Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Историческая проза » Die Zypressen von Cordoba
Die Zypressen von Cordoba - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Die Zypressen von Cordoba

Электронная книга - «Die Zypressen von Cordoba». Краткое содержание книги:

Spanien im 10. Jahrhundert: Am Hof von Córdoba herrschen die Mauren. Der Kalif Abd ar-Rahman III. spürt, daß er von seinen Leibärzten verraten wird. Nur Da'ud ibn Yatom, dem Sohn des Vorstehers der jüdischen Gemeinde, vertraut er. Ihn beauftragt er, den großen Theriak wieder zu entdecken, ein Mittel, mit dem sich der Herrscher vor Schlangenbissen schützen will, vor denen er panische Angst hat. Falls Da'ud dies gelingt, wird er mit Gold überschüttet, falls nicht, droht der Kalif Da'ud und seine Familie auszulöschen …
1 ... 82 83 84 85 86 87 88 89 90 ... 105
Перейти на страницу:

Von nun an wagte es im ganzen Reich, weder im einen noch im anderen Palast, vom Niedrigsten bis zum Höchsten, niemand mehr, ein Wort gegen ihn zu sagen. Dank seiner hartnäckigen Ausdauer bei der Suche nach Heilmitteln für die Krankheiten der Menschen hatte er sich das Recht erworben, sein abgeschiedenes Leben als Heiler und Forscher weiterzuführen.

Doch schon bald sollte seine Ruhe aufs neue gestört werden. Als sich das Leben in Sevilla mehr oder weniger normalisiert hatte und die Verbindung zwischen der Hafenstadt und Córdoba wieder aufgenommen wurde, übermittelte ihm der führende Rabbi der Stadt die Nachricht, die er befürchtet hatte: Amira und ihre ganze Familie waren der Pest zum Opfer gefallen.

Es war, als hätte jemand alle Lichter im Haus gelöscht. Ein dunkler Schleier des Schweigens senkte sich herab, und jedes Mitglied der Familie reagierte auf eigene Weise auf diese Tragödie. Hai haderte wütend mit sich, denn er wußte, daß er seine Schwester und ihre Familie vielleicht hätte retten können, wenn sie nur in seiner Nähe gewesen wären. Sari begehrte gegen die Ungerechtigkeit Gottes auf und weinte unaufhörlich. Warum war sie, die ihr Leben gelebt hatte, sie, für die die Welt jeglichen Reiz verloren hatte, gerettet worden, während eine junge Familie hatte zugrunde gehen müssen? Dalitha war niedergeschmettert, zog sich ganz in sich zurück und wütete gegen Gott selbst. Benommen vor stummem Schmerz, vergrub sie sich in ihren Übersetzungen, versuchte verzweifelt, die Tragödie aus ihren Gedanken zu verbannen. Sie war so sehr mit sich beschäftigt, daß sie Hai zuerst überhaupt nicht verstand, als er ihr mitteilte, daß Sari von nun an bei ihnen im Haus bleiben sollte.

Er hatte das schon lange in Erwägung gezogen. Nachdem seine Mutter ihre gewohnte Umgebung verlassen hatte und zu ihnen auf den Landsitz gekommen war, war ihre Gebrechlichkeit in vollem Ausmaß offenbar geworden. Plötzlich bemerkte er, wie zögerlich ihre Bewegungen geworden waren, wie schwach ihr Augenlicht, wie bebend ihre Stimme. Und nun dieser letzte Schicksalsschlag. Wenn sie jetzt nicht liebevoll von ihrer Familie umhegt wurde, fürchtete er, würde sie ihn nicht überleben.

Sari nahm seine Entscheidung ohne Murren hin. Nachdem sie die erste Trauer über Amiras Tod überwunden hatte, verbrachte sie ihre Tage in der ruhigen Melancholie der Resignation, saß in der Sonne, um ihre alten Glieder zu wärmen, streichelte über den Kopf ihres Enkels, um ihn in seiner Unruhe zu besänftigen, hörte geduldig ihrem Sohn zu, wenn er zu ihr kam und ihr von den Zweifeln, den Verzögerungen und Enttäuschungen erzählte, die ihn bei seinen unermüdlichen Bemühungen plagten, seine Vermutungen zu beweisen. Immer wieder sagte er, die unendliche Vielfalt menschlichen Seins verwirre ihn bei seinen Forschungen zutiefst.

»Warum hat ein Mensch einen so starken Lebenswillen, daß er ihm die Kraft verleiht, um sein Überleben zu kämpfen, während der andere voller Verzweiflung ist und stirbt? Was ist mit dem Alter, was mit den Privilegierten, die wohlgenährt und in guten Häusern leben und umsorgt werden, was mit den anderen, die arm und unterernährt in den furchtbarsten Behausungen ihr Leben fristen? Und was ist mit der Liebe, die dem einen im Übermaß geschenkt wird, der Gleichgültigkeit, die anderen entgegengebracht wird? Das alles entzieht sich meiner Kenntnis, ganz zu schweigen von einem meßbaren Einfluß dieser Dinge auf meine Patienten, wenn ich auch überzeugt bin, daß all das mit entscheidet, ob sie überleben oder sterben.«

»Du verlangst zuviel von dir, mein Sohn«, antwortete Sari dann mit einem verzweifelten Seufzer. »Du hast schon so viele gerettet und so vielen anderen Trost geschenkt. Du solltest damit zufrieden sein.«

