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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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Entsetzt fiel ihm ein, daß sein neues Pferd ungetränkt, ungefüttert und noch immer gesattelt in dem kleinen Stall stand. Nachdem er den Sattel abgenommen und in seinem Hut Wasser von dem nahen öffentlichen Brunnen geholt hatte, eilte er zu der Stallung, in der sein Maultier und der Esel untergebracht waren. Er kaufte Holzeimer, Hirsestroh, einen Korb Hafer und brachte alles auf dem Rücken des Esels nach Hause.

Als die Tiere versorgt waren, zog er seine neuen Kleider an und ging ins öffentliche Bad, vorher aber noch zum Gasthaus von Salman dem Kleineren.

»Ich komme wegen meiner Habseligkeiten«, sagte er zum Wirt. »Sie wurden sicher aufbewahrt, obwohl ich schon um Euer Leben bangte, als zwei Nächte vergingen und Ihr nicht zurückkamt.« Salman sah ihn besorgt an.

»Man spricht über einen fremden Dhimmi, einen europäischen Juden, der zur Audienz kam und vom Schah ein calaat erhalten hat.« Rob nickte.

»Ihr wart es also wirklich!« flüsterte Salman.

Rob setzte sich schwerfällig. »Ich habe nichts in den Magen bekommen, seit Ihr mir das letzte Mal zu essen gegeben habt.« Salman tischte ihm eilfertig Essen auf. Rob probierte zunächst vorsichtig Brot und Ziegenmilch, weil er aber so großen Hunger verspürte, ging er bald zu vier gekochten Eiern, noch mehr Brot, einem kleinen harten Käse und einem Teller pilaw über. Allmählich kehrte Kraft in seine Glieder zurück.

Im Bad lag er lange im Wasser, um seine Blutergüsse zu pflegen. Als er seine neue Kleidung anlegte, fühlte er sich wie ein Fremder, wenn auch weniger fremd als damals, als er den Kaftan zum erstenmal angezogen hatte.

Es gelang ihm zwar mühsam, die Wickelgamaschen anzulegen, aber um den Turban zu wickeln, dazu würde er Unterricht brauchen, weshalb er vorläufig den ledernen Judenhut aufbehielt. Wieder zu Hause angelangt, entledigte er sich der toten Maus, dann überdachte er seine Lage. Er verfügte nun über einen bescheidenen Wohlstand, aber das war es ja nicht, worum er den Schah gebeten hatte, aber noch während er sich in Gedanken seiner Zukunft zuwandte, wurde er durch Khuffs Ankunft unterbrochen, der mürrisch, wie zuvor, ein dünnes Pergament aufrollte und ihm laut vorlas.

Erlaß des Königs der Welt, Alä-al-Dawla, des hoben und majestätischen Gebieters, unvergleichlich erhaben und angesehen, prächtig in Titeln, die unerschütterliche Grundlage des Königreichs, ausgezeichnet, edel und großmütig, der Löwe von Persien und mächtigste Herrscher der Welt. Gerichtet an den Gouverneur, den Verwalterund andere königliche Offiziere der Stadt Isfahan, des Sitzes der Monarchie und des Ortes der Wissenschaft und Medizin. Es wird ihnen kund und zu wissen getan, daß Jesse, Sohn des Benjamin, Jude und Baderchirurg aus der Stadt Leeds in Europa, in unser Königreich gekommen ist, das bestregierte der ganzen Welt und ein wohlbekannter Zufluchtsort der Unterdrückten, und die Gelegenheit und die Ehre hatte, vor den Augen des Allerhöchsten zu erscheinen und mit demütigem Gesuch um die Hilfe des wahren Statthalters des wahren Propheten, der im Paradies ist, nämlich unserer erlauchten Majestät, zu bitten. Sie sollen wissen, daß Jesse, Sohn des Benjamin aus Leeds, königliche Gunst und Wohlwollen zugesichert wird und er hiermit ein königliches Gewand mit den damit verbundenen Ehren und Privilegien erhält, und daß alle ihn dementsprechend behandeln sollen. Ihr müßt auch wissen, daß dieser Erlaß unter der Androhung strenger Strafen ergeht unddaß jeder Verstoß dagegen mit dem Todgeahndet wird. Gegeben am dritten PanjShanbah des Monats Rejab im Namen unserer allerhöchsten Majestät durch seinen Pilger zu den erhabenen und heiligen Orten und seinen Leiter und Oberaufseher des Palastes der Frauen des Allerhöchsten, den Imam Mirza-abul Qandrasseh, Großwesir. Es ist notwendig, sich in allen weltlichen Angelegenheiten mit der Hilfe des allerhöchsten Gottes zu waffnen.

»Aber die Schule?« Rob konnte nicht an sich halten, er mußte heiser fragen.

