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Die Zypressen von Cordoba

Электронная книга - «Die Zypressen von Cordoba». Краткое содержание книги:

Spanien im 10. Jahrhundert: Am Hof von Córdoba herrschen die Mauren. Der Kalif Abd ar-Rahman III. spürt, daß er von seinen Leibärzten verraten wird. Nur Da'ud ibn Yatom, dem Sohn des Vorstehers der jüdischen Gemeinde, vertraut er. Ihn beauftragt er, den großen Theriak wieder zu entdecken, ein Mittel, mit dem sich der Herrscher vor Schlangenbissen schützen will, vor denen er panische Angst hat. Falls Da'ud dies gelingt, wird er mit Gold überschüttet, falls nicht, droht der Kalif Da'ud und seine Familie auszulöschen …
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Genau wie er es vorhergesehen hatte, war das herrliche Reich, das der unfähige Hisham II. geerbt hatte, nach dem viel zu frühen Tod des 'Abd al-Malik, des fähigen Sohnes und Erben al-Mansurs, zerfallen. Das Gerücht ging um, der hajib sei von seinem eigenen jüngeren Bruder vergiftet worden. Dieser eitle, arrogante und vergnügungssüchtige Bruder mit Namen Sanchol, Sohn einer christlichen Prinzessin aus Navarra, zeigte ganz unverhohlen seine Verachtung für die Sitten des Moslems, als wolle er seine murrenden, von Steuern ausgebluteten Untertanen nun auch noch damit strafen. Sein letzter wahnsinniger Streich war jedoch, daß er den glücklosen Hisham zwang, ihn als Erben des Kalifentitels einzusetzen. Entrüstet erhoben sich die Bürger von Córdoba, stürzten das Kalifat in wildes Chaos. Nie wieder sollte es sich von diesem Schlag erholen. All seine riesigen Gebiete fielen an jene, die ein Schwert oder einen Säbel zu führen verstanden.

Amram verbannte die Turbulenzen der Zeit einen Augenblick aus seinen Gedanken und gab sich ganz der Freude hin, als er jenseits der gedrungenen Mauern Málagas, dessen mit dem Halbmond verzierte Türme hoch aufragten, am Strand entlangspazierte. Das Meer war ruhig wie kaum je, die Strahlen der Sonne ließen die Wasseroberfläche glitzern und schienen seine eigene gute Laune zu spiegeln. Soeben hatte er einen fabelhaften Handel zwischen einem nubischen Kaufmann, der eine atemberaubende Auswahl ungeschliffener Edelsteine anbot, und Joseph ibn Aukal, dem berühmtesten Juwelier von ganz al-Andalus, vermittelt. Wie viele andere Juden hatte Amram vor den Unruhen der Zeit Zuflucht in dem stillen Hafen gefunden, der Málaga geblieben war, ging seinen Geschäften nach und häufte ein Vermögen an. Geschickt eingefädelt, dachte Amram lächelnd, während die Sonne leicht über die kleinen Wellen tänzelte, geschickt eingefädelt, wie er die Sonne selbst den Handel hatte entscheiden lassen. Er hatte die Edelsteine aus der verschwitzten Pfote des stattlichen Nubiers in seine eigene feine, schmale Hand – Saris Hand, Hais Hand – gleiten lassen, war aus dem düsteren Schatten des bedestan ins Tageslicht getreten und hatte seine Hand ein wenig schräg gehalten, so daß die Sonne die glühenden Rubine und die festlich grünen Smaragde hatte aufleuchten und erstrahlen lassen. Innerhalb von Sekunden waren vor Joseph ibn Aukals Augen Bilder von Fassungen aus Gold und Perlen entstanden, in die er diese Juwelen einfügen würde, um sie am besten zur Geltung zu bringen. Sein einziger Wunsch war nur noch, sie als Schmuck einer Frau zu sehen, deren Schönheit allein sie überstrahlen konnte. Der Nubier war so entzückt gewesen, seine gesamte Ware an einen einzigen Käufer loszuwerden, der Juwelier so in die Betrachtung der Vollkommenheit dieser Steine vertieft, daß sie beide einwilligten, die völlig überzogene Vermittlungsgebühr zu zahlen, die Amram am Anfang verlangt, aber niemals zu bekommen gehofft hatte.