»Ich werde niemals zufrieden sein. Das blinde Vertrauen, das mir die Leute entgegenbringen, ängstigt mich. Jeden Tag erlebe ich, wie wirkungslos meine Bemühungen im Kampf gegen die Mächte ist, die gegen mich angetreten sind. Ich allein weiß, wie viele Patienten ich nicht heilen konnte, und ihre Gräber sind stumme Zeugen meiner Unfähigkeit, die Grausamkeit der Natur gegen den Menschen zu besiegen, und eine bittere Anklage gegen meine Anmaßung, das tun zu können. Je mehr Erfahrungen ich sammle, desto größer ist meine Verzweiflung über das Chaos der Schöpfung. Was für ein wundersames Geschöpf der Mensch doch ist, wie kompliziert, und doch wie vollkommen ist er zusammengefügt. Nur ein göttlicher Geist kann ihn so erdacht und geschaffen haben. Warum dann hat diese Höchste Macht, die ihn ins Leben gerufen hat, es zugelassen, daß Unordnung diese Vollkommenheit stören darf? Zu welchem Zweck hat der Allmächtige das menschliche Leid in seine Schöpfung eingeführt? Ich habe genug davon gesehen, um zu wissen, daß es bei der Verteilung von Krankheit und Leiden keine Gerechtigkeit gibt, daß nicht zwischen den Ehrenwerten und den Bösen unterschieden wird, zwischen den Aufrechten und den Verderbten. Wenn ein so vollkommenes Geschöpf ins Leben gerufen wurde, warum wurde dann die Unvollkommenheit geschaffen, um es zu zerstören?«

»Ruhig, mein Sohn«, flüsterte Sari und legte ihre inzwischen beinahe durchsichtige, von feinen Adern durchzogene Hand auf die Hand ihres Sohnes, um seine gequälte Seele zu beruhigen. »Jahrelang habe ich deinen Vater, möge seine Seele in Frieden ruhen, ähnliche Fragen stellen hören. Er hat sie mit Philosophen und Gelehrten aller Glaubensrichtungen und Religionen diskutiert. Aber selbst die weisesten unter ihnen wußten keine zufriedenstellende Erklärung abzugeben. Schließlich hat er die Frage außer acht gelassen, war es zufrieden, die Leiden, die in Gottes Schöpfung auftraten, zu lindern, wo er konnte.«

»Und den unergründlichen Plan Gottes zu vereiteln?«

»Nein, mein Sohn. Die Fähigkeiten zu nutzen, mit denen Gott ihn gesegnet hatte, um die Leiden seiner Mitmenschen zu lindern.«

»Aber warum gibt es überhaupt Leiden?« beharrte Hai störrisch. »Warum bleiben einige davon verschont und dürfen friedlich in ihren Betten sterben, während andere eine unendlich schwere Last tragen und unter schrecklichen Schmerzen sterben müssen?«

»Darauf habe ich keine Antwort. Ich bin eine alte Frau und habe gelernt, das Unabänderliche zu akzeptieren, anstatt mich dagegen aufzulehnen. Weisere Menschen als ich haben gesucht und nichts gefunden. Warum sollte ich es mir anmaßen? Ich bete nur, daß ich so ruhig aus dem Leben scheiden kann, wie ich habe leben dürfen.«

Und so war es auch. Eines Morgens wachte Hai auf und fand seine Mutter, die mit einem ruhigen Ausdruck auf dem Gesicht friedlich in die ewige Ruhe eingegangen war.

36

Nach dem Tod seiner Mutter war in Hai etwas zerbrochen. Sein Mitgefühl und seine Empfindsamkeit, die ihn zu einem großen Arzt hatten werden lassen, machten ihn nun so verletzlich, daß er den Verlust all jener, die ihm so lieb gewesen waren, nicht verwinden konnte. Es war, als hätte man ihm einen Teil seiner selbst fortgerissen und eine klaffende Wunde hinterlassen, die nicht heilen wollte. Er suchte Trost bei Dalitha, er brauchte sie so sehr, daß sie selbst aus ihrem stummen Schmerz gerissen wurde. So wie Hai anderen beigestanden, ihnen großzügig gegeben hatte, bis seine eigene innere Quelle versiegt war, mußte nun sie ihm beistehen. Ihre Traurigkeit band sie nur noch fester aneinander und verlieh ihrer Liebe, die sie schon seit Kindertagen vereinte, neue Tiefe und Reife.

Ein Jahr nach Saris Tod wurde ihr zweiter Sohn Natan geboren. In der Sorge um dieses neue Leben fand Hai den Balsam für seine wunde Seele.

Amram faßte sofort Abneigung gegen das schrumpelige, schreiende Geschöpf, das ihm seinen Platz als Dreh- und Angelpunkt des gesamten Haushalts strittig machte. Obwohl sie sich seiner Reaktion bewußt waren, konnten ihn weder Hai noch Dalitha ganz dafür entschädigen, daß nun ein Teil ihrer Aufmerksamkeit dem kleinen Bruder galt. Mit der Zeit wurde seine Abneigung eher größer, sie schwelte noch viele Jahre in seinem Herzen.

1 ... 82 83 84 85 86 87 88 89 90 ... 105
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)