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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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In einem dieser Häuser und zwar im obersten Stockwerke wohnten Maria und Luigi Ferrato. Nur zwei Kammern nannten sie ihr Eigen. Der Doctor fühlte sich von der Armuth, aber auch von dem reinlichen Aussehen dieser Wohnung eigenthümlich berührt. Man erkannte hier überall die Hand der sorgsamen Haushälterin, die einst über das Haus des Fischers von Rovigno waltete.

Als der Doctor und Peter eintraten, erhob sich Maria schnell. Dann sich dem Bruder zuwendend, rief sie:

»Mein Kind!… Mein Luigi!«

Man begreift, welche Angst sie während des Sturmes in der vergangenen Nacht ausgestanden hatte.

Luigi umarmte die Schwester und stellte ihr seine Begleiter vor.

Der Doctor erzählte mit wenigen Worten, unter welchen Umständen Luigi sein Leben in die Schanze geschlagen hatte, um das dem Untergange geweihte Schiff zu retten und zu gleicher Zeit verwies er sie auf Peter, den Sohn Stephan Bathory’s. Während er sprach, betrachtete ihn Maria mit so großer Aufmerksamkeit, daß der Doctor einen Augenblick mit Recht befürchten konnte, sie hätte in ihm den Grafen Sandorf wiedererkannt. Doch war es nur ein flüchtiges Aufblitzen in ihren Augen gewesen, das bald wieder erlosch. Wie hätte sie ihn auch nach fünfzehn Jahren wiedererkennen sollen, ihn, der außerdem nur auf wenige Stunden der Gast ihres Vaters gewesen war.

Die Tochter von Andrea Ferrato war jetzt dreiunddreißig Jahre alt. Sie war immer noch schön zu nennen durch die Reinheit der Linien ihres Antlitzes und das Feuer ihrer großen Augen. Nur einige wenige weiße Haare, die sich in das schwarze Gelock ihres Hauptes mischten, besagten, daß sie mehr durch die Härten ihrer jetzigen Lebensweise als durch die lange Dauer derselben gelitten hatte. Das Alter war unschuldig an diesem frühzeitigen Weiß, welches seine Entstehung der Ueberanstrengung, den Sorgen und

An den hohen Häusern mit grünlichem Vorbau und Nischen vorüber…(S. 343.)

Schmerzen verdankte, die sie seit dem Tode des Fischers von Rovigno durchkostet hatte.

»Eure und Luigi’s Zukunft gehören von nun an uns, mit diesen Worten schloß der Doctor seine Erzählung. Sind meine Freunde nicht die Schuldner Andrea Ferrato’s geblieben? Ihr erlaubt also, Maria, daß sich Luigi von uns nicht mehr trennt?

– Mein Bruder hat in dieser Nacht nur gethan, was er thun mußte, meine Herren, antwortete Maria, und ich danke dem Himmel, daß er ihm diesen guten Gedanken eingegeben. Er ist der Sohn eines Mannes, der stets nur Eines gekannt hat, die Erfüllung seiner Pflicht.

– Und wir kennen ebenfalls nur Eines, erwiderte der Doctor, nämlich unser Recht, die Schuld der Erkenntlichkeit den Kindern desjenigen abzustatten…«

Er hielt inne. Maria betrachtete ihn von Neuem und dieser Blick drang ihm durch und durch. Er fürchtete zuviel gesagt zu haben.

»Ihr würdet Luigi gewiß nicht hindern, Maria, mein Bruder zu sein? fragte Peter Bathory.

– Und Ihr selbst habt doch gewiß nichts dagegen, Maria, wenn ich Euch zu meiner Tochter mache?« setzte der Doctor hinzu und reichte Jener die Hand.

