenbart es sich irgendwo tief in meinem Innern als Gewißheit - das deutliche Gefühl, ob ein Patient sterben wird oder nicht. Ich habe im Laufe der Jahre mit anderen Ärzten gesprochen, die auch über diese Gabe verfügen, und wir sind eine größere Bruderschaft, als du dir vorstellen kannst. Aber ich habe niemals einen Menschen kennengelernt, bei dem diese Gabe so stark ausgeprägt ist wie bei dir. Du trägst eine Verantwortung, und um ihr gerecht zu werden, mußt du ein hervorragender Medicus werden.«

Damit war die bedrückende Realität wieder da, und Rob seufzte wehmütig. »Vielleicht werde ich gar kein Medicus, ich bin nämlich kein Gelehrter. Eure mohammedanischen Studenten wurden ihr Leben lang mit klassischer Gelehrsamkeit gefüttert, und die anderen jüdischen Studenten wuchsen in der ehrgeizig wissenschaftlichen Atmosphäre ihrer Studierhäuser auf. Hier an der ma.dra.ssa können sie auf diesen Grundlagen aufbauen, während ich nur auf zwei armselige Schuljahre und meine unermeßliche Unwissenheit zurückblicke.« »Dann mußt du eben fleißiger und schneller lernen als die anderen«, erwiderte Ibn Sina mitleidslos. Die Verzweiflung machte Rob kühn. »In der Schule wird zu viel verlangt. Manches davon will ich mir weder aneignen, noch brauche ich es. Philosophie, Qu'ran...«

Der alte Mann unterbrach ihn spöttisch. »Du verfällst in einen verbreiteten Irrtum. Wie kannst du die Philosophie ablehnen, wenn du sie nicht studiert hast? Die Wissenschaft der Medizin befaßt sich mit dem Körper, während die Philosophie sich mit dem Geist und der Seele beschäftigt, und ein Arzt braucht beides wie Nahrung und Luft. Was die Theologie betrifft - ich konnte den Qu'ran im Alter von zehn Jahren auswendig. Es ist mein Glaube und nicht der deine, aber er wird dir nicht schaden, und zehn Qu'rans auswendig zu lernen wäre nur ein geringer Preis, wenn es dir die Kenntnis der Medizin brächte. Du besitzt den Verstand dazu, denn wir sehen, daß du eine neue Sprache erfaßt hast, und wir stellen an einem Dutzend anderer Beispiele fest, daß du zu vielversprechenden Hoffnungen berechtigst. Aber du darfst keine Angst vor dem Lernen haben, es muß ein Teil von dir und selbstverständlich werden wie das Atmen. Du mußt deinen Verstand weit öffnen, um alles aufzunehmen, was wir dir vermitteln können.« Rob hörte schweigend und aufmerksam zu.

1 ... 82 83 84 85 86 87 88 89 90 ... 162
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)