»Mit der Schule habe ich nichts zu schaffen«, winkte der Stadthauptmann ab und entfernte sich ebenso eilig, wie er gekommen war. Kurze Zeit später brachten zwei stämmige Träger eine Sänfte vor Robs Tür, in der sich der hadschi Davout Hosein befand nebst einer Menge Feigen, die als Zeichen süßen Glücks in dem neuen Haus gedacht waren. Sie saßen zwischen den Ameisen und den Bienen auf dem Boden in dem vernachlässigten kleinen Aprikosengarten und aßen die Feigen. »Die Aprikosenbäume sind noch erstklassig«, stellte der hadschi fest

und musterte sie mit Kennermiene. Er erklärte eingehend, wie die vier Bäume durch fleißiges Beschneiden, Wässern und Düngen mit Pferdemist wieder zum Tragen gebracht werden konnten. Schließlich verstummte Hosein. »Noch etwas?« murmelte Rob.

»Ich habe die Ehre, die Grüße und Glückwünsche des ehrenwerten Abu Ali al-Hussein Ibn Abdullah Ibn Sina zu überbringen.« Der haäschi schwitzte und war so blaß, daß die zabiba auf seiner Stirn besonders deutlich hervortrat. Er tat Rob leid, aber nicht so leid, daß dies die köstliche Freude des Augenblicks beeinträchtigt hätte, die süßer und wertvoller war als der betäubende Duft der kleinen Aprikosen, die den Boden unter seinen Bäumen bedeckten. Denn Hosein überreichte Jesse, Sohn des Benjamin, die Einladung, sich in der madrassa einzuschreiben und im maristan Medizin zu studieren, so daß er schließlich den Stand eines Medicus anstreben konnte.

Vierter Teil.

Der Maristan  

Ihn Sina

Robs erster Morgen als Student versprach, heiß zu werden, es war ein drückender Tag. Rob zog sorgsam die neuen Kleider an, stellte aber fest, daß es für die Wickelgamaschen zu warm war. Auch der grüne Turban war viel zu schwer, und schließlich nahm er die ungewohnte Last vom Kopf und setzte den ledernen Judenhut auf, den er als Wohltat empfand.

Dadurch war seine Identität leicht erkennbar, als er sich der Großen Titte näherte, wo junge Männer im grünen Turban miteinander plauderten.

»Da kommt dein Jude, Karim«, rief einer von ihnen. Ein Mann, der auf den Stufen gesessen hatte, stand auf und kam auf Rob zu. Der erkannte den gutaussehenden, schlanken Studenten wieder, der während seines ersten Besuchs im Krankenhaus den Pfleger so heftig zur Rede gestellt hatte.

»Ich bin Karim Harun. Und du bist wohl Jesse ben Benjamin.« »Ja.«

»Der hadscbi hat mich angewiesen, dich in der Schule und im Krankenhaus herumzuführen und deine Fragen zu beantworten.« »Du wirst dich in den carcan zurückwünschen, Hebräer!« rief jemand, und die Studenten lachten.

Rob lächelte. »Das glaube ich nicht.« Es war offensichtlich, daß die ganze Schule von dem europäischen Juden gehört hatte, der in den Block genagelt worden war und dann auf Intervention des Schahs hin die Aufnahme an die medizinische Akademie erreicht hatte. Sie begannen die Führung mit dem maristan, und Rob erfuhr dabei, daß das Krankenhaus in eine Männer- und eine Frauenabteilung unterteilt war. Bei den Männern gab es Pfleger, bei den Frauen Pflegerinnen und Krankenträgerinnen. Die Arzte und die Ehemänner der Patientinnen waren die einzigen Männer, die in die Frauenabteilung Einlaß fanden.

Zwei Räume waren der Chirurgie vorbehalten, und ein langes, niedriges Zimmer enthielt Regale voller säuberlich beschrifteter Gefäße und Flaschen. »Das ist das khasanat-al-sharaf, die Schatzkammer der Arzneimittel«, erklärte Karim. »An allen Montagen und Donnerstagen halten die Ärzte in der Schule ein Praktikum ab. Nachdem die Patienten untersucht und behandelt wurden, mischen die Apotheker die Arzneien, welche die Ärzte verschrieben haben. Die Apotheker des maristan sind bis zum letzten Gran genau und ehrlich.

Die meisten Apotheker m der Stadt sind nämlich Huren, die eine Flasche Pisse verkaufen und schwören, daß es Rosenwasser ist.« Im benachbarten Schulgebäude zeigte ihm Karim Untersuchungsräume, Hörsäle und Laboratorien, eine Küche und ein Refektorium sowie ein großes Bad für den Lehrkörper und die Studenten. »Es gibt achtundvierzig Ärzte und Chirurgen, aber nicht alle sind Dozenten. Mit dir sind wir siebenundzwanzig Studenten der Medizin. Die Ausbildungszeit ist unterschiedlich, und daran sind die Beamten schuld. Du wirst als Kandidat zur mündlichen Prüfung erst zugelassen , wenn der verdammte Lehrkörper findet, daß du soweit bist.

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