Maria mußte nun ihr Leben seit ihrem Auszuge aus Rovigno schildern, wie ihr dort das Spioniren der österreichischen Agenten das Leben unerträglich machte, warum sie den Gedanken faßte, nach Malta zu übersiedeln, woselbst Luigi Gelegenheit fand, sich zum Seemann auszubilden und nebenbei das Gewerbe als Fischer zu betreiben, wie sie die vielen Jahre zugebracht hatten, in deren Verlauf sie gegen das Elend ankämpfen mußten, denn ihre schwachen Hilfsmittel waren nur zu bald erschöpft.

Doch Luigi wetteiferte an Kühnheit und Geschicklichkeit bald mit den Maltesern, deren Ruf ein äußerst guter ist. Ein vortrefflicher Schwimmer wie sie selbst, hätte er sich mit dem berühmten Nicolo Pesci messen können, aus La Valette gebürtig, der, wie man sagt, Depeschen von Neapel nach Palermo überbrachte, indem er das Aeolische Meer durchschwamm. Luigi besaß auch große Geschicklichkeit in der Jagd auf wilde Tauben und Gewittervögel, deren Nestern man bis in das Innere jener unermeßlichen Grotten nachgeht, welche die Brandung des Meeres so gefährlich macht. Ein kühner Fischer, hatte er sein Boot noch nie vor einem Windstoße geborgen, wenn es sich darum handelte, seine Netze oder Leinen auszuwerfen. Daher kam es auch, daß er in der vergangenen Nacht auf der Rhede von Melleah gerade Zuflucht gesucht hatte, als er die Signale der in Noth befindlichen Dampf-Yacht vernahm.

Doch in Malta herrscht ein so großer Ueberfluß an Seefischen, Seevögeln, Mollusken, daß ihr billiger Preis die Fischerei wenig ergiebig macht. Trotz seines Eifers hatte Luigi Mühe genug, den kleinen Haushalt mit dem Nöthigsten zu versorgen, wenngleich auch Maria ihm durch Anfertigung von Nähereien zu Hilfe kam. Daher hatte man, um das schon auf das Aeußerste beschränkte Budget nicht völlig zu belasten, eine Wohnung im Manderaggio nehmen müssen.

Während Maria ihre Geschichte erzählte, kehrte Luigi, der inzwischen in sein Zimmer gegangen war, mit einem Briefe in der Hand zu den Uebrigen zurück. Dieser enthielt die wenigen Zeilen, die Andrea Ferrato noch kurz vor seinem Tode geschrieben hatte:

»Maria, so lauteten sie, ich empfehle Dir Deinen Bruder! Er wird bald nur noch Dich auf Erden haben. Ich empfinde kein Bedauern über das, was ich gethan habe, liebe Kinder, vielleicht nur darüber, daß es mir nicht gelungen ist, durch Aufopferung meiner Freiheit und meines Lebens die zu retten, welche sich mir anvertraut hatten. Was ich gethan habe, würde ich gern nochmals thun. Vergeßt nie Euren Vater, der noch im Tode Euch seine letzten herzlichen Gefühle übermittelt. Andrea Ferrato.«

Peter Bathory war nicht im Stande, während der Verlesung dieses Briefes seine Betrübniß zu verbergen, während der Doctor Antekirtt den Kopf abwendete, um sein Gesicht den Blicken Maria’s zu entziehen.

»Luigi, sagte er dann mit absichtlicher Barschheit, Euer Boot ist heute Nacht durch den Anprall an meine Yacht in Stücke gegangen.

– Es war schon alt, Herr Doctor, erwiderte Luigi, und für jeden Anderen würde sein Verlust kein großer sein.

– Das mag sein, Luigi, doch müßt Ihr mir schon erlauben, es durch ein anderes zu ersetzen, und zwar durch das Schiff selbst, welches Ihr gerettet habt.

– Wie?

– Wollt Ihr zweiter Officier an Bord des »Ferrato« sein? Ich könnte einen jungen, thätigen Menschen und tüchtigen Seemann schon gebrauchen

– Nimm an, Luigi, nimm an! rief Peter.

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