Mit dieser ansehnlichen Summe in der Tasche konnte er nun an den Kauf eines Hauses denken, am Fuß des Djabal Faro vielleicht, zwischen die Zypressen in der Nähe der Burgmauer geschmiegt. Gedankenverloren hob er eine ovale Muschel auf, deren zartes Muster sein Auge fesselte: Von der Mitte aus verliefen abwechselnd Streifen in braun, beige und weiß nach außen, verschmolzen die Farbnuancen harmonisch, strahlten in vollkommenen, rhythmischen Proportionen zum Rand hin aus, wie sie keine Menschenhand je hätte erschaffen können. Diese Vollkommenheit der Schöpfung hatte seinen Vater immer verwirrt, erinnerte er sich nun mit einer Zärtlichkeit, die wohl der Entfernung von seinem Zuhause zu verdanken war. Wenn derlei Vollkommenheit in der Welt war, was hatte sie dann getrübt? War Gott seiner Schöpfung müde oder überdrüssig geworden? Hatte er sein kapriziöses Vergnügen an Verirrungen, Unordnung, Konflikten und menschlichem Leid gefunden? Wenn das so war, wie konnte man Ihn dann als weisen, barmherzigen und allmächtigen Gott verehren, dem das Wohl der Menschen am Herzen lag? Amram legte die Muschel wieder in den Sand, gab seine fruchtlosen Grübeleien auf und wandte sich der praktischen Frage des Hauskaufs zu.

Es mußte einen Säulengang haben, mit schmalen Hufeisenbögen, durch die man auf das sich ständig verändernde Panorama des Himmels und des Meeres blicken konnte. Der Gedanke gefiel ihm. Hier in Málaga war er sicher, denn der slawische Gouverneur der Stadt, ein von einem von al-Hakams Höflingen freigelassener Sklave, hatte einen Pakt mit den streunenden Berberführern geschlossen, die ihm versprochen hatten, sein Gebiet in Ruhe zu lassen. Die Berber hatten diese Übereinkunft zweifellos aus purer Notwendigkeit getroffen: Eine friedliche Enklave, in der Handel ohne Störungen möglich war, war für sie lebenswichtig, um eine regelmäßige Versorgung ihrer Männer mit Nahrung, Waffen und Munition zu sichern, damit sie ihre Überfälle auf die Überreste des Kalifenreiches unternehmen konnten.

Ein Haus, vielleicht auch eine Frau, träumte Amram weiter, während er sich auf den Rückweg in die Stadt machte, in die massive Festung mit ihren quadratischen Türmen, die von der Anhöhe des Berges Djabal Faro auf sie herabblickte und ihren schützenden Schatten auf die Behausungen warf, die sich auf der Ebene in den Mauerring schmiegten. Das Klatschen der Wellen, der Duft des Geißblatts und Jasmins, der von den Palastgärten zu ihm herüberwehte, all das versetzte ihn in Hochstimmung.

Um so mehr erschrak er, als er gewahr wurde, wie Joseph ibn Aukal beinahe im Laufschritt über den sandigen Weg zwischen der Stadtmauer und dem Meer auf ihn zugeeilt kam, das makellose weiße Gewand um die Knöchel raffend, um sich schneller fortbewegen zu können.

»Unheil ist über deine große Stadt Córdoba hereingebrochen!« rief er, als er in Hörweite war. Er zog einen Brief aus der Tasche seiner Djellaba, wedelte wild damit in der Luft herum, während er atemlos fortfuhr: »Die Gerüchte, die während der letzten paar Tage im bedestan umgegangen sind, sind gar nichts verglichen mit der Wirklichkeit, die mir einer meiner Kunden in diesem Brief beschreibt. Die Belagerung der Stadt durch die Berber war erfolgreich. Sie zwangen die Einwohner durch Aushungern in die Knie, obwohl diese tapfer beteuert hatten, sie wollten lieber sterben, als unter Berberherrschaft gelangen. Beim Eindringen in die Stadt verübten die Barbaren dann Massaker, die sich jeder Beschreibung entziehen. Säuglinge wurden in den Armen ihrer Mütter dahingeschlachtet, ehrwürdige Theologen wurden beim Betreten ihrer Studienhäuser von hinten erdolcht, ihr weißes Haar färbte sich rostrot vom Blut, das aus ihren Wunden troff. Wenn sie von einer Frau wußten, daß sie ein Vermögen besaß, hängte man sie so lange an ihren Brüsten auf, bis sie das Versteck verriet. Was die Plünderungen angeht, so überlasse ich das Eurer Vorstellungsgabe. Sobald ein jeder Gegenstand von einigem Wert aus den Häusern der Reichen gestohlen war, setzten sie die Villen und Gärten in Brand. Alles, was von den herrlichen Wohnhäusern in den westlichen Vorstädten noch übrig ist, sind rauchende Ruinen, zwischen denen um Mitternacht die Schakale heulen.«

Amram erbleichte. »Wo finde ich das schnellste Roß von Málaga?« rief er und umklammerte den Arm des Händlers mit eisernem Griff.

»Überlaßt das mir.«

Amram legte den Viertagesritt nach Córdoba in weniger als drei Tagen zurück. Unermüdlich sprengte er durch die sanfte Hügellandschaft, blind für alle Schönheit – das zarte Grün, den hauchdünnen Schleier des Frühlings, auf den eine Vielzahl bunter Blüten gestreut war, die der erbarmungslose Sommer noch nicht hatte verdorren lassen. In seiner Bitterkeit hätte er wahrscheinlich sogar diese herrliche Pracht als zynische Täuschung betrachtet, die Schönheit der Natur als trügerische Maske, die ihre Grausamkeit verbergen sollte …

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