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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Das Gesicht des Mannes wirkte auf erschreckende Art... unfertig.

Der Unbekannte hatte Mund und Nase und Augen, aber seine Züge waren nur angedeutet, nicht ausgeprägt. Es sah aus, als hätte man den Schädel eines Säuglings so weit vergrößert, bis er auf den Körper eines Erwachsenen paßte. Und noch etwas fiel Torian auf. Die Haut des Mannes war so bleich, als wäre er schon seit Tagen tot. Sie sah abstoßend weiß und schwammig aus, ihr fehlte jede noch so winzige Nuance natürlicher Sonnenbräune. Kein Bartwuchs.

Torian hob widerstrebend die Hand und berührte das fremdartige Gesicht. Es war ein Gefühl, als ob er in aufgequollenen Hefeteig gegriffen hätte. Er überwand seinen Abscheu und versuchte die wimperlosen Augen des Mannes zu öffnen.

Es ging nicht.

Verwirrt hob Torian die Hand, schüttelte den Kopf und versuchte es noch einmal.

Das Ergebnis war das gleiche. Es ging nicht.

Der Mann hatte keine Augen...

Eine eisige Hand schien über Torians Rücken zu fahren, als er begriff, daß es nicht nur ein böser Scherz war, den ihm seine überreizten Nerven spielten. Wo sich bei einem normalen Menschen die Lider befanden, gab es nur eine durchgehende Hautfläche, die nahtlos mit der Haut an Stirn und Wangen verwachsen war.

Der Unbekannte war blind, mehr noch – er hatte niemals Augen gehabt!

Torian kroch zu einem anderen Mann und riß auch ihm das Tuch vom Gesicht. Das Bild war das gleiche.

Aber das war... unmöglich! dachte er hysterisch. Völlig ausgeschlossen! Er zweifelte nicht daran, daß auch die anderen drei Männer blind waren, aber das änderte nichts daran, daß das einfach nicht möglich war. Es war undenkbar, daß sich die Natur gleich fünfmal hintereinander den gleichen bösen Scherz erlaubt haben sollte. Zauberei?

Torian schluckte nervös. Obgleich er mehr als genug Beweise für das Gegenteil bekommen hatte, weigerte er sich immer noch, wirklich an Zauberei und Schwarze Magie zu glauben.

Nein – irgend etwas ging hier nicht mit rechten Dingen zu. Und er würde herausfinden, was.

Die Männer waren blind gewesen, das stand fest. Aber wieso hatten sie kämpfen können?

Hatten sie... gehört, was er tat?

Alles in Torian sträubte sich gegen diese Vorstellung, aber es war die einzige logische Erklärung. Dadurch erklärten sich auch ihr gelegentliches Zögern und ihre Unfähigkeit, seine Blößen auszunutzen, wenn es ihm nicht gelungen war, sein Schwert schnell genug hochzureißen. Sie hatten immer nur ungefähr gewußt, wo er sich befand.

Trotzdem blieb es unfaßbar.

Er stand auf, um zu Garth hinüberzugehen, als die Sonne über den Dächern Armars aufging. Sein Blick streifte das Fenster. Und er schrie auf.

Das Licht stach wie ein Speer aus gleißender Helligkeit in seine Augen. Noch nie zuvor war ihm Licht so grell vorgekommen. Keuchend vor Schmerz und Überraschung riß er die Arme vors Gesicht. Er war es gewohnt, Schmerzen stumm zu ertragen, aber dies war fast mehr, als er aushaken konnte. Seine Augen brannten, als wären sie mit Säure verbrannt. Rasender Schmerz pochte zwischen seinen Schläfen.

Blind taumelte er im Zimmer umher und merkte kaum, daß er stürzte und hart auf dem Boden aufschlug. Er fand nicht mehr die Kraft, sich aufzurichten, sondern kroch weiter, bis er den toten Winkel neben dem Fenster erreichte, den einzigen Ort, an dem er nicht direkt den unerträglich grellen Strahlen ausgesetzt war. Winselnd kauerte er sich in die Ecke und wartete darauf, daß der entsetzliche Schmerz endlich aufhörte.

Blind tastete er mit der freien Hand über die Wand, bis er den Vorhang zu fassen bekam. Torian zerrte daran, bis er das Fenster weitgehend verdeckte und ihm wenigstens ein klein wenig Linderung brachte.

Ganz langsam nur ließ der Schmerz nach; zumindest so weit, daß er wieder denken konnte. Schon am vergangenen Abend hatte er das Licht schlecht vertragen können. Aber diesmal lag es nicht am fehlenden Schlaf. Etwas war mit seinen Augen geschehen, daß das Sonnenlicht ihm solche unerträglichen Qualen bereitete.

Er hob den Kopf aus der Armbeuge und öffnete vorsichtig die Lider. Sofort stach der Schmerz wieder in seine Pupillen, nicht mehr ganz so unerträglich wie vorher, aber immer noch schlimm genug, ihm die Tränen in die Augen zu treiben. Trotzdem zwang er sich, das Gesicht nicht mit den Händen zu bedecken. Statt dessen ließ er sich nach vorne fallen, genau in das sengende Sonnenlicht hinein. Der Schmerz steigerte sich ins Unermeßliche. Torian hatte das Gefühl, bei lebendigem Leibe zu verbrennen. In rasender Agonie schlug und trat er um sich, hämmerte schreiend mit den Fäusten auf den Boden und versuchte, sich in den schützenden Schatten zurückzuwälzen. Er wußte selbst nicht, woher er die Kraft nahm, die Hände von seinem Gesicht fernzuhalten. Über seine Lider besaß er längst keine Kontrolle mehr, aber das Licht fraß sich mühelos durch seine zusammengekniffenen Lider hindurch, weißglühende Lanzen, die tief in seinen Schädel drangen.

Es dauerte nur wenige Herzschläge, bis die Schmerzen wieder nachließen, doch Torian kamen sie wie Ewigkeit vor. Stöhnend vor Schmerz zwang er sich, die Lider zu öffnen. Tränen schössen ihm in die Augen und woben einen nebeligen Schleier vor seinem Blick. Tief in sich vernahm er einen gellenden Schrei – und dann war der Schmerz schlagartig verschwunden.

Was immer es war, er hatte es besiegt. Für dieses Mal.

Stöhnend massierte er seine Schläfen. Was auch immer ihm den entsetzlichen Schmerz zugefügt hatte, war nicht vernichtet. Er hatte es bezwungen, es aus seinem Bewußtsein verdrängt, aber es lauerte immer noch irgendwo tief in ihm und wartete auf einen Moment, in dem es erneut über ihn herfallen konnte; ein schleichendes Gift, das Zeit brauchte, um seine volle Wirkung zu entfalten.

Aber der Moment würde kommen. Und Torian fürchtete ihn so, wie er noch nie im Leben etwas gefürchtet hatte.

Vielleicht, weil er jetzt wußte, was es war. Nicht bewußt – das Wissen war da, deutlich formuliert und mit gnadenloser Klarheit, aber etwas in ihm hinderte ihn noch daran, danach zu greifen. Vielleicht schützte es ihn auch nur davor, die Wahrheit wirklich zu begreifen und auf der Stelle den Verstand zu verlieren.

Aber wie lange noch?

Garth hatte eine mächtige Beule, aber er war nicht schwer verletzt; Torian rüttelte ihn ein paarmal an der Schulter und weckte ihn schließlich mit einer sanften Ohrfeige aus seiner Benommenheit. Garth schlug stöhnend die Augen auf, hob die Hand an den Kopf und fuhr zusammen, als er die Schwellung unter seinem Haar berührte.

»O verdammt«, murmelte er. »Was... was ist passiert?«

»Das siehst du doch«, knurrte Torian, setzte sich zurück und massierte seinen Arm. »Ich habe etwas aufgeräumt, nachdem du dich wieder schlafen gelegt hast.«

Garth blinzelte verstört, fuhr mit einem Ruck hoch und sog scharf die Luft ein, als er sah, daß sich das Zimmer in ein Schlachtfeld verwandelt hatte. »Sie...«

»Sie sind tot«, unterbrach ihn Torian, noch immer lächelnd, aber mit einer ganz genau berechneten Spur von Kälte in der Stimme. »Ich hatte keine Wahl.«

Garth schwieg, aber es war unschwer zu erkennen, wie sehr ihn der Anblick erschütterte.

»Kanntest du diese Männer?« fragte Torian.

Garth schüttelte benommen den Kopf. »Nein«, sagte er sehr leise und erst nach einer geraumen Weile. »Ich habe keine Ahnung, wer... Großer Gott, Torian, du hast sie... alle getötet?«

Seine Worte – und vor allem die Betonung, in der er sie sprach – trafen Torian wie eine Ohrfeige. Und schlimmer war vielleicht noch das, was er nicht aussprach. »Was hast du erwartet?« erwiderte er kalt. »Ich bin Torian Carr Conn.«

Diesmal war es Garth, der betroffen zusammenfuhr. »Verzeih«, sagte er hastig. »Ich... ich habe es nicht so gemeint. Aber es wäre besser gewesen, wenn wenigstens einer von ihnen...«

»Überlebt hätte?« fragte Torian, als Garth nicht weitersprach. »Wozu? Um Fragen zu beantworten?